Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 435 (19.3.1935)
- Date
- 1935-03-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 435 — 19. Mär2 1935 Dl! STIMM! Seite 3 9 6 ilberftröfine &itrd«fejjett Sftr Itoor unb madjen ©te ott. Söarunt beitü^ctt ©te nidjt baä f>aarft5rfuttg§toaffet (Sntrupal? XtefeS fü^rt Den gefdjtoädjteit .^aarlüiirjeht bte üerbraudpett f^ar&ftoffc ju, fo bafj graue $aare uttb 9fadpüitdjs auf natürliche tEDeife bte ur||)rüttglid)e $ar&e toieber ergalten. (Sine Originalflafdje @ 8.80, mit ißoft 6 9.80 ülpofljefe SB ab et, SBJtctt, I., Shlolljeile 13. Gcrbältltdj in aßen größeren Parfümerien, Slpotfyefeit unb Drogerien. Zum Gedenken an Arthur Balfour Von Dr. Oskar tirflnbaum, Präsident des zionistischen Landesverbandes für Österreich Justin Godart: Der jüdische Weltkongreß M. J a r b 1 u m, Pariser Korrespondent einer Anzahl jüdischer Zeitungen, hatte ein längeres Gespräch mit Justin G od a r t, Senator und früherer Arboitsminister. über die Judenfrage der ganzen Welt. Bezüglich des jüdischen Weltkongresses hat der französische Staatsmann folgende Erklärungen gegeben: Ich halte die Idee eines jüdischen Weltkongresses für eine glänzende und durchaus r e a 1 i s i e r b a r e. Die Gründe, warum man einen solchen Kongreß braucht, sind so elementar, daß ich nicht glaube, daß es viele Menschen gibt, die diese Gründe nicht begreifen. Die Lage der Juden in einer Reihe von Ländern ist, sowohl wirtschaftlich als politisch, unerträglich. Die Juden, die in diesen Ländern wohnen, haben nicht genug Kraft und auch nicht die Möglichkeiten, ihre Rechte auf allen Gebieten wirksam zu verteidigen. Deshalb müssen die Juden der anderen Länder ihnen helfen. Jetzt sind viele Organisationen vorhanden, die die jüdischen Rechte auf internationaler Tribüne verteidigen, aberweiche Organisation ist in Wahrheit berechtigt, die Juden zu repräsentieren, und welche hat die meisten Rechte, imNamen der Juden zußprechen? Das weiß man nicht. Das beste Mittel ist ein auf demokratischer Grundlage gewählter, jüdischer Kongreß, an welchem die Juden aller Länder sich beteiligen sollen, sowohl der Länder, in denen die Juden ihrer Rechte beraubt sind, als auch der Länder, wo sie Gleichberechtigung mit allen Burgern haben. Dieser Kongreß wird eine ständige Institution wählen, die die notwendige Autorität haben wird, die Juden zu repräsentieren und da, wo es nötig ist, in ihrem Namen zu sprechen und zu handeln. Wirtschaftliche Hilfe, Verteidigung der Rechte, zweckmäßiger Organisation der jüdischen Wanderung, Hilfe für die jüdische Kolonisation usw., wird in dem Aufgabenkreis dieser Institution liegen. Wer kann gegen einen solchen Gedanken Bein? Das sind solche, welche sich vom Judentum abwenden — Menschen ohne Mut und Egoisten, die Angst haben, daß es ihnen schaden wird. In jedem Falle Menschen, die nicht von sehr edlen Gefühlen belegt sind. Es gibt auch solche, die denken, daß die Beteiligung an einem jüdischen Weltkongreß heißen würde, daß sie sich nicht genug patriotisch zeigen gegenüber den Ländern, in denen sie Bürger sind. Das ist falsch. Jedenfalls kann ich in Bezug auf die französische Regierung sagen, daß sie nicht diejenigen Juden für nicht genug jatriotisch erachtet, die sich für das Los ihr» r jüdischen Mitbürger in anderen Ländern interessieren und zu einem Weltkongreß gehen, um Wege zu suchen, ihren Mitbrüdern zu helfen und eine ständige Repräsentanz zu diesem Zwecke zu schaffen. Die Erklärung unseres tragisch umgekommeuen französischen Außenministers Louis Barth o u in Bezug auf den Weltkongreß ist der beete Beweis für diese Auffassung der französischen Regierung. Ich begreife wirklich nicht, warum der echte Patriotismus den Juden verbieten sollte, eine solche kompetente Institution zu schaffen, die bestimmte und begrenzte Aufgaben hat, und auf keinen Pall die patriotischen Gefühle der Juden berühren kann. Ich bin auch der Meinung, daß der Weltkongreß als eine demokratische Institution auch ein Instrument des Friedens sein wird. Die Juden haben ein großes Interesse am Frieden zwischen den Völkern und müssen also, zusammen mit allen anderen Gruppen, für den Frieden kämpfen. Ich wünsche, daß der Kongreß so schnell, wie seine Realisierung nur möglich Ist, stattfinde und daß er einen großen Erfolg habe. Zionistisch Bezirkssektion Innere Stadt, Wien, I. Neutorgasse 6 nimmt noch einige Vereine für freie Heimabende g“gen geringe Bezahlung auf. Anfragen sin zu richten: An die Bezirkssektion, I. bleutoigasse 6 Am 20. März sind fünf Jaihre seit denn Tode Lord Artur James Balfour verflossen. Es ist einmal unser Fehler, alles, was um lins vorgeiht und insbesonders alles, was uns berührt, nur aus dem jüdischen Gesichtswinkel zu sehen. So hielten wir ee auch mit der Balfour-Deklaration. Als am 2. November 1917 die Balfour- Deklaration erschien, die uns einen Rechtsanspruch auf das Land unserer Väter sicherte, da brauste ein gewaltiger Jubel durch alle jüdischen Gassen der Welt. Viele, auch nüchterne Politiker glaubten, nun seien alle politischen Voraussetzungen geschaffen und es handle sich nur mehr darum, den Aufbau Erez Israels praktisch durohzuführen. Ais sich aber dann politische Schwierigkeiten einstellten, da machte die Jubeistimmung griesgrämigen Erwägungen Platz. Buchstabe für Buchstabe der Balfour-Deklaration wurde unter die Lupe genommen und man entdeckte plötzlich, was Einsichtige seit der Erlassung der Balfour-Deklaration gewußt, hatten: Die englische Regierung hatte uns nicht Palästina a 1 s Heimstätte des jüdischen Volkes, sondern eine Heimstätte i n Palästina zugesichert. Dazu kam noch die unglückliche Politik des Juden Herbert Samuel, des ersten Oberkommissärs Palästinas, die es plötzlich deutlich machte, daß ein Nebensatz der Balfour-Deklaration, — „daß nichts geschehen solle, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjtidischer Gemeinschaften in Palästina — beeinträchtigen könnte“ — in gefährlicher Weise eine antizionistische und proarabische Politik Englands ermöglichte. Da wurde nun das Sprüchlein vom perfiden Albion zitiert und die jüdische Seele stürzte aus himmelblauen Illusionen auf die harte Erde der grauen Wirklichkeit. Man hatte eben wieder einmal die Dinge nur mit jüdischen Augen gesehen. Kein Wunder allerdings, daß ein Volk, das seit zweitausend Jahren gehetzt und gequält wird und seit zweitausend Jahren seinen Freiheitsträumen nachhängt, seelisch stürmischer reagiert als irgend ein anderes Volk. Man hatte vergessen, daß Balfour nicht Jude, sondern Engländer war, nicht Vertreter jüdischer Interessen, sondern des British Empire. Der Streit der Meinuntgen entbrannte darüber, ob wir hintergangen worden waren, ob uns Balfour den Judenstaat zugesiehert hatte, oder nur einen binationalen Staat. An diesem Streit und seinen Folgewirkungen litt lind leidet noch heute die zionistische Organisation. Man denke an das stolze Wort: „Palästina muß so jüdisch werden, wie England englisch ist“, an den jüngst wieder aufgetauchten Plan vom siebenten Dominion Palästina, an den defätistischen Satz: „Ich glaube nicht an den Judenstaat!“, an die Brith-Sohalom- Politik und an das Sohlagwort von den „schlechten Advokaten in der Exekutive“, die an allem ßchuld sind. Zwischen diesen Extremen schwingt der Pendel der jüdischen Seele. Es kommt aber gar nicht darauf an, ob uns England durch Balfour den Judenstaat oder weniger versprochen hat. Zweifellos hatte Balfour bei Erlassung seiner Deklaration an Englands Interessen nicht vergessen. Nichhs charakterisiert die wahre Lage besser als die Sätze, die Balfour bei einer jüdischen Versammlung im Jahre 1920 in London gesprochen hat: „Wir haben uns zu einem großen Wagnis zusammengeschlossen. Ich sage absichtlich ,wir‘. Unter ,wir‘ verstehe ich einerseits das jüdisoho Volk und anderseits die Mandatarmacht in Palästina. Wir sind Partner in diesem großen Unternehmen. Wenn wir euch im Stiche lassen, könnt ihr keinen Erfolg haben, *Wi wenn ihr uns im Stiche laßt, könnt ihr auch keinen Erfolg haben.“ Das ist eine harte, aber klare Sprache. Dazu wäre zu sagen: Der deutsche Jurist Professor Kohlrausch hat den Satz geprägt: „Das Gesetz ist weiser als der Gesetzgeber.“ Er wollte damit sagen, daß das tägliche Leben, der Wandel gesellschaftlicher und ökonomischer Anschauungen es mit sich bringt, daß das Gesetz auf Fälle angewendet wird, an die der Gesetzgeber nicht, gedacht hat und gar nicht denken konnte. Wenden wir diese Erkenntnis auf das politische Leben an, so machen wir die gleiche Erfahrung. Mit dem Wandel der politischen Ansichten und der Machtverhältnisse ändert sich bis zu einem gewissen Maße auch die Auslegung des politischen Gesetzes. Man darf nicht vergessen, daß es die politische Macht ist, die an der Wiege jedes politischen Gesetzes steht und dann für seine Handhabung und Auslegung sorgt. Das gilt auch von politischen Verträgen, daher auch von der Balfour-Deklaration. Auf den uns interessierenden Fall angewendet, heißt das, daß es in erster Linie von dem Tempo und dem Umfang unseres Aufbauwerkes abhängt, ob es uns gelingen kann, der Balfour-Deklaration jenen Sinn zu geben, den sie nach unserer Auffassung haben muß, wenn sie das sein soll, was sie von sich selbst in ihren einleitenden Worten aussagt, „eine Sympathieerklärung mit den j.ti dis ch-z i o n i s ti s c h e n Bestrebungen“, und wenn es wahr werden soll, was die Präambel des Mandatsvertrages ausdrücklich aus ihr folgert: „daß dadurch die Anerkennung der historischen Verknüpft heit (historical connection) des jüdischen Volkes mit Palästina und der Grundlagen für die Wiedererrichtung seiner nationalen Heimstätte in diesem Lande erfolgt ist“. Wir werden sicher mit England keinen Krieg führen, um England zu der nach unserer Meinung allein richtigen Auslegung der Balfour-Deklaration zu zwingen, und es ist absurd, wie es von revisionistischer Seite geschehen ist, die Erreichung unseres Endzieles davon abhängig zu machen, daß wir England im nächsten Weltkrieg eine jüdische Legion zur Verfügung stellen werden, die mit England zusammen die Araber aus Palästina verjagen soll. Wir müssen daran festbalten, daß uns England durch die Balfour-Deklaration, wie es Lloyd George in San Remo sagte, nur eine Chance gegeben hat. An uns liegt es, diese Chance auszunützen, in täglicher und stündlicher Kleinarbeit. Diese Arbeit muß nicht nur in den Salons der Diplomaten in London und Genf, sondern vor allem in den Sümpfen und auf den Hügeln Palästinas geleistet werden und sie muß im Einvernehmen mit England geleistet werden. Wir müssen mit England koordinieren. Das heißt., wir müssen unsere Arbeit mit der Englands koordinieren, soweit es unsere Interessen erlauben, wir müssen uns aber auch England en-tgegenstemmen, wo es uns Unrecht tun will. Unsere Devise muß sein, was Herzl einmal dem Großherzog von Baden schrieb: „Ausharren ist alles.“ Wir müssen auf dem Fundament ausharren, das uns die Balfour-Deklaration gegeben hat. Es ist ein enges, unbequemes Fundament. Trotzdem müssen wir des Schöpfers der Balfour- Deklaration stets in Dankbarkeit gedenken. Balfour danken wir es, daß das jüdische Leben neue Hoffnung, neuen Aufschwung erhalten hat. Daß der Genius des jüdischen Volkes unter den Fußtritten einer ganzen Welt nicht stirbt, daß wir trotz Hitler wie der Phönix aus der Asche neu entstehen, das danken wir nicht zuletzt dem Engländer Balfour. Ihm danken wir nicht nur, daß wi nach Palästina kraft Rechtens und nicht geduldet kommen. In seiner Deklaration, die in die internationalen Verträge übernommen wurde, heißt es auch, daß „durch die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk -nichts getan werden soll, was-- die politische Stellung der Juden in irgend einem anderen Lande beeinträchtigen könnt e.“ Diese wunderbare, historisch begründete Erkenntnis verdanken wir dem Christen Balfour. Es gibt aber noch immer christliche und leider auch jüdische Antisemiten, die das nicht wahr haben wollen. Balfours Deklaration, möge sie welche ausdrückliche Reservationen immer enthalten, möge sie unter welchen Mental- 1 reservat.ionen immer von England erlassen worden sein, ist das Fundament, auf dem das Judentum der ganzen Welt heute stehen muß. Nur vom Fundament, der Balfour- Deklaration aus kann das jüdische Volk an einer besseren Zukunft arbeiten, für sich und dadurch auch für die ganze Menschheit. Balfour hat der christlichen Welt die Gelegenheit gegeben, das historische Unrecht, das an dem jüdischen Volke begangen wurde, wieder gut zu machen und dem jüdischen Volke die einzige Möglichkeit, seinen Wert für die Menschheit allen Völkern nach zweitausend Jahren wieder zu beweisen. Balfours Tat. war der rettende Engei, der uns in der Stunde der höchsten Not zu Hilfe kam, ehe noch der Nationalismus, jedem Auge sichtbar, zum Generalsturm gegen uns ansetzte. Das jüdische Volk hat keine Orden und Titel zu verleihen. Es danktden Männern, die ihm in seiner Not beigestanden sind, indem es ihnen in seinem Herzen ein unvergängliches Denkmal setzt und in Erez Israel Wälder auf ihren Namen pllanzt. So lebt Balfours Name im Herzen eines jeden Juden und in Erez Israel erinnert der Balfour-Wäld an sein Wirken. Der tote Balfour lebt. Sein Andenken wird im jüdischen Volke stets in Ehren gehalten werden! Oster-Ionderfahrt ... Polen... Czernowitz 16. April bis 1. Mai Reisebureau „IRUT" IV., Karlsplatz 1, Ecke KärntnerstraBe, Tel. U 44-5-79 Reisebureau „ORBIS1* I., KärntncrstraOo 41, Tel. R 26-1-43 Das Bahrtuch für die Herzl-Üherführung Wie wir erfahren, hat die Kunstgewerblerin Ida Kruh auf Grund des Entwurfes von Professor S t r n a d das Bahrtuch für die Herzl-Übeiiührung fertiggestellt. Nunmehr werden auch die Stickarbeiten begonnen. Die Schriftzeichen wurden von dem bekannten jüdischen Schriftkünstler Artur Weiß entworfen. Mit der Fertigstellung des Tuches ist im Laufe des Monates April zu rechnen und es wird dann die bereits bekanntgegebene Aktion zugunsten des Kfar Kreme n e z k y erfolgen können. Bekanntlich wird jede jüdische Frau das Recht haben, gegen eine entsprechende Spende einen Stich an dem Tuche zu machen. Die Frage des Ortes der endgültigen Beisetzung Theodor Herzls in Palästina ist noch nicht geklärt. Hierüber wird bei der am 27. März beginnenden Sitzung des Aktionskomitees ein Beschluß gefaßt werden. Pension Eckstein - Seinu Die Tel-Aviv er Hausbesitzer gegen den Mieterschutz Tel-Aviv, 17. März (2.T.A.) Die Tel-Aviver Hausbesitzer hielten eine Versammlung ab, die stürmisch verlief und in der einstimmig beschlossen wurde, von der Regierung ultimativ die Zurückziehung des Mieterschutzgesetzes zu fordern, sonst würden die Hausbesitzer sich gezwungen sehen, unvollendete Bauten nicht fertigzustellen und Neubauten überhaupt nicht anzufangen, auch würden sie lio bereits beziehbaren Wohnungen nicht vermieten.