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Die Stimme · 1935-02-22 · Heft 428 (22.2.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 428 (22.2.1935)
Date
1935-02-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Dil STIMME Seite 3 Nr. *28 - 22. Februar 1035 Autocars Wien-Palästina-Wien Gesellschafts-Studien - Rundreisen kombiniert, Rastpunkte jeweils an historischen, landschaftlich berühmten Stätten, mit Führungen. Fahrtdauer vier bis fünf Wochen. Kostenlose Auskünfte bei TRENKLER & Co., Wien, IV. und „REFORM" Reiseförderungs-Reklame-Bund, Wien, f., Fleischmarkt 1b. Telephon U 21-4-75 Irrwege des deutschen Judentums Oberrabbiner Angelo Sacerdoti gestorben Mailand, 20. Februar. (2. T. A.) Iler lVberntlibiner von Italien, Prof. Anp'lo Sacenloti aus Koni, der zu Besuch in .Mailand geweilt, luit, ist hier plötzlich an ITeirZiSch lag gestorben. Da« plötzliche Ableben des Führers des italienischen dudentnnis wird auoli nußerhalb Italiens, in der gesamten jüdischen Welt, Trauer Hervorrufen. Prof. Angelo Sacerdoti war nicht nur ein hervorragender jüdischer Gelehrter, sondern auch ein tatkräftiger Führer und Organisator, der an oh vielfach erfolgreiche Schritte zur Linderung jüdischer Nut mul Rechtlosigkeit unternahm. Er genoß in der italienischen Öffentlichkeit und hei der italienischen Regnerung so hohes Ansehen, daß sein Wort sehr viel galt. Oberrabbiner Prof. Angelo Sacerdoti beteilig t-e sich vor einiger Zeit in London an dnr Weltkonferenz der jüdischen Organisationen für Hilfe an die deutschen Juden, und sprach bei dieser Gelegenheit ein Verdammungsurteil über die unmenschliche Behandlung der Juden in Doutseh.la.nd aus. Der Idee des Jüdischen Weltkongresses brachte er stärkstes Interesse entgegen. Er gehörte dom Ausschuß zur Vorbereitung des Kongresses an und halte seine Teilnahme als Repräsentant des italienischen Judentums bereits zugesagt. Prof. Angelo Sacerdoti bat sich um die Neuorganisation der italienisch - jüdischen Gemeinden, die sich zu einem Verband Zusammenschlüssen, sehr verdient gemacht. Itae neue Statut der Jüdischen Gemeinde Rom ist unter seiner Mitwirkung entstanden. Die erweiterte Autonomie der jüdischen Gemeinden in Italien, die gegenüber der vor einigen Ja-hren noch bestandenem starken Abhängigkeit von den Behörden einen großem Fortschritt bedeutet, ist mit auf seinem Einfluß zurückzuführen. Auch die NouOrganisation der jüdischen Schulen, die erforderlich wurde, um die jüdischen Kinder in Italien dem Einfluß der katholischen Tendenzen zu entziehen, ist. mit sein Werk. Hotel Erzherzog Rainer WIEN IV., Wiedner Hauptstraße Nr. 27/29 DAS MODERNE WIENER FAMILIENHOTEL Proßnttzer Oberrabbiner Dr, Goldschmidt gestorben Proßnitz, 19. Februar. (2. T. A.) Oberrabbiner Dr. Leopold Goldschmidt ist am 17. Februar an Herzschlag verstorben. Dr. Goldschinidt war einer der bekanntesten Rabbiner in der Tschechoslowakei, er erfreute sich wegen seines universellen Wissens höher Achtung auch außerhalb seiner Gemeinde und war auch als Schriftsteller und Herausgeber der „Jüdischen Gemeiiidezeitung“ bekannt. Vor kurzem erschien ans seiner Feder das Buch „Palästina — mit der Bibel im Herzen“. Dr. Goldscbmidt war einer der ältesten Zionisten in der Tschechoslowakei, er hatte sich noch zu Lebzeiten Theodor Herzls der zionistischen Bewegung angeschlossen. Vorbereitende Sitzung für den Jüdischen Weltkongreß Am 23. und 24. Februar tagt in Paris das Exekutivkomitee für den Jüdischen Weltkongreß. Don Vonsitz wind wiederum der Präsident des Exekutivkomitees Dr. Nalium G o 1 d m a n n führen, der von einem längeren Aufenthalt in Palästina mach Europa zurück gekehrt ist. In der Sitzung werden Berichte über die Lage der Juden in verschiedenen Ländern erstattet und die politische Arbeit des Comilte dos Delegation« Ju/ives eingehend behandelt werden. Einen wichtigen Platz in der Tagesordnung wird die Frage des Jüdischen Weltkongresses oinmehimen. Es wird erwartet, daß diese Sitzung endgültige Beschlüsse über Zeit und Ort des Kongresses sowie über Organisierung der Wahlen der Delegierten zum Weltkongreß fassen wird, ln der Sitzung wird auch die Wahlordnung bestätigt wendet». Es gibt nur zwei Bücher, die in einwandfreier Weise zu den Schicksalsfragen Stellung nehmen, die seit der Machtergreifung durch Hitler drohend vor den Juden Deutschlands stehen. Das erste Buch stammt aus dem Jahre 1890 und wer es heute liest, ist erschüttert von der Wucht seiner Wahrheiten und seiner prophetischen Voraussicht. Diese« erste Buch heißt „Der Juden.staa t“ und sein Autor war Theodor H e r z 1. Das zweite Buch entstand nach der Machtergreifung durch Hitler im Jahre 1933. Sein Titel lautet „W i r J u d e n“ und sein Autor ist der Berliner Rabbiner Dr. Joachim Prinz. Was sonst in Deutschland von Assimilanten zur Judenfrage geschrieben wurde, ist vielleicht historisch interessant und bemerkenswert, aber die Folge der vom Nationalsozialismus ausgelöston Schockwirkung. In diese Kategorie deutsch-jüdischen Schrifttums gohört die .soeben im V o rt r u p p-V e r 1 a g, Berlin, erschienene Sammelschrift „Wille und Wegdes deutschen Judentums“, die niemand ohne innere Bewegung lesen wird. Im Vorwort des Verlages heißt es, daß hier Menschen sprechen, „die die Entscheidung für sich und ihre Kinder, für Gegenwart und Zukunft des deutschen Judentums treffen. S i e gehenalsJudenihrendeutsch.en W e g“. Zum Geleit sagt der Berliner Oberrabbiner Baeck: „Die letzte Frage für uns ist die unseres Glaubens, unserer Beziehung zu Gott, unseres Judentums. Wo sie stellt, darf keine andere stehen.“ Das wäre sehr richtig, stünde es nicht gerade in dieser Publikation. Den Reigen der Abhandlungen eröffnet Dr. Leo Löwen stein mit einem Artikel: „Die Linie des Reiehsbundes jüdischer Frontsoldaten.“ Löwenstein akzeptiert vom Ideengut Theodor Herzls die berufliche Umschichtung, verlangt aber gleichzeitig (S. 10 f), daß der Reichsbuud jüdischer Frontsoldaten nur „eine eindeutige Stellungnahme für die deutsche Heimat“ beziehe und fährt fort: „Wir wünschen dem palästinensischen Export auch nach Deutschland alles Gute, aber jüdisch-nationale Bestrebungen dürfen nicht dazu gehören, und, soweit sie schon in Deutschland Eingang gefunden haben, müssen sie verschwinden.“ Dr. Löwenstein kommandiert also als alter Frontsoldat kurz und bündig: „W e g t r e t e n!“, oder wie sonst das preußische Kommandowort heißt. Der Befehl wird nicht befolgt werden. Der Zionismus baut die Zukunft des jüdischen Volkes auch für die Juden im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Es haben schon größere Herrschaften als Dr. Lövvenstein den Zionismus ohne Erfolg aufgefordert zu verschwinden. Der zweite Artikel: „D erZentralve reindoutscherStaatsbürgerjüdis c h e n G 1 a u b e n s“ stammt von Dr. Alfred Hirschberg, sagt in seiner Einleitung (S. 12): ,D t e Wortfolge ,Z e n t r a 1verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens* 1 2 3 4 bezeichnet die äußere F o r in, in der sich der Gestalt wandel des deutschen Judentums seit zwei Generationen v o 11 z i e h t.“ Wir kennen die Welse, wir kennen den Text. Das sind die deutschjüdischen Assimilantcn, die cs verhinderten, daß der erste Zionistenkongreß in München stattfinden konnte und später durch Abwehrpropaganda den Hitlerismus bekämpfen wollten und, getrieben vom Haß gegen den Zionismus, blindwütig in ihr heutiges Schicksal hineinrannten. Sie haben politisch wenig zugelernt und alles vergessen. Sie sind die Alten geblieben, wenn sie noch so viele Worte machen. Was im Dritten Reich geschehen ist, stört den Zentralverein offensichtlich wenig. Die Hauptsache ist, daß die Zentralvereinsx\nhänger „a s s i m i 1 a t i o n s k r ä f t i g“ (Seite 18) geblieben sind. Vor dem Palästinaaufbau wird eine Verbeugung gemacht. Richtig wird (S. 24) gesagt: „Das Judentum in Deutschland und das Judentum in Palästina sind die beiden Gruppen innerhalb des gesamten Judentums, die in geschichtlicher Situation stehen. In Palästina der Versuch, über zwei Jahrtausende hinweg ein Volk wieder neu werden zu lassen, in Deutschland die nicht nur für das deutsche Judentum schicksalschwere Frage nach einer Lebensmöglichkeit in Würde und Ehre inmitten einer rassisch-gebundenen autoritären Staatsordnung.“ Aus dieser Erkenntnis hat aber der Zentralverein noch nicht die Konsequenzen der Würde und Ehre gezogen, denn sonst müßte es zum Zionismus, der ein freies, aufrechtes Judentum in der Galuth und in Palästina erstrebt, Ja sagen, ohne wenn und aber. Der dritte Artikel: „Der Bund“ von Heinz Kellermann, spricht vom „Bund deutsch -jüdischer J u g e n d“, der 9000 Mitglieder zählt. Über Palästina heißt es (S. 39): „Palästina ist eine Realität. Realitäten kann man nicht leugnen. Man kann sie bekämpfen, aber der Kampf ist Eine Sensation für Pessach 5695 sind Schmidl-Mazzoth weil Schmidl-Mazzoth in Geschmack und Qualität unübertroffen sind! Schmidl-Mazzoth werden unter streng orthodoxer Aufsicht des ran arnnn ixx a-n hergestellt kJ DmajIaIvIiu II., Leopoldsgaise 43, und In allen besseren £Cnll€9!e ■ Ix« Dl OQ«HKy einschlägigen Geschäften erhältlich ■III..... Telephon A 40-0.90, A 60.2.63 und A 48-4-48 Die Mazzoth werden aus feinstem Mehl erzeugt I Seit vielen Jahren genießen die »Schmidl-Mazzoth« das beste Renommee und werden von allen bevorzugt! Auf die Extraqualität meiner Fabrikate „Marke Schmidt N. B." auf Mazzoth, Grieß und Farvel wird besonders aufmerksam gemacht. 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Das offenbart sich auch in dem Satz (S. 44): „Die Emanzipation durfte n i c h t u m den Preis des Bekenntnisses und d e r geschichtlichen Bindung erkauft werde n.“ Bemerkt man also hier Tastversuche zu einem richtigen historischen Erkenntnis, die beim Reichsbund jüdischer Frontsoldaten gar nicht und beim Zentralverein kaum erkennbar sind, so offenbart der letzte Artikel: „Der Deutsche Vortrupp . . . der Ort geschichtlicher B e s i n n un g“ von Dr. Hans Joachim S c h o e p s den eine absonderliche historische Betrachtung, die den Zionismus vom Religiösen her bekämpfen will und zu ganz abwegigen Schlüssen gelangt. So sagt Schoeps (S. 49): „Die nationalistische Volksparole des politischen Zionismus, die sieh ohne göttlichen Auftrag, das heißt zur Unzeit in die kollektive Rückwanderung nach Erez Israel verkleidet und damit geheiligte Erwartungen durch Mißbrauch profaniert, ist die große zeitgemäße Geschichts- RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Opcrer) (1., Taborslraße 12 Telephon R 46-6-57 ■■■»»■> Ausgiebige Braten-Menüs S 1-KO iWrnJ „ Geflügel- „ S 2.20 HvJ , YorzUglliheZubereitung-SdiwethaterBiere-Naturweine i Großer Saal mit Bühne für Veianstaltungen und I Hochzeiten abzugebeu fl ■ Pathologie des Judentums.“ Das politische Konzept Theodor Herzls steht für Schoeps „im objektiven Zeichen des Sakralfrevels“. Und „Geschichtstatsache des Golus ist nun einmal, daß wir trotz und wegen unserer jüdischen Sonderart Deutsche und damit auch Angehörige der deutschen Stämme geworden sind, ohne Abstrich und ohne E i n s c h r ä n lc u n g“ (S. 50). Zu dieser Schlußfolgerung gelangt Schoeps auf dem Umwege über eine krampfhaft verzerrte mystische Religiosität, landet also bei Naumanns nationaldeutschen Juden. Hören wir noch die „Thesen“, die Schoeps verkündet: 1. Unsere jüdische Situation ist nicht heute in die Krisis geraten durch den Nationalsozialismus, sondern sie steht in der Krisis, seitdem Gottsieh dem Abraham zu erkennen gegeben hat, und sie steht insbesondere in der Krisis seit dom Jahre 3830, dem Jahre der Zerstörung des Tempels in Jerusalem. 2. Seit 3830 Jahren leben wir im Golus, und wir werden im Golus weiterleben bis zur Ankunft des Messias am oder kurz vor dem Tag des Herrn, den die Propheten verheißcu haben. Wer vorher den Tempel in Jerusalem wieder aufbauen will, versündigt sich, weil Theodor Herzl nicht der Messias gewesen ist. 3. Wer heute Deutschland verläßt, um seinen Beruf in Tel-Aviv oder Jerusalem auszuüben, mag ihn dort ausübon. wie er ihn auch in Paris, Rom oder Madrid ausiibeu kann. Und wenn ihm das Leben in Erez Jisroel wirklich das bedeutet, was es seinem Urgroßvater im akuten Fall bedeutet haben würde, dann tut er wirklich eine jüdische Mizw;oli. Wer aber angeblich um Klall-Jisroels willen in Palästina einen jüdischen Nationalstaat errichten will, der keine Theokratie, sondern eiu weltliches Machtgebilde sein soll, verrät die Klall-Jisroel-Wirkliehkeit an den „Fürsten dieser Welt“, der in Moskau residiert, dessen Fänge über dio ganze Welt ausgestreckt sind und der nur darauf wartet, in Palästina eine nationalstaatliehe Satrapie zu errichten. Wir Avünschen und wollen aber, daß an der Klagemauer weder die Internationale noch die Hatikwah gesungen wird, sondern daß wieder und wieder ebendort bis in alle Ewigkeit Kaddisch gesagt wird. 4. Ja sagen zum Judesein heißt Nein sagen zum religiös-politischen Zionismus, weil vom ersten Propheten bis zum letzten Rabbiner von heute es abgelehnt werden mußte und muß, Sakralität in Biologie aufzulösen. Wer um einer humanitären Sozialethik oder um des Sozialismus willen ein jüdisches Volkstum in Erez Jisroel erstrebt, ein freies Volk auf freiem Grund, auf

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