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Die Stimme · 1935-03-22 · Heft 436 (22.3.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 436 (22.3.1935)
Date
1935-03-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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D» STIMM! Sott« 3 Vasdialik-lnsUtCU nimmt seiht T-äUgUeit auf Vor einigen Tagen fand in Jerusalem die erste Sitzung des Kuratoriums des Bißlik- Instituts statt. An der Sitzung nahmen als Vertreter der Exelmtive des Jewish Agency D. Ben-Gurion und J. Grünbaum, als Vertreter des Hebräischen Schriftstellerverbandes J. Fichmann, als Vertreter des Waad Balaschon Professor Torczyner, als Vertre ter des Keren Hajessod Leib Jaffe und für den Waad Leumi l. Ben-Zvi teil. Der dritte Vertreter der Jewish Agency im Kurato rium des Intstituts, Dr. Schmarjahu Levin, nahm infolge seiner Krankheit an der Sitzung nicht teil. Bei Eröffnung der Sitzung teilte Herr Grünbaum den Beschluß der Exekutive der Jewish Agency mit, zu Ehren Chaim Nachman Bialiks ein Institut zu schaffen, dessen Aufgabe es sein wird, eine umfassende Tätigkeit auf dem Gebiete der hebräischen Kultur, Sprache, Literatur, Wissenschaft und Kunst zu entfalten. Zu diesem Zweck habe die Exekutive in ihr Budget für 5695 einen Betrag von 5000 Pfund eingesetzt. Die Exekutive rechne damit, daß es möglich sein werde, für das Bialik-lnstitut weitere öffentliche Mittel zu mobilisieren, um seine Tätigkeit zu erweitern. Die Exekutive werde ferner dem nächsten Zionistenkongreß vorschlagen, in das zionistische Budget der kommenden Jahre bestimmte Posten für das Institut einzusetzen. Das Kuratorium, das das Bialik-lnstitut leiten werde, werde aus drei Vertretern der Jewish Agency und je einem Vertreter des Keren Hajessod, des Waad Leumi, des Schriftstellerverbandes und des Waad Halaschon bestehen. Herr Grünbaum legte auch den Entwurf eines Statuts für das Bialik-lnstitut vor, der noch durch die Exekutive der Jewish Agency zu bestätigen ist und schlug vor, die Tätigkeit des Instituts mit folgenden Arbeiten zu eröffnen: 1. einer Geschichte der Juden Palästinas von der Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels bis zum heutigen Tag („Sefer Hajischuw,<); 2. einem Werke über den Zionismus („Sefer Hazionut“ ) in fünf Bänden, einer Auswahl aus den besten Werken der zionistischen Literatur von der Emanzipationszeit bis zum heutigen Tag; 3. der Herausgabe eines Bialik-Buches („Sefer Bialik“), eines Sammelbuches für Literatur- und Bialik-Forschung, das einmal jährlich erscheinen soll; 4. der Herausgabe eines der Werke des Maimonides im Zusammenhang mit seinem 800. Geburtstag; 5. der Förderung der Tätigkeit des Waad Halaschon zur Erweiterung der Erforschung der hebräischen Sprache. Am Schlüsse der Sitzung wurde eine Reihe von Beschlüssen angenommen, darunter einer über die Festsetzung der Grundsätze, nach denen die literarischen Jahrespreise verteilt werden sollen und einer über die Herausgabe des Bialik-Buches, des „Sefer Hajischuw“ und des „Sefer Hazionut“. (Palcor.) Trumpeldor-Gedenhfeier in Tel- Chaf Jerusalem, 19. März. (Z. T. A.) Trotz des stürmischen Wetters haben sich mehr als 1000 Personen, Arbeiterparteiler lind Revisionisten, am 16. März, dem Todestag von Kapitän Trumpeldor, der 1920 bei der Verteidigung der Kolonie Tel-Chaj gegen arabische Plünderer mit einer Reihe jüdischer Arbeitskameraden gefallen ist, zu einer Gedenkfeier in Tel-Chaj versammelt. Am Abend des 16. März fand am Schauplatz des heldischen Kampfes Trumpeldors und seiner Kameraden eine Gedenkfeier statt, bei der Vertreter verschiedener Richtungen Ansprachen hielten. — Mit Trumpeldor fielen fünf seiner Mitkämpfer, unter ihnen zwei Mädchen. Rishon le Zion nur dieser Name bürgt für Editheit und Güte beim Einkauf von Palästina »W ein ' ' <" % ........ , .............. VEREINIGTE GROSSKELLEREIEN RISHON LE ZION Von Or. Max Kol Genscher ,TeS-Aviv) Arbeitskleidung GEGR.1903 ArvtemüiiUI « Modelle BUromHntel » " W nach MiB I., Marc-Aurelstraße 3( Telephon (121-6-96 Eingang Stemgasee Straßenbahn: SalztorbrUoke, Autobus: Hoher Markt (Die offiziöse Korrespondenz der Exekutive „Palcor“ und die ,Jüdische Rundschau“ versuchen den Eindruck zu erwecken, als ob hinter Kurt Blumenfelds Kidmah alle deutschen Zionisten, insbesondere in Palästina stehen. Es wird daher unsere Leser interessieren, was. Dr. Köllenscher, der eine starke uppositionsgruppe gegen die Kidmah führt, zu dieser überflüssigen und schädlichen Gründung zu sagen hat. Die Red.) ln dem Zeitpunkt, in dem die ganze zionistische Welt mehr denn je des öden Parteigezänkes müde ist und sich nach innerora Frieden sehnt, in dem Moment fast, in dem die extremen Parteien von links nach rechts sich zur Versöhnung die Hände reichen, hält es eine Gruppe deutscher Zionisten für ratsam, eine neue Partei zu gründen. Auf Verständnis in der Öffentlichkeit hätte diese Gruppe vielleicht aber auch nur dann rechnen können, wenn zwei Voraussetzungen gegeben wären. Die erste müßte sein, daß die neue Organisation mit dem Anspruch aufgetreten wäre, durch eine Zusammenfassung von Splittergruppen einen wirklich starken Block zu schaffen, der über alle Kleinlichkeiten, Schattierungen und Nüancierungen hinweg das Panier der politischen Einigung al3 einziges großes Ziel erhoben hätte. Die zweite Voraussetzung wäre, daß man diesen Anspruch nach der Persönlichkeit der Schöpfer der Organisation und nach dem sittlichen Ernst und dem politischen Inhalt ihres Programmes als erreichbar und begründet ansehen müßte. Beide Voraussetzungen treffen auf die Kidmah — so nennt sich diese neue Partei — nicht zu. Nach den Erklärungen, die von dieser Gruppe bisher in der Öffentlichkeit Vorlagen, war schon ein hohes Mißtrauen begründet. Die Männer an der Spitze, insbesondere ihr geistiger Führer, Herr Blumenfeld, sind als Menschen bekannt, die niemals den Willen zu einem nationalen Zusammenschluß größten Stils besessen und gezeigt haben; sie haben vielmehr das di vi d e et imp e r a immer so aufgefaßt, daß sie Keile in bis dahin geschlossene Reihen getrieben haben, einheitliche Fronten gesprengt haben, um über Splitter um so sicherer und unumschränkter herrschen zu können. Menschen dieser Linie sind schon an sich wohl geeignet, ein neues Parteigrüppchen zu erzeugen, um an dessen Feuer ihr Süppchen kochen zu können, sie sind aber nicht geeignet, den Weg zu einer großen politischen Linie zu finden. So weit man nach den bisherigen Verlautbarungen von einem Programm sprechen konnte, war es nicht auf Synthese und Konkordanz gestimmt, sondern vielmehr auf Zersetzung und Auflösung, Schon im Vorstadium vor ihrer Gründung war die Gründung im jüdisch-nationalen Leben ein Ferment der Zersetzung. Jetzt ist ein schriftliches Programm erschienen. Nach dem deutschen Text, der mir vorliegt, dem eine hebräische Fassung noch folgen soll, sind die schlimmsten Befürcb tungen gerechtfertigt. Sieht man von den mehr oder weniger schönen Phrasen ab, die der Entwurf ent hält, so kann man in seinem Inhalt nur 'ein sehr unseriöses Unternehmen erkennen, das, wenn ihm auch nur einige Erfolge be* schieden sein sollten, einen sehr großen Schaden anriohten kann. Zunächst ist die ganze Betrachtungsart und Ausdruoksweise eine völlig unjüdische, ein Produkt der' Assimilation an das Deutschland Hitlers. Der „autorat.ive“ Staat steht im Vordergrund des Ganzen und bildet die ’Grunlage für das gesamte Programm. Als totaler Staat ist er zugleich auch Diktator der Wirtschaft. Er ist der Führer der Wirtschaft und hat sie planmäßig und zentral zu leiten. Wäs sich im Wirtschaftsleben etwa nebenher regen sollte, ist „Anarchie*1. Alle Parteien sind dem Untergang geweiht — das sagen die Menschen, die eben gerade eine neue Partei gründen wollen. Eine einzige Gewerkschaft, die politisch neutral sein soll, ist zugelassen. Das Wahlrecht zum zionistischen Parlament muß geändert werden. Von der versunkenen Welt liberaler Ideen — schade, daß es nicht gar „liberalistischer“ Ideen heißt — wird im Tone des Leichenredners gesprochen. Hitler als Reorganisator des Zionismus! Warum sollte auch nach Meineke und Stapel nicht einmal er herankommen können! In Deutschland war man von dem Kreise der jetzigen Kidmah immer gewöhnt, jede literarische staatepolitische Neuerscheinung auf den Zionismus angewandt zu sehen. Daß dieses System bis zu Hitler gehen würde, hat man freilich nicht erwartet. So wird das jüdische Volk von Zionisten zur Assimilation geführt. Nun zu den Einzelheiten. Ob die Kompetenzen zwischen Kongreß und Aktionskomitee anders als bisher geregelt werden sollen, braucht keine grundsätzliche Frage zu sein. Man wird praktische Vorschläge objektiv prüfen können. Bisher liegen sie freilich noch nicht vor. Etwas ganz anderes ist es schon, wenn in einem dürren Satz gesagt wird, daß eine Reform des Kongreßwahlrechts gefordert wird. Was verbirgt sich hinter dem so neutralen Wort Reform? Bisher waren wir Zionisten immer stolz darauf, daß wir im Judentum das Prinzip der Repräsentation durch Notabein abgeschafft haben. Wir waren stolz darauf, daß wir an seine Stelle die Demokratie für die Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts mit dem Proporz gesetzt haben. Soll dieses System zu Grabe getragen werden, bloß weil die Demokratie in gewissen europäischen Kreisen nicht mehr beliebt ist, oder weil der Verlauf einiger Kongresse gewissen Menschen nicht gefallen hat? Das jüdische Volk wird nicht daran denken, dieses Palladium seiner 9egen ka£te und nciMe yä/Je, Bii rgii-Fußbad von ufohltuender.angenehmer Wirkern# Freiheit aufzugeben und wird gegen dieses gesicherte Freiheitsrecht auch nicht die „geistige Freiheit“ eintauschen wollen, die sich die Kidmah von der formalen und inneren Disziplin verspricht. Entsprechend der verlangten wirtschaftlichen Allmacht des Staates — „Staat“ ist hier immer die zionistische Organisation, der Staat auf dem Wege — soll ein Wirtschafterat gebildet werden, dem die Leitung der nationalen wie der freien Wirtschaft obliegen soll. Der Wirtschaftsrat hat an sich kaum den Reiz der Neuheit. Es hat schon oft eine gleichartig“ Stelle gegeben, wenauch vielleicht der Name nicht immer derselbe war. Neu dürfte aber die Forderung sein, daß dieser Wirtschaftsrat auch die freie Wirtschaft zu regeln hat. Offenbar sind sich die Verfasser des Programmentwurfs entweder über die Bedeutung der freien Wirtschaft im Aufbau des Landes nicht klar, oder sie wissen nicht, was sie fordern, wenn sie aus der freien Wirtschaft eine unfreie, gebundene machen wollen, die zu jeder Maßnahme der Zustimmung einer behördlichen Stelle bedarf. Palästina ist, so bedeutsam die Hilfe der öffentlichen Wirt-, schaft war, doch durch die freie Wirtschaft, durch die Privatinitiative aufgebaut worden. Sie stellt noch heute den neben der Arbeit gleichberechtigten Faktor des Kapitals dar und ist für den Fortschritt des Aufbaus nicht zu entbehren. Sie bildet gerade, wenn man von den realen Faktoren ausgehen darf — und die Kidmah verlangt ja Realpolitik —, ein lebenswichtiges und nicht auszuschaltendes Stück der Verfassung. Vielleicht dürfen die Väter der Kidmah auf einen Autor verwiesen werden, der ihnen bestimmt nicht verdächtig erscheint; auf Ferdinand Lassalle und insbesondere auf seine berühmte Verfassungsrede. Sie werden daraus lernen, daß Verfassungen nicht durch Gesetze und noch weniger durch Parteiprogramme gemacht werden, sondern nur durch Realitäteu, durch die effektiv vorhandenen Werte und Güter, durch die im Lande arbeitenden ’ und schaffenden Kräfte Erlösung von der täglichen Qual ist die sanft-scharfe und nicht durch künstliche Doktrinen. Eis wird schon dabei bleiben müssen, daß es den öffentlichen Stellen obliegt, die allgemeinen Bedingungen für die Entwicklung und den Ausbau des Landes und seiner Wirtschaft zu setzen, daß aber die Ausführung der realen Dinge selbst einer freien Wirtschaftsführung überlassen bleiben muß. Zum Wirtschaftsprogramm gehört wohl auch die bereits erwähnte Forderung einer einheitlichen und politisch neutralen Gewerkschaft. Daß die bestehende starke Gewerkschaft nicht politisch neutral ist, dürfte auch der Kidmah nicht verborgen geblieben sein, ebenso wirjl sie wissen, daß weitere, wenn auch nicht gleich mächtige Gewerkschaften vorhanden sind. Wie 6oll das Programm in dieser Beziehung durchgeführt werden? Man wird doch nicht etwa glauben, daß die vorhandenen Gewerkschaften Selbstmord begehen werden, um das Feld für die neutrale Nachfolgerin freizumachen. Man wird auch ebeusowenig etv warten können, daß die bestehenden Orga* nisationen sich das Mark aus den Knochen blaßen lassen werden, um sich der Kidmah zuliebe zu neutralisieren. Was über den Ar* beitsmarkt gesagt wird, ist ausführlicher, viel prägnanter und mit einem viel größeren Anspruch auf Verwirklichung in dem dritten Teil des „Heskem“ gesagt worden, der zwischen denbeteiligten Stellen geschlossen worden ist. Es fällt sehr auf, daß das Programm der Kid mäh hierauf mit keinem Wort Bezug nimmt und die Verwirklichung ihrer eigenen Grundsätze, die :: i

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