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Die Stimme · 1935-03-08 · Heft 432 (8.3.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 432 (8.3.1935)
Date
1935-03-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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■I m 1 Kt. 432 — g. Mär* 1935 DIE STIMME Seite 3 '-■{ Vor der Aktionskomitee-Tagung ..... Der oberste Führer Professor Chaim Weizmann soll einmal gesagt haben, daß jeder Jude irgendwo Präsident ißt. Leider stimmt diese angeblich von Weizmann aufgestellte Behauptung nicht ganz und ßo kommt eß, daß ehrgeizige Menschen, um zu einem Präsidentenstuhl zu kommen, neue Organisationen, sogar neue politische Parteien gründen und sich gewöhnlich erst nachher um eine Ideologie Umsehen. Die Sucht nach Präeidentenseßseln ist übrigens keine jüdische, sondern eine internationale Erscheinung. Wir Juden bemühen uns aber mit einem Eifer, der einer besseren Sache würdig wäre, fremde Sitten nachzuabmen. Nun hat Professor Weizmann kürzlich bei einer Versammlung der „Kidmah“ in Tel- Aviv gesprochen. Er hat hiebei, nach der Meldung der „Ita“, die Zustände im jetzigen Palästina scharf kritisiert und gesagt, es handle eich nur um eine Übertragung der Galuth nach Palästina. Der bevorstehende Zionistenkongreß habe die Aufgabe, eine feste Grundlage für das Nationalheim zu schaffen. Was Weizmann hier ausgesprochen hat, ist leider wahr und wir kämpfen seit Jahren gegen die Asßimilationserecheinungen im Zionismus. Die Meldung über die Rede Weizmanne ist sehr dürftig und es scheint, daß er mit seiner Kritik nur die Nichtzionisten gemeint hat, die jetzt wegen der Prosperity nach Palästina kommen. Wir gehen weiter und sagen schon seit Jahren, daß gerade dae zionistische Leben in Palästina reformbedürftig ist, weil es eben nichts anderes ißt, als ein Abklatsch der Galuth. Die Arbeiterpartei in Palästina will letzten Endes einen sozialistischen Zukunftsstaat errichten und die Revisionisten einen faschistischen Staat. Ein Teil der Allgemeinen Zionisten ißt endlich zur Erkenntnis ge- Hotel Erzherzog Rainer WIEN IV., Wiedner Hauptstraße Nr. 27/29 DAS MODERNE WIENER FAMILIENHOTEL langt, daß Palästina nach jüdischen Prinzipien aufgebaut werden darf, die auf der Tradition fußen und daß man Ansichten und Begriffe aus der Politik der Völker nur nach eorgsamster Auslese und entsprechender Adaptierung in das jüdische Leben aufnehmen darf. Wer aber dieser Ansicht ißt, den stempelt heute eine wohlorganisierte Propaganda zum Arbeiterfeind. So wie das politische Leben Palästinas ein Abklatsch unserer Zeit ißt, so verhält es sich auch mit dem Statut der zionistischen Organisation. Es stammt aus der liberalen Zeit und ist der Ausdruck liberaler Ideen. Es ist veraltet und sehr reformbedürftig. Die Organisation liegt heute im argen, aber nicht nur wegen der Revisionisten. Ee entbehrt nun nicht einer gewissen Pikanterie, daß Professor Weizmann seine Rede bei der von Kurt Blumenfeld aufgezogenen Vereinigung „Kidmah“ gehalten hat, die überhaupt keinen Status in der Weltorganisation hat und daher als illegal anzußehen ist. Es ist weitere bemerkenßwert, daß Blumenfelds Schildknappe, Felix Rosenblüth, Weizmann als den „obersten Führer der zionistischen Bewegung“ begrüßt hat. Bei allem Respekt vor Weizmann glauben wir, uns der Tatsache erinnern zu sollen, daß derzeit Nahum Sokolow Präsident der zionistischen Bewegung ist. Wenn die zionistische Bewegung, wie Professor Weizmann mit Recht verlangt, beim nächsten Kongreß reformiert wird, dann sind wir keineswegs dafür, daß auf diese Reform auch noch die neubyzantinische Berliner Asßimilation abfärbt. Wir brauchen kein Analogon zum „Führer und Reichskanzler“ und glauben, daß auch Professor Weizmann das nicht will. Uns genügt es, wenn ein Präsident der zionistischen Exekutive und eine zionistische Exekutive da sein werden, die vom Vertrauen der breiten Massen der zionistischen Bewegung gestützt sind. Eine solche Exekutive wird es zu verhindern wissen, daß sich eine illegale Organisation wie die „Kidmah“ breit macht und sich zur Erhöhung ihres bescheidenen Glanzes einen so verdienten Mann und disziplinierten Zionieten wie Professor Weizmann als Redner verschreibt, Gegen Ende dieses Monats wird in Jerusalem das Aktionskomitee zu einer Sitzung zusammentreten. Seit seiner letzten Sitzung, die ebenfalls in Jerusalem stattfand, ist ungefähr ein Jahr vergangen. Damals blickte die gesamte zionistische Öffentlichkeit gespannt nach Jerusalem, weil man von dort das erlösende Wort „Frieden“ zu hören hoffte. Nach anfänglich sehr günstigen Situationsberichten stellte es sich jedoch heraus, daß der Friedensschluß zwischen der herrschenden Arbeiterpartei einerseits, einem großen Teil der Allgemeinen Zionisten und der Misrachisten anderseits nicht zustande kam. Es ist heute bereits ein offenes Geheimnis, daß der Friedensschluß, dessen Bedingungen bereits festgestellt waren, ohneweiters möglich gewesen wäre und nur durch den radikalen Teil der Arbeiterpartei unmöglich gemacht wurde. Für uns in Österreich ist von der vorjährigen Sitzung des Aktionskomitees der Umstand noch in Erinnerung, daß damals eine unrichtige Nachricht der „Ita“ verbreitet wurde, wonach Österreich solange keine Zertifikate erhalten sollte, als nicht die Poale-Zionisten ihre Mandate, deren sie durch eine Verordnung der österreichischen Regierung verlustig gegangen waren, wieder erhalten. Diese Nachricht hat sic-h später erfreulicherweise als unrichtig herausgestellt. Was aber bestehen blieb, ist die Tatsache, daß die Allgemeinen Zionisten in Österreich, die auf Grund des Ergebnisses der Kongreßwahlen im Jahre 1933 Anspruch auf die Hälfte der Sitze in der Palästinaamtskommission gehabt hätten, in der Palästinaamtskommission nur drei von elf Mandaten haben und daß die Einwauderungsbestimmungen vielleicht für Kongreßpolen, aber nicht für Österreich passen. Dazu kommt noch die stiefmütterliche Behandlung Österreichs . bezüglich der Zahl der Zertifikate. Man sieht aus all dem, wie notwendig die Reform aller dieser Bestimmungen bei der nächsten Aktionskomiteesitzung wäre. Die nächste Sitzung des Aktionskomitees wird aber zu einem wesentlichen Teil mit den Beratungen über die Frage der Disziplin ausgefüllt sein. Die diesbezüglichen Beschlüsse des 18. Kongresses sind bekannt, ebenso die Tatsache, daß die Revisionisten gegen den Aufdruck dei Disziplinverpflichtung auf dem Schekelformular Sturm laufen und ihre Vertreter aus den Schekelkommissionen zurückgezogen haben. Nun ist es zwar richtig, daß eine Disziplinverpflichtung nicht davon abhängig ist, ob sie auf ein Stückchen Papier gedruckt wird oder nicht. Sie ergibt sich aus der Tatsache der Zugehörigkeit zu einer Organisation. Anderseits lullten wir aber den Aufdruck der Disziplinklausel auf die Schekelquittung für überflüssig. Der Schekelzahlcr und Kongreßwähler ist, wie die Dinge leider liegen, oft gar kein organisierter Zionist. Welchen Zweck hat also dieser Aufruck? Böse Zungen behaupten, daß hier der Versuch vorliegt, die Revisionisten zu reizen und auf billige Art und Weise zu dem Entschluß zu bringen, dem Kongreß fernzubleiben. Wir haben sicher nichts für die Disziplinlosigkeit und für die verstiegene Politik der Revisionisten übrig. Wir meinen aber, daß nicht das der Weg ist, um den Streit mit den Revisionisten zu bereinigen. Wir würden es verstehen, wenn das Aktionskomitee den Beschluß fassen sollte, daß jeder Kandidat bei der Einreichung seiner Kandidatur zur Kongreßwahl eine Disziplinverpfliclvtung unterschreibt. Wir meinen also, daß das Aktionskomitee sich mit dieser Frage befassen sollte. Die auf den Schekelquittungen nunmehr aufgedruckte Erklärung sollte nicht, zum Anlaß genommen werden, um die Revisionisten aus der zionistischen Organisation hinauszudrängen. Die Aktionskomiteesitzung sollte sich aber noch ausführlich mit den Fragen der Einwanderung und Kolonisation beschäftigen, wo vieles im argen liegt, und insbesondere sollte es ihre Aufgabe sein, für die Umwandlung der Histadruth Haowdim in einen Dachverband der verschiedenen Arbeitergewerkschaften in Palästina zu wirken. Nur wenn das durchgeführt sein wird, kann es in der Frage der Arbeitsbeziehungen in Palästina zu dem so heiß ersehnten Frieden kommen. Solange aber hier die Diktatur einer Partei herrscht, kann es keinen Frieden geben. Die Histadruth Haowdim ißt auf die Wahrung ihrer Machtstellung eo sehr besorgt, daß sie sich kürzlich sogar von einer großen Anzahl von liberalen Rabbinern in Amerika einen „Hechscher“ geben ließ, was wiederum eine Gegenerklärung anderer Rabbiner hervorrief. Rabbiner Louis J. Newman behauptet, wie „The Jewish Chronicle“ meldet, daß die Erklärung der 241 Rabbiner zugunsten der Histadruth dadurch veranlaßt wurde, daß die Histadruth Jabotinsky gelegentlich seiner Ankunft in Amerika diskreditieren wollte. Rabbi Newman behauptet geradezu, daß die Arbeiterpartei die 241 Rabbiner hereingelegt habe. Der Führer dieser 241 Anhänger der Histadrmt’h, Rabbiner Edward L. Israel, gibt zu, daß die bekannte Erklärung „auch“ den Zweck hatte, Jabotinskys Bemühungen in Amerika zu konterkarrieren. Man sieht also auch in diesem Falle, wie weit es mit der ständigen Behauptung her ist, daß die Histadruth eine . unpolitische Organisation ist. Die kommende Aktionskomiteesitzung hätte auch die Möglichkeit, auf Grund eines Beschlusses desletzten Kongresses mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen zu beschließen, daß der Kongreß um ein Jahr vertagt wird. Sollte der heurige Kongreß wieder so aussehen wie der 18. Kongreß, dann ist er das beste Agitationsmittel gegen den Zionismus. Gelingt es nicht dem Kongreß, bessere Bedingungen zu schaffen, dann wäre es gescheiter, den Kongreß um ein Jahr zu vertagen. Das ist jedoch nur möglich, wenn vorher ein Übereinkommen zwischen Arbeiterpartei, Allgemeinen Zionisten und Misrachisten über die bestehenden Streitfragen zustande kommt, weil sonst die Zweidrittelmehrheit nicht vorhanden ist. Aber auch abgesehen davon, müssen alle Gutgesinnten wünschen, daß die Arbeiterpartei ihre Monopolgeliiste im Interesse der Bewegung zurückstellt und daß bei der lins Itestc vom Guten sind die in Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstklassigaltrenommierten SCHMBDL-MAIZOTH welche unter streng orthod. Aufsicht des CpP DttD Dmnn ät'On hergestellt werden. Die Mazzoth werden aus feinstem Mehl erzeugt I Seit vielen Jahren genießen die „S c h m i d I - M a z z o t h" das beste Renommee und werden von allen bevorzugt. Auf die Extraqualität meiner Fabrikate „Marke Schmidt N. B.“ auf Mazzoth, Grieß und Farvel wird besonders aufmerksam gemacht. Auch beim Kauf von Mazzoth-Grieß wahren Sie Ihr eigenes Interesse und verlangen Sie ausschließlich Schmidl-Mazzoth-Grieß. ZENTRALE: N. BROPETZKY, II. LEOPOLPSG.43 Telephon Nr.: A 40-0-90, A 60-2-63 und A 48-4-48 nächsten Aktionskomiteesitzung die Vorbedingungen für eine möglichst breite Koalition beim nächsten Kongreß geschaffen werden. Der Beschluß der letzten Leitmgssitznng des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, den wir in unserer letzten Nummer veröffentlicht haben, sollte spätestens bei der Aktionskomiteesitzung verwirklicht werden. In Jerusalem werden alle Parteien versammelt sein. Dort sollte die Exekutive aus freien Stücken die Roand-Table-Konferenz, die wir seit langem verlangen, ahhalten. Tut sie es nicht, dann müßte sie a-uch die Verantwortung dafür tragen, daß man sich allenfalls ohne sie zum runden Tisch setzt. Wir appellieren auch diesmal an die Exekutive, dem Beschluß der Leitung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten endlich Rechnung zu tragen. Dann wird die Aktionskomiteesitzung dem Frieden, den alle herbeiselinen, die nicht dem Prestige ihrer Partei oder persönlichen Machtgelüsten. sondern der zionistischen Idee dienen, einen großen Dienst erwiesen haben. Für die Aufrechterhaltung eines pseudodemokratischen Betriebes, ob er jetzt Aktionskomiteesitzung oder Kongreß heißt, sollten die Geldmittel der Bewegung nicht weiter verwendet werden. Daher wiederholen wir unsere Forderung: Reformiert die Organisation! "rasa ■ aiJ=.=B RESTAURANT HOTEL STEFANIE (voran. Oprrcr) n., Taborstraße 12 Telephon R 46-5-57 Ausgiebige Braion-Menüs S 1*510 'W'—1 „ Geflügel „ S 2.20 'W Vorzügi’cha Zubereitung -Schwechater B et e Natu: weir e Großer Saal mit Bünne ür Veranstaltungen unfl j Une.hzeiten n'nz igelten Deiegieitenversammlung des Zionistischen Landesverbandes Am 5. März fand eine Tagung der Delegiertenvereammlung des Zionistischen Landesverbandes «statt. Zu Beginn der Tagung hielt der Vorsitzende Professor Moses Rath einen ehrenden Nachruf für den verstorbenen Delegierten Emil N i m h ä u s e r. Hierauf kam der Antrag des Verbandes der Radikalen Zionisten zur Beratung, den Beschluß aus dem Jahre 1931, wonach die Landespolitik,- ausgenommen die Angelegenheiten der Kidtusgemeinden, nicht z-um Tätigkeitsgebiet des Zionistischen Landesverbandes gehören, aufzuheben. Der Antrag der Radikalen wurde von Dr. Waldmann begründet. An der Debatte beteiligten sich Dr. Friedmann, Dr. Grünbaum, Dr. Sehmerler, Dr. Ettinger, Dr. Steinberg, Dr. Plaschkes und Dr. Öfterer. Hierauf wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt: „In der Erwägung, daß bei dem Neuaufbau des österreichischen Staatslebens auf ständischer Grundlage die politischen Parteien ihre Funktion als Träger der öffentlichen Willensblldung verloren haben und hiedurch die in weltanschaulicher, nationaler und kultureller Hinsicht die gleichen Ziele verfolgenden Personen und Gruppen in ihrer organisatorischen Zusammenfassung auf einen außerhalb der parteipolitischen Betätigung liegenden Wirkungskreis beschränkt sind, weiters in der Erwägung, daß im Sinne des zionistischen Kultusgemeindeprogrammes die jüdischen Gemeinden die bürgerlichen und politischen Rechte der österreichischen Judenschaft zu vertreten und wahrzunehmen haben, schließlich in der Erwägung^ daß durch die Berufung von der zionistischen Organisation angehörigen Vertretern der Judenschaft in die Wiener Bürgerschaft und den österreichischen Staatsrat eine Vertretung der österreichischen Juden in der Gesetzgebung von Bund und Land geschaffen wurde, spricht die Delegiertenversammlung des Zionistischen Lani desverbandes in Österreich ihre Überzeugung aus, daß kein Anlaß besteht, an dem derzeitigen Zustand bezüglich der Landespolitik Veränderungen vorzunehmen. Die Delegiertenversammlung stellt fest, daß nur die Jüdische Gemeinde in ihrer derzeitigen Zusammensetzung berechtigt ist, namens der österreichischen Judenschaft verantwortliche Erklärungen abzugeben. Die Delegiertenversammlung macht es daher allen Angehörigen des Zionistischen Landesverbandes zur Pflicht, die Jüdische Gemeinde in der Erfüllung der ihr obliegenden Aufgabe der Vertre^ i

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