Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 436 (22.3.1935)
- Date
- 1935-03-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Iwh dl—r Nmmmv SOf V.«.«». Freitag-Ausgabe JÜDISCHE ZEITUNG DER WEö HACH EREZ ISRAEL führt über die PALÄSTINA-EILLINIE LLOYD TRIESTINO TRIEST—JAFFA—HAIFA nur S £50*-— in der auigezelchneten Touristenkietse in zwei oder vlerbettigen Außenkabinen mit reichlicher Und •thmackhafter Verpflegung (vier Mahlzeiten tlglich) Die großen Schiffe .OALILEA', .GERUSALEMME', .PALESTINA* (Je 12 500 Tonnen Deplacement) Verkehren sechsmal monatlich nach Palistlna. außer, dem dichter Verkehr via Ägypten und via Athen- Istanbul. Gelegenheit zu heirllchen Rundfahrten im Mittetmeer Für Relsesesellsdiaften Sonderpreise Lloyd TrlestinOf Wien, I., Kärntnerring «. Tel. U 47*5*40 Mapai gegen Londoner Abkommen Jerusalem, 20. März. (2. T. A.) Nach eingehender Debatte über das in London zwischen David Ben Gurion und -Wladimir Jäbotinsky getroffene Befriedungsabkommen sohritt die in Chedera tagende Konferenz der Mapai (Palästinensische Arbeiterpartei) zur Abstimmung, die ergab, daß 89 Delegierte gegen und 79 für Sanktionierung des Abkommens sind. Somit hängt die Entscheidung betreffend Billigung oder Zurückweisung des Abkommens von den 22 Mitgliedern der Mapai- Exekutive ab, die, wie man annimmt, alle 'mit pro stimmen werden, wodurch sich sogar eine kleine Mehrheit für das Abkommen vergeben wird.' Oesterreich und seine Juden Das Wort von den düsteren Wolken, die seinem Bücken wurde Hitler groß, auf .seidas politische Firmament bedecken, war nie so wahr, wie gerade in diesen Tagen. Man muß im Rundfunk gehört haben, wie Zertifikate für jüdische Opfer der griechischen Revolution Jerusalem, 18. März. (2. T. A.) Die Palästina-Exekutive der Jewish , Agency hät für Juden, die durch die Eredg-‘la»d nisse hn Zusammenhang mit der letzten Revolte in Griechenland notleidend geworden Sind, 50. Palästdna-Einwanderungszertiflkate zur Verfügung gestellt. Goebbels im Berliner Sportpalast. die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht verkündete und wie die Menge vor. Begeisterung raste. Man muß sich daran erinnern, daß in Danzig die Nationalsozialisten in voller Offenheit den Anschluß an das Dritte Reich vorbereiten und daß in Deutschland offen der Anschluß Österreichs verlangt wird. Man muß einen Blick ins benachbarte Ungarn tun, und hört dort, daß Graf Bethl.m dem Ministerpräsidenten Gömbös vorwirft, er wolle die Rassenschüfczler wieder ans Ruder bringen. Frankreich und Belgien befinden sich in starker Erregung wegen der ein*; seitigen Aufkündigung der AbrÜstungsklauseln des Versailler Vertrages durch öentsöl^ ' " und wegen der~ Extratour Englands Aus allen diesen Gründen und weil es dtje Verfassung verfügt, haben wir einen Anspruch darauf, als gleichberechtigte Bürger behandejli zu werden. Österreich ist — und nach der Aufrüstung Deutschlands im besonderen Maße — die Drehscheibe Europas, und aiit (Österreich blickt heute die Kulturwelt, di« I jenseits der reiehsdeutschen Grenzpfähle her nem. Rücken wollen die Unzufriedenen und die Getarnten die Macht in Österreich sich reißen. Herr von Papen findet noch vuawua immer Nachahmer, wie Rintelen einer war, aVi.«. DaIUiIfoh rrlüllKon Uftfth _ _ ... .... .. .'«« und christliche Politiker glauben ^och Sabotellre ist ein Appell an jene Kreise immer, mit dem Beelsebub Antisemitismus, äer BeyMkertm, die nicbfc über die Grenze ddn Teufel Nationalsozialismus auetreiben; schleIen nnd 6ctiauen. Dazu gebeten in zu können. Es wird ihnen so ergehen wie erater Linie dIe Jnden Österreichs. Wir den Morphinisten, die sich geloben, von dem drä uns nicht allf wir begehren' keine wohltuenden Gift nur kleinere Dosen zu politische Macht) w!r w0uen nur „nser nehmen und ihm schließlich doch willenlos Recht Wogegen wir uns wehren, ist der verfallen. Das Schicksal des katholischen fJch,eie[lende Antisemitemus, der via facti Bayern nach der Machtergreifung durch tun m8chtej waa i|un kraft Rechtens nicht Hitler iet da em-düsteres Memento. Imöglich iet. Wir wehren uns gegen die Un.* Was immer geecheiht, wir Juden sind der moraI, die darin liegt, das Gesetz dadurch Sündenbock, aber nicht das' letzte Opfer, zu verhöhnen, daß man in aller Stille den Der Bundeskanzler Dr. Schuschnigg hat Numerus clausus für Juden schaffen will, kürzlich zur Bildung einer, .geschlossenen | Wir wehren uns weiter gegen die ,ioi Frönt aller gutgesinnten Österreicher aufmanchen Kreisen herrschende Auffassung^ gerufen üncf .Zti'm .Kampf;gegen die Sabodaß der christlich-deutsche Ständestaat di« teure. Es wurde in der letzten Zeit, viel vom Handhabe zur Diskriminierung, dör Jude» _a _, vorbildlichen- RecbtSr und Kulturschutz für Mietet., Es steht uns nicht zu, Cbristen Be- und wasi immer, irgendwo in der Welt gedie .jüdische Minderheit, gjesproeben., Der v Jehrungen über Christentum zu geben. Wir anuiaVif''JLr -Am -*•■ a . TT^oia r?ov Sohfifoiwo h<Man>irunirf oinF» n.Kor! anerkennen die gegebene Tatsache, daß die nach Berlin. Eine Wiajt droht, aue den Fugen zu gehen, B e Juden Mazedoniens einer schweren Gefahr entronnen Saloniki, 19. März. (2. T. A.) Kriegsminister General Kondylis, de? die Operationen der Regierungstruppen gegen die Aufständischen in Mazedonien nnd Thrazien geleitet hat, empfing während seines Aufenthaltes in Kavalla den Rabbiner der dortigen jüdischen Gemeinde, den er der freund schaftlichen Gefühle versicherte, die die Regierung gegenüber der jüdischen Bevölkerung hegt. Der Kriegsminister sprach mit besonderer Anerkennung von der patriotischen Haltung der Juden Salonikis und der übrigen jiidisohen Gemeinden Nordgriechenlands. Die Aufstandßbewegung in Thrazien und Ostmazedonien hatte auch einen antisemitischen Charakter getragen. Den Freiwilligen, die in den Ortschaften dieses Gebietes für die revolutionäre Armee geworben wurden, «teilten die Agitatoren in Aussicht, daß man nach der Eroberung Salonikis die Häuser und. Geschäfte der dortigen Juden den Truppen zur Plünderung überlassen werde. In Kavalla entnahmen die Aufständischen von den jüdischen Geschäften Waren, ohne sie zu bezahlen.. Als eine Abordnung der jüdischen Gemeinde sich darüber beim Führer der Aufständischen, General Kämesos, beschwerte, erklärte dieser, man müsse sich an die vou den Republikanern gehaßten Juden Salonikis halten. Die Synagoge der Stadt wurde während des Feuergefechtes zwischen der Flotte und den Batterien auf den Anhöhen hinter der Stadt von einer Granate getroffen. Die jüdischen Einwohner von S e r r e s, Drama und Kavalla haben während der Revolte schreckensvolle Tage durchlebt. Der Sieg der Regierung und der Einzug der regulären Truppen wurde von ihnen mit stürmischem Jubel begrüßt. Von den jttdisoben Freiwilligen, die sieh, auf den Aufruf der Regierung, hin . neben über 2000 jüdischen Reservisten zur’ Abwehr der Rebellen zur Verfügung gestellt haben, ist ein großer Teil bereits demobilisiert. Neben anderen oppositionellen Zeitungen sind in Saloniki nach der Niederschlagung der Revolte auch die e x t r e m-a n t i s e m sehen Blätter „Makedonia“ und „Eleutherös Typos“ verboten worden. Die Herausgeber der Oppositionsblätter wurden verhaftet oder verbannt. Verhaftet wurde auch der ehemalige Chefredakteur der „Makedonia“ und Mitherausgeber des „Eleutheros Typoe“, Nico Fardis, bekannt aue dem Prozeß nach dem Pogrom im Salonikier Camzbell-Viertel. Faradis, der der geistigen Urheberschaft dieses Pogroms und der Niederbrennung dee Viertels beschuldigt war, wurde damals freigesprochen. Wenige Tage nach dem Ausbruch der Revolte wurde ein vor einem halben Jahr aus den Diensten der jüdischen Gemeinde entlassener Friedhofswärter, ein christlicher Grieche, verhaftet, weil er auf dem jüdischen Friedhof Bomben und Munition versteckt hatte, die . für die Aufständischen bestimmt waren. , Der Generalgouverneur von Mazedonien, Minister Pericles Rhallis, hat eine Anzahl venizelistischer Stadtverordneter von Saloniki ihres Amtdf enthoben. Unter den neuen Mitgliedern des Stadtrates, die an ihre Stelle treten, befinden sich drei jüdische Stadtverordnete. sebieht -»'der Jude gießt das. Bad aus. Auf Kreis der Saboteure beschränkt sich aber nicht auf die. Angehörigen der verbotenen Parteien. In Österreich bat sich ein Antisemitismus auf Gummisohlen etabliert, der es verhindert, daß die wiederholten Erklärungen verantwortlicher Staatsmänner in die'Tat umgesetzt' werden. Mehr als alle diese Erklärungen würde es nützen, wenn man nachweisen könnte: „So und so viele Juden stehen im Richter- und Verwaltungsdienst, so und so viele im Dienst J=>r Gemeinde Wien und der Bundesbahnen“, oder: „Die Numerus-clausus-Hetze gegen jüdische Rechtsanwälte und Ärzte wird von der Regierung als Verstoß gegen Verfassung uni Friedensvertrag bestraft.“ „Die von der Gemeinde Wien nach den Febrüarunruhen des Jahres 1934 zu Unrecht entlassenen Ärzte, Kindergärtnerinnen usw. wurden wieder in ihre Ämter eingesetzt.“ Das trifft leider’nicht-zu, und wir appellieren an die Regierung, hier Abhilfe zu schaffen. Die jüdische Bürgerschaft Österreichs 3«V bereit und willig, am Neuaufbau österr eiebsmitzuhelfen. Sie hat es nicht notwendig, ihre Staatstreue täglich zu betonen. Wir lehnen es ab, einige konfessionslose sozialdemokratische Renegaten uns zur Last buchen zu lassen. Wir haben es nicht notwendig, in Patriotismus zu machen, wie jene, .die hintereinander das sozialdemokratische, das nationalsozialistische und das Abzeichen der Vaterländischen Front im Knopfloch tragen. Wir haben nicht Hochverrat begangen, wir haben keine Bomben geworfen, wir haben den Bundeskanzler Dr. Dollfuß nicht umgebraebfc und wir haben ihm nicht die Brieftasche gestohlen. Wir konspirieren nicht mit feindlichen Mächten und wir machen keine antiöeterreichisclie Propaganda durch reichs- und Sudetendeutsche Schriftleiter. ACHTUNG HAUSBESITZER! Ew« Hlu»trv«rwa|hii»g«!V Geldbeschaffungen und R«parfti«rk»adltt kulantest nur durdi des behördlich Konzessionierte Realitäten*, Hypo heken* und Vtrwältimgsbllro Tel, A 41-Mt Sensal R. TAUBMAHN Wien/ Ity Nordpolstreffe 2/3 überwiegende Mehrheit dieses Staates Ka? tholiken sind und haben wiederholt erklärt, daß es das Recht der Mehrheit ist, dfö Staats- und Regierungsform zu bestimmen. Es ist auch nicht richtig, daß nur die Demor kratie eine gerechte Behandlung der jüdischen Minderheit verbürgen kann. Die Po* mokratie in Österreich hat der Judenschaft als Kollektivum nichts gegeben; um nur ejp Beispiel zu neunen, die Beiträge nicht b«- willigt, die wir zur Erhaltung unserer Gemeinden und Institutionen benötigen. Es gibt ein Land, das behauptet, dig wahre Demokratie zu besitzen, das M S o w j e t r u ß 1 a n d. Dort haben die Judgiji jenes Maß von persönlicher Freiheit, das die Russen haben. Als Juden aber sind sie recht1* los, man raubt ihnen ebenso wie den Christen die religiöse Freiheit und zwingt sie in den Atheismus. Das faschistische Deutschland entrechtet seine, Juden und diffamiert sie. Das f aschistisch« i t a 1 i e n aber wahrt die Gleichberecbtit gung der Juden' als Einzelpersonen' u n d als Kollektivum. Mussolini hat den Juden durch die Schaffung des Bundes, jüdischer Gemeinden eine weitgehende Autonomie gewährt; Es ist dem demokratischen Italien ebenso wie dem faschistischen Italien nie ein* gefallen, die Umwandlung des demokrati* sehen italienischen Staates in einen faschistischen Staat dazu zu benützen, um die Juden aus ihren Wirtschaftspositionen und aus den Ämtern, wo sie oft hohe Stellen bekleiden, zu verdrängen, Mussolini hat diesbezügliche Versuche subalterner faschistl- > scher Antisemiten im Keim erstickt. Es mußi auch in Österreich, das sich vielfach Mussolinis Maximen zum Vorbild nimmt, möglich sein, dem Treiben eines getarnten National-; Sozialismus ein Ende zu bereiten, der eine; äntijüdische Politik zum Sprungbrett der Gleichschaltung Österreichs an Deutschland benützen möchte. Das gebietet die Staats-; raison. i Der Nationalsozialismus versucht, an die Stelle des heiligen Rechtsbegriffes die brutale Macht zu setzen. Wir Juden sind ein l altes Volk und haben gewaltige Mächte