Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 429 (26.2.1935)
- Date
- 1935-02-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit® 4 Oll STIMM! NY. 129 — 2fi. Februar 1935 schnell geschlossen und leicht, in öffentlicher Versammlun.tr. gelöst. Scheid umrsurkunden kennen die Falaschas niclit. Erstgeborene dürfen nur Erstegoboreno heiraten. Die E e v i r a t s e h e ist unbekannt. Die Frau ist rechtlich dem Manne gleichgestellt und trügt keinen Schleier. Vor dem Tode wird gebeichtet. Der Tote wird gewaschen. in Baumwollzeug gewickelt und noch am Todestage unter Gesang von Mönchen und dein Weinen von Klagefrauen in sieben Stationen zu Grabe getragen. Am dritten und siebenten Tag wird für das Seelenheil des Verstorbenen geopfert. Am ersten Jahrestag (Tcskar) werden Totenopfer (bis zu zehn Karren) dargebracht und Gebete für das Seelenheil des Verstorbenen gelesen. Der Ursprung der Falaschas Die Falaschas leiten ebenso wie die Könige Abessiniens ihren Ursprung von D av i d s S t a m m her — >ie wollen Xachkontmeu des Sohnes sein, den angeblich Küni Salomo mit der Knigin von Saba zeugte. Der Kaiser von Abessinien führt, den Titel: ..Sohn des Löwen von Juda.“ Der Name des Kaisers, Ras Tafari, setzt sich aus drei hebräischen Worten zusammen: Rösch (Haupt), Taf (Kind), Ari (Löwe). 1924 besuchte Ras Tafari Palästina. Damals wies er in einem Schreiben an das palästinensische Oberrabbinat auf die Verwandtschaft zwischen den Juden und den Abessiniern hin und betonte die freundschaftlichen Gefühle seines Volkes für die Juden Palästinas. Er erinnerte daran, daß die Abessinier des Glaubens sind, daß sie von der Königin von Saba und dem König Salomo abstammen. In dem Brief erklärte er, er wolle den Falaschas (den schwarzen Juden Abessiniens) Schutz und Förderung angedeihen lassen. Als im September 1929 die Palästinaunruhen vor der Versammlung des Völker bundes zur Sprache kamen, gab der Vertre ter Abessiniens im Völkerbund, Lidy An dargue, seiner Sympathie für das verwandte jüdische Volk ln Palästina Ausdruck und wies darauf hin, daß die Abessinier glauben direkte Abkömmlinge des Königs Salomo zu sein. Literatur Die kanonischen Bücher der Falaschas sind dieselben wie bei den abessinischen Christen, einschließlich der Apokryphen. Sie sind in der Geezsprache auf Pergament geschrieben. Besonderer Verehrung erfreuen sich das Buch Teesasa Sanbat (Gebote für den Sabbat), Gadla Adam (Geschichte Adams), Gadla Abraham (Geschichte Abrahams), Gadla Mussiej (Geschichte Moses — auch Mota Mussie, Tod Moses -— bei Lei chenbegängnissen verlesen) und Siena Ajhud (Geschichte der Juden, eine Übersetzung des Josephus), ferner Mashafa Astaserit, Auszüge aus Gesetz, Psalmen und Propheten. Das amerikanische Witrschaftskomitee (ür Palästina Das American Economic Committee for Palestiue hat den Bericht seines Zentralbiiros für industrielle und landwirtschaftliche Information in Tel-Aviv für das Jahr 19:14 veröffentlicht. Dieser Bericht zeigt, daß im Laufe des Jahres insgesamt 1425 Ein Wanderer und Touristen mit Kapital sich an das 'Zentralbüro, zweck* Einholung detailliert spezifischer, objektiver Information, gewandt haben, uni die Möglichkeiten einer Niederlassung oder Ivapita.lsiiivestition in Palästina, zu untersuchen. Die Mehrzahl der Personen, die sich im Jahre 1933 an das Zeiitralbüro wandten, stammte aus D e u t s ch I a n d. Der Anteil der deutschen Einwanderer, die den Dienst des Büros in Anspruch nahmen, ist jedoch im Jahre 1934 im Verhältnis zum Anteil der Einwanderer aus anderen Ländern gefallen. Das Gesamtkapital der 1134 Personen, die sich an das Zentralbüro wandten, belief sich auf LP 4.115.470 in- und außerhalb Palästinas. Der Durchschnitt stellt sich somit auf LP 3600 pro Familie, gegenüber einem Durchschnitt von LP 3000 für das Jahr 1933. Das American Economic Committee hat die Erfahrung gemacht, daß .Mittel-, s t a n d s o i n w a n d e r e r sich im allgemeinen produktiven Unternehmen zuwenden wollen. Die Erfahrung zeigt, auch eine r el at i v e A b s e h w ä e hu n g d er T e nd e n z, sich industriell zu betätigen, und eine entsprechende Steigerung des Interesses für andere Geschäftsmöglichkeiten in der Stadt. Eine Analyse der Angaben ergab folgende Resultate: Jüdische Goldschmiedeschute in Tripolis Auf Initiative de« italienischen Gouver neurs von Tripolitanien, Marschall Italo B a 1 b o, wird in kurzem in Tripolis eine jüdische Schule für Goldschmiede eröffnet. Die Goldschmiede kunst ist bekanntlich seit Jahrhunderten eine wichtige Beschäftigung der tripolitanischen jüdischen Bevölkerung. Alte Samaritaner-Synagoge bei Nablus entdeckt Nach der Überschwemmung in der Gegend von Nablus, dem biblischen Schechem, durch die viel Schutt fortgetragen wurde, wurden die Reste eines altertümlichen Gebäudes entdeckt, auf dessen Mauern einige Sätze des Z e ihn gebot.s in alt-samaritaniisclier Schrift aufgezeichnet waren. Man nimmt an, daß es sich um eine alte Samaritaner-Synagoge handelt. Nationalsozialistische Esperantisten! In Berlin ist eine nationalsozialistische Esperanto-Vereinigung begründet worden. Der Erfinder des Esperanto war der 1917 in Warschau verstorbene jüdische Arzt Doktor Ludwig Zamonhof. Jetzt werden wohl auch Mordbroschüren unterm Hakenkreuz erscheinen! Interesse an: 1934 1933 Industrie ...... 75% Landwirtschaft . * « ■ . 0% 6% Handel . 11% 4% Investitionen ..... Hotels, Restaurants und di- 15% 11% verse Unternehmen . . 9% 4%: Die große Mehrheit der Gründer von F a b r i k e u u n d W e r k s t. ä t1 o n. die im Jahre 1934 ine Leben gerufen wurden, haben früher den Informationsdienst des American Economic Committee in Anspruch genommen, und es war oft möglich, unökonomische Doppelgriindungon und Fehlinvestitionen zu verhindern und dadurch unnötigen finanziellen Verlusten und persönlichen Schwierigkeiten vorziibengen. Im Laufe des Jahres wurde die Erweiterung und Erneuerung des Infornia.tionsmatorials über die wichtigsten Wirtschaftszweige Palästinas in Industrie, Landwirtschaft und Handel fortgesetzt. Dieses Material, das dauernd erweitert, und den sieh stets verändernden Bedingungen im Interesse der Mittelstandseinwanderer und Personen. die ihr Kapital in Palästina anlegeu wollen, a.ngepaßt wird, ist wohl das v o 11ständigste, das irgendwo über die wirt schnftlichon Aspekte der industriellen und landwirtschaftlichen Entwicklung Palästinas existiert. Das Material steht öffentlichen und privaten Institutionen zur Verfügung und wird von ihnen dauernd in Anspruch genommen. Im Jahre 1934 sind viele Personen eingewandert, die in den Jahren 1932 oder 1933 eine Informationsreise nach Palästina gemacht haben. Diese Personen sind jetzt mit ihren Familien hergekommen. Das American Economic Committee steht auch mit. vielen solchen künftigen Einwanderern im Ausland, die hoffen, im Jahre 1935 nach Palästina kommen zu können, in Korrespondenz. Das American Economic Committee hat den Exportmöglichkeiten von Lander Produkten besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Jede Gelegenheit, solchen Export zu fördern, ward wahrgenommen. Die Anfragen, die das Büro von allen Enden der Welt empfängt, werden sorgfältig bearbeitet und auch an die entsprechenden Firmen weitergeleitet. Die Zionistische Bezirkssektion Prater gratuliert ihrenVorstandsmitgtiedernHerrn und Frau Lipe Weissbrod zur Geburt eines Enkelkindes in Palästina and wünscht herzlichst sie 8ms Aus dem Dritten Reich Tollhäusler Streicher Die letzte Nummer des von Julius S t r e icher in Nürnberg hera>u»gegebenen Wochenblattes „Der Stürmer“, die wiederum hauptsächlich der na ti onal so z/iafist Ls dien Pornographie gewidmet ist, und in Zeichnungen und Karikaturen darstellt, w i e Juden A r i e r i n n e n schänden, bringt einen von Julius Streicher pe r s ü n 1 i o h gezeichneten A rtikel mit der Überschrift ,,Der Feind des Völkerfriedens“. Streicher beginnt mit der Feststellung, daß „im bolschewistischem Rußland viele Millionen von der jüdischen Tscheka au Tode gemartert“ wurden, und fährt fort: „Im Jahre 1933 kam der Nationalsozialismus durch einen von ihnen herbeigeführten Staatisumsturz zur Macht in Deutschland. Diese Macht hätte es dem Nationalsozialismus ermöglicht, sich seiner unversöhnlichsten Feinde, der Juden, durch einen Massenmord au entledigen. Der siegreiche Nationalsozialismus hat seine Feinde nicht durch das Massenblutbad einer Tscheka vernichtet, er hat nur eines getan, er brach auf unblutigem Wege die gewesene jüdische Vorherrschaft auf allen Gebieten des staatlichen Lebens. Man hätte nun glauben sollen, daß die vom Nationalsoaialismus bekundete Z ur ü c k h a 11 u n g die nicht.jüdische Welt in Erstaunen vernetzen und den Juden selbst au unauslöschlicher Dankibaflkeat veranlassen hätte müssen. Das Gegenteil ist geschehen. Eine sich zivilisiert erklärende Welt begann sich vom Deutschland des Nationalsozialismus anklagend abzuwenden und die jüdische Internationale proklamierte den Boykott gegen alles, was aus Deutschland kam. Und rief die Welt auf zu einem neuen Weltkrieg gegen das deutsche Volk, der seine endgültige A b- Schlachtung bringen sollte. Aber auch hier sind es nicht die Völker, die das deutsche Volk hassen, da« dem bei ■ihm lebenden Juden eine geradezu unbegreifliche Nachsicht angedeihen ließ. Es sind auch nicht die Völker selbst, die mit dem deutschen Volke des Dritten Reiches nicht in Frieden leben wollen. Es ist die jüdische Internationale, die über die parlamentarischen Staatsregierungen hinwegdie Verewigung des Unfriedens betreibt. In den Völkern lobt der Vampyr Juda durch den Unfrieden der Parteien, die er schuf, und dii-e er beherrscht. Und wo ein Volk sich von der Macht des Juden freimacht, da versuch er die Wiederau Meldung der verlorenen Herrschaft damit zu erreichen, daß er p a r 1 a m e n t a riß c h regierte (und damit ihm willfährige) Vöiker künstlich zu jenem Volk in Feindschaft setzt und in Feindschaft erhält. Hat die Menschheit einmal begriffen, daß der internationale Jude der Schürer unnatürlichen Hasses und der alleinige Nutznießer der Massenmorde der Kriegsschauplätze ist, dann ist die Schranke hmweggenominen, die der Menschheit den Völkerfriedeu so lange versagte.“ Aufklärungsarbeit in der Schule Die gleiche Nummer des „Stürmer“ zitiert den folgenden Bericht aus einer westfälischen Zeitung: „Am Donnerstag mittags zog der Stürmer1-Verkäufer, begleitet von einer großen Kindensohar, durch die Karlstraßo. Jungen und Mädchen riefen 1m Chor mit dem ,Stünner‘-Vcrkäufer: ,Wer beim Juden kauft, ist ein VolkßverräterF Wieviele mußten da wohl im Bewußtsein ihrer Schuld die Augen vor unserer Jugend niederschlagen!“ Der Lehrer, der Streicher den Zeitungsausschnitt zu sandte, schreibt dazu: „D a s ist, m e i n e A ti f k 1 ä r u 11 g s a rb e i t in d e r S 0 h u 1 e!“ Die gleiche ,,Stiinncr“-Nnuunelr enthält unter anderem folgende ..zeitgemäße Anzeigen: ..Jüdische Spedition di rinn empfiehlt, sich für zu verlässige Beförderung aller ,Papiersorten1 ins Ausland. Gell. Anfragen an Syna.gogenvorstsi.nd. Bönsenstraße 98.“ — Banknot eufälsidieminscbino, gut erhallten, duroli geschnapptes jüdisches Konsortium billig abzugeben. Bei behördlichem Zugriff wird jüdischer Anwalt gestellt. Uff. an Ganofsky. Sehend & Co.“ -- „Jüdische Religion-sgesellsoliaft sucht. .Gedankenaustausch mit M 0 ti c h e 1 m ö r d e r b a n d e. Für ausländische Notendeckung ist, gesorgt. Off. unter ,Verstehste uns?* “ Ritterlichkeit in Trier Die „Stunde“ berichtet: Ein englischer Herr, der vor einigen Wochen in Westdeutschland war und der jetzt in Wien weilt, versichert, daß er in den Straßen von Trier mit eigenen Augen die folgende empörende Szene gesehen hat: Eine Anzahl Nazis führten, einen jüdischen Blinden — einen Kriegsblind e 11! — am hellen Tagdurch die Hauptstraßen der Stadt. Der blinde Manu, der aus unbekannten Gründen den Zorn der Rohlinge auf sich gelenkt hatte, trug auf der Brust eine Tafel, auf der stand in großen Lettern zu lesen: „D a ß ich e i 11 S a u j u d e b i in, das sieht auch ein Blinde r.“ sich Prof• Soederblom läßt nicht brüskieren Der schwedische Krebsforscher Professor Soederblom sollte in Heidelberg vor einem außerwähiten Publikum einen Vortrag halten. Er stellte aber die Bedingung, daß auch N i c h t a r i c r mit eingeladeu werden müßten. Das wurde ihm zugesagt. Als jedoch jüdische Ärzte erschienen, wurden' sie nicht in den Saal ge lasse 11. Das erfuhr Soederblom. Er kam und hielt einen Vortrag von zwei Minuten. Sein Inhalt war ungefähr: man habe seinen Wunsch auf Zulassung von Nichtariern gebilligt, aber nicht erfüllt, nach seiner Meinung hätten auch Nichtarier gute Arbeit a u f d 0 m Gebiet der K r e b s f 0 r s c h 11 n g geleistet, weshalb er es ablehnen müsse, nur vor Ariern zu sprechen. Bund ehern. Zöglinge des Badener israelitischen Waisenhauses in Wien veranstaltet am 20. Februar, um 20 Uhr, im Festsaal des „Hotel Bayrischer Hof“ einen großen Festabend mit reichhaltigem Programm. Das Rcinerträgnis tließt dem notleidenden Bodener Waisenhaus® zu. Zwei billige Sonderfahrten nach Polen mit Abfahrten am 10. und 10. März und Rückfahrt am 7. April, wobei andere Aufentlialtsinögliehlcoiten geboten werden, veranstaltet das Polnische Reisebüro „Franeopol“, Wien, III., Rennwog 1, Telephon U 16-4-90. Kinoprogramme der Woche 1„ Wollzelle 16 Tel. R 24-2-10 KREUZ-KINO Vom 20. hla 28. Fobruar 1036 Die Nacht vor dem Henker mit Warner Oland Beginn: 4, 7*6, V»8, 7*10 Uhr SCHJtFFER-KIHO VI., MariahilferstralJe 37 Telephon B 20-203 Vom 2(J. bis 28. Februar 1035 KalzIm lach Beginn : V*4, */*0, ‘/*8, Samstag, 23. März 1935, 8 Uhr abends r «stsaal des Hold Continental, II., Taborstr. 4 Große Perez Smolenshin-Gedenkfeler Anläßlich seines 5 0. Todestages