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Die Stimme · 1935-03-19 · Heft 435 (19.3.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 435 (19.3.1935)
Date
1935-03-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Pnli dieser Nummer SO V. b. b. Die heutige Nummer Ist 10 Seiten stark Purim-Bellage JÜDISCHE ZEITUNG Die großen, vorzüglichen Salanschiffe „Galllca“, „Palostlna“ und „Gcruealcmme“ der direkten Eillinie TRIEST - JAFFA LLOYD TRIESTINO verkehren jeden Mittwoch und Jeden zweiten Freitag / Fahrpreis In der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich bloß zirka ö. S 258-— > Auskünfte : Lloyd l’rlestino, I., Kömtnerrftg 6 Nr. 435 | Wien, 19. März 1935 fledaktlon und Administration. Wisn, i., Msre-Aural-StrsB« 8. Tel.: U 22-3-81 .ledaktionsichluß Montag und Mittwoob vorm. [ (14. Adar II 5695) | 8. Jahrgang Der nächste Kongreß Bei der am 27. März in Jerusalem beginnenden Sitzung des Aktionskomitees wird auch der Termin und der Ort der Tagung •des 19. Kongresses bestimmt werden. Wie wir hören, stehen folgende Orte für den Kongreß in Erwägung: Brüssel, Prag, Zürich und Luzern. 42.350 jüdische Einwanderer im Jahre 1934 Jerusalem, 14. März. (2. T. A.) Laut einem in Vorbereitung befindlichen Bericht der Palästina-Regierung sind Jahre 1934 42.350 Juden nach Palästina legal gekommen. Davon kamen 5125 als „Kapitalisten“, brachten somit ©in Kapital von mindestens 5,125.000 Pfund (1000 Pfund pro Person), wahrscheinlich aber sieben oder acht Millionen Pfund, ins Land. 10.880 wauderten auf Grund von Arbeiterzertifikaten ein (hierin sind Angehörige nicht eingerechnet). Der Rest kam als Verwandte von Palästina-Einwohnern oder gemäß den Einreisebestinvmungen für Waisenkinder unter 16 Jahren, Studenten und religiöse Funktionäre. 1934 wanderten auch 1738 Moslems und Christen ein. Die Zahl der illegal Eingewanderten ist in den Ziffern nicht angegeben. Ein Jude in Aleppo ermordet Die Juden von Aleppo (Syrien) sind durch folgenden Vorfall in Unruhe versetzt worden: Der 65jährige Jude Jesbaia T u a s s i wurde in der Nacht von Arabern entführt, grausam gemartert und in den Fluß geworfen, aus dem er als Leiche hervorgezogen wurde. Es wurden verdächtige Araber verhaftet, aber wegen Beweismangels wieder freigelassen. Die Juden und die allgemeineWehrpflidit in Deutschland Berlin, 18. März. Vor einigen Tagen wurden Vertreter des jüdischen Frontkämpferverbandes zu amtlichen Stellen beschieden, wo man ihnen mitteilte, daß die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Aussicht stehe. Die Vertreter der jüdischen Frontkämpfer drückten die Hoffnung aus, daß die Wehrpflicht auf die jüdischen Bürger ausgedehnt werden werde. Nach den vorliegenden Mitteilungen wurde diese Möglichkeit zugegeben und hinzugefügt, daß in der Reichsregierung darüber noch verschiedeneAuffassungen bestünden. Der Reichskanzler Hitler und der Innenminister Dr. Frick sind im Kabinettsrat angeblich gegen die Einbeziehung der Juden in die allgemeine Wehrpflicht gewesen, sollen aber in der Minderheit gehlieben sein, worauf der Reichskanzler geäußert haben soll, daß die Juden in besonderen Formationen vereinigt werden sollen. Die Wortführer der Aussprache, nämlich die Vertreter des Reiehswehrministeriums sollen auch diesen Vorschlag abgeiehnt und erklärt haben, die Juden würden in der allgemeinen Wehrpflicht den gleichen Bestimmungen wie die anderen Deutschen unterstehen. Es ist bekannt, daß schon in einem früheren Stadium das Reichswehrministerium erklärt hat, daß die Wehrmacht nicht auf die Juden, das heißt auf die Mannschaft aus einer halben Million Reiohsangehöriger verzichten könne. Es würde aber, falls es bei der bisherigen Diskriminierung und Diffamierung der Juden bliebe, der unerträgliche Zustand eintreten, daß die Juden nicht in Deutschland leben, aber für Deutschland sterben dürfen. Es ist nur logisch, daß eine Einbeziehung der Juden in die allgemeine Wehrpflicht auch eine Änderung des gesamten Rechtsstandes der jüdischen Staatsangehörigen bedingt. Selbstverständlich müßten alle behördlichen Akte gegen die Juden eingestellt, alle antisemitischen Gesetze und Boykottmaßnahmen rückgängig gemacht und den Geschädigten voller Schadenersatz gelei- Uter 4 Millionen Pfund Uberschuß des Palästinabudgets Jerusalem, 15. März. (2. T. A.) Laut „Offlcial Gazette“ betrug Anfang Februar 1935 der Budgetüberschuß der Palästina-Regierung 4,270.659 Pfund. Eine-Million-Pfund-Anleihe der Stadt Tel-Aviv In der Budgetsitzung des Stadtrates von Tel-Aviv teilte der Vizebürgermeister R o k a c h mit, daß das Stadtpräsidium die Regierung ln Jerusalem ersucht hat, einzuwilligen, daß die im Dezember v. J. auf 260.000 Pfund festgesetzte Anleihe der Stadt Tel-Aviv auf eine Million Pfund gebracht werde. Ferner teilte Rokach mit, daß das Budget für 1935 in Höhe von 400.000 Pfund, davon 100.000 Pfund für Unterricht, noch nicht balanciert ist. Es wird mit der Regierung verhandelt, damit sie einen Teil der Erziehungsausgaben, wie dies mit Bezug auf andere Städte der Fall ist, trägt. Ist es nicht seltsam, fragte Rokach, daß eine Regierung, die über einen Millionenüberschuß verfügt, die jüdische Bevölkerung zwingt, die ganze Last des von den Juden selbst aufgebauten Schulsystems zu tragen? Keine Anleihe der Regierung London, 17. März. (2. T. A.) In der Sitzung des Unterhauses vom 14. März verneinte der Minister für die Kolonien, Sir Philip C u n 1 i f f e-L i s t e r, die Frage des Abg. Wedgwood, ob und für welche Zwecke eine neue Zwei-Mi 1lionen-Pfun d-P a 1 ä s t i n a-A n l e i h e aufgenommen werden soll. Außer der bisher noch nicht aufgelegten Anleiho von zwei Millionen Pfund, diie zu garantieren die englische Regierung im vergangenen Jahr durch das Parlament ermächtigt wurde, sei keine neue Anleihe beabsichtigt, Abg. Wedgwood fragte weiter, ob man diese Anleihe nun auflegen wolle, ob man beabsichtige, zunächst die Genehmigung des Schatzamtes einzuholen und ob man es im Hinblick auf die viereinhalb Millionen Überschuß des Palästina-Budgets überhaupt für lohnend halte, Geld zu leihen. Der Minister erwiderte, daß das Haus die Anleihe genehmigt hat. Was die Zustimmung des Schatzamtes betreffe, so sei man fast immer mit diesem bezüglich der Zeit und Umstände der Ausgabe einer Anleihe einig gewesen. stet werden. Es ist weiter selbstverständlich, daß Organe wie „Stürmer“, „Judenkenner“ usw. zu verschwinden hätten. Für Deutschland bietet sich jetzt eine Gelegenheit, das Verhältnis zwischen der deutschen und der jüdischen Nation auf eine neue Basis zu stellen und vom Grund aus zu revidieren. Nach der deutschen Auffassung ist der Dienst im Heere höchste Bürgerpflicht. Sie ist aber nur denkbar, wenn der Bürger sein volles Recht besitzt, so daß er aus seinem Herzen heraus den. Staat bejaht. Wenn die Söhne der Juden in der Armee sind, können ihre Eltern nicht Parias bleiben. Die Juden in Deutschland sind nicht in der Lage, ihre Forderungen zu der jetzt gegebenen Situation öffentlich und an den kompetenten Stellen vorzulegen. Deshalb müssen dies die Juden des Auslandes tun. Die es nicht hinnehmen würden, daß ihre Brüder in Deutschland zu rechtlosem Kanonenfutter herabgewürdigt werden. Zur Makhabiade nach Palästina Preis S 580-- Wien-Wien Visum gegen Kaution Compa s To rs. Wien, K, SpiWgasse 3. Tel B 42-5-3P Bundeskanzler Dr. Schuschnigg: Sdiadi den Saboteuren! sind Strömungen an der Arbeit, die die Autorität der Regierung in Frage stellen. Sie richten sich gegen das Gesetz, gegen die Verfassung, gegen den inneren Frieden . und sie führen auch zu einer bedenklichen Schmälerung decs Ansehens Österreichs vor dem Ausland, das an den Zuständen des mitteleuropäischen Zentralgebietes sehr lebhaft interessiert ist. Immer wieder wird die Verfassungstreue betont und immer wieder stehen diesen Erklärungen die von den Saboteuren gesetzten Akte gegen einen Teil der Bevölkerung gegenüber, und es läßt sich nicht vermeiden, daß diese Diskrepanz außerhalb der Grenzen des Staates beachtet wird. Der Bundeskanzler und der Außenminister haben kürzlich in Paris und in London über den Stand der Dinge Aufklärung gegeben. Es sind dies die für die Entwicklung der gesamteuropäischen Politik maßgebenden Zentren und es ist für Österreich von einer Wichtigkeit, die man nicht erst zu betonen braucht, daß an diesen Orten auch nicht die Möglichkeit eines Mißtrauens in eine Erklärung einer österreichischen Regierung besteht. Sicher ist, daß zum Beispiel die Einführung eines eigenen Abzeichens für die der Vaterländischen Front angehörenden jüdischen Hochschüler, daß die Ausschaltung jüdischer Spitalsumd Krankenkassenärzte, die Fortsetzung der antisemitisch nationalsozialistischen Pressehetze in den verschiedenen . betont-, getarnten Organen gegen den Geist des Neuaufbaues des Staates verstößt und daß sich auch sonst in vielen Kreisen der Gedanke eingenistet hat, daß gegen die Juden so ziemlich alles erlaubt ist. Dieser Tätigkeit ist der Staat bisher nick! mit der notwendigen Energie entgegengfdreten. Die leitenden Personen unterschätzen diese Tendenzen, die bei den Judeu beginnen und In einer Rede an die christlichen Turner hat der Bundeskanzler die Gefahren aufgezeigt, die durch die Nichtbeachtung der Regierungslinien dem Aufbau Österreichs drohen. Der Bundeskanzler sagt: „Wir müssen uns im klaren sein, daß noch getarnte Saboteure am Werk sind, die sich bemühen, das Tempo zu verlangsamen. Was kann die Führung machen, wenn sie auf Schritt und Tritt auf Saboteure stößt! Daher Schach der Sabotage im Lande! Ich rechne auf euch alle und alle, die mit euch die gleiche Linie halten, daß sie mithelfen, hier Wandel zu schaffen. Es ist die vordringliche Aufgabe der Führer, hier nach dem Rechten zu sehen. Wir wollen doch sehen, ob wir durchkommen oder nicht.“ Dieser Ausruf des leitenden Politikers beleuchtet die Situation in Österreich. Sie zeichnet die Umtriebe, die unter dem Einfluß der nationalistischen Elemente und der mit ihnen sympathisierenden Kreise in der Bureaukratie gegen den inneren Frieden wirken und das Wirtschaftsleben durch immer neue Reizungen stören. Das verspürt in ganz besonderer Weise die jüdische Bevölkerung, und es ergibt sich, daß auch die Regienmg an diesen Erscheinungen nicht mehr Vorbeigehen kann. Der Bundeskanzler wendet sich an die Öffentlichkeit und ruft sie zur Hilfe auf. Wir haben schon letzthin gelegentlich einer detaillierten Mitteilung über die Verdrängung der jüdischen Ärzte von diesem schleichenden Antisemitismus gesprochen und darauf aufmerksam gemacht, daß die führenden Persönlichkeiten in Österreich Uber die wahren Verhältnisse von den untergeordneten Organen nicht wahrheitsgemäß informiert werden, oder daß ihre Weisungen von Personen durchkreuzt werden, deren Ansichten über bürgerliche Gleichberechtigung sich mehr mit nationalsozialistischen dann aber auch die katholische Kircho und Anschauungen als mit denen der leitenden I den ganzen Unterbau ries Staates an «reif ein österreichischen Staatsmänner decken. Es | Die Passivität der Führung ermuntert die

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