Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 430 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 HO — 1. Mürz 1035 DIE STIMME Seife 3 \hW::: tfut 0}\.~ &*£ , V “.V;Vi «PMiS lliiÄ«ÄM|| A*in»'y bV: v.s&i,' v’v Arische Rechisanv/älte und Wiener Rechtsanwaltskammer Kino roßt an Anzahl von Wiener arischen Rechtsanwälten wurzle, teils mit ihrem, teils ohne ihr Wirken, in einen kürzlich erßohietnenen Geßohä.flßweisoi* auf^onommeu. was die Wiener Keehtsanwaliskainnier, deren Leitung uni Führung in jüilißchen Händen liegt, veranlaß! e, an die betreffeurkui Recht.sariuülto ein Schreiben zu eichten, in dom sie unter An irohiuig von Diszipliiuinnaßnahmeu aufgefordert wurden, ihre Streichung aus dem ari'Sclmn Ge*chäfißweiser zu veranlaßsen. Die am 20. Februar in Wien stattgefundene Tagung dos Verbandes deutscharißohe-r Rechtsanwälte Österreichs hat, wie berichtet, sich eingehend mit dieser Frage beschäftigt und einmütig die Forderung der Wiener Rechtsanwalt skammer abgelehut. Nun ging seitens des Verbände« deutscharischer Rechtsanwälte Österreichs ein Schreiben ab, in der diese ablehnende Stellungnahme treffend begründet wird. Es heißt in diesem Schreiben unter anderem: „Es ist einhellig die Auffassung zum Ausdruck gekommen, daß der Kammeraussehuß nicht berechtigt ist, einer Gruppe arischer Rechtsanwälte Aufträge zu erteilen, deren Befolgung eine entwürdigende Abkehr von den seitens der bodenständigen Bevölkerung als notwendigerachteten Maßnahmen zum Schutz ihrer berechtigten Interessen beinhalten würde. Wenn sich der Ausschuß der Rechtsamvaltskammer in Wien berufen fühlt, in einer solchen Angelegenheit einzugreifen, dann muß zuvor die Vorfrage gestellt und beantwortet werden, ob der Kammerausischuß die bodenständige, christlichdeutsche Bevölkerung für berechtigt hält zu wissen, wer die christlich-deutschen Rechtsanwälte des Wiener Kanunersprengels sind, und ob diese berechtigt sind, sich als solche vor der Bevölkerung zu erklären. Die Antwort auf diese Vorfrage ist nicht zweifelhaft und es kann daher den arischen, christlich-deutschen Rechtsanwälten nicht zugemutet werden, eine Handlung zu begehen, durch die sie sieh mit der bodenständigen, christlich-deutschen Bevölkerung in Widerstreit setzen würden. Aus diesem Grunde wird die Befolgung des vom Kammerausschuß erteilten Auftrages, von der arischen Rechtsanwaltschaft, und zwar auch von jenen Rechtsanwälten, die von der Herausgabe des in Betracht kommenden Geschäftsweisers keine Kenntnis hatten oder ihre Zustimmung zur Aufnahme ihres Namens in denselben versagt hatten, abgefeimt.“ * Es handelt sich hier um einen systeniati- REISEN iüilil mm PÄLESTIN EiORiiENT. LLOYD. r;,! öj’AÖ s|EBÜ.RÖ; e ITM^ß.-J.H KPRNER ■* w WIEN' lgKOHLMARKT 8 sehen politischen Vorstoß gegen die verfassungsmäßig gewährleistete Gleichberechtigung der Juden und nicht nur um eine Standesfrage der Rechtsanwälte. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit eines Einschreitens, der Regierung. Die „Meineidsanklage" gegen Chaim Weizmann Wie die „Stimme“ seinerzeit bereits berichtete, ist von ßeiten des „Volksbundes“, der nationalsozialistischen Bewegung der Schweiz, gegen Ghaim Weizmann und eine ganze Reihe Zionistenführer wegen ihrer Auslagen beim Berner Prozeß um die ^Protokolle der Weisen von Zion“ eine Strafft n z e i g e wegen ,,M e i n e i d e“ bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern eingereicht worden. Nun hat der Berner Advokat Willy Hirse hl an zuständiger Stelle Nachprüfungen über den Stand dieser Strafanzeige angestellt und veröffentlicht hierüber in der „Jüdischen Rundschau“, Berlin, eine Erklärung, der wir folgende bemerkenswerte Stellen entnehmen: Der Generalprokurator des Kantons Bern hat die Strafanzeige des „Volfvsbundes“, die sogar den Haftbefehl gegen die Angeschuldigten verlangte, an das Untersuchungsrichteramt von Bern wmitergcleitet. Der Untersuchungisrichter hatte von allem Anfang an den Eindruck, daß die Strafanzeige j e glieber Begrün d u n g entbehr t. Aus diesem Grunde hielt er es nicht einmal für nötig, den eingangs erwähnten Personen, gegen die sich das Verfahren richtet, davon Kenntnis zu geben. Demzufolge sind die augeschuldigten Persönlichkeiten weder vorgeladen noch verhört worden. Es ist deshalb sehr wohl möglich, daß einzelne dieser Persönlichkeiten auch heute noch nichts davon wissen, daß eine „Strafanzeige“ wegen wissentlich falscher Zeugenaussage gegen sie angestrengt worden ist. Durch ein Schreiben vom 29. Dezember 1934 hat der Untensuchungßrichter dem Anzeiger, Herrn Ch. Wilrgiler-Heß, Ortegruppenführer des „Volksbundes“ in Zürich, mitgeteilt, daß die Strafanzeige zu allgemein gefaßt sei, um als Grundlage für eine Strafverfolgung dienen zu können. Der Untersuchungsrichter setzte dem Anzeiger deshalb eine Frist bie zum 5. Jänner 1935 zur näheren Substanstierung der Strafanzeige. Diese Fristansetzung blieb unbeachtet. Durch übereinstimmenden Beschluß des Bezirksprokurators II von Bern und des zuständigen Untersuchungsrichters vom 7. Jänner 1935 wurde hierauf verfügt, daß der „Strafanzeige gegen Chaim Weizmann und Konsorten“ wegen wissentlich falscher Zeugenaussage teils mangels genügender Anhaltspunkte, teils mangels Tatbestandes keine weitere Folge zu geben sei. Dieser Entscheid ist in Rechtskraft erwachsen. Es ist erwähnenswert, daß die oben erwähnte Nummer 30 des „Volksbundes“ sofort bei ihrem Erscheinen konfisziert worden ist und deshalb nicht an die Öffentlichkeit gelangen konnte. Der ganzen Sache ist bei den hiesigen Behörden sehr wenig Beachtung geschenkt worden. Der Zwischenfall ist in keiner Weise geeignet, den Verlauf des Berner Prozesses um die „Protokolle der Weieeil von Zion“ in irgend einer Weise zu beeinflussen. 760 Selten / 64 Bilder / Ganzleinen mit Goldprägung SOEBEN ERSCHIENEN Der Verfasser vereinigt in diesem Standardwerk ebenso wie in seinen früheren Schriften gewissenhafte Arbeit des Historikers mit lebenswahrer Schilderung des Biographen Kartoniert S 16*80, Halbleinen S SV-, Ganzleinen S 25*20 In allen guten Buchhandlungen oder direkt durch die VERSAND BUCHHANDLUNG WIEN, VI. GUMPENDORFER- STRASSE 10. TEL. B 24978 Die Zionistische Distriktstagung in Saizburg Samstag, den 23., und Sonntag, den 24. Februar 1935, fand in Salzburg der Zioni ßtische Distriktstag statt. Die Beratungen des Distriktstages wurden Samstag abends durch eine großangelegte Veranstaltung der Zionistischem Ortsgruppe Salzburg* eingeleitet, bei welcher die Salzburger Zionisten Gelegenheit hatten, vor allem den Redner des Abends, Herrn Staats rat Dr. Desider Friedman 11, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, den Präsidenten des Landeskomitees, Herrn Dr. Oskar Grünbau m, den Leiter des KKL.-Büras in Wien, Herrn Dr. Ch. Tardie jüdische Bevölkerung Salzburgs bildenden Abend abschloß. Anschließend daran begannen die Beratungen des Distrikts tag* es, welche unter der umsichtigen Leitung des gewählten Vorsitzenden, Herrn Dr. Gustav Morgenstern, (Stellvertreter waren die Herren Karl Schwarz, Graz, und Oberbaurat Berger, Innsbruck) einen überaus interessanten und für die Arbeit der alpenländischen Ortsgruppen PALÄSTINA REISE N zweifellos erfolgversprechenden Verlauf nah-! men. Von besonderem Interesse waren die Referate des Herrn Prof. Freud über die Keren- Ilajessod-Arbeit und des Herrn Dr. Tartakower über die Arbeit, des Iveren-Kajemeth sowie das, eine interessante Ergänzung zum Vortrag des Herrn Staatsrates Friedmann, bildende Referat dos Herrn Dr. Morgenstern über „Kultusgemeinde- und Kulturarbeit“, während die Referate der Herren Erich Roger, Klagenfnrt, und insbesondere das Referat des Herrn Dr. Ernst Link, Innsbruck, fruchtbringende Anregungen für die künftige gemeinsame Arbeit der alpenläuclischen Ortsgruppen gaben. Interessante Anregungen für die allgemeine zionistische Arbeit und insbesondere für die Palästina-Arbeit brachte das Referat des Herrn Camillo S c* h i 11 e r. Linz, während das Referat der Frau Edith Omstein, Salzburg, über „Zionistische Frauenarbeit“ Anregungen für eine künftige Arbeit der „Wizo“-Ortsgruppen in den Alpenländern gab. An die einzelnen Referate schloß sich eine höchst interessante Generaldebatte, in welcher insbesondere die aufklärenden Ausführungen der Herren Dr. G r ii n b a u m und Dr. Tartakower zu den einzelnen Referaten besondere Aufmerksamkeit erregten. Gleichzeitig mit der Distriktstagung fand eine Zusammen k u n f t der j ti d D sehen Jugend Salzburgs über Anregung des Makkabi-Hazair, Linz, statt, zu welcher eine große Anzahl Kinder und Jugendlicher in Begleitung ihrer Eltern ensebienen war und in welcher nach Ansprachen des Herrn Dr. Grünbaum und jugendlicher Delegierter aus Innsbruck und Linz die Gründung einer Zionistischen Jugcmdgruppe Salzburg beschlossen wurde. Bei dieser Gelegenheit seien insbesondere dem Obmann der Salzburger Ortsgruppe Herrn Max Sonn, für die mustergültige Vorbereitung des Distriktstages gedankt. Der nächste Distriktßtag wird in Graz stattfmden. Der abgelaufene Salzburger Distriktstag wird sicherlich eine Stärkung des zionistischen Lebens in den Alpenländern mit sich bringen. Die Resolutionen des Salzburger Distriktstages t a k o w e r, den Leiter des KH.-Büroß ' in Wien, Herrn Prof. Artur Freu d, den Präsidenten der Jüdischen Kultusgemeinde Liinz, Herrn Dr. Gustav Morgenstern, den Präsidenten der Salzburger Kultusgemeinde, Herrn Rudolf L ö w y, Herrn Rabbiner Doktor M a rg u 1 i es sowie die Delegationen der Ortsgruppen Linz, Graz, Innsbruck und Klagenfurt aufs herzlichste zu begrüßen. Herr Staatsrat Dr. F r i e d m a n n erweckte durch seinen Vortrag über „D i e Aufgaben der Kultusgemeinde in der Gegenwart“, in welchem er in geistvollen und tiefschürfenden Ausführungen die Entwicklung der alten Kehilla in die moderne Kultusgemeinde und deren Umwandlung in die von der zionistischen Bewegung bereits seit langem geforderte „Volksgemeinde“ darlegte, das Interesse und den lebhaftesten Beifall des beinahe die ganze jüdische Bevölkerung Salzburgs umfassenden Auditoriums. Hierauf hielt Herr Präsident Dr. Grünbaum eine eindrucksvolle Ansprache* an die Versammlung, welche interessante Aufschlüsse über den gegenwärtigen Stand der zionistischen Bewegung gab und so den, zweifellos ein Erlebnis für Der Distriktßtag der alpenländischen Zionisten faßte die folgenden Resolutionen: 1. Der Distriktstag anerkennt die Bemühungen des Landeskomitees, insbesonders des Präsidenten Dr. Oskar Grünbaum um die Verbreitung der zionistischen Idee und den Ausbau der zionistischen Organisation und spricht dem Präsidenten Dr. Grünbauin Dank und Vertrauen aus. 2. Der Distriktstag wiederholt den Beschluß der Delegiertenversammlung des Landesverbandes, womit gegen die ungenügende Zuweisung von Zertifikaten an das Wiener Palästina-Amt protestiert wird. Der Delegiertentag erwartet, daß das Eimvariderungsdepartement der Exekutive für eine bessere Dotierung Österreichs mit Zertifikaten Vorsorge treffen wird. Weiters erachtet der Distriktstag eine Reform der Bestimmungen der Zuteilung von Zertifikaten in der Richtung für notwendig, daß eine bessere Auslese der Einwanderer, unbeschwert von parteimäßigen Erwägungen, ermöglicht wird. 3. Der Distriktstag appelliert an alle Zionisten, den brudermörderischen Parteikainpf einzustelien jwd steig de&sen eingedenk zu sein, daß wir alle Kampfgenossen für das hohe zionistische Ideal sind. 4. Der Distriktstag erwartet, daß die Exekutive alle Schritte unternehmen wird, um die Einheit der Weltorganisation zu er* halten. PALÄSTINA REISEN *7)*' 7?/ PÄLESTINE*.ORIENT LLOYD Ö FREISEbÜRO .C.ITY. pft.J.HXCiRNER-/-,; ^(||4li!K©kLÄRkT;;8: