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Die Stimme · 1935-03-12 · Heft 433 (12.3.1935) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 433 (12.3.1935)
Date
1935-03-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite <4 DIE STIMME Nr. 433 12. März 1035 Erfolg muß sich erst zeigen. Wenn sieh die ausländischen Warenlieferanten wirklich einschüchtern lassen, und, um den deutschen Markt nicht zu verlieren, neudeut.sehe Literatur kaufen, dann werden sie ihre Orangen und Bananen und was sie sonst noch dem deutschen Konsumenten zu liefern haben, in die Gedichte Baldur von Schirache und die Dramen von Goebbels einpacken können. Lesen werden sie diese ja doch nicht — so weit sie auf deutsche Lektüre erpicht sind, halten sie sich, wie das eingangs zitierte Gejammer des P liner Literaturblattee beweist, an die jüdische Emigrantenpoesie. Diese Entwicklung sollte auch außerhalb Deutschlands zum Nachdenken anregen. Wie jüngst verlautbart, hat der österreichische Bundeskanzler die Ansicht, daß die Juden ihre durch innere Neigung und Begabung erlangten Positionen in den freien Berufen den Ariern überlassen sollten, die früher, als ihnen die Staatsbeamtenkarriere noch bessere Chancen bot, „keinen Grund1 hatten, den Lebensunterhalt in Handel, Bankwesen und wissenschaftlichen Berufen zu suchen. Es ist nicht uninteressant, dieser Auffassung die Besorgnisse gegeniiberzustelleu, die vor wenigen Jahren — zu Beginn des Wintersemester« 1932 — die da maligen Rektoren der Wiener und der Grazer Universität in ihren Inaugurationsreden über die Gefahren äußerten, die dem wissenschaftlichen Leben von dem Andrang solcher Elemente zur Hochschule drohen, die nicht aus innerem Trieb studieren, sondern nur aus der nüchternen Erwägung, daß sie in jenen Berufen, die cA höhere Bildung z-u erreichen sind, derzeit kein Fortkommen finden können. Besonders der Grazer Rektor beklagte in eindringlichen Worten den katastrophalen Mangel dieser Jugend an Interesse für Bildung und Wissenschaft und verstieg eich zu der düsteren Prophezeiung: „Wenn es so weiter geht, wird man in einem Jahrzehnt in öster reich überhaupt keinen wissenschaftlichen Betrieb mehr kennen.“ Das war eine überaus ernste Mahnung, die durchaus nicht vergessen werden sollte. Das Mißtrauen gegen die jüdischen Positionen in den freien Berufen beruht wohl bis zu einem hohen Grad darin, daß der jüdische Aufstieg als Frucht der liberalen und der sozialdemokratischen Ära gewertet wird. Dieser Auffassung steht aber die Tatsache entgegen, daß Moses Maimonides schon vor 800 Jahren der bedeutendste Arzt, Jurist und Philosoph seiner Zeit gewesen ist. Ihn hat weder eine liberale noch eine sozialistische Welle in die Höhe getragen, sondern einzig und allein die Leidenschaft zur wissenschaftlichen Forschung, die bei den Juden eine altererbte Nationaleigenschaft ist und sich ohne Rücksicht auf äußere Konjunkturen selbst gegen eine feindliche Umwelt siegreich zur Geltung bringt. Diese uralte jüdische Tugend prädestiniert die jüdischen Studienbeflissenen zu natürlichen Bundesgenossen aller Bestrebungen, die eine Versumpfung und Verflachung de« Geisteslebens durch jene Elemente verhindern wollen, die in der Wissenschaft, um mit Schiller zu sprechen, nicht die hohe himmlische Göttin schätzen, sondern nur „eine zu melkende Kuh, die sie mit Butter versorgt“. Dr. Hugo S p i e g 1 e r. PaUfetinajmeldet^ 15.000 auBerpalästinenslsdie Araber in indischen Betrieben Wieder ein Boykottzettet Das Wäschehaus Karl T r a i n t, Wien, VII., Neubaugasse 38, läßt einen Reklamezettel verteilen, auf dem als „Bestreben“ angegeben wird: Bei Ariern kaufen, an Arier verkaufen. Bei Berufung auf dieses Rundschreiben werden 5 Prozent Nachlaß gewährt, was so viel bedeutet, daß auf den gewöhnlichen Preis 5 Prozent aufgesctnlagen werden, obzwar sonst „tiefste Preise“ angezeigt werden. Es ist klar, daß dieses Flugblatt gegen die gutem Sitten im geschäftlichen Wettbewerb verstößt und daher von allen Interessenten klagbar verfolgt werden kann. Auf einer in Jerusalem abgehaltenen Konferenz der Führer der orientalischs e p h a r d i s c h e n Gemein d e n wurde die Feststellung gemacht, daß mindestens 15.000 arabische Arbeiter aus außerpalästinensischen Ländern, davon Tausende aus ganz entlegenen Gebieten, in jüdischen Betrieben Palästinas beschäftigt sind. 2500 solcher Araber haben allein bei Juden in Jerusalem Beschäftigung gefunden. Die Konferenz beriet über Maßnahmen zur Erhöhung der Einwanderung orientalischer Juden, die die außerpalästinensisehen Araber ersetzen sollen. 260 Juden aus dem Yc me n sind soeben iti Palästina eingetroffen. Der Notenumlauf ln Palästina Jerusalem, 10. März. Das Finanzdepartement der Regierung stellt fest, daß im Februar 1935 der Notenumlauf in Palästina 4,963.964 Pfund betragen hat. Der syrische Hule-Boden Jerusalem, 7. März. (Z. T. A.) Die arabische Presse teilt mit, daß Juden mit den Besitzern der syrischen Teile der Hulc-Böden Verhandlungen wegen Erwerbs eines Teils dieser Böden führen. Die Zeitungen teilen weiter mit, daß der Großmufti von Jerusalem Haj Amin el Hussein] eine Gesellschaft mit einem Kapital von 60.000 Pfund geschaffen hat, deren Ziel es ist, zu verhindern, daß arabischer Boden in jüdische Hände übergeht. Die arabische Presse deutet aai, daß Verhandlungen der Besitzer der syrischem Böden mit dem Mufti wegen Erwerbs dieser Böden durch Araber geführt werden. Bodenspekulation verhindert Schulbau Jerusalem, 10. März. (2. T. A.) U s s i s c h k i n, der Präsident des JticLischen Nationalfonds, erklärte in einer Pressekonferenz, die Palästinaregierung habe 100.000 Pfund für dien Bau jüdischer Schulen in verschiedenen Teilen des Landes bewilligt, doch könne der Plan der Schulbauten namentlich in Jerusalem an der Tatsache scheitern, daß es dem Waad Leumi und dem Jüdischen Nationalfonds infolge der Preisspekulation nicht gelingt, entsprechende Grundstücke in Jerusalem zu irwerben. Der Präsident des Waad Leumi, J. Ben Zwi, erklärte, daß M. M. Ussisohkin in seiner Mitteilung betreffend Verhandlungen des Waad Leumi mit der Regierung wegen des Zuschusses von 100.000 Pfund für Schulbauten ein Irrtum unterlaufen ist. Die Regierung hat diese Summe bisher noch nicht bewilligt. Wahrscheinlich wird eine ande're Form der Finanzierung des Baues jüdischer Schulen in Vorschlag gebracht werden. Zehn Jahre Palästinadienst des jJAoyd Triestlno^ Aus Tel-Aviv wird uns berichtet, daß der Lloyd Triestino anläßlich der zehnten Wiederkehr der Inauguration seiner wöchentlichen Palästina-Linie und seiner Vereinbarungen mit dem Immigration Department der Jewish Agency einen glänzenden Empfang im Palatinhotel gab, an welchem J. Grünbaum und die anderen prominenten Persönlichkeiten aus Jerusalem, Jaffa und Ilaifa teilnahmen. Grünbaum betonte in einer überaus herzlichen Rede die gegenseitigen Sympathien des jüdische Volkes, der Jewish Agency und des Jubilars. Zum Schluß der Reunion wurde eine Depesche an die Triester Generaldirektion der Schiffahrtsgesellschaft abgesandt, welche in dem Ausdruck des Willens kulminiert, die bisherige gemeinsame Arbeit fortzusetzen und zu vertiefen. Errichtung einer zweiten Eillinie nach Palästina durch den Lloyd Triestino, Wie uns aus Triest gedrahtet wird, hat der Lloyd Triestino mit der Erstlingsfahrt de« neuen Schiffes „Palästina“ auf der Strecke Triest—Haifa eine zweite Eillinie nach Palästina errichtet. Die Abfahrt des neuen, schön ausgestatteten Schiffes, die am 8. d. erfolgte, war von einer sehr hübschen Feier begleitet, an die der Spitzen der Behörden, der Stadt Triest, des Triester Palästina-Amtes usw. teilnahmen. Das vollbesetzte Schiff trifft am 12. d. in Haifa ein. Anläßlich des ersten Eintreffens der „Palästina“ in Haifa, die nunmehr den bisher wöchentlichen Palästina-Dienst des Lloyd Triestino verstärken wird, findet als Abschluß der denkwürdigen Fahrt ein Galaabend statt. Hakenkreuz in Jaffa und Haifa Tel-Aviv, 10. März. In den Straßen Jaffas und Haifas wurden Plakate in englischer und arabi scher Sprache mit Hakenkreuzen angebracht, in denen die Araber aufgefordert werden, jüdische Geschäfte und Kaffeehäuser zu boykottieren. Die Zeitung „Al Islamia“ meldet, daß die Plakate aus Europa gebracht wurden. Offenbar handelt es sich um eine Propaganda des von Alfred Rosenberg geleiteten außenpolitischen Amtes. Wölfe in Palästina Jerusalem, 7. März. (2. T. A.) Im Zusammenhang mit der kalten Witterung sind in den letzten Tagen in Palästina Wölfe aufgetreten. In der Umgebung der jüdischen Kolonie Beth Alpha im Emek Jezreel wurde eine Viehherde von Wölfen angegriffen. Später griffen die Wölfe eine Schafherde an. Die Behörden haben der Kolonie Gewehre und Gift zur Bekämpfung der Bestien zur Verfügung gestellt. ■ Dem Herrn cand. theol. et phü. Jona Schneidmann gratuliert herxlichst zu seiner Promotion zum Doktor der Philosophie Rosa Andermann. Araberschelk verhaftet Der Scheik des Dorfes Atiba im Distrikt Tulkarem, Rafik Nagib, wurde verhaftet, weil festgestellt worden war, daß er eine Bande zwecks terroristischer Überfälle auf Juden organisiert hatte. Wie die arabischen Zeitungen melden, erfolgte die Verhaftung nach langwierigen Nachforschungen im Anschluß an (len Überfall auf Kfar Choresch. Hadassa-Hospital verfügt über Radium. Die Londoner Firma Derby & Co. spendete ein kleines Quantum Radium für das von dem berühmten Radiologen Prof. Ludwig Halberstädter geleitete Hadassa-Hospital in Jerusalem. Eine Glasfabrik in Haifa. Auf Nationalfonds-Boden bei Haifa wird jetzt eine große Glashütte erbaut, die Firma wird den Namen „Phönikische Scheiben-Fabrik“ tragen. Zwischenfall im Palästina-Verkehr Wie aus Triest berichtet wird, konnte der Dampfer „Tel-Aviv“, von Haifa kommend, infolge eines schweren Defekts der Ankerwinden nicht in den Triester Hafen einfahren. Die Passagiere mußten an Bord bleiben und konnten erst mit einer zwölfstündigen Verspätung an Land gehen. Ehrenschutz nur für Revisionisten? Dr. Zweig, ein bewährter Zionist, seit Herzls Tagen und jedem Extrem abhold, fand sich durch sein zionistisches Gewissen veranlaßt, in der Prager „Sclbstwehr“ tendenziöse Palästina-Nachrichten, welche von Angehörigen der Ilistadruth verbreitet wurden, zu berichtigen. So zum Beispiel dahin, es sei gottlob unwahr, daß der jüdische Arbeiter in Erez verelende, vielmehr nehme er an dem allgemeinen Aufschwung teil und lege große Ersparnisse zurück; oder es sei unrichtig, daß die bedauerliche Mietzinsstcigerung dojrt nur durch Bodenspekulation verschuldet sei und nicht auch durch das Aufschnellen der Bau- und sonstigen Arbetslölinc. Diese sachlichen Feststellungen haben genügt, ein Kesseltreiben gegen Doktor Zweig auszulösen, mit der klaren Absicht, ihn einzuschüchtern und ihm so oder so den Mund zu schließen. Dem dienten auch Denunziationsbriefe ans Hauptbüro, er schädige den K. K. L., Zeitungsattacken, Flüsterpropaganda.... Die „Sclbstwchr“ wagte nicht mehr, zwei weitere durchaus sachliche Palästina-Artkiel Dr. Zweigs zu bringen. Wir greifen heute eine ehrenrührige, gegen Dr. Zweig gerichtete Notiz des hiesigen Blattes „Der Jude“, des Organes der Vereinigung „Binjan Haarez“, heraus. Die dem Blatt von Dr. Zweig prompt zugeschickte Berichtigung wurde nicht gebracht und der Begleitbrief nicht beantwortet. Wir glauben der Aufklärung am besten zu dienen, wenn wir das ganze Material — Angriffsnotiz, Berichtigung und Begleitbrief — hier zum Abdruck bringen. Die Notiz in „D e r J u d e“ lautet: Dr. Zweig beschäftigt arabische Arbeiter. „Wie ,Dawar' mitteilt, werden jetzt bei einem Hausbau des Dr. E. M. Zweig, Beamter des Hauptbüros des Keren Kajemeth Lejisrael in Jerusalem, durch den Bauunternehmer Goldberg auch nichtjüdische, billige Arbeiter beschäftigt, die zu Täuschungszwecken wie ,Chaluziin‘ gekleidet sind. Als die Sache aufkam und wirkliche Ghaluzim beim Bauunternehmer vorsprachen und Beschäftigung verlangten, beschimpfte sie dieser und hetzte gegen sie die ,verkleideten Chaluzim' auf.' Dieser Vorfall trug sich in Gegenwart des Hauseigentümers zu. Dieser bekundete anfänglich eine ,neutrale* Haltung in dieser Frage, als sich jedoch die Vertreter der Lischkat Awodah an Di. Zweig wandten und seine Intervention forderten, ging letzterer aus seiner Reserve heraus und erwiderte: ,Du Frechling!' Hierauf begaben sich die jüdischen Arbeiter demonstrativ ins Nationalfonds-Hauptbllro, wo sie den Dr. Zweig erwarteten und bei seinem Erscheinen Arbeit verlangten. Es gab Geschrei, die Büroarbeit wurde gestört. Schließlich sah sich Dr. Zweig zum Versprechen genötigt, die Angelegenheit zu ordnen.“ Die Berichtigung Dr. Zweigs lautet: Jerusalem, 11. Februar 1935. Zur Wahrung meiner Ehre Ihre Nummer 1 aus 1935 brachte unter dem Titel „Dr. Zweig beschäftigt arabische Arbeiter“ eine falsche anonyme Nachricht, der gegenüber ich — als seit k0 Jahren tätiger und verantwortungsbewußter Zionist — wahrheitsgemäß folgendes feststelle. Der von Ihnen erwähnte „Dawar“ — vom 21. Novouibcr v, J. — wandte sich überhaupt nicht gegen mich, vielmehr warf er unter der ständigen Rubrik „Billige Arbeit“ dom Baumeister P. Goldberg vor, daß er bei meinem Bau in Rehaviah die von mir auferlegte Vertragspflicht verletze, ausschließlich jüdische Arbeiter zu verwenden. Daraufhin holte ich von Architekten Ben Dor, welcher die Bauaufsicht führt, die beruhigende Aufklärung ein, daß unter den Arbeitern sich ein einziger Nichtjudo (ein assyrischer Flüchtling) befinde, welcher als Sohomer die für einen Juden am Schabbat unzulässige Bewachung des Bauplatzes besorgt. Solches sei allgemein eingeführt und auch von der Jüdischen Arbeitergewerkschaft (Histadruth) anerkannt. Goldberg fügte dem bei, daß die Zeitungsnotiz lediglich darauf aus sei, ihn zu nötigen, daß er nur vom Arbeitsbüro der Histadruth zugewiesene Leute beschäftige. Als ich am 29. November v. J. früh am Bauplatz vorbeikam, war dort eine wilde Rauferei im Gang. Nachher erst erfuhr ich von Goldberg, daß ein Mann, der sich — ohuo Namensnennung — als Vertreter des Arbeitsbüros der Histadruth bezeichneto, mit einer Schar Leute I gewaltsam auf dem Bauplatz eingedrungen, Zionistische Bezirkssektion Favoriten, Wien, X., Rosensäle, Favoritenstraße 89, Dienstag, 19, März 1935,8 Uhr abends X Große Purimfeier: „PURIM IN TEL-AVIV" 5 unter dem Protektorat dee Präsidenten des Zionistischen Landesverbendes« Herrn Dr. Oskar Drttnbaum Tr X arten * bei den Verctantbnlj^ladertl und Im Zlonlatlcehen Lcndeakomltee Marc.Aurel-StraBe s, Tel. U 23*2.11 und Zehnateller Freilich, X., FavorltenetraOe SS, Tel. R 10*4*20

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