Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 431 (5.3.1935)
- Date
- 1935-03-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 431 — 5. März 10:15 DIE STIMME Seite 3 Der New-Yorker Bürgermeister für Deutschlands Boykott New York, 1. Miir/. (Z. T. A.) Die New-Yorker Sektion des American Jewish Congress gab zu Ehren Prof. Albert Einstein s einen Empfang, bei dem der Bürgermeister von New York LaGuardia und andere führende Persönlichkeiten der USA. die Forderung aufstellten, daß der Boykott gegen das Deutsche Reich solange weitergefiihrt werde, bis das nationalsozialistische Regime zusammengebrochen sei. Einheitlicher Gerichtsstand In Jerusalem wurde eine offizielle Bekanntmachung verlautbart, wonach es von jetzt ab in Palästina nur noch „B ii rg e r“ und „A u s 1 ä n d e r“ gibt. Bis jetzt gab es außerdem noch die Kategorie der „Einwohne r“, die die palästinensische Staatsbürgerschaft nicht besaßen, aber als ständige Einwohner des Landes registriert waren. Gleichzeitig wird in der Verlautbarung die Gleichheit der Jurisdiktion für alle palästinensischen Einwohner festgesetzt. Diese Ankündigung der Regierung hat großes Aufsehen erregt. In der gesamten Bevölkerung Palästinas wird über deren Bedeutung und mögliche Auswirkung diskutiert. Weizwann in Tel-Aviv Tel-Aviv, 3. März. (2. T. A.) An der am 27. Februar im Tel-Aviver Betih Haam abgehalten Kundgebung der Gruppe fortschrittlicher Ali gemeiner Zionisten „K i d m a h“ sowie an der am 28. Februar eröffneten internen Tagung nahm auch der frühere Präsident der Jewish Agency und jetzige Leiter ides Ansiedlungsamtes für deutsche Juden, Dr. Chatim Weizmann', teil. Der Vorsitzende der Taguing, Dr. Felix Roßenfolüth, begrüßte Weizmann in seiner Er öffnungsaneprache als den „o (bersten Führer der zionistischen Bewe- ’g u n g“. Dr. Weizmann hielt eine Rede, in der er scharfe Kritik an den Zu®tänden im jetzigen Palästina übte, die, wie er sagte, nur eine Ü b e r t r a g u n g der G a 1 u t h nach Palästina darstellten Es werde die Aufgabe des bevorstehenden Zionistenkongresse'S sein, in dieser Beziehung* durch Schaffung einer festen G r u n d 1 a g e f i'i r d a s N a t i o n a 1heim Wandel zu schaffen. Es ist immerhin anzumerken, daß die nationalsozialistische Terminologie des „obersten“ Führens von einem deutschen Zionisten angewendet wird. K r u pn i k besteht heute 30 Jahre! 30 Jahre Krupnik heißt 30 Jahre festhalten an dem Prinzip: Größter Umsatz-kleinster Nutzen. 30 Jahre Krupnik heißt 30 Jahre Dienst am Kunden. Ständiger Fortschritt In der Mode, vom einfachsten bis zum feinsten Genre, dauernde Verbesserung der Qualität, bei unbedingter Anpassung an die Kaufkraft. Sämtliche Vorteile des Großeinkauies kommen den Kunden restlos zu gutel 30 Jahre Krupnik heißt 30 Jahre Dienst on Heimat. Tausende Menschen (Inden direkt und Indirekt ihren Erwerb Im Haus Krupnik. Österreichs Texlil-Fabriken decken heute den gewaltigen Verbrauch an Stollen, Seiden und viele anderen Materialien, das bedeuted Arbeit und Brot, für viele tausende österr. Arbeiter. NUR VII KAISERSTR- 115 7“ 328= Anläßlich unseres 30jährigen Geschäfts-Jubiläums, gewähren wir ln der Zelt vom 4. März 1935 bis 20. Juni 1935, allen Kunden, ohne Rücksicht aut die Höhe des Einkaufes, von dem auf jedem Stück ersichtlichen Verkaufspreis 0 0 JUBILÄUMS¬ RABATT Die Auszahlung dieses Jubiläumsrabatfes, der aut einem speziellen . Jubiläumsgutschein im Sparbuch vermerkt wird, erfolgt ln der Zeit vom 1. bis 15. Dezember 1935 an unseren Kassen In barem Geld. 30 Jahre Krupnik heißt 30 Jahre Popularisierung der Mode, auch das Billige muß elegant u. modern sein I 130 JAHRE GUTE WARE* ALLE STUNDEN DIENST WIR beraten sie in allen UND ANGELEGENHEITEN FÜR PALÄSTINA DURCH UNSER BÜRO IN WIEN und HAIFA AUSKUNFT UNTER „ARCHITEKTUR-BÜRO" AN DIE REDAKTION DER „STIMME" gegen Numerus clausus Bukarest, 3. März. Die ständige Delegation, der Nationalen Bauernpartei, hat den von dem ehemaligen Ministerpräsidenten Waida Wojwod geführten Feldzug* für die Einführung des Numerus clausus im sozialen Leiben mißbilligt. Die Zionistische Exekutive erläßt ein Manifest, das wir an anderer Stelle bringen. Wir freuen uns über die Erfolge der Exekutive, wenn wir auch meinen, daß sie nicht nur durch die Arbeit der Exekutive, sondern unter anderem dadurch bedingt waren, daß auch jene Allgemeinen Zionisten, die nicht hinter der Exekutive stehen, selbstlos für die Erhaltung der Organisation in den Ländern gewirkt haben und daß außerdem Hijtler, die Weltwirtschaftskrise und auch die oft fälschlich als Spekulanten diffamierten Kapitalisten zur Prosperity Palästinas beigetragen haben. Die Exekutive nimmt auch zu den „P r oblemen und Gefahren“ des Aufbauwerkes Stellung. Wir sind mit ihr der Meinung, daß das Menschenmaterial, das unter der Marke „C h a I u z i m“ nach Palästina kommt, viel zu wünschen übrig läßt. Wir sind weiter mit ihr der Meinung, daß die „ungezügelte Bodenspekulation“ bekämpft werden muß und daß die Privatinitiative und die Fonds alle Förderung verdienen. Wir hätten es aber begrüßt, wenn die Exekutive in ihrem Manifest das Problem der Histad r u t li II a o w d i m besprochen hätte. Gerade aber über die Histadruth Haowdim schweigt sich die Exekutive aus, obwohl ihr die diesbezüglichen Beschwerden weiter Kreise nicht unbekannt geblieben sein können und obwohl es sich um eines der brennendsten Probleme der Bewegung* handelt. Vielleicht ist das von einem Manifest zu viel verlangt. Wir wollen daher sagen: Wir wollen uns gern, aber nur durch Taten darüber belehren lassen, daß die Lösung* des Histadruth-Konfliktes, die Anbahnung des Parteifriedens und anderes mehr auf dem besten Wege ist. Bisher fehlt uns der Glaube an diese Leistungen, die wir von der Exekutive erwarten. Wir sind auch für eine Konsolidierung der Organisation, aber nicht auf dem Wege, den die Linke auf dem 18. Kongreß mit ihrem Antrag über den „T e r r itorialverband“ zur Niederknüppelung der Allgemeinen Zionisten unternommen hat. Vereinheitlichung der Bewegung darf nur heißen: Vermeidung des Gegeneinanderarbeitens, weitestgehende Koordinierung des Willens. Niemand aber wird sich in das Prokrustesbett eines Verbandes, nur weil es das Machtgelüste einer Partei so haben will, pressen lassen. Wer nur vom grünen Tisch aus operiert, wird im grauen Alltag Schiffbruch erleiden. Wer Lebensverbände schafft, wird Erfolge haben. Die Vereinheitlichung der Organisation wird bei gutem Willen aus den Bedürfnissen des Alltags heraus organisch nach Maßgabe der besonderen Verhältnisse in den verschiedenen Ländern wachsen. Bezüglich der Revisionisten — das Manifest nennt sie nicht beim Namen haben wir uns des öfteren geäußert und haben nichts hinzuzufügen, als die Forderung: Es darf nichts unversucht bleiben, um die Revisionisten zur U m k ehr z u bewege n. Das heißt aber keineswegs, daß Jabotinskys Forderung nach einer panzionistischen Organisation erfüllt werden darf. Schließlich kommt die Exekutive in ihrem Manifest zur Schekel-Frage und be hauptet: „Der Sehekel ist ein Instrument, durch welches das Bekenntnis zur zionistischen Idee und die Übernahme aller mit dem Beitritte zur »Zionistischen Organisation1 verbundenen Verpflichtungen dokumentiert werden.“ Wir möchten das bezweifeln. Das war vielleicht einmal so, und wir möclien gern wünschen, daß alle, die den Schekel kaufen, auch tatsächlich in die Zionistische Organisation eintreten. Wir begrüßen den Schekel aus ganz anderen Gründen. Einmal deswegen, weil die Exekutive einen großen Apparat erhalten muß und weil es nur recht und billig und die Verpflichtung jedes Zionisten ist, zur Erhaltung der Exekutive durch die Zahlung des Schekels fteizutragen. Zum anderen aber deswegen. weil der bevorstehende Wahlkampf und der Kongreß selbst die Möglichkeit geben muß, mit dem Mißbrauch des Schekel-Wahlrechtes auf zu-: räumen. Um es kurz zu sagen: In den' kongreßlosen Jahren zahlen im allgemeinen nur unentwegte Allgemeine Zionisten den Schekel, in Kongreßjahren aber schnellt die Zahl gewaltig in die Höhe. Einige Beispiele über die in der letzten Kongreßwahlperiode 5692—5693 in einigen Ländern verkauften Schekalim mögen das veranschaulichen: Schekalim Arische Rechtsanwälte und Wiener Rechtsanwalts- Hammer In dem unter diesem Titel in der Freitag- Nummer der ,,Stimme“ erschienenen Bericht ist durch ein bedauerliches drucktechnisches Versehen die Vorbemerkung weggeblieben, daß der Wortlaut dieses Berichtes den „W iener Neuesten Nachr i o hte p“ e n t n o m m e n ist. Die Araber haben Waffen aus Deutschland Jerusalem, 1. März (2. T. A.) Die nationalsozialistische arabische Presse erneuerte vor kurzem ihre Kampagne gegen angebliche „zionistische Bewaffnung“ und gegen das angebliche Bestehen „großer Waffenmagazine“ in Palästina. Gleichzeitig führen die arabischen Extremisten eine Terroraktion gegen der Verkauf von Boden an Juden, arabische Bodenbesitzer, die ihren Boden an Juden übertragen wollen, werden tätlich bedroht oder erhalten Briefe mit Todesdrohungen. Diese Hetzkampagne hat die Palästina-Regierung zu Gegenmaßnahmen veranlaßt; die neue arabische Tageszeitung ,,A1 Wahda“ und das Wochenblatt „Alsh- Arab“ wurden für je drei Monate verboten. In Nablus wurden unter nationalistischen Arabern Massenhaussuchungen durchgeführt, mehrere Araber, bei denen Gewehre und Munifipn gefunden wurden, wurden verhaftet. Es stellte sich heraus, daß die g Cf undenen Waffen aus ßfijiil£hlftn-d stammen, 5692 5693 Lettland * 'S *- . . 290 22.246 Litauen , i fi * s 2018 29.500 Österreich * g , . 1597 15.110 Palästina , a g B * 7500 67.525 Polen . < *•' e * . 9367 250.151 Gewiß, viele Zionisten kaufen ihren Schekel nur im Kongreßjahr. Die Erfahrung zeigt aber, daß noch mehr „Zionisten“ ihren Schekel geschenkt erhalten. Die Brieftaschen ehrgeiziger Kandidaten und die Geheimfonds gewisser Parteien öffnen sich immer nur vor dem Kongreß. Bezüglich dieses plötzlich ins Rollen kommenden Geldes darf man nicht sagen: Non ölet. In den ersten Zeiten der zionistischen Bewegung* hat Karl Kraus das Schekel- Wahlrecht zum Anlaß genommen, um in der „F a c k e 1“ eine bittere Satire, „Eine Krone für Zio n“, zu schreiben. Heute könnte man sagen „Zwei Schilling für Zio n“, sonst hat sich leider nichts geändert. Es ist eine Schande, daß irgend jemand auch weiter das Recht haben soll, die Zusammensetzung des Kongresses und damit die wichtigsten Entscheidungen der Zionistischen Weltorganisation zu beeinflussen. Maß muß der historischen Wahrheit die Ehre geben und feststellen: Bisher sind alle Versuche zur Verbesserung des Wahlrechtes von den in dieser Frage brüderlich vereinten Linken, Revisionisten und Misrachisten, verhindert worden. Das darf nicht so weitergehen, und es ist klar: Eine gerechte Lösung kann nur darin bestehen, daß nur organisierte Zionisten, die in jedem Jahre ihren Schekel erwerben, das aktive und passive Wahlrecht haben dürfen. Alles andere verewigt einen ebenso lächerlichen als unwürdigen Zustand. Die Allgemeinen Zionisten stellen das Hauptkontingent der Schekel-Zalder in den kongreßlosen Jahren, und sic haben das „Recht“* die Landesorganisatiou aus ihren