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Die Stimme · 1935-03-22 · Heft 436 (22.3.1935) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 436 (22.3.1935)
Date
1935-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 OIC STIMME Nr. 436 — 22. März 1935 % \ 4 \\ tf sich dort in erfreulicher Klarheit zeigen, nicht begrüßt. Über die auswärtige Politik finden sieh im Programm mir wenige zerstreute Bemerkungen. Sie reichen zwar aus. um den Kundigen zu zeigen, wohin der Weg führt, sind aber doch unklar genug gehalten, um der breiten Menge Geheimnisse nicht zu offenbaren und um Unangenehmes zu verdunkeln. In der Bekämpfung des Revisionismus findet sich die interessanto Stelle, daß dem Revisionismus ..eine Schwäche in der Zügelung der Triebe“ zum Vorwurf gemacht wird. Warum sagt man nicht, welche Triebe der Revisionismus zügeln sollte. Wenn etwa die agitatorische Zügellosigkeit, die demagogische Art, das Bestreben des rückhaltlosen Betreibens ihrer eigenen Politik gegeißelt werden sollte, so könnte man hierüber zu einer Verständigung gelangen. Offensichtlich aber handelt es sich nicht darum. Die Antwort liegt auf anderem Gebiet. Daß der Zionismus a.uf Durchführung des Mandats besteht, daß er seine Verwirklichung von allen Seiten verlangt, daß er auf den Judenstaat hofft, ist offenbar der Trieb, der der Kidmah nicht gefällt, und daß diese Triebe nicht gezügelt werden, also daß man die zionistische Forderung nicht herabsetzt und verkleinert, wird als Schwäche angereohnet. So ist es auch zu verstehen, wenn von einer „dauernden engen Kooperation mit der Mandatarmacht“ die Rede ist. Kooperieren kann man bekanntlich nur, wenn beide Teile über die Operation einig sind. In diesem Falle aber bedarf es keines Vorgehens. Was der Zionismus verlangen muß, ist, daß die Mandatarmacht auch da, wo sie nicht kooperieren will und ganz besonders da auf Ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen hinge wiesen werden muß. Einer Exekutive sind die höchsten Rechte des jüdischen Volkes anvertraut. Sie wird sie gewiß in erster Linie durch Kooperation wahren und sichern können. Das letzte Mittel der Politik aber ist nicht die Kooperation, sondern die im Hinblick auf die völkerrechtlichen Garantien selbstbewußt zu erhebende Forderung. Sie muß mit allen zuläsigen Mitteln, auch durch den Druck der öffentlichen Meinung, auch durch Anrufung des Völkerbundes erhoben werden. Was wir in dem Programm der Kidmah vorfinden, ist die bei den Trägern der Kidmah seit langem bekannte Verziohtspolitik. Der „unbeugsame Wille“, den auch die Kidmah hervorhebt, darf nicht bloß nach innen d«r Bekämpfung chauvinistischer Tendenzen dienen, sondern vor allem dem Kampf für die Verwirklichung der Rechte des jüdischen Volkes. Die Kidmah bezeichnet sich immer noch als eine Gruppe der Allgemeinen Zionisten. Trotzdem findet sie die schärfsten Worte gerade gegen die Allgemeinen Zionisten. Sie glaubt, diese Partei am schnellsten bekämpfen zu können, wenn sie ihr politisches Ziel als revisionistisch verketzert. Die Allgemeinen Zionisten mißbilligen sehr scharf die Methode und Taktik der Revisionisten und deren Einstellung zur zionistischen Disziplin. Wenn man aber das politische Ziel, wie es auch in den vorstehenden Ausführungen geschildert ist, als revisionistisch bezeichnet, so wird selbst diese Bezeichnung TREFFER ANLEIHE POLIZZEN t»|M Momüp/Ww I mm I RABENSTEIG^ JIIMMELPFORmS SÄMTLICHE ARTIKEL IH WASCHE UND WIRKWAREN SPOTTBILLIG! FÜHREND IH ETERNA- HEMDEN (von S 680 aufw.) wmmmmmmmmmmmmmmsammgmmmmmammmmmmmm die Allgemeinen Zionisten von dem Kampf um ihr Recht auf Grund der Balfour-Deklaration nicht abbringen können. Die übrigen Vorwürfe sind so lächerlich und der Wahrheit so widersprechend, daß es sich nicht lohnt, näher auf sie einzugehen. Um denjenigen. die den Programmentwurf nicht zu Augen bekommen haben, ein Bild von der Art der Waffen zu geben, mit denen Kidniah kämpft, sei der letzte Satz des Entwurfes wörtlich wiedergegeben. Er lautet: ..Kidmah hat nichts gemein mit der zu einer reinen Interessenvertretung gewordenen Gruppe Allgemeiner Zionisten, deren politisches Ziel revisionistisch, deren wirtschaftliche Ziele anarchistisch, deren sozialen Braunthal hetzt in Palästina Jerusalem, 20. März. (2. T. Ä.) Auf der Konferenz der Mapai in Chedera hielten der aus Prag nach Palästina gekommene Führer der russischen Sozialisten-Revolutionäre und Präsident der Ersten russischen Konstituante nach der Revolution Victor Tsehernow und der aus Österreich nach Palästina ausgewanderte sozialdemokratische Führer Julius Braunthal, bisher als extremer sozialistischer Assimilant bekannt, Ansprachen. Brannthals Rede trug den Charakter eines neuen Bekenntnisses. Er erklärte, der westliche Sozialismus sei betreffend die jüdische Renaissancebewegung vollkommen unwissend; ebenso wenig weiß dieser Sozialismus von der Bildung eines neuen sozialen Organismus* haut an der arabischen Wüste, eines Organismus, der später eine sozialistische Gesellschaft sein wird. * •Hieziu bemerken wir: Was hat der aus dem Judentum desertierte Herr Braunthal bei der Mapai zu tun? Identifiziert sich die Arbeiterpartei mit einem jüdischen Renegaten? Die vorliegende Meldung sollte endlich der zionistischen Öffentlichkeit, insbesondere jenen Allgemeinen Zionisten die Augen öffnen, die bedenkenlos Mapai und Histadruth in Schutz nehmen. Wir brauchen in Palä- Ziele arbeiterfeindlich sind und deren menschliche Haltung den Idealen eines versunkenen liberalen Kleinbürgertums entspricht., das die Herrschaft der nationalen Gemeinschaft Uber den Einzelnen ablehnt.“ Jedes weitere Wort könnte die Kritik nur abschwächen. Allee in allem hat man es mit einer Neugründung au tun, bei der nur der Mantel neu ist, während sowohl die Träger als auch der Inhalt uns allen längst bekannt sind. Sie haben bisher e»s nicht vermocht, den Zionismus von seinem klaren Weg abzubringen. Es wird keiner sehr großen Anstrengung bedürfen, um auch die jüdische Zukunft vor ihnen zu retten. stina keine russischen Sozialisten - Revolutionäre und keine jüdischen Renegaten und eine sozialistische Gesellschaftsordnung nach Otto Bauers und Braunbhals Muster schon gar nicht. Hier liegt die große Gefahr für Palästina. Sich dir entgegenzustemmen und einer getarnten und heuchlerischen Propaganda ein Paroli zu bieten muß die Sorge aller Zionisten sein, die Palästina zu einem Jüdischen Nationalheim und nicht zu einer Filiale einer Roten Internationale machen wollen. 16 Jahre jüdische Einwanderung nach Palästina Jerusalem (Pailcor). Der Leiter der Statistischen Abteilung der Jewish Agency in Jerusalem, Herr D. Gurewitech, hat eine größere statistische Arbeit über die jüdische Einwanderung nach Palästina in den 16 Jahren nach dem Weltkriege, von 1919 bis Ende 1934, verfaßt. In diesen 16 Jahren, seit Beginn der jüdischen Einwanderung nach dem Kriege, sind 198.035 jüdische Einwanderer nach Palästina gekommen. Das Jalir der bisher größten jüdischen Einwanderung nach Palästina war das letzto Jahr, 1934, mit 42.359 Einwanderern. Es ist interessant, daß allein im Jahro 1934 fast ebensoviel Einwanderer nach Palästina! kamen, wie in der ganzen sechsjährigen Periode von 1919 bis Endo 1924. All diese Ziffern umfassen nur die legalen jüdischen Einwanderer und diejenigen Touristen, die von ■der Regierung die Erlaubnis erhielten, legal im Lande zu bleiben. Die Zahl dieser Touristen betrug in den 16 Jahren 18.070 Personen. Hotel (orstinental, II., Taborstr. 4 Sonntag, dm £4. März, %9 Uhr abends MnkfeMsanb Deutsch Begründer und Regisseur der Jüdischen Volksbühne Restliche Karten an der Abendkassa Die Bevölkerungszunahme Palästinas im Jahre 1934 Laut den im „Commercial Bulletin“ veröffentlichten Zahlen hatte Palästina in den ersten elf Monaten dos Jahres 1934 infolge des Zustrome von Einwanderern und Besuchern einen Bevölkerungezuwachs von durchschnittlich 4000 Menschen pro Monat zu verzeichnen. In diesem Zeitraum sind 164.248 Personen in Palästina eingereist und 121.387 ausgereist. Die im Lande Verbliebenen waren bis auf 4511 Personen Juden. 43.410 Palästina-Einwohner verließen Palästina — zum großen Teil nur vorübergehend —, 42.042 kehrten zurück. In beiden Fällen handelt es sich in der großen' Mehrheit um Nichtjuden. Die Zahl der eingereisten Touristen, Pilger und Diirchreisendien betrug 61.878; wieder ausgereist» sind von dieser Kategorie 57.327 Personen;; ein Drittel von ihnen waren Juden. Tel-Aviv reicht bereits über den Jarhon In den letzten Tagen wurde im Tabu- Amte für die Registrierung von Bo denk auf ■der formelle Kauf einer Fläche von einigen' hundert Dimarn im Norden Tel-Aviv« jenseits des Jarkon du rohgeführt, und der Boden ging in jüdischen Besitz über. Mit dieser Erwerbung beginnt Tel-Aviv, sich auch jenseits des Jarkon auszudehnen. Kinoprogramme derWodie KREUZ -KINO WritS Vom 22. bis 25. Mürz 1935 Prolongiert I TADZAN I HK AMH^i und sein Kamerad _Beginn: 4, V,6, V,8, 7,10 Uhr Leopoldstfidier Volkskino Telephon8Rr4^-0-23 7* Vom 22. bis 25. März 1936 Schlager- Programm Wochentags 7j°» 7*9» 7*10 Uhr, Sonn- und Feiertag 7a4 Uh» RemMf-Kino Telephon A 44-0-35 Vom 22. bis 25. März 1035 BOLERO (in deutscher Sprache) Wochenlugs: 7>0, 7*8. 9 Uhr, Sonntag: 4, V«0. 7>8. 7ö° Uhr ““ - — - ix., Wührlngerstraße 12 Telephon A 18-3-96 Vom 22. bis 25. März 1935 Die. Löwen von Hollywood Täglich: 4. %6, ‘1,8, V.10 Uhr Palästina, die Sehnsucht der Konfessionslosen und Getauften Die Prosperity Palästinas bringt Antisionisten und sogar jüdische Renegaten ins Land. So hat der konfessionslose Herr Braunthal, wie allerdings versichert wird, mir als Tourist ins Land gefunden. Ein ebenfalls aus dem Judentum davongelaufener Wiener Uuiversitäteprofessor hat, offenbar ans Überzeugung, zum Judentum zurückgefunderi und fuhr, auegestattet mit den Empfehlungsbriefen seines streng orthodoxen Onkele. nach Palästina, wo er sich einen großen Patientenstock gründete. In letzter Zeit geht eine protestantisch gewordene Schriftstellerin bei Wiener Zionisten herum und verlangt Empfehlungsbriefe für Palästina. Daß sie keine Empfehlungsbriefe bekommt, versteht sich von selbst. Palästina, die Sehnsucht der getauften und konfessionslosen Juden, das heißt nicht Palästina, sondern das Land, wo man noch verdienen kann! Haben wir für diese Herrschaften Palästina aufgebaut? Als besonderes Kuriosum verdient' folgender Fall vermerkt zu werden: Ein getaufter Wiener Jude, der trotz der Taufe in seinem Berufe nicht weitergekommen ist, wandte sich um Auskunft über Palästina an einen Wiener Zionisten. Er bekam zur Antwort: „Palästina Ist keine Konjunkturangelegenhelt für getaufte Juden.“ Die Replik auf diese Abfuhr war ein wütender Brief, dem wir folgende charakteristische Zeilen entnehmen: ,,-Mau ist noch lange kein ,abtrünniger“ Jude, wenn man aus der Religionsgemeinschaft aus naturwissenschaftiich-anschauliohen Gründen Austritt, ist selbst kein .abtrünniger* Jude, wenn man gezwungen ist, pro forma eine andere Konfession anzunehmen.“ „—-Sie sollten wissen, daß es überhaupt nur eine Religion gibt, und zwar die, in der alle Menschen sich gleich sind: in der Menschlichkeit. Man muß — um Ihre Stellung in der Judenfrage zu verstehen, wohl Nationalsozialist sein, dann deckt sich alles: die Anschauung, die Borniertheit, die Aggressivität, Intoleranz und Rohheit der Sprache-“ „Jude 'sein, ist für mich ein vorwiegend biologischer Begriff, ist eine geistig-seelisch-körperliche Struktur, aus der man nicht heraus kann, nicht heraus will, zu der man sich jederzeit sogar stolz bekennt — auch aktiv! —, wie ich es tue. Welcher Kirche man dabei angehört, von der man ja auch keinerlei wie immer gearteten Gebrauch macht — ist ganz nebensächlich. -“ „Ihre Auffassung vom Judentum ist. nichts anderes als jüdischer Nationalsozialismus (Einheit von Blut und Boden und Urreligion) und daher völlig amoralisch. Nach diesen Erklärungen würde Ich Sie ersuchen, Ihre auf mich gemünzten, präpotenten Bemerkungen von JConjunkturangelegenheit* und »abtrünnigen* Juden zuritekzuziehen.“ Dieses Kulturdokument wollen wir 'der Öffentlichkeit nicht vorenthalten. Wir möchten aber daran die Frage knüpfen, ob es nicht hoch an der Zeit wäre, daß man sich in Palästina diese konfessionslosen und getauften „guten Juden“ und „Zionieten“ etwas näher aneieht. Histadruth Ivrith-Zlonisliicher Landesverband JUdlsch«Akademlsche Verbindung „ Samstag, den 23. März 1935,8 Uhr abends, Festsaal des Hotel Continental, II.,Taborstr. 4 für Pesterreich „KADI H AH« GROSSE PEREZ-SMOLENSKINGEDENKFEIER anlässlich seines CONPIIQITIN todiitaqis .PROGRAMM: ErOffnung: Dr. Oskar Grtlnbauna, Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Österreich.— Dp. David. Rothblum, Präsident der Histadruth Ivrith (hebräisch) s „Smolenskln als Selirlttsteller.“ — Dr. Z. F. Fiukelstelp: „Smolenskln als Vorlauter Herzls.“ — Dr. M. N. Suhniror: „Ei-inncrnufjeu.“— Mitwirkend: Violinvirtuose Kurt Fuehsgelb und Klaviervirtuose Walter Robert Spitz. — Karten zum Preise von 50 j bis 2 S: Zionistischer Landesverband, I., Marc-Aurel-Slrnße 5, U 22-2-U; Jüdische Kunststelie, II., Aspernbrückengasse 2, R 48-2-01; Bücherstube Rath, R., Taborstrafie 20 a, R 45-305; Hotel Continental, II., Tnborstraßo 4, R 47-5-00: Bücherstube R. Lewlt, I., Woll/.elle 0, R 21-1-20; Bücherstube Lanyi, L, Kürutueratraße 44, B 25-0-75; Histadruth Ivrith, II., Kleina Mohrengasse 9. * J ' 17870680

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