Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 436 (22.3.1935)
- Date
- 1935-03-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIB STIMM! Nr. m - 22. MSrz RS8 ftl' r 'ir tiberlebt. Wir werden auch den Nationalsozialismus überleben. Die Zukunft wird eß beweisen. Eine drangvolle Gegenwart erinnert uns immer stärker daran, was wir der Welt gegeben haben. Die sittlichen Grundlagen der Menschheit haben wir geschaffen. Das weiß auch der Katholizismus, der heute dem Ansturm des Neuheidentunis ausgesetzt ist. Der katholische Staat Österreich ist heute der Prüfstein für die abendländische Kultur. Österreich iet der letzte Damm, an dem die braune Flut zerschellen kann. Der Satz; Austria erit in orbe ultima“, hat jetzt seine Prüfung zu bestehen. Ee wird nicht zuletzt von der Behandlung der Judenfrage in Österreich abhüngen, ob dieser alte österreichische Wahlspruoh siegreich bleibt. Restaurant Rillet W3 Bestrenommierre Küche "UPS Reichhaltige Menüs iS 1*90 u. 2*60 Schwechater Brau IL, Hamtnerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke Telephon A 41-0-25 Neuer politischer Kurs in Ungarn? Prag, 19. März. (2. T. A.) Ungarn steht gegenwärtig im Zeichen der Wählen. Der frühere Ministerpräsident Bethlen warf in einer Rede Gömbös vor, er habe die Rassenschutz-Partei wieder ins Leben rufen wollen. Bethlen fügte hinzu, ein Wiederaufflammen des Antisemitismus sei zurzeit unmöglich, weil Ungarns wirtschaftliche. und finanzielle Lage im gleichen Augenblick zusammenbrechen würde. Ähnliche Methoden des Nationalsozialismus hatten Deutschland in eine Isolierung geführt. Ungarn würde aber eine solche Isolierung nicht ertragen. Es sei zu befürchten, daß die tausendjährige ungarische Verfassung zu einem Versuchskaninchen gemacht würde, um bizarre, aus dem Ausland Importierte Ideen anzuwenden. Antisemitische Flugblätter an der Prager deutschen Universität Prag, 18. März. (2. T.A.) ' An einigen Instituten der Prager Deutschen Universität wurden, als der Saal zur Projektion verdunkelt wurde, plötzlich politische Flugblätter verteilt. Darin heißt es: „In letzter Stunde rufen wir euch auf: zur Rettung der Deutschen Universität in Prag! Die Verjudung der Professoren der ältesten deutschen Hochschule ist bereits unerträglich geworden. An der philosophischen Fakultät lehren 20 Prozent jüdische Professoren, an der medizinischen Fakultät 80 Prozent jüdische Professoren und an der juridischen Fakultät über 40 Prozent jüdische Professoren. An der naturwissenschaftlichen Fakultät haben die Juden mit 65 Prozent bereite die absolute Mehrheit im Proq.... —-- AUCH FÜR PENSION 1. tHtl r<if t»Mnfahlgfc«tt INVAIIDITXTS-MHTSM f. Mp «tu «orfiMM AHw I. Im AMrtcnsfail« HIHTIHItlEilMEHRtMTEH1 ZU CÜMSTICIH BZDINGUMGZW VERSICHERUNG S-AKTIEN- GES. PENSIONS-VEREIN WIEN, l.f SCHELIINGGASSE 1 fessorenkollegium erreicht. Weitere Verjudung droht! Dem arischen Nachwuchs wird jedwede Möglichkeit einer wissenschaftlichen Betätigung geraubt. Manche Institute sind heute schon zu 100 Prozent jüdisch. Sie sind damit dem deutschen Volk verlorengegangen. Bei weiterem Anhalten dieser Entwicklung haben wir in zehn Jahren keine deutsche Universität mehr. Durch die Untätigkeit der Professorenschaft ist die Studentenschaft zur Selbsthilfe gezwungen. Kommilitonen! In euren Händen liegt das Schicksal der Alma mater Pragcnsis Germanica antiquissima. Setzt euch zur Wehr! Erfüllt euere Pflicht bis zum letzten Mann! Bildet Streikausschüsse! Bereitet den allgemeinen Hochsclmlstreik vor! Die Parole: Kein jüdischer Professor mehr an die Deutsche Universität zu Prag!“ Die Rektoratskanzlei hat sich sofort mit den Führern der völkischen Studentenschaft in Verbindung gesetzt, doch diese haben erklärt, der Verfassung und Verteilung der Flugblätter fernzustehen. Die nationalsozialistische Presse Deutschlands drückt über die antisemitische Propaganda an der Prager Deutschen Universität ihre Genugtuung aus. Jüdische Tagungen IIIIIIM Tagung des Board öf Deputies London, 19. März. (2. T. A.) Die letzte Tagung der Vertreterschaft der englisch-jüdischen Gemeinden (Board of Deputies of British Jews) befaßte sich mit dem Bericht des Joant Foreign Committee (Komitee für auswärtige jüdische Angelegenheiten), in dem u. a. ausgeführt wird: Hinsichtlich Österreichs wird auf den letzten. Englandbesuch des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg und seine Erklärung an die Jüdische Telegraphen-Agentur hingewiesen; in dom Bericht wird der Inhalt der Kanzlererklärung wiederholt und auf die Versicherung Dr. v. Schuschniggs Nachdruck gelegt, daß weder die Juden Österreichs, noch ihre Glaubensbrüder in anderen Ländern Grund zur Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft der österreichischen Juden hätten. Kongreß der amerikanischen Juden Philadelphia, 18. März. (2. T. A.) Im Beisein von mehr als 600 Delegierten auß allen Teilen der Vereinigten Staaten begann soeben im Benjamin-Franklin-Hotel zu Philadelphia eine außerordentliche Tagung des American Jewisih Congress, in der Fragen der Neuorgaudsierung des amerikanischen Judentums und der Teilnahme am Jüdischen Weltkongreß behandelt werden. Die Ziomsten-Reviisionisten Amerikas gaben aus Anlaß der Kongreßeröffnung ein Kommunique heraus, in welchem erklärt wird, die Revisionisten ziehen ihre Zusage, den Kongreß zu unterstützen, zurück, weil dieser das Prinzip demokratischer Wahlen auf gegeben hat. (Die Revisionisten als Hüter der Demokratie! Die Red.) * Philadelphia, 19. März. (2. T. A.) Der in Philadelphia zu einer außerordentlichen Tagung zusammengetretene American Jewish Congreß befaßte sich in seinen ersten Sitzungen mit der Lage der Juden in Europa. Hubertus Prinz zu Löwenstein hielt ab Gastredner eine Ansprache, in der er an Hand der Tatsachen und der Entwicklung eine Verschlimmerung der jüdischen Lage in Deutschland voraussagte. Es ist durchaus möglich, führte Prinz zu Löwenstein aus, daß Hitler, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung von anderen Dingen abzulenken, mit Bezug auf die Juden ein „Römisches Fest“ veranstalten wird. Der Kongreß beschloß, von der Regierung eine Gesetzgebung zu fordern, der gemäß Nazitätigkeit in Amerika verboten ist. In einer weiteren Resolution wurde daß Gebot des Boykotts hitlerdeutscher Waren und Dienste bekräftigt. Dabei wurde erklärt, daß allein durch den Umstand, daß Juden in Amerika nicht mehr deutsche Waren benützen, der Import deutscher Waren sich um 25 Prozent vermindert hat; die tatsächliche Verminderung dieses Importes ist weit größer. In dem Bericht über die Lage der Juden in den einzelnen Ländern wurde besonders hervorgehoben, daß in Österreich entgegen allen offiziell abgegebenen Erklärungen Maßnahmen gegen die Juden auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen und Wirtschaftslebens getroffen werden. In einer Resolution wurde im Prinzip die Idee des Jüdischen Weltkongresses bekräftigt. Über die Art der Teilnahme am Weltkongreß wird in der Resolution nichts gesagt. Der Kongreß nahm das Projekt der Statutenänderung, welches direkte Wahlen abschafft, gegen den Protest der Arbeiterparteiler an. (Bekanntlich haben auch die Revisionisten wegen der Aufgabe des Prinzips demokratischer Wahlen sich am Kongreß desinteressiert erklärt.) Der Ehrenpräsident des American Jewish Congress, Dr. Stephen S. Wise, wurde an Stelle von Dr. Bernard Deutsch zum Präsidenten des Kongresses gewählt. ©egen 6obBrettnen hilft suüevläfflg eauerbrunn 6. Mai 1935: Erster allweltlicher hebräischer Kongreß in Palästina Die Histadruth Ivrith in Wien wurde verständigt, daß der engte allweltlljlje hebräische Kongreß am 6. Mai 1935 in Tel-Aviv tagen wird. Die Gemeinde Tel-Aviv1 hat das Protektorat über den Kongreß übernommen. Die Einberufer des Kongresses sind: Die „Brith Ivrith Olamith“, der Schriftstellerverband, die hebräische Universität, die Gemeinde Tel-Aviv, der Waad halaschon und die zionistischen Parteien. Wien wird voraussichtlich sechs Delegierte entsenden. Die Wahlen zu diesem Kongreß * werden demnächst stattfinden. Es wird an die Kultusgemeinde, an das theologische Seminar, an das hebräische Pädagogium und an das Chajes-Realgymuasium herangetreten werden, daß auch sie Delegierte zum Kongreß entsenden. Lodzer Gemeinderatsmehrheit beschließt Entlassung der jüdischen Beamten Lodz. (2. T. A.J Der Lodzer Gemeinderat hat ' mit seiner nationaldemokratischen Mehrheit beschlossen, alle in den städtischen Unternehmungen von Lodz und im Lodzer Magistrat an* gestellten jüdischen Beamten und Funktionäre zu entlassen. Die Entlassungen sollen spätestens binnen drei Monaten erfolgen; die Kündigung der jüdischen städtischen Beamten und Angestellten soll bereits am 1. April vor sich gehen. In der vorletzten Sitzung hatte der Lodzer Gemeinderat die Streichung aller Subsidien für jüdische Erziehungs-, Kultur- und Sozialarbeit und den Ausschluß jüdischer Künstler und Schriftsteller von dem Genuß künstlerischer Stipendien und Preise beschlossen. Alle diese Beschlüsse stehen im Widers spruch zur polnischen Verfassung. Man nimmt an, daß die Nationaldemokraten die Beschlüsse demonstrativ faßten, weil eowieso mit der Auflösung des Gemeinde rates durch die Regierung in den nächstens Tagen gerechnet wird. Großes New Yorker Warenhaus teilt Gewinne mit KKL. New York, 18. März, Das bekannte Nevv-Yorkcr Warenhaus Hcarns teilt der Jta. mit, daß es beschlossen hat, den gesamten ihm aus dem Verkauf von Karmel-Wein erwachsenden Gewinn mit dem Keren Kajemeth Lejisrael zu teilen. Der Präsident des Hearns-Warenhauses, Lewine, hat sich lebenslänglich verpflichtet, dem Jüdischen Nationalfonds 2500 Dollar jährlich aus seinem Privateinkommen zuzuführen. Die tschechosiowahischen Juden in Deutschland Prag. (2.T.A.) Vor einigen Monaten hatte Abg. Doktor Goldstein an den Außenminister eine Anfrage gerichtet, die sich auf das Schicksal der durch die deutsche Revolution und den Judenboykott geschädigten tschechoslowakischen Staatsbürger bezog. Die soeben ergangene Antwort des Mink sters Dr. Benesch lautet u. a.; Im Außenministerium waren bereits im März 1933 einige Fälle von Boykott und Persekution in Deutschland dauernd lebender tschechoslowakischer Staatsbürger ge-; meldet worden. Darum hat das Ministeriuqn den Konsularämtern der Tschechoslowakei den Auftrag erteilt, in allen gegebenen Fällen zugunsten der betroffenen tschecho* slowakischen Staatsbürger zu intervenieren* In einigen Fällen hatte das Einschreiten! auch Erfolg und der Boykott wurde aul den Hinweis, beziehungsweise aul diä schriftliche Bestätigung des fcschechoslowa* kischen Konsulats, daß es Bich um einen tschechoslowakischen Staatsbürger handelt* auf gegeben. Anderswo dauerte der Boykott weiter; er war jedoch’ nicht im Prinzip gegen tschechoslowakische! Bürger als solche gerichtet. Einige tschechoslowakische Staatsango« hörige haben ihre Interessen dadurch ge« schädigt, daß sie aus Angst, verhaftet öden sonst verfolgt zu werden, rasch abgereisti sind. Besser haben ihre Interessen jene ge« schützt, welche geblieben sind und das Konsulat um seinen Schutz ersucht haben* Der bisherige Rechtszustand hat k e i n 0 genügende Handhabe zur Geltend« machung der Geschädigten auf dem Rechts« wege geboten. Nun ist in Nummer 134 des Reichsgesetzblattes vom 15. Dezember 1934: ein neues Gesetz über Aus« gleich von Zivilrechtsansprü« chen auf Ersatz der Einzel* Personen in.folge des natio* nalsozialistisohen Umstur* zes erwachsenen Schadens her* ausgegeben worden. Das Ministerium wird! die nötigen Vorkehrungen treffen, um diel Möglichkeiten auszunützen, welöhei durch dieses Gesetz gegeben sind. Deutsche und polnische Ju* den müssen Luxemburg ver< lassem Luxemburg, 20. März. (2. T. Ä.) Nachdem die neue; Fremdengesetzgebung den Ausländern die Möglichkeit, ihren Le-, bensunteriialt zu verdienen, genommen hat* sind zahlreiche aus Deutschland und aus Polen stammende Juden gezwungen, Luxemburg zu verlassen. Die Reemigrationsbewegung hat bereits eingesetzt. Mehrere deutsche! Juden haben sich entschlossen, nach Deutschland zurüokzukehren, obwohl sie über das Schicksal der vorher nach Deutschland zurückgekehrten Emigranten unterrichtet sind. Andere bemühen »ich, die Elnwändorungserlaubnis für Palästina zu erhalten. 2. Vortrag Dr. Josef Kastein ln WIten Samstag, den 30. MHrz 1935, um 8 Uhr abends, Im Mittleren Konzerthaussaal halt DR. JOSEF KASTEIN über das Thema „Ahasver oder die Überwindung eines Mythos1' Diesem Zweiten Vortrag des berühmten jüdischen Geschichtsschreibers sieht man In; allen jüdischen Kreisen Wiens mit größter Spannung entgegen. Sichern Sie sich rechtzeitig Karten I Der Kartenverkauf hat bereits begonnen I Verkauft Stellen: Zionistisches Landeskomitee. Telephon U 22-2-11 Sämtliche Zionistische Bezirkssektionen Jüdische Kunststelle, Wien, II., Aspernbrüdcengasse Nr. 2. Telephon R 48-2-91 wm ww mm m1 "u»"up Verkaufsstellen: Bücherstube Rath, Wien, II., TaborstraBe Nr. 20a. Bücherstube Lanyl, Wien, L, Kärntnerstraße Nr. 44. Bücherstube Löwlth, Wien, I., Wollxelle Nr. 6. w*mmw"w"m m m m Telephon R 45-305 Telephon B 26-3-33 Telephon R 21-4-52