Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 429 (26.2.1935)
- Date
- 1935-02-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3053752-3054140-3054184--4866-3060534- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
BKMSHBg JA \ l I Nr. 429 — 2fi. Februar 1995 Oll IT1MMI Chaluziulh und Wizo Dr. Amalie Kantor Was sich an Schäden und Hemmnissen in die Ghaluzbewngiing von heilte eingosnhilicheii hat, ist zu allgemein bekannt, als daß hierüber viel Worte zu verlieren wären. Man klagt nicht, mit Unrecht, darüber, daß in Erez Israel selbst die Landflucht der jüdischen Bevölkerung Formen anzunehrnen beginnt, welche überaus bedenklich stimmen. All das, was in harter, aufreibender Pionierarbeit von den ersten begeisterten Cha luziin gesell affen wurde, (irscheint im höchsten Maße dadurch gefährdet, da kein Nachschub in ausreichendem Maße vorhanden ist. Gewiß gibt es beute noch von ihren nationalen Idealen beseelte junge Menschen, die hinaus ziehen, um den Boden ihrer Väter wieder urbar zu machen, die ihr Leben dafür einsetzen, um den SumpFregioncn der widerstrebenden Natur fruchtbares Land abzuringen für die neue jüdische Generation. Aber ihre Zahl ist im Verhältnis zur Menge jener, die nicht als (’haluzim, sondern nur als Zertitikatisten in das Land strömen wollen, verschwindend gering. Darin eben liegt, das Grundübel der Immigratiunsbewegung, jener Zustand, der prägnant, aber berechtigt, als chaluzische Dekadenz bezeichnet werden kann. Glaubt man doch angesichts dieser betrüblichen Tatsache jetzt schon von einem Historisch werden der Chaluzbewegung sprechen zu dürfen, jener Bewegung, deren hervorragende Träger und Führer in die Geschichte einzugehen beginnen, statt werktätige, zielbewußte Nachahmer zu finden, die das so mühevoll begonnene Werk fortsetzen würden. Während der Idealismus der ersten (Jhaluzim ans Wüste und Gestein Ackerboden und Gärten schuf, strömen die Einwanderer von heute oft in die städtischen Siedlungen und laufen den hohen Löhnen nach, während draußen auf dem flachen Lande bitterer Mangel an arbeitenden Händen, insbesondere an fachlich vorgeschaltet! Kräften, herrscht. Von zwei Seiten nur kann an eine Beseitigung dieses Mißverhältnisses, an einen Ausgleich der vitalsten Lebensinteressen Palästinas geschritten werden. Auf der einen Seite ist es eine Intensivierung und zweckmäßige Umgestaltung dos Bildungsganges der (Jhaluzim, auf der anderen Seite muß ihnen — und auch dies vor allem durch systematische Erziehung — die alte Begeisterung, die hehren Ideale und das Gefühl moralischer Verantwortung für ihre Zukunftsarbeit am eigenen Volk eingeimpft werden. Aufgabe praktischer Palästinavorberejitung muß es daher vor allem sein, auf die notwendige soziale Umschichtung einzuvvirken. Die jüdische Jugend muß nebst einer gediegenen geistigen Hachseharah Fachkenntuisse erwerben, die nicht mir für das eigene Fortkommen, sondern für die fortschrittliche Entwicklung aller Zweige des Lebens in Erez Isiael dringend vonnöten sind. Die Absolvierung landwirtschaftlicher Schulen oder die Ausbildung in irgend einem Gewerbe soll grundlegende Voraussetzung für die Zulassung zur Einwanderung sein. Die jetzigen Sehnollsiederkurse und alles rasch und oberflächlich aus Notbehelfen zusammengotrageue Psoudowissen kann nur nach allen Seiten hin schädlich sein. Eine längere, dafür aber um so gründlichere Hachscliarah muß eine Kardinalforderung sein, von der abzugehen eine Sünde wider den Geist und die Idee der Chaluzbewegung und des Zionismus wäre. Nicht weniger wichtig als die praktische Seite der Hachseharah ist die Schaffung und Festigung ihres ideologischen Unterbaues’ Es genügt nioht, wenn die jungen Pioniere und Pionierinnen mit dem guten WlNep und den besten Vorsätzen, dafür aber mit um so geringeren Kenntnissen der hebräischen Sprache, der Geschichte und Kulturgüter ihres Volkes nach Erez Israol kommen. Wenn Wau bisher gerade ln dieser Hinsicht keirio allzu großen Anforderungen au die angehenden Chaluzim gestellt hatte, so zeigt sich heute deutlicher denn je, daß von dieser Praxis abgegangeii werden muß. Haud iu Hand muß gründliches Fachwisson mit Liebe und Begeisterung zur eigenen Nation und ihren Idealen gepaart sein, soll die Chaluzbewegmig ihren alten Schwung, Ihre Durchschlagskraft, vor allem aber auch ihren praktischen Wort für den Wiederaufbau unserer Heimat zurllokgwlnnen. Von den gleichen Geeichtspiuikteo aus müssen wir jüdische Frauen, unseren Mädchen besonderes Augenmerk widmen. Auch wir müssen dafür Sorge tragen, daß eine sorgfältige Ausbildung jenen jungen Mädchen und Frauen zuteil wird, die sich zur Auswanderung melden. Auch sie müssen iu eine besser längeren, als in kurz dauernder Hachseharah für ihre Zukunft und damit auch für die Zukunft Erez Israels entsprechend vorgeschult werden. Unter der Berücksichtigung der Eigenheiten Palästinas und seines Wirtschaftslebens muß es unsere Aufgabe sein, in erster Linie dafür zu sorgen, daß eine möglichst, große Zahl vorzüglich ausgebildeter Landwirtinnen, Gärtnerinnen und Wirtsehaftsführerinnen eimvandert, an welchen immer noch großer Mangel herrscht. Es versteht sieh von selbst, daß die einwandernden Frauen und Mädchen auch alle jene geistigen und ideologischen Voraussetzungen erfüllen müssen, die sie zu ihrem freige,wählten Beruf als Pionierinnen heim Wiederaufbau des jüdischen Staates erst richtig befähigen. Die Hachseharah muß so beschaffen sein, daß sie. restlos allen diesen Anforderungen Genüge leistet und so Gewähr dafür bietet, daß das nach Palästina einwandernde Frauenmaterial wirklich das Beste vom Besten darstellt. Es wird Aufgabe der kommenden Wizo- Konferenz sein, über die wichtigen Fragen dieses notwendigen Ausbildungsganges für die Ohaluzoth schlüssig zu werden. So muß insbesondere über das Problem der Koedukation unter sorgfältiger Abwägung ihrer Vor- und Nachteile eine Entscheidung getroffen werden. Sie wird vor allem davon abhängen müssen, was sich unter den gegebenen Umständen für die Mädchen als zweckdienlich erweist. Im Rahmen unseres großen Aufbauwerkes wird sich gewiß auch die Wizo mit allen ihren Kräften dafür einsetzen, daß durch zielbewußte, sorgfältige Hachseharah die Fundamente für eine solche neue Ohaluziuth geschaffen werden, in deren Zeichen schon die ersten Pionierinnen ihre Arbeit begonnen Es wurde vorgeschlagen, daß durch ein allgemeines Außenhandelsgesetz alle Länder, die nach Palästina exportieren, verpflichtet werden, einen gewissen Prozentsatz — B3Vs Prozent — ihrer Exporte nach Palästina durch den Import palästinensischer Waren ausgleicben. Und zwar sollen im voraus Einfuhrzertifikate für den Import aus den verschiedenen Ländern in der doppelten Höhe des palästinensischen Vorjahrsexportes in die betreffenden Länder erteilt worden. Dieser Vorschlag sollte den Rechtsberatern der Regierung zur Begutachtung der Frage vorgelegt werden, ob er. mit den geltenden Mandatsbestimmungen vereinbar ist. Soweit wir unterrichtet sind, schreiben „Palnews“, ist diese Frage bejaht worden. - Denjenigen Ländern gegenüber, die bereits palästinensische Waren in Höhe eines Drittels ihres Exportes nach Palästina importieren, würde durch die neue gesetzliche Regelung am gegenwärtigen Zustand nicht geändert. Es trjfft die svor allem auf England und das Empire als ganzes betrachtet zu. Auch Deutschland wird im Jahre 1934 noch ein Drittel seines Exportes nach Palästina aus Palästina importieren, da Deutschland bis in die letzte Saison hinein sehr bedeutender Orangenabnehmer war. Da sich Deutschland dem palästinensischen Orangenexport neuerdings aber weitgehend versperrt, während sich der deutsche Export nach Palästina sehr stark erhöht, dürfte die Passivität d e r palästinensischen Handelsbilanz mit Deutschland in Zukunft sich außerordentlich erhöhen. Die Handelsbilanz Palästinas mit den wichtigsten Ländern stellen sich abzüglich der Goledinfuhr und -ausfuhr wie folgt (in 1000.—): Jiüi iio r—Sep to mbe r 1983 Export, nach Import aus Palästina Palästina 1.380 6 16 8 60 30 60 39 2.402 1.620 2,490 1.444 1,193 374 1.247 591 1.208 72 323 54 943. 213 665 166 839 21 922 27 582 41 607 52 460 22 283 23 357 14 357 15 290 15 334 18 313 4 358 6 347 10 419 20 364 0 382 0 187 o 255 4 158 3 156 6 350 6 453 — 196 63 199 64 118 54 165 71 7-4 4 113 5 82 5 117 4 660 49 797 44 11.123 ~ ä.iü2 1,1 —W Tiii Hinblick auf die handelspolitische Situation Palästinas stehen sich im Lande zwei verschiedene Auffassungen gegenüber. Die erstere — die „liberalistische“ — sieht in dem hohen Einfuhrüberschuß des Laiu.1 es eine natürliche Erscheinung, die sich aus dem Kapitalsimport, der Einwanderung und dem starken Warenbedarf infolge des Wachstums des Konsumes wie der Investitionstätigkeit ergibt. Sollten diese Umstände in Fortfall kommen, so würde sich damit automatisch auch die Enwioklung der Handelsbilanz der veränderten Situation anpassen. Künstliche Maßnahmen zur Regulierung der Handelsbilanz erübrigen sich daher. Die andere Auffassung sieht in der überaus starken Passivität der palästinensischen Handelsbilanz für das Land eine große wirtschaftliche Gefahr, die sich daraus ergibt, daß Palästina dem Export aller Länder ungehindert offen stellt, während diese Länder dem palästinensischen Export durch p r o h i b i t i v e Zollsätze, direkte Einfuhrbeschränkungen und Devisenzahliings-Bestimmungen die größten Schwierigkeiten bereiten. Palästina müsse daher zurwirtschaftliclienSelbstverteidgung don Importbeschränkungen der anderen Länder gegenüber zu entsprechenden Gegenmaßnahmen greifen. Die Regierung «glaubte bisher unter Hinweis auf Artikel 18 der Mandatsbestimmungen nicht in der Lage zu sein, an dem gegenwärtigen handelspolitischen Zustand etwas zu ändern. Ln Subkomitee des Agricultural Economics and Marketing Comittee ist kürzlich auf Initiative von H. Cohn, dem Leiter der Contra! Bank of Cooperativo Institution», Tel - Aviv, ein Vorstoß zwecks Einführung einos Außen handl-Cleari n g - S y s t e m s unternommen worden. LP 1938 Export nach Import, aus Palästina Palästina, 1.950 138 168 86 1.559 15 12 4 2.081 143 148 58 England. Australien. Indien.. Zypern.. . . , * Andoro britische Besitzungen . , . . . Empire, insgesamt , , .. Deutschland Ägypten ... Syrien......... Vereinigte Staaten Rumänien Frankreich.. t , Italien. Polen.. Tschechoslowakei Bolgieu Türkei . . . . . . . ,. Österreich , . . , . . . r , , Rußland Japan.. Schweden, Dänemark Holland Schweiz Irak.. . Andere Länder. Insgesamt hatten. Die handelspolitische Situation Palästinas Seit« 5 Wie aus den vorstehenden Ziffern für das Jahr 1933 und die ersten drei Quartale 1934 hervorgeht, ist die Passivität, der palästinensischen Handelsbilanz mit fast, allen Ländern mit Ausnahme Englands als Hauptorangenabnehmer und bisher Deutschlands wie auch S c h w e d e n s. I) ä n e m a r k s und H o 1lands eine gewaltige. .Syrien bezieht ein knapp»1» Viertel seines Exportes nach Palästina an palästinensischen Waren, bei den anderen Ländern ist, die Handelsbilanz meist nahezu in der Gesamthöhe ihres Exportes nach Palästina passiv. Das vorgeschlagene Außenhandelsgesctf würde also die Handelsbeziehungen Palästinas und seine Warenversorgung in außer» ordentlich einschneidender Weise berühren. Die englischen Absatz möglich« k e i t e n i n Palästina würden sich auf Kosten fast a 11 e r anderen Länder sehr erweitern. Auf die Dauer ist eine Regulierung des p a- 1 fi s t j n e i) s i s e h e n Außenhandels iu Form eines Clearings oder anderer Art und Weise c i ti e unabweisbare Notw e u d i g k e i t, da es sonst gar nicht möglich sein wird, den schroff anwachsenden Orangenexport der nächsten Jahre überhaupt unterzubringen, falls die nach Palästina exportierenden Länder aber gezwungen werden, wenigstens einen kleinen Teil — anfangs vielleicht ein Viertel bis ein Drittel, später eventuell die Hälfte — aus Palästina; u beziehen, so würden sich dadurch die Orangenabsatzmöglichkeiten gegenüber dem jetzigen Zustand vervielfachen. Palästina würde dabei den anderen Ländern noch weit günstigere Exportmöglichkeiten bi eten als irgend ein anderes Land der Welt. Pension Eckstein - Mm Liebermann'Gedächtnii' Feier in Tel-Aviv Tel-Aviv, 24. Februar. (Z.T.A.) BUrgerme.jß'ter Mayer Difiengoff eröffnet, e eine dem Andenken des großen jüdischen Malers Max Liebermann gewidmete Ausstellung mit einer Ansprache, in . der er Lieberm-anns Verhältnis zum Judentum kennzeichnete. Vor etwa einem Jahre hat Liebermann anläßlich der Eröffnung einer Ausstellung palästinensischnj ttdis eher Maler in Tel-Aviv an Diß&ngoff ein Schreiben gerichtet, in welchem er seiner Hoffnung auf die Entwicklung einer bodenständigen jüdischen Kunst in Palästina Ausdruck gab. LOKALCHRONIK Einweihung eines zionistischen Heimes in Ktagenfurt fkus Klagenfurt wird uns berichtet: Samstag, den 3. d., abends, fand in Klagenfurt die Einweihung eines zionistischen Heime« durch die Ortsgruppe und Wizo statt. Fast die gesamto Judenheit Kärntens nahm an dieser Feier teil. Der lang ersehnte Wunsch, eine eigene ungestörte Stätte zur Pflege jüdischer Kultur und jüdischer Geselligkeit zu finden, ist erfüllt. Daß an einem solch exponierten Orte ein jüdisches Heim geschaffen werden konnte, ist zum größten Teile ein Verdienst des derzeitigen Obmannes der zionistischen Ortsgruppe Herrn Isidor W e i n r e b und insbesondere da« seiner Gemahlin Frau Wein ro b, die als I^eiterin der hiesigen Wizo in unprmüglioher und aufopferungsvoller Tätigkeit für das Gelingen des schönen Werkes mitgewirkt hat. Der fe»iorliehe Abend selbst wurde durch eine Begrüßungsansprache des Obmannes Herrn Weinreb eröffnet, es folgten Begrüßungen namens der K ultu »gern olnde durch Herrn Präses Kriegsfeld, und durch Herrn Simon Friedländer namens der Ghewra Kadis cha. Vizeobmann Herr Ing. Schiller verlas eine Reihe von Glückwunschtelegrammen, so unter anderem vom Zionistischen Landeskomitee für Österreich, vom Keren Kajemeth, von der „Wizo“-Wien, Frau Dr. Kästenbaum und den Provinzortsgruppen. Er schloß mit einem anfeuernden Aufruf für den jüdischen Nationalfonds. Es folgte hierauf das feierliche Anbringen der Mesima durch Herrn Rabbiner Dr. ßabad. Kantor (-banales rezitierte in gefühlsvollor Weise den Psalm „Miamor Sßliir Ohanukath Habajith“. Hierauf ergriff Herr Rabbiner Dr. ßabad das Wort zu einer begeisternden Festrede, in welcher er die Bedeutung eines Jüdischen Heimes als Kulturzentrum des Kärntner Judentums würdigte. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß