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Die Stimme · 1935-03-19 · Heft 435 (19.3.1935) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 435 (19.3.1935)
Date
1935-03-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sehe 4 DIE STIMME Nr. 435 10. März 1935 Vor einem Mieterstreik in Jerusalem? Die Mieti-r in Jerusalem li Iteti neuer- Hinp'" eine Massenversammlung alt. in welrhor die Krage ihn- I’rnkl,iminaing des Ooneraistreik< als l’rnfot g e g e n die h o h v n M i e t o n und de n M a n g e 1 a n ja:S e t z 1 i c h o m M i e t e r s e h u t z behandelt wurde. Einer der Redner war der Präsident der Jerusalemer HnuJeEkaimut'r A 1 b y. In einer ItV-olufion wird eine gesetzliche Regelung der Milden in Jerusalem gefordert. Die Entschließungen wurden dem High Commissioner Sir Arthur Wa u e h o p e. dem Distrikt'konunissär Major Campbell mul dem Bürgermeister Dr. K U a 1 d i übergelten. Die jiidEehen Mitglieder de Stadtrates wurden ersucht. eine Mieterdelegation zum High Commissioner zu führen. Es wurde ein Komitee eingesetzt, welches dem Generalstreik der Mieter, falls dieser nicht, zu umgehen sein sollte, organisieren soll. Die Pflicht des allgemeinen Zionismus Die Ausländerverordnung in Palästina Die kürzlich angekündigte Verordnung über die Ausländer-Definition in Palästina tritt am 1. April in Kraft. Dureh die X Iierung werden die bisher für Ausländer bestehenden rechtlichen Privilegien (Kapitulationen) a u f g e h o b e n. Auf Grund der Staatszugehürigkeit allein wird in Zukunft niemand inehr eine Yorzugsbehaudlutig dureh die palästinensischen Gerichte genießen. Eine weitere Änderung wird dadurch getroffen. daß in ihr als Ausländer ..jede Person. die nicht Bürger Palästinas“ ist. bezeichnet wird. Diese Definition ist auch in der Einwanderungäverordining vom Jahre 1933 für die Zwecke dieser Verordnung enthalten. Demnach wird es für die Zukunftin Palästina nur zwei Kategorien von Personen geben, nämlich Palästinenser und Ausländer (Xiehtpalästmeuaer). Diese Änderung des Ausläuderbegriifes löst automatisch die Frage, welches Recht bei der Festsetzung des persönlichen Status von Xichtauslänclern anzuwenden ist. Es ist jetzt klargestellt, daß In diesen Fällen d a s Rec h t des He rtunftslandes in Anwendung kommt. Keine Einwirkung auf das Wahlrecht Im englischen Unterhaus erklärte der Kolonialminister. daß die Wahlberechtigung der Einwohner Palästinas durch die Neufassung des Begriffes ..Ausländer“ nicht berührt wird. Nach der neuen Definition sei unter ..Ausländer“ jede Person zu verstehen, die nicht Bürger Pal ä s t i n a s ist, doch finde dieser Ausländerbegriff nur auf jenen Teil der „Palestine Order in Council" Anwendung, der sieh mit der Z u s a m in e ns e t z u n g d e r G e r i c h t e und mit d e m J u s t i z syst e m beschäftigt. Die Stellung irgend einer Person in Palästina in Bezug auf ihr W a h 1 r e c h t nach dem Wahlgesetz werde hiedurch nicht berührt. Abgeordneter W e d g w o o d fragte, ob durch die Verordnung das Recht, englischer Bürger, in Streit fällen, an denen sie beteiligt sind, einen englischen Richter zu verlangen, sowie ihr weiteres Recht, die palästinensische Landesbürgerscha-ft ohne Aufgabe der englischen Staatsangehörigkeit zu erwerben, berührt werden. Der Minister antwortete, daß die Order in Council“ und (-ine Reibe anderer Verordnungen, die gleichzeitig in Krafttreten, den Anspruch b r i t i s eher ü n t e r t. a n e n. von einem englischen Richter abgeurteilt zu werden, n i e li t a u f h e b e n, jedoch die Gleichberechtigung aller Personen in Palästina i n b e z u g a u f d i e B e h a n d- 1 u n g ihr e r R e c h t s f il 11 e hersteilen. Der Zionismus zeigt gegenwärtig ein zwiespältiges Situationshild. Neben Erscheinungen. durch die er einen günstigen Aspekt gewinnt, weist er solche auf. die um so bedauerlicher sind, als sin für die Zukunft Schlimmes befürchten lassen. I’sychologiseli ist es durchaus begreiflich, daß die erfreulichen .Momente im Vordergrund des öffentlichen Interesses stehen, den betrüblichen Symptomen hingegen nur wenig Beachtung ‘schenkt wird. Diese Tendenz zur Einitigkeit birgt aber große Gefahren in sieh, um sie macht, es unmöglich, wirksame Abhilfe zu schaffen. Darum mag es gerechtfertigt sein, daß im folgenden versucht wird, den gesamten Komplex der gegebenen Erscheinungen einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Jeder Zionist blickt heute mit berocht! fern Stolz auf Palästina. Nimmt doch dieses Band dank der zionistischen Leistung einen unerhörten Aufschwung. Zehntausende jüdischer Mensehen strömen jährlich in ihre altneue Heimat, um in dieser Arbeit lind Brot zu finden. Städte, Dörfer, Industrien und Agrikulturen entstehen dort förmlich über Nacht — dies in einer Zeit allgemeinen wirtschaftlichen Niederganges. Neues Leben blüht auf alter Erde: ein junger jüdischer Staat ist im Werden. Das Phänomen Palästina ist zum zentralen Erlebnis d ° s j ii d i s e h e n M o rt s c h e n geworden. Wie verjüngt fühlt sieh die Galuth durch die überqueUemle Vitalität des Jischuw. Die Hoffnung auf das wachsende Erez Israel gibt dem Juden in aller Welt frischen Lebensmut. er verspürt in sieh die Kraft, dein ihn umtosenden Hasse Trotz zu bieten, und dankbar neigt er sich vor dem Genius unseres großen Führers UI e r z 1, der dem jüdischen Wollen die endgültige Richtunj geben hat. Seit 40 Jahren ringt die zionistische Bewegung um den jüdischen Menschen. Sie hat gesiegt: der jüdische Mensch ist zionistisch. Allerdings bedurfte es unsagbar leidvollen Geschehens, ehe sich die zionistische Erkenntnis auch dort Bahn brach. avo man sich ihr am hartnäckigsten verschlossen hatte. Nun sammeln sieh die jüdischen Massen im zionistischen Lager. Aus der unansehnlichen, verlachten, kleinen Partei von ehedem hat sich die große, machtvolle zionistische Weltorganisation entwickelt. Der rapid fortschreitende Auf- 1 bau Palästinas und das Erstarken der Bewegung, diese beiden Erfolge bedeuten unleugbar einen großartigen Triumph des zionistischen Gedankens. Sie lösen in jedem Zionisten ein Gefühl inniger Befriedigung aus. Wie ist es aber innerhalb der Bewegung bestellt? Sind die Dinge auch da so befriedigend? Leider muß man diese Frage verneinen. Die Lage im Zionismus ist durch ein Überhaudnohmeu p a r t i k u 1 a r i s t i s c h e r Neigungen charakterisiert. Tiefe Gegensätze zerklüften die Organisation und gefährden ernstlich ihren Bestand. Wie Feinde, stehen die einzelnen Gruppen einander gennentsclnildbaren Verbrochen am Zionismus stempelt, Woran krankt die Organisation? Darauf gibt es nur eine Antwort: au der Hypertrophie der hoidon Flügelparteion und der dadurch bedingten S e h r u m p f u ng d e s Z e ii t ru in s. Diese Strukturauomalie hat natimiotwondig die skizzierten Störungen ini Gesamtgefügezur Folge. Die Geschichte der Nachkncgsdcmokratie liefert ja eine Fülle lehrreicher Beispiele, die alle klipp und klar beweisen, daß Bürgerkriege und Revolutionen lediglich in einer falschen Lagerung der inneren Kräfte begründet sind. (Siehe Deutschland, Österreich, Spanien.) Auch der Zionismus bildet hierin keine Ausnahme; der demokratische Aufbau der Bewegung läßt für sie keine anderen Gesetze zu. Was der Organisation also nottut, ist eine grundlegende Verschiebung des inneren Kräfteverhältnisses. Nur ein solcher Strukturwandel vermag die notwendige Gesundung herbeizufiihren. Man kann nicht umhin, den das Zentrum repräsentierenden Allgemeinen Zionisten erhebliche Schuld am Schicksal der Organisation beizumessen. Der jetzige Zustand resultiert nicht zuletzt aus einer lang ja' g e u v e r f o h I t e n T a k t i k dieser Gruppe. Viele Jahre glaubten die Allgemeinen Zionisten, einer BuudesgeiiosseuscUaft mit dem linken Flügel nicht eutraten können, und kämpften im Verein mit ihm gegen den politischen Kxtrenusmms von rechts. Den Gewinn buchten — die lanken. Anderseits trat die Rechte mit Geschick gegen den sozialen Extremismus von links auf und verstand es. für ihn die Verbündeten der Linken haftbar zu machen. Den Verlust trugen — die Allgemeinen Zionisten. Das waren die Früchte der Anlehnung an links. Somit erweist sich das Anwachsen der Flügolparteien und der damit verbundene Schwund des Zentrums als Folge einer schlechten Orientierung der Allgemeinen Zionisten. Diese Feststellung zwingt zu dem Schluß, daß eine Konstellationsändenuig der innerzionistischen Kräfte ohne taktische Umstellung der Allgemeinen Zionisten nicht erfolgen kann. Als oberstes Gebot muß für sie der Grundsatz gelten: keine B i nd ung m e hr nach ir gen d ein e r Seit e, deutliche A b g r c nzu n gegen links u n d recht s. Es muß endlich möglich sein, mit gleicher Energie gegen den sozialen Extremismus von links aufzntreten wie gegen den politischen Extremismus von rechts. Zudem dürfen die Allemeinen Zionisten nicht weiter in ihrer wohl menschlich sympathischen, aber taktisch verhängnisvollen Zurückhaltung verharren, dureh die sie sieb hindern lassen, d io von ihn e n g e leistete A r beit i n d a s r i c h t i g e L i e h t z u s e t z e n. Ihre Propaganda benötigt eine stärkere Betonung der eigenen Verdienste, ln die Reihen der Allgemeinen Zionisten muß überhaupt mehr Selbstbewußtsein einkeliron. Gar mancher alte Allgemeine glaubt ja gar nicht recht an die Existenzberechtigung seiner Saul Chajes gestorben Nach langer, schwerer Krankheit ist tot Wien im 5t. Lebensjahre der langjährige Archivar und Bibliothekar der Wiener Kuitusgemeindebibliothek, Saul Chajes, verschieden. Saul Uluijes, der ein Neffe des verstorbenen Oberrahbiners Prof. Chajes war. hat den Leiter und Direktor der Gemeindebildiothek, Regierungsrat W a c h s t e i n, mit, dein er gemeinsam au der Ausgestaltung dieser großen jüdischen Bibliothek erfolgreich gewirkt hat. nur um wenige Woeben überlebt. Mit Saul Chajes int ein bedeutender Gelehrter dahingegangen. Der Verstorbene war insbesondere auf denn Gebiete der hebräischen Bibliographie eine Ava.hre Leuchte. Er hat eine Reihe bedeutsamer Arbeiten auf diesem Gebiet geliefert. Ein Standardwerk, „Ps e u d o u y m e n-Lo x i k o n d e r h eb r ä i s c h o n u n d j i d d : s c Ii en Li t er a t. u r“, in hebräischer Sprache im Ja.hro 1933 erschienen, hat Saul Chajors zum Verfasser. Dieses Werk, das an dio'5500 Schril't- »tc.llenia.nien und -sigeln enthält und das hebräische, jiddische und jüdisch-deutsche Schrifttum au* 1500 Jahren umfaßt, zählt heute schon zu einem der unentbehrlichsten Nachschlagewerke. Anläßlich des 25jährigen 1 tirektorjiibiläiuns des R eirkiru n-gsrutes Wachs teil» wurde Saul Chajes vom Präsidium der Kultusgemeinde mit der Herausgabe einer FecstsohnTt betraut, die einen ausgezeichneten Überblick und Querschnitt der Arbeiten Wachsteins in chronologischer Reihenfolge gab. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 17. d., unter außerordentlicher Beteiligung der jüdischen Bevölkerung Wiens und zahlreicher offizieller Kreise statt. Die Kultusgemeinde war durch Überrabbiiier Doktor l'cuchtwang, das Präsidium ßowi© durch den fast gesamten Vorstand vertreten. Der schwergeprüften Witwe wendet sich allgemeine Teilnahme zu. meinen Zionisten“ beweisen, daß der Allgemeine Zionismus auf dem besten Wege ist, entscheidend das Geschick der Zionistischen Weltorganisation zu beeinflussen. Das beweist auch der Z u s t r o m z u r c h a 1 uzisch eingestellten allgemein-- z i o n i s t i s c h e n J u g e n d b o w o g u n g. Die Arbeit muß aber intensiviert werden und 1 a u 1 o K o m p r o m i s s e d ii r f e n nicht geschlossen werden. Die Konsolidierung der Zionistischen Weltorganisation hängt heute im wesentlichen von der Konsolidierung des Allgemeinen Zionismus ab. Die Bilanz des Zionismus weist gegenwärtig also ein gefährliches Defizit auf. Deu Aktivposten Palästina und zionistische Massenbeivegung steht als Passivuui der drohende Zerfall der Organisation gegenüber, Hoffen wir, daß eine spätere Abrechnung ein besseres Ergebnis zeitigen wird. M. Bl. genüber. Sie führen ihre Kämpfe mit einer1 Partei. Ist es dann verwunderlich, daß die erschreckenden Vehemenz. Zuletzt nahmen j s^(! negiert?! die Auseinandersetzungen solche Formen! Dine völlige Abkehr von den bisherigen an, daß sieh die Führer der beiden großen {Methoden und das Aufsuehcii neuer Wege Fliigelparteieri genötigt sahen, Pakte zu 1 sind unerläßliche Erfordernisse. Ihnen schließen, um der politischen Verwilderung j w e r d e n die Allgemeinen Z i o n i- Einhalt zu tun. Es sei dahingestellt, ob von ston genügen müssen, wenn sie derlei Pakten eine merkliche Wirkung zu erwarten ist. Jedenfalls muß der Abschluß der Abkommen an sich als alarmierendes Zeichen gewertet Averdcn. Die unumgängliche Notwendigkeit von Strafsanktionen udiärtet vielleicht am besten die Tatsache, j e n e Position erhalten wolle n. d er e n ErIangu n g im I n t e r e s se einer Nor m a 1 i s i e r u n g d er O r n i s a t i o n s v e r h ä 11 u i s s e g e 1 e g e n ist. Haben sie den Mut dazu, ist die Krise zu beheben. Fehlt er ihnen aber, steht der daß ein Prozeß im Gange ist,?ler bei unge-1 Bewegung das Schlimmste bevor, hemmter Entwicklung zwangsläufig in den Glücklicherweise bricht sich in allgemein- Zerfall der Organisation ausmüuden muß. zionistischen Kreisen immer mehr die Über- Die Organisation ist vom Ruin bedroht und zeugung Bahn, daß die Konsolidierung des damit der ganze Zionismus. Dem Organisa-! Allgemeinen Zionismus eine Lnbensnotwendigtionsproblein kommt eine Bedeutung zu, die! keit für die zionistische Bewegung überüber die aller anderen Fragen weit hinausj haupt ist. Die offenen und versteckten An- Der ZAveite Teil der Krage sei zu verneinen. ‘ reicht und eine laxe Behandlung zu einem! griffe gegen den „Weltverband der Allge- Stephen Wise gegen Jabotinsky New York, 14. März. (2. T. A.) In einer Massenversammlung in der Carnegie Hall zu New York hielt Rabbiner Doktor Stephen S. Wise eine scharfe Rede gegen den Revisionismus und seinen Schöpfer YVladimir Jabotinsky, die iu amerikanischen Zionistcnkruisen Aufsehen erregt hat. Stephen Wise, der früher deutliche Sympathien für den Revisionismus an den Tag zu. legen pflegte, erklärte, daß der Revisionismus gegenwärtig eine Gefahr für den Zionismus sei; seine ethisch-soziale Physiognomie sei negativ. In seinem Auftreten gegen deu Klassenkumpf verlange Jabotinsky ausschi/ießlich von der Arbeiterklasse Opfer, nicht aber von jenen, die Klassenkampf gegen die, Arbeiterschaft predigen. Weiterhin stört der Revisionismus jene Bestrebungen, die auf eine Lösung der Araber-Frage hinzielen. Die Ideologie des Revisionismus widerspricht jüdischen Auffassungen und Traditionen wegen ihrer aggresiven und militaristischen Einstellung. Zionistische Bezirkssektion Favoriten, Wien, X., Rosensäle, Favoritenstraße 89, Dienstag, 19. März 1935,8 Uhr abends z,- PURIM IN TEL-AVIV" CROSSEN PURIMFEIER: ff" unter dem Protektorat des Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes, Herrn Or. Oskar GrUnbaum Karten 4 S 2'— aq dar Abandksssa und Im Zionistischen Landaskomitoa Marc-Aurol-StroBo S, Toi. U 22-2-11

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