Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 430 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. <30 — i. Mn 1035 OIE STIMME Seite 5 Die allgemein-zionistische Arbeiterjugend [n Palästina wurde bekanntlich vor kurzem eine allgemoin-zionieUsebe Arbeitergrwerksehaft, gegründet,. Das gab zu Mißhelligkeiten im Weltverband der Allgemeinen Zionisten Anlaß, da die Gründung dieser Gewerkschaft auf Grund der Krakauer Beschlüsse nicht vor dem 19. Kongreß hätte erfolgen sollen. Wir wollen uns heute nicht mit dieser Streitfrage befaßen, deren Bereinigung der Leitung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten znstcht. Die allgemein - zionistische A r b e i t e r g e w e r k s c h a f t versendet nun ein Rundschreiben. Wir geben es im folgenden auszugsweise bekannt, weil es die Lage der allgemein-zionistischen -Jugend in Palästina und die Strömungen in der Arbeiterschaft überhaupt beleuchtet. Das llund- S' hroilten stellt fest, daß bisher die meisten allgemein-zionistischen Arbeiter von der Mapei (jüdische sozialdemokratische Arbeiterpartei in Palästina) aufgesaugt wurden, und fährt fort: Bistum kamen nach Erez ungefähr 3000 Chawerim. Von denen blieben in den Kib buzim rund 250, während in der Stadt und auf dem Lande rund 600 herumirren; diese haben noch eine gewisse Bindung an unsere Ideologie, aber sie sind nicht in einer Organisation zusammengefaßt. Dank der Entstehung unserer Organisation kehren nun zu uns viele zurück, so daß wir nach einigen Wochen unserer Arbeit Grund zur Annahme Hotel Erzherzog Rainer WIEN IV., Wiedner Hauptstraße Nr. 27/29 DAS MODERNE WIENER FAMILIENHOTEL haben, daß es uns gelingen wird, die gesamte allgemein-zionistische Jugend in einer starken allgemein-zionistischen Organisation zu erfassen. Die Kibbuzim. Die Kibbuzim entwickeln sich nicht, im Gegenteil, wir hören oft, daß Chawerim sie verlassen und zur selbständigen Arbeit übergehen. Sie werden Bauarbeiter und nützen die „Prosperity“ aus. Außerdem beeinflußt diese Erscheinung die Frage der Unterstützung der Eltern und Verwandten außerhalb Erez Israels. Der Großteil der Chawerim erhält von den Verwandten Jammerbriefe, in denen sie aufgefordert werden, ihre Angehörigen zu unterstützen oder sie nach Erez hinüber Zubringern Unsere Kibbuzim sind nicht imstande, diese Forderungen zu erfüllen. So werden die Chawerim gezwungen, Arbeiten zu übernehmen, die es ihnen ermöglichen, ihre Verwandten in der Galuth zu unterstützen. Einen Großteil der Schuld an dieser Entwicklung trägt daß chaluzische Element, das jetzt nach Palästina kommt. Viele Ohaluzim bemühen sich, das leichtere Leben in der Stadt zu führen. Dies beeinflußt natürlich unsere Kibbuzim, diu sich am Anfang ihrer Entwicklung befinden, in stärkerem Maße als die älteren Kibbuzim, die auf eine gewisse Tradition zurüekiblicken. Die allgemeine Lago in den Kibbuzim ist 9c! ßrföltunoBfrontfieiten, rfteuma* iifc^en uttb gtdjtifdjcn SBefcfytocrbcit ftttb Sktblettcu unübertroffen. Jo^tl fdjeibet bte ^amfäure au§ uttb gcljt baljer bireft jnr S5>ur$el be§ Übels, fraßen @ie teert Slrjt. $tt allen Styofljefett crljältlid). $rei§ S 2*40. nicht erfreulich. Der Großteil der Kibbuzim ist jungen Datums. Diese Kibbuzim finden nicht die Hilfe wie die anderen Kibbuzim, die dein „Kibbuz Mejuchad“ oder dem Kibbuz des „Uesehomor hazair“ näher stehen. Die Wirtschaft unserer Kibbuzim ist lückenhaft und erfordert viele Investitionen, die natürlicherweise nicht durch Sparmaßnahmen der Chawerim solbst gedeckt werden können. Wir beabsichtigen, uns mit den Kibbuzim mehr zu befassen und wir wollen unseren Chawerim clio Möglichkeit schallen, sich zu entwickeln und auf dein Boden des ICKL anzusiedoln. Aus diesem Grunde wollen wir toi den HacbscthararÄiibbitziiitn Leute ßchicta, die die Aufgaben haben, die Kibbuze-Aliah zu organisieren und die Chaluzim in unserem Sinne zu erziehen. Aus den Arbeiten der Organisation. In unserem Arbeitsamte organisieren sich täglich neue Leute. Es entstanden auch Gruppen der Handwerker und Arbeitgeber. Zur Zeit verfügen wir über zehn Baugruppen mit rund 100 Mitgliedern. Wir verhalten zu Werkzeugen und zur Übernahme von Arbeiten. Eine Kwuzah übernimm'. sogar den Bau von ganzen Häusern, zwei Isuu/.oth erzeugen Ziegel. Dann gibt es noch Kwuzoth von Tischlern, Spenglern, Installateuren, Elektrotechnikern. Die Arbeiten des Arbeitsamtes hängen natürlicherweise im großen Maße von der Unterstützung der iiügnuein-zionietisohen Arbeitgeber ab. Trotz der Schwierigkeiten auf dem Arboitsmarkf im Lande gelang es lins, unseren Mitgliedern Arbeit zu verschaffen und in manchen Fällen konnten wir sogar die gesamte Arbeit übernehmen. Wir hoffen, daß unsere Bemühungen im Jiechuw Verständnis finden werden. Die Organisierung des Siedlungswesens. In den letzten Wochen haben wir die ersten Schritte zur Organisierung einer landwirtschaftlichen Kwuzah gemacht. Bienun haben ßich 21 Chawerim gemeldet. Am 27. Schwat fand die Griindungsversammlung dieser Gruppe statt, auf der über die Wege und Mittel zur Organisierung derartiger Gruppen gesprochen wurde. Es wurde ein Ausschuß gewählt, der sich mit dieser Angelegenheit befassen soll. Unser Verhältnis zu den anderen Arbeiterorganisationen. Mit der Schaffung unserer Organisation wollten wir keinen Kampf gegen welche Seite immer heraufbeschwören. Wir wollten es unseren Chawerim ermöglichen, zum Aufbau des Landes beizutragen und die allgemein-zionistische Ideologie zu verbreiten. Dem Allgemeinen Zionismus ist es bis jetzt nicht gelungen, in Erez festen Fuß zu fassen, trotzdem ganze Generationen der Allgemeinen Zionisten Gut u-nd Blut dafür geopfert haben. Wir sind dessen sicher, daß unsere Absichten durchführbar sind ünd dieser Glaube bestärkt uns in unseren Opfern. Hunderte junge Leute kommen in unsere Organisation, trotzdem säe wissen, daß wir nicht imstande sind, ihnen materielle Hilfe zu leisten, trotzdem sie wissen, daß andere Organisationen, größere und stärkere, dazu imstande sind. Mit Genugtuung stellen wir fest, daß andere Organisationen sich uns gegenüber loyal verhalten haben, manche sogar positiv. Wir haben den festen Glauben, daß unsere Hista-druth bei allem Verständnis finden wird und daß unsere Organisation viel zur Entwicklung des Allgemeinen Zionismus beitragen wird. Wir beabsichtigen, eine Föderation aller Arbeiterorganisationen zu schaffen, die sich mit der Regelung der Arbeitsverhältnisse ohne Unterschied der Parteiangehörigkeit befassen soll. In dieser Föderation wird die Möglichkeit gegeben sein, allen Arbeitern ihre eigenen politischen und kulturellen Richtungen vertreten zu könn e n. Die Lage auf dem Lande. Ein trauriges Bild bieten uns die. Verhältnisse des jüdischen Arbeitsmarktes auf dem Lande. Die meisten Siedlungen werden von der billigen Arbeitskraft nicht nur der palästinensischen Araber, sondern auch von tausenden Hauranern, Syriern, Ägyptern und t raus j o r d a n i s c h e n Arabern üb e r s c h w e mm t. 6000 landwirtschaftliche Arbeiter flüchteten in die Stadt. Die neue A 1 i j a h strömt zum Großteil i n d i e Städte. Die Gründe Wofür sind einfach: auf dem Lande verdienen die Arbeiter 20 Grüsch, während sie bei einer primitiven Arbeit in der Stadt 40 Grus eh erhalten. Anderseits ißt es unmöglich, die Löhne auf dem Lande zu erhöhen. % Die Zustände in der Alijah. Sowohl die chaluzische als auch die liichtchaiuzische Alijah entspricht in keiner Hinsicht den gestellten Anforderungen. Das chaluzische Element ist seinen Aufgaben nicht gewachsen. Die nichfchaluzischen Einwanderer und die Verwandten füllen die Städte und bringen einen fremden schädlichen Geist hinein: den Levantinismus, der unserer hebräischen Kultur fremd ist. Die hebräische Sprache wird nicht entsprechend gepflegt. In den Hauptstraßen unserer Städte hört man die verschiedenartigsten Sprachen- Ldiome, ja sogar in den Versammlungen hört man fremde Sprachen. Die neuen Einanläßlich der Makkabiada mit dem Dampfer uPilsna1* am 27. März 1935 Preis Wien—Wien S 600*— Visum nur gegen Kaution ReisebQi o Compasloirs. Wien, Df., Spitalg. 3, Tel, B 42-5-38 wanderer geben sich keine Mühe, die hebräische Sprache zu erlernen. Führer, die uns fremd sind und die schädlich wirken, machen sich im Jischuw breit. Eine Verschwendungssucht, die bisnun fremd war, breitet sich 'im ganzen Lande aus. Es entstehen Kaffeehäuser, Tanzlokale, man ist bestrebt, schöne Kleider zn tragen, Luxuswohnungen werden eingerichtet. Dies alles hat eine Verteuerung des 'Lebensstandards zur Folge. Die Arbeiter verlangen demzufolge Lohnerhöhungen. Wenn das so weitergebt, wird Palästina eines der teuersten Länder der Welt werden. Anderseits ermöglichen die genannten Erscheinungen eine Masseneinwanderung von Arabern, die den teueren jüdischen Arbeiter verdrängt. Die Radikalisierung der zionistischen Jugend. Wir sind stets gegen den sozialistischen Geist, der bei der palästinensischen Jugend überhand genommen hat, aufgetreten. Insbesondere waren wir Gegner des radikalen Geistes der Arbeiterorganisationen, wir wußten jedoch nicht, daß die Radikalisierung soweit fortschreiten werde. Der Friedensvertrag zwischen Ben Gurion und Jabotinsky ist bei einzelnen Organisationen. wie „Schomer Hazair“, der linken Poale Zion, bei anderen marxistischen Kör¬ Warum verlangen Alle Schmidl-Mazzoth weil Die Mazzoth werden aus feinstem Mehl erzeugt I Seit vielen Jahren genießen die »Schmidl-Mazzoth« das beste Renommee und werden von allen bevorzugtl Auf die Extraqualität meiner Fabrikate „Marke Schmidl N. B." auf Mazzoth, Grieß und Farvel wird besonders aufmerksam gemacht. Auch beim Kauf von Mazzoth-Grieß wahren Sie Ihr eigenes Interesse und verlangen Sie ausschließlich Schmidl- Mazzoth-Grieß. Schmidl-Mazzoth in Geschmack und Qualität unübertroffen sind! Schmidl-Mazzoth werden unter streng orthodoxer Aufsicht des ni ornnn ihm hdt1 anrr hergestellt TamIpsIa ■ kl DpapIaI*I#u II,, Leopoldsgasse 43, und in allen besseren Olw ■ jr einschlägigen Geschäften erhältlich || Telephon A 40-0-90, A 60-2-63 und A 48-4-48 & 4 qldiuyrt perschaften usw. auf großen Widerstand gestoßen. Die Hista-druth beschloß, ihre Mitglieder in dieser Frage direkt mittels einer Abstimmung (Volksentscheid) zu befragen. Die HLtadruth der arbeitenden Jugend begann einen scharfen Kampf gegen dieses Abkommen und tritt gegen dasselbe in Hetzartikeln in ihrer Zeitschrift „Maalah“ auf. Viel radikaler gebärdet sich der Schomer Hazair. Dieser bereitet sich für einen inneren Kampf und eine sozialistische Umwälzung vor. Er tritt für eine Kooperation mit den Arabern ein gegen die jüdische Bourgeoisie. Diese Erscheinungen können die Grundfesten des Nationalheimes erschüttern und wir müssen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese ankämpfen. Der Allgemeine Zionismus in Erez Israel. Nach der Krakauer Konferenz, die bestrebt war, die Allgemeinen Zionisten zu einigen, kam die Landeskonferenz der Allgemeinen Zionisten in Erez Israel. Nach dieser Konferenz trat die erste Spaltung im Allgemeinen Zionismus ein. Die deutsche Fraktion, die ihren Eintritt in den Weltverband der Allgemeinen Zionisten angemeldet hatte, zog sich zurück. Wir können es schwer verstehen und wir glauben, daß es auch die Allgemeinen Zionisten in der ganzen Welt es schwer begreifen werden, warum der Widerstand gegen die Gründung der allgemein-zionistischen Hista-druth mit derartiger Vehemenz seitens vieler Allgemeiner Zionisten geführt wird. Diese Allgemeinen Zionisten haben es als ihre Pflicht aufgefaßt, alle möglichen Arbeiterorganisationen, sogar ihre gegnerischen, zu fördern. Sind wir aber schlechter als die anderen Arbeiterorganisationen, etwa wie „Schomer Hazair“ usw? Wird denn die RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Operer) II., Taboratraße 12 Telephon R 46-5-57 Ausgiebige Braten-Menüs S 1*60 «■>»»»■» > „ Geflügel- „ S 2.30 Vorzügliche Zubereitung-Schwechater Biere Natur weine Großer Saal mit Bühne für Veianstaltungen und IToohzeiten nbzugeben Selbständigkeit des Allgemeinen Zionismus dadurch gefährdet? » Soweit das Rundschreiben. Es sollte alle Allgemeinen Zionisten zum Nachdenken anregen. Die Frage, ob ein Krakauer Beschluß durch die Gründung der allgemein-zionistischen Histaüruth verletzt wurde, ist eino interne Frage des Weltverbandes und sollte nicht weiter zum Anlaß genommen werden, um gegen den Weltverband Sturm zu laufen. Es sollte aber kein Streit weiter darüber bestehen, daß die Umwandlung der Histadruth Haowdim in einen Dachverband gleichberechtigter Arbeitergewerkschaften der verschiedenen Parteien für die ruhige Entwicklung Palästinas lebensnotwendig ist. Die Allgemeinen Zionisten müssen erkennen, daß da*s Schicksal des Allgemeinen Zionismus davon abhängt, daß sieh seine Arbeiterjugend in Palästina organisiert und dort als geschlossene Gruppe für die Ideen des Allgemeinen Zionismus wirkt. Reden. Konferenzen und Resolutionen in der Galuth sind wichtig, aber nicht entscheidend. Der Allgemeine Zionismus kann nur existieren, wenn seine Jugend in Palästina für seine Ideen kämpft. Die Förderung der allgemein-zionistischen Arbeiterjugend in Erez Israel muß die heiligste Pflicht aller Allgemeinen Zionisten sein.