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Die Stimme · 1935-03-19 · Heft 435 (19.3.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 435 (19.3.1935)
Date
1935-03-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Solle 2 DIE STIMME 15). Mürz 1035 hochverräterischen Tendenzen, und es ist nun so weit, daß der Bundeskanzler öffentlich hervortritt. Er gebe nur den Behörden, der Polizei, der Stnutccinwaltschaft den Auftrag, nach dem Buchstaben des Gesetzes vorzugehen und Österreichs Ehre zu schützen. Wenn man die Saboteure packt, dann werden sie schon gefügiger werden! Abzeichenghetto an den Hochschulen? Das Abzeichen der Vaterländischen Front besteht bekanntlich au^ einem aus Stoff od.er Metall hergestelltcn rotw e i ß - r otem B ü n d e h o n, das im Knopfloch zu tragen Dt. Wie wir nun hören, wurde an den Hochschulen für die Studentenschaft ein eigenes Abzeichen der Vaterländischen Front kreiert. Als sich nun jüdische Studenten ebenfalls um dieses Abzeichen bewarben, wurde ihnen bedeutet-, da 15 das für Hochschüler geschaffene Abzeichen nur für deutsch- Christ liehe Hoc h- Schüler geschaffen worden sei. F ü r d i e jüdischen H o c h s c h ü 1 c r würde später ein eigenes A b ze i c h en geschaffen werden. Bis dahin sollen sie das allgemeine Abzeichen der Vaterländischen Front tragen. Dieser Bescheid muß in den jüdischen Kreisen Österreichs und in der ganzen Öffentlichkeit Befremden hervorrufen. Wir fragen die Leitung der Vaterländischen Front, ob die Schaffung eigener Abzeichen für christlich-deutsche Hochschüler Uber ihren Auftrag oder mit ihrem Wissen erfolgt ist und, bejahendenfalls, was sie zu unternehmen gedenkt, um diese Diskriminierung der jüdischen Hochschüler hintanzuhalten. Eine äußerliche Unterechei.dung der Christen von den Juden würde auch den Bestimmungen der österreichischen Verfassung und des F riedens Vertrages widersprechen Die Schweiz bestraft antijüdische Kundgebungen Der anläßlich der vorjährigen antisemitischen Manifestationen in Zürich für zwei Tage von der Polizei in Haft genommene „Landesführer“ der faschistisch-antisemitischen „Nationalen Front“, Dr. Henne, hat nachträglich gegen diese Inhaftierung beim Zürcher Bezirksrat Rekurs eingelegt. Nach Prüfung hat nunmehr der Bezirksrat den Rekurs Dr. Hennes ahgewiesen. In der Begründung des Bezirksrates wird hervorgehoben, daß die Verantwortung für Störung der öffentlichen Ordnung Dr. Henne nicht nur als geistigen Urheber, sondern auch als persönlichen Teilnehmer an den Manifestationen getroffen hat. Da es vornehmlich die „Nationale Front“ und ihre Zeiung „Die Front“ gewesen seien, die zu immer sich erneuernden Ruhestörungen aufforderten, sei die Behörde nicht nur berechtigt, sondern In jeder Beziehung verpflichtet gewesen, den Führer dieser Bewegung als Teilnehmer zu verhaften. Häkehkreuzpropaganda an Schweizer Hochschulen Schweizer Blätter sind sehr ungehalten über die an Schweizer Universitäten von d e u t s e h e n Studenten betriebene nationalsozialistische und antisemitische Propaganda. Die Gruppe nationalsozialistischer Studenten an der Universität Basel soll der Generalversammlung der Bush Studentenschaft, einen Antrag unterbreitet haben, aus dem akademischen Lesesaal al 1 e .,h i t 1 e r f e i n d I i eh e u“ Z e i t ti n g e n zu entfernen. Gleichzeitig vernimmt man, daß bereits wiederholt in den Lesesälen der Schweizer Universitäten gewisse, den Nationalsozialisten unliebsame Zeitungen und Zeitschriften beschmiert und beschädigt wurden. Die ..Neue Zürcher Zeitung“ weist darauf hin, daß diese Vorgänge nur ein Glied einer g r oß a n g e 1 e g I e n Pr o p ag a n d anktion der deutschen Studenten in der Schweiz seien, die in nationalsozialistischen Verbänden organisiert sind und in engem Kontakt mit o f f i z i e 11 e n P r o p a g a nd a s t e 11 e u i m R o i c h stehen. Das Blatt zitiert in diesem Zusammenhang einen im deutschen „Studenten-Pressedienst“ erschienenen Artikel, der versteckte Angriffe auf die Schweizer Universitäten enthält. Die deutschen Studenten an den Schweizer Universitäten werden in diesem Artikel dazu aufgefordert, sieli diesem Geist zu widersetzen und ihn durch die nationalsozialistischen Ideen zu ersetzen. Die „N. Z. Z.“ gibt ler Hoffnung Ausdruck, daß die Schweizer Akademiker überall rn i t aller S c h ä r f e egen solche Bemühungen der nationalsozialistischen deutschen Studenten auftretcu werden. Billige Sonderfahrten nach POLEN Abfahrten am 17., 23.. 26. März 1935 Rückkehr am 15. April 1935 Anniolrtunni'i ul, r i und Aualdlnfle „Frnncopol*. T 1 (Tel. U Anmeldungen und Auskünfte Nord. Relflebllro, 1., Ornhon 10 (Tel. R 25-0-02). Die Ausbürgerungen in Deutschland Oitovon Habsburg an die jüdischen legitimistisdien Frontkämpfer Im Wiener Militärkasino hielten am Sonntag die jüdischen legitimistischen Frontkämpfer eine Feier ab, die Generalmajor Sommer leitete. Prinz Johannes Liechte i n s t e i n verlaß einen Brief Otto von HabsBurgs, in welchem dieser mitteilt, daß er das Protektorat über die Vereinigung annimmt. Der Brief lautet: „Lieber Generalmajor Sommer! Eine von Ihnen geführte Deputation der Vereinigung der Legitimistischen Jüdischen Frontkämpfer hat mich unter Versicherungen unerschütterlicher Treue um die übernähme des Protektorats gebeten. Ich gebe dieser Bitte statt, denn Sie alle haben in ernsten Tagen Kaiser un-d Reich die Treue <r halten. Mit ihren christlichen und islamitischen Kameraden haben die jüdischen Soldaten das Los der Frontkämpfer auf sich genommen — N o t u n d G e f a li r, Wunden und Tod. Sie haben sich damit einen Anspruch auf die Achtung der "Welt und den Dank ihres Kriegsherrn erworben. In der Erinnerung an die Bewunderung, die meine Vorfahren, namentlich mein erlauchter Urgroßoheiim und mein heißgeliebter kaiserlicher Vater, allen braven Kriegern gezollt haben, spende auch ich Ihnen meine Anerkennung. — Jede Erinnerung an den Weltkrieg mahnt uns, der toten Helden nicht zu vergessen. Auch die Juden im kaiserlichen Heere dürfen auf Taten h i n w e i s e ij, die s c h m e r z 1 i c he Blutopfer verzeichnen. Aller jener, die in Erfüllung ihrer beschworenen Pflicht fielen oder starben, gedenke ich in Ergriffenheit. Den Überlebenden aber entbiete ich meinen kaiserlichen Gruß, — Das mitfolgende Bild sei Ihnen allen ein Zeichen meines Dankes. In der Verbannung, am 31. Dezember 1934. Otto e. h.“ Aus Berlin, 14. d., wird uns geschrieben: Die Geltungsdauer de», Gesetzes Über den Widerruf von Einbürgerungen läuft am 15. Juli d. J. ab; bis dahin werden alle Nichtarier, die nach dem 9. November 1918 die deutsche Staatsangehörigkeit worben haben, ausgebürgert sein, auch wenn sie Jahrzehnte vorher bereits Deutschland gelebt haben oder gar Deutschland geboren wurden. Es sind dies mehrere tausend an der Zahl; s i e alle werden staatenlos und unterliegen allen für Staatenlose bestehenden erschwerenden Bestimmungen. So zum Beispiel müssen Ausgebürgerte, die heiraten wollen, sich ein Ehefähigkeitezeugn i s beschaffen, wofür das Reichsjustizministerium zuständig ist; der Minister hat sich nämlich die Erteilung von Ehefähigkeitsattesten bei Niehtariern selbst Vorbehalten. Der Ausgeblirgerte muß einen Staatenlosenausweis (F rermlenpaß) sowie eine Aufenthaltserlaubnis bei der Polizei beantragen. Auch Staatenlose können beim Vorliegen eines Auswedsungs- Tatbestandcs aus Deutschland ausgewiesen werden. Die Durchführung einer Ausweisungsverfügung gegen einen Staatenlosen ißt schwer, weil kein Heiiriatstaat besteht, in den er abgeschoben werden kann. Da aber zur Durchführung der Ausweiisungsverfügung zu polizeilichen Beugemitteln wie Z w a n g s h a f t und Zwangssteuer gegriffen wird, wird den Staatenlosen angeraten, sich im Falle der Ausweisung die Einreiseerlaubnis in ein anderes Land zu beschaffen. Auslandsreisen sind für solche Ausgebürgerten außerordentlich erschwert, weil die Auslandsstaaten bei der Erteilung von Einreisevisen an Staatenlose sohr zurückhaltend sind und die Reisen auch von der Einholung von Sichtvermerken seitens der deutschen Polizei abhängig sind. Auch für staatenlose Palästina- T o u r i b t e n ist die Erlangung des Visums schwer. Wa.s Beschäftigung anbetrlfft, ho bestehen fiir Ausgebürgerte die gleichen Bestimmungen wie für Ausländer; sie müssen sich einen Befrciungß-schein oder eine Arbeitskarte beschaffen. Aiisgebürgerte Ärzte und Dentisten dürfen Kassenpraxis nicht mehr ausüben, auch wenn sie Frontkämpfer Deutschlands oder eines verbündeten Staates waren. Ausgebürgerten Frontkämpfern wird auch das Ehrenkreuz vorenthalten. Die Mehrheit, der Ausgebürgerten, die einst polnische, österreichische, tschechische, ungarische, rumänische oder russische Staatsangehörige waren, werden voraussichtlich immer staatenlos bleiben, weil diese Staaten Personen, die auf ihre Staatsangehörigkeit verzichtet haben, selten nur in den Staats verband wieder auf nehmen. Im „Deutschen Reichsanzeiger“ wird eine neue Liste von 139 n i c h t a r i s c h e n Personen veröffentlicht, deren Einbürgerung widerrufen worden ist. Diese Personon hatten die preußischo Staatsangehörigkeit sehen dem 9. November und dein 30. Jänner 1933 erworben. Sie haben durch den Widerruf der Einbürgerung die deutsche Reiebsangeböngkeit verloren. Eine frühere Liste der Ausgebürgerten enthält auch den Namen des hervorragenden Philosophen Dr. Jakob K1 a t z k i n, der jetzt in der Schweiz lebt. Rückgang der jüdischen Ärzte m Deutschland Berlin, 15. März. (2. T. A.) Die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe teilt mit: Nach einer Mitteilung im Ärztcblatt für Berlin vom 10. März 1934 betrug Mitte 1933 die Zahl der Ärzte 0558, davon 3423 52.2% Nichtarier. Am 31. August 1934 betrug die Zahl 01 IS, davon 2549 41.2% Nichtarier. Die Zahl der Nichtarier hat sieli also innerhalb eines Jahres um 874 vor in 1 n (1 e r t, Dieser G e s a m t a b g a n g der Nichtarier ßetzt sich zusammen aus einem Verlust von 951 und einem Zugang von 77 nichtarischen Ärzten. Der Vergleich zwischen Juli 1933 und Juli 1934 läßt die Einwirkung der Gesetzgebung auf die rassische Zusammensetzung der Berliner Ärzteschaft deutlicher erkennen als der Vergleich der Zahlen vom 11. Februar 1931. Interessieren dürfte noch, daß nach dem Blande des Frühjahrs 1934 in Berlin von 3157 Kassenärzten insgesamt 1358 — 43% nichtarische Ärzte waren und daß in ganz Deutschland nach dem Stande im Frühjahr 1934 von zirka 32.000 Kassenärzten insgesamt 3041 11.4% Nichtarier waren. Die jüdische Tragödie Im neuesten lieft der Parin r Zeitschrift „Cahiers Juifs“ spricht Maxime Fi ha über die ausweglose Lage der jüdischen Emigranten: „Da sind die Juden, die vor den Schrckkon des Bürgerkrieges aus Rufiland gepachtet sind, jene anderen, die die braunen Nazibandeu aus Deutschland vertrieben haben, und jene, die Dpfer der Umgestaltung Zentraleuropa wurden. Man kann sin nicht in ihr Land absehiebcu: sie haben kein Vaterland mehr. So schiebt man sio e i n f a e li ti b e r d i e n ä e h s t e Grenze ab. Wenn sie sich in F r a n k r e i c h befinden, so erhalten sie den Befehl, in 48 Stunden über der Grenze zu sein; sie gehen nach B e 1 g i e n, wo man sie ein paar Tage beherbergt; daun schiebt man sie wie ler ob; sie geben nach Lux e m b u r g, werden auch da abgeschoben, kommen nach Frankreich zurück, und d e r h ö Mische . K r c i s- 1 a u f, würdig der Verdammten Dantes, geht weiter. Nirgends dürfen sie Wurzel fassen, überall sind sie verdächtig. .. Und der Ewige Jude fragt seine glücklicheren Brüder und die Völker: ,Wie lange noch?' “ WIR BERAT EN SIE IN ALLEN SAU- UNO GRUNDSTÜCK- ANGELEGENHEITEN FOR PALÄSTINA DURCH UNSER BORO IN WIEN UND HAiFA AUSKUNFT UNTER „ARCHITEKTU R-B O R O'1 AN DIE REDAKTION DER «STIMME« Jüdische Binnenwanderung in Sowjetrußland Vom ersten Jänner bis 8. März 1935 sind mehr als 1000 Juden in Biro-Bidschan iingewandert. Laut dem Aufbauplan müßten m ersten Viertel 1935 1300 Juden einwandern, man glaubt, daß bis Ende März diese Ziffer erreicht sein wird. Im zweiten Jahresviertel 1035 sollen laut dem bestehenden Plan nicht weniger als 3000 Juden nach Biro-Bidschan kommen. Nach den drei jüdischen nationalen Rayons in der Ukraine (Kalinindorf, Stalindorf und Neu-Zlatopol) sollen hu zweiten Jahresviertel 900 jüdische Familien, nach der Krim sollen in der gleichen Zeit 250 Familien mit insgesamt 1000 Seelen einwandern. Somit sind rund 7500 jüdische Seelen zuv Ansied- Jimg im zweiten Jahres viertel 1935 vorgenierkt. Die Regierungen der Krim und der Ukraine wurden aufgefordert, fiir dieses Siedlungswerk etwa drei Millionen Rubel zur Verfügung zu steilen. Kabinettskrise im Irak Bagdad, 17. März. Diu erst vor zwei Wochen ncugebildete Regierung des Irak sah sich heute wegen schwerer Unruhen von Stämmen in der Gegend des mittleren Euphrat gezwungen, ihre Demission zu geben. Dem neugebildeten Kabinett steht« Yassin Pas e h a vor. 2. Vortrag Dr. Josef Kosfein ln Wien Samstag, den 30. Mär* 1935, um S Uhr abends, Im Mittleren Konzerthaussaal *\Ult DR. JOSEF KASTEIN „Ahasver oder die Überwindung eines Mythos" Diesem zweiten Vortrag de» berühmten jüdischen Geschichtsschreiber« sieht man in allen jüdischen Kreisen Wiens mit größter Spannung entgegen Sichern Sie sich rechtzeitig Karten I Der Kartenverkauf hat bereits begonnen I Verkaufsstellen: Zionistisches landeskomitee. Telephon U 22-2-11 | Verkaufsstellen: Bücherstube Rath, Wien, II., Taborstraße Nr. 20a. Telephon R 45-'505 Bücherstube Lanyi, Wien, I., Kärntnerstraße Nr. 44. Telephon B 26-3-33 Telephon R 21*4-52 Sämtliche Zionistische Bezirkssektionen Jüdische Kunststelle, Wien, II., Aspernbrückengasse Nr. 2. 9 w "v er m f ryy vgr gp «a Telephon R 48-2*91 Bücherstube Löwith, Wien V, Wollzeile Nr. 6. ■nr" 1 %9

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