Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 435 (19.3.1935)
- Date
- 1935-03-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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TECHNISCHE UND WIRTSCHAFTLICHE NACHRICHTEN DES VERBA!' INGENIEURE F. D. DES J U D ISCHER UND T E C HN1KER A. P. Werte Kollegen! Es geht um euch, um eure Existenz — und Zukunft. Tatkräftige Kollegen stellten sieh zur Aufgabe, den Verband zu reformieren. Ein neues Fundament wurde mühselig errichtet, auf welchem ein neuer Bau entstehen soll. Dieser Neubau soll allen Technikern zugute kommen. Wir, als Techniker, gebrauchen nicht viel Worte, sondern zeigen durch Tatsachen, was fester Wille vermag Schon die wenigen Notizen unserer heutigen Mitteilung, die heute erstmalig erscheinen, bekunden unsere Absichten, diie wir restlos durchführen und ausbauen wollen. Unser Schaffen soll den Interessen der gesamten Kollegenschaft dienen, fern von jeder Parteipolitik oder Eigenbrötelei. Jeder aufrechte und anständige Kollege ist uns als Mitarbeiter und Mitglied willkommen. Der geringe Mindestmitgliedsbeitrag von Ö. S 6.~ pro Jahr bietet jedem einzelnen Vorteile und Möglichkeiten für die Zukunft. Wir wollen nicht um Geld und Mitgliedschaft betteln, weil wir mit dem Bewußt sein der jüdiischen Technikerschaft rechnen. Wir wollen durch sachliche Arbeit und Aufklärung unsere Ziele erreichen. Wir sind keine Kampforganisation, sondern ein FachveTband, der durch Gedankenaustausch und bewußte Zweokarbeit die Ziele, die er sich gesetzt hat, erreichen will Diese Ziele sollen jedem einzelnen Vorteile bringen, daher appellieren wir an die Kollegenschaft: Kommt zu uns, werbet für uns und arbeitet mit uns — für euch. Die Mitteilungen des Verbandes jüdischer Ingenieure erscheinen allmonatlich; die zweite Nummer erscheint Freitag, den 5. April, auch als Beilage in der Zeitschrift „Die Stimme“. Nichtabonnenten der „Stimme“ erhalten die technischen und wirtschaftlichen Nachrichten des Verbandes jüdischer Ingenieure per Post zugesandt. An die Kollegenschaft im Bunde jü discher Frontkämpfer und Legltimlstische Jüdische Frontkämpfer im Eisernen RingS Kollegen kommt auch zu uns! Stärkt unsere Reihen, Schulter an Schulter wollen wir arbeiten und organisieren, um aus eigener Kraft der Technikerschaft das zu sein, was ihr fohlt: Eine Stütze i.m Berufe und im Kampfe tun die Existenz und Kamerad in allen Lebens lagen, sowie Erstrebungen unserer Ziele. Der jüdische Erfinder für Palästina! j „Eine Sektion für Erfindungen, deren {Korrespondenten in Paris, London, Berlin i! usio. sofort alles Neue melden, das dann auf | seine V er wendbar keit hin geprüft wird.“ besitzen wir nicht. Die Mittel des Geldes j auch nur dann, wenn er sie durchsetzen sind begrenzt. Sind wir doch, trotz einzelj kann. Jeder Erfinder hat immer mit großen ner Millionäre, ärmer als alle Völker, unter Schwierigkeiten zu kämpfen, wenn er seine Hebräische Sprachkurse für Verbandsmitglieder: Kollege Ing. Arch. Strura verfügt über eine langjährige Praxis seiner eigenen leicht faßlichen Methode für jung und alt. Kurs A für Anfänger, Kurs B SchnellkiiFs für Palästinareisende, Kure 0 für Toohnikor und Praktiker. Die Kurse werden bei einer Mindestbeteiligung von je fünf Kollegen sofort nach Meldung begonnen. Näheres durch das Sekretariat. Unser ehrenamtlicher Sekretär, Kollege Ing. Schwarzkopf, amliert vorläufig jeden Donnerstag von K7 bis 8 Uhr abends Im Verbandsheim. Wir bitten im Interesse der anderen Kollegenschaft, dessen Inanspruchnahme auf das kürzeste und Sachlichkeit schon vorbereitet, beschränken zu wollen. denen wir leben. Selbst der Einsatz der reinen Körperkraft ist beschränkt. Wohl arbeiten unsere Pioniere bis zur Selbstaufopferung, aber nur ein kleiner Teil jener, die Pioniere sein wollen, wird ins Land gelassen! Sind damit wirklich alle Möglichkeiten erschöpft? Sollte es nicht noch Kräfte geben, die wir aufzurufen vergaßen? Wir antworten: Das Wichtigste und Wertvollste, das wir besitzen, ist noch nicht aufgerufen. Es ist dies daß jüdische Forscher- und Erfinderingenium! Daß es sich hier um nicht Geringes handelt, beweist eine Ziffer: 12% jüdische Nobel- Idee auf Neuheit, auf Brauchbarkeit prüfen, wenn er Patentschutz erwerben und schließlich das Patent wirtschaftlich verwerten soll. Für den jüdischen Erfinder kommen die spezifischen Schwierigkeiten seines Volkstums hinzu. Die Schaffung eines Verbandes jüdischer Erfinder für den Aufbau Erez Israels müßte also damit beginnen, daß die Nichterfinder dem Erfinder ein Hilfswerk darbieten. Ein zentrales Erfindungeinstitut Palästina hätte sich in allen Judenländern Filialen zu schaffen, in denen Techniker, Wissenschafter, Patentanwälte und Erfindungsarbeit das Wertvolle auszulesen, zu fördern und schließlich für den großen Zweck ein zu setzen. Preisträger bei knapp 1% Anteil an der (Kaufleute ehrenamtlich der Förderung des Weltbevölkerung. Erfinders zu dienen hätten. Diese Stelle mit Der jüdische Foreotier und Erfinder to™ FilialenMite aw der großer, jüdischen schafft heute una je für sein „ Wirte volk Der Erfolg seiner Arbeit gehört ideell und materiell dem „Wirtsvoik“ und nicht dem Judentum. Josef K a s t e i n hat neulich in seinem Wiener Vortrag darauf verwiesen, laß jüdische Gedankenarbeit erst dann dem Judentum zur Ehre gereichen wird, wenn sie von einer Stätte eigenen Wirkens, wenn sie von Palästina aus den Weg in die Welt nehmen wird. Sie soll auch dann jedem und allen dienstbar sein, aber jedem und allen deutlich erkennbar als jüdisches Gut. Für den Aufbau Erez Israels würde die Konzentration jüdischer E Hindu ngsarbeit Lande selbst ungeahnte Möglichkeiten bieten. Die neue Industrie würde einen mächtigen Auftrieb erhalten. Zudem aber hätte Palästina ein neues Exportgut seltener Art und von hohem Werte. Die Rechte zur Ausübung jüdischer Erfindungen wären das neue Exportu t, das zudem keinerlei Schwierigkeiten der Einfuhrverbote, Devisen-, Kontingentun-d sonstigen Bestimmungen unterliegt. Die Aufgabe wäre nun, die jüdischen Er- Der Verfasser die°er Zeilen hat diesen Vorschlag unter dem Titel „Organisation der jüdischen Erfinderarbeit“ eit ern Teil der jüdischen Weltpresse übermittelt Neun zionistische Zeitungen. eine orthodoxe und eine antizionistische haben ihn gebracht, wobei je eine englische, holländische und jugoslawische sich die Mühe der Übersetzung nahmen Die überwiegende Mehrheit de» Ze Jungen aber gab überhaupt keine Antwort oder verwies bedauernd aut Platzmangel. Wir leben eben in einer Zeit, in der die Politik alle Räume füllt, Wirtschaft und konstruktive IdeeD aber sich bescheiden müssen Aut die Veröffentlichung in den elf Zeitui.ger kam eine Flut von Zuschrif ten. Es meldeten skd r.chf nur Erfinder, die Hilfe verlangten, sondern auch eine ganze Anzahl von Fachleuten aus den verschiedensten Ländern und den verschiedensten Arbeitsgebieten. die den Vorschlag begrüßten und ihre ehrenamtliche Mitarbeit anloten. Eine besondere Freude war es für den Verfasser, daß Josef K a s t e i n, de: über eigene reiche Erfahrungen auf dem Gebiete der Erfindungen und Patente verfügt den Vorschlag als zweckmäßig begrüßte; daß er durchführbar ist, scheint unzweifelhaft. Max Seidmann. Kultursiedlim Statt zerstreuter Kleinhäuser — ein Hochhaus Am 14. März d. J. hielt der bekannte j Leben erleichtern und verschönern können. Volkswirtschaf tler Ing. Alexander V 6 r t e s im Heime des Verbandes Jüdischer Ingenieure und Techniker für den Aufbau Palästinas einen Vortrag über obiges Thema. Nach Begrüßung und Eröffnung des Abends durch deu Präsidenten Zivil- Ing. S. Ehrlich entwickelte der Referent in sachgemäßen, gründlich durchdachten Ideengängen seinen Plan, welcher ermöglichen würde, mit den zur Verfügung stehenden bescheidenen Geldmitteln des Nationalfonds auf der vorhandenen kleinen Bodentläeho innerhalb zehn Jahre zwei bis drei Millionen Menschen nicht nur primitiv anzitsiodoln, sondern allen auch eine zeitgemäße Wohnung sowie eine kultur- und menschenwürdige Existenz zu verschaffen. An Stelle der bisher bekannten primitiven Siedlungshäuser schlägt der Vortragende als Siedlungseinheit ein einziges Hochhaus mit 1000 Wohnungen vor. Ein solcher Bau kostet weniger als die zerstreuten Einfamilienhäuser. Diese Bauweise ermöglicht weh dio Ausstattung mit allen Errungenschaften der modernen Technik, welche das Die Arbeit der Einwohner soll sich nicht auf die Lebensmittelproduktion oder eventuell auf Zitrusfrüchte konzentrieren. Vielmehr soll man trachten, von allen Bedürfnissen des täglicheu Lebens möglichst viel für sich selbst zu erzeugen. Eingehende Berechnungen zeigen, daß eine in jeder Hinsicht auf der Höhe stehende Landwirtschaft pro Hektar eine drei- bis fünfköpfige Familie ausgiebig mit Lebensmitteln versorgen kann. Der notwendige Ackerboden soll nicht der bereits ansässigen Bevölkerung entzogen werden. Palästina besitzt viele unfruchtbare Flächen, welche als einheitliche G roßsied 1 un gen verhäl tu ismä ßig billig melioriert werden könnten. Falls wir oine durch und durch technitizieito Wirtschaft vorausset.zen, dann genügt die Arbeit von 150 Familien, um alle 1000 Familien mit Agrarprodukten zu versorgen. Die Bedienung der Maschinen ist menschenwürdiger und dieso wird auch rascher erlernt als die primitive, grobe Arbeit. Außer Lebensmitteln müssen auch Klei der, Schuhe, Möbel usw. an Ort und Stelle Für den Aufbau Erez Israels haben diei (Inder zu diesem Werk zu organisieren. Die j (Dx. Theodor Herz i, ,,Tagebücher". 1. Band.) jüdischen Pro-Palästinenser der ganzen Aufgabe ist nicht einfach. Der Erfinder ist Welt scheinbar alles hergegeben, was sie | nicht, wie irgend ein Berufstätiger, an äußca.n Kräften und Mitteln verfügbar haben. | ren Merkmalen zu erkennen. Erst die Erfin- Mittel der Macht konnten es nicht sein. Die i düng hobt ihn aus der Masse heraus, und Kinderkrippe, eine Volks- und Mittelschule, ein Spital, Sport-, Unterhaltung«- und Bildungsstätten. Bei einem Lebensstandard, welcher nach der heutigen Auffassung als mittelgut bezeichnet werden kann, würde die Siedlung etwa 90 Prozent aller Bedürfnisse selbst erzeugen. Bis zu diesem Grade ist also eine Autarki-sierung ohne jeden Zwang, ohne jode Künstelei möglich. Bis zu 90 Prozent wäre die Kaufkraft der Siedlung untereinander befriedigt und ihre Bevölkerung wäre bis zu diesem Maße von den allgemeinen Marktverhältnissen, von einer Wirtschaftskrise unabhängig. Es würde also genügen, wenn 10 Prozent unter ihnen eine Arbeit außerhalb der Siedlung bekämen, beziehungsweise, wenn diese das Produkt ihrer Arbeit exportieren könnten. Eine höhere Exportmöglichkeit, eine bessere Verwertung der Arbeitskräfte würde dann einen weit erhöhten Wohlstand mit sich bringen. Für eine absehbare Zeit würde diese zusätzliche Beschäftigung schon dadurch gegeben, wenn die bereits fertigen Siedlungen für die zukünftigen Objekte Baumaterial usw. erzeugten. Das zur Errichtung dieser Bauten notwendige Geld können wir weder von den Banken noch mit der Sammelbüchse herbeisobaffen. Ing. Vertes bringt diesbezüglich neue beachtenswerte Ideen. Er weist auf die Ersparnisse hin, welche durch Ausschaltung des Unteraehmerrisikos und der Gewinne entstehen können. Weitere Ersparnisse sind durch die Großzügigkeit des Planes, durch die einheitlichen Anschaffungen usw. zu erzielen. Die traurige Tatsache der großen Arbeitslosigkeit untei den Juden der ganzen Weit wird dahin verwertet, daß man für den Bau auch solche einwandenmgslustige Arbeiter bekommt, welche vorläufig — statt des normalen Lohnes, nur die Verpflegung in den provisorischen Wohnbaraoken erhalten würden. Ihre Familien sollten erst nach Fertigstellung der Bauten nach Palästina einwandern. Der Restlohn wird dann teilweise als Bau beitrag beim Ankauf einer Wohnung und teilweise aus den Zinserträgnissen abgestattet. Den Boden stellt der Nationalfonds bei und das Haus wird auch sein Eigentum bleiben. Mit Hilfe aller dieser Kunstgriffe kann man den momentanen Geldbedarf auf etwa ein Drittel des normalen herabsetzen. Von diesem Betrage würden einen Teil diejenigen Parteien beistellen, welche an dem Bail nicht mitarbeiten, später aber nicht nur eine Wohnung, sondern auch eine ausgiebige, sichere Existenz erhalten. Der notwendige Bankkredit käme also insgesamt nur auf etwa 20 Prozent des gesamten Bau wertes. In diesen Wohnungen kommt der Mietzins nicht höher als der in Wien in den unter Mieterschutz stehenden Häusern. Dabei bleibt das Mietrecht unbegrenzt und dies ist auch selbstverständlich übertragbar. Der Baubeitrag ist geringer als die in Wien übliche Ablöse und — was am wichtigsten ist — ist mit der Wohnung auch eine stabile Existenz verbunden. Die Ausarbeitung der Details, angepaßt zu einem bestimmten Grund, würde sechs Monate in Anspruch nehmen. In weiteren anderthalb Jahren könnte das Musterhaus Fertiggestellt worden. Der heute in dem Besitze des Natiunalfonds befindliche Boden würde für etwa 30 derartige Siedlungen ausreichen. Für weittue 70 Stätten könnte man heute unfruchtbare Gründe sehr billig erwerben und in einigen Jahren meliorieren. Das gute Beispiel und de: Erfolg dieser Siedlungen, welche die. heut*' anrflsrfge Beerzeugt werden. Die Siedlung besitzt eine I vöikcrung in keiner Weise stören, würde