Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 428 (22.2.1935)
- Date
- 1935-02-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME Nr. 428 — 22. Feb.ua r 1930 daß sich seine Volkstumkräfte zu sei tem Gliiek und Wohlergehen schöpferisch entfalten mögen oder so ähnlich, verkennt ebenso Wesen und Bestimmung des Volkes Israel wie der heidnische Nationalist, der das Gliiek und den Rausch westlicher Staatsmacht will, für das Volk will, das in seiner politischen Sonderexistenz immer nur dem Volkskönhrtum Gottes untersteht, wie es intentional in seiner Geschichte einmal verwirklicht w a r und r e a 1 p r ä s e n t in seiner Endgeschichte verwirklicht sein wird. 5. Wir sagen aber ja zur weltlichen Staatsmacht. des Golus. weil sie — obwohl sündig1 — von Gott gesetzt ist. um noch größerer Sünde zu wehren. Gemäß dem Satz der Rabbinen ..Dina d'malchuta dina“ (Staatsgesetz ist Gottesgesetz) stehen wir bedingungslos loyal zu jeder irdischen Obrigkeit. — auch zu der des Nationalsozialismus: In seinem Staat sind wir — nicht, nur gezwungen, sondern freiwillig — passive Objekte, weil die Kraft, der mythischen Ursprungsmächte (baalim) für Israel schon zu Zeiten des Königs Saul endgültig gebrochen worden ist, und weil wir weder totaler Bannung unterliegen noch totale Gefolgschaft leisten können. Wir können dem totalen Staate nicht, verfallen, weil Gott seine Totalität durchbricht, und wir können keinem absoluten Führer folgen, weil der Herr selber der Juden Führer ist- Hingegen können wir im autoritären Staate auch aktiv stehen als Staatsdiener, Offiziere und Beamte, weil Autoritäten letzlieh nur von Gott autorisiert werden, mindestens aber ihren Rechts- und Ordnungsauftrag objektiv begründen und dem weltlichen Heils- und Heilungsanspruch der Otlenbarungsreligionen Raum geben. .Aber ob totaler oder autoritärer Staatstets gilt die Mahnung des Jeremia: ..Sorget für das Wohl dos Landes, in das ich euch habe wegführen lassen, und betet für es zum Herrn“ (29. 7). I 6. Die Unterscheidung der Regierung von | arischen und nichtarischen Deutschen wird von uns als Tatbestand akzeptiert und bejaht. weil wir wissen, daß die Söhne Sems und die Söhne Japhets ursprungsgemäß und auftragsgemäß voneinander unterschieden sein müssen. Wir wissen aber auch, daß Deutschland als Staat und Nation mehr ist als bloße Bluts- und Stammesgemeinschuft, daß Deutschland nämlich auch Schicksals- und Geschichtsgemeinschaft ist. In diese sind wir eingetan auf Weltzeit, als preußische, bayrische, hessische und fränkische Deutsche jüdischen Glaubens und jüdischen Stammes, weil wir durch Bekenntnis vor Schicksal und Geschichte seins- und bewußtseinsmäßig Deutsche sind. Wer heute Deutschland nicht verläßt und ohne Groll und Ressentiment als Deutscher und als Jude um Deutschland Leiden erträgt, stellt, seine Deutschheit unter Beweis, wie er zwingender und gültiger nicht gedacht werden kann, auch dann, wenn ihm vorerst keine äußere Entsprechung erfolgt. 7 Ja sagen zum Judesein heißt Ja sagen zum Galuth. Im Galuth zu existieren als der Fl wed-Haschern (leidende Gottesknecht) ist Wesen und Bestimmung des Volkes Israel. Der Gottesknecht soll und muß Leiden tragen um des kommenden Gottesreiches willen. Damit und darin soll es ihm gut gehen. Es soll ihm aber nicht gut gehen um willen seiner selbst. Denn ..das Gesetz ist eine Leuchte und die Thora ist das Licht — ein Weg zum Leben sind die Züchtigungen“ (Spr. 6, 23). 8. Darum ist kein Grund, die neuerliche Leidenssituation der Juden in Deutschland mit Panik zu beantworten, sondern es ist Grund, sie mit Teschuwoh (Umkehr) zu beantworten und mit der Bitte: Owinu malkenu haehasirenu bit’schuwoh schl’lemoh l’ponecho (Unser Vater, unser Kön:g. gib uns die Kraft bußbert’ger Rückkehr zu Dir). Es ist kein Grund zu zagen und traurig zu sein. Vielleicht ist eher Grund, zu hoffen und fröhlich zu sein. Das Buch des Jesaja vom Ewed Haschern ist nicht nur geschrieben für die Vorväter, sondern auch für die Enkelsöhne von 1983. es ist auch nicht nur ein Leidensbuch. sondern ebensosehr ein Trostbuch, in dem es heißt: Es kommt für Zion ein Erlöser. Auch für alle, die von Sünde umkehren zu Jakob. Und ich — darin soll mein Bund gipfeln, spricht Gott. —, daß Meine Worte, die Ich in deinen Mund gelegt. nimmer weichen sollen aus deinem Munde und dem Munde deiner Kinder und Kirideskinder von nun an bis in Ewigkeit. (59, 20—21).” Es gibt kein erschütternderes Dokument für den geistigen Zusammenbruch de« deutschen Judentums, als die.se Thesen des Herrn Dr. Scihoeps, der es mit seinen „Thesen” offenbar sehr ernst meint,, überall dort aber, wo rnan sein Judentum nicht erst seit Hitler kennt, wird rnan diese sonderbare Mischung von Assimilationssucht und schlecht verdauter Bibellektüre je nach Temperament mit Kopfschiittein, Hohn oder Gelächter aufnehmen. Das Gebräu, das; uns Herr Doktor Schoeps vorsetat, ist ungenießbar. Es wird sicher nicht dadurch besser, daß es nach dein alten Rezept arbeitet, die Zionisten in ihrem Patriotismus zu verdächtigen. Dina d’malchuta dina gilt auch für die Zionisten. Nur mit ■Schmerz und Empörung kann man es zur Keimtni*-' nehmen, daß derartiges noch nach Hitler möglich ist. ..Wille und Weg des deutschen Judentums“ ist der Titel dieser Sammelschrift. Wir sehen in dieser Schrift nicht den Willen des deutschen Judentums, wir sehen nur strebende Menschen auf Irrwegen und wir bedauern, daß ein Mann wie Dr. Raeek zu diesen Ergüssen das Vorwort geschrieben hat. W7ir haben trotz allem vom deutschem Judentum eine gute Meinung. Es wird siieÜ den richtigen Weg bahnen. Die Menselmal vom Reiehshund jüdischer Frontsoldaten bi® •au Dr. Schoops und Dr. Nemmann sind Episodenfiguren. Citeratur * Tßealer * Film Va^JftaimoHUUi-Jü&ääüm Am ersten Tage des heurigen Pessach- Fcstes sind es 800 Jahre seit der Geburt des Moses Maimonides. Aus diesem Anlaß werden in der ganzen Welt Maimonides-Feiern veranstaltet werden, darunter auch in Wien, worüber die „Stimme“ bereits berichtet hat. Das Grab des Maimonides befindet sich bekanntlich in Tiberias. Die jüdische Gemeinde von Tiberias will das Andenken von Maimonides dadurch feiern, daß anschließend an das Grabmal eine neue Synagoge und eine Jisc.hewa gebaut wird, ln der letzteren sollen besonders die Werke des Maimonides studiert werden. Außerdem besteht die Absicht, in der nächsten Umgebung des Grabes, die Maimonia heißt, Land zu kaufen, das sich in arabischem Besitz befindet,. Der Kaufpreis beträgt 17.300 Pfund, und man hofft, daß die sephardischen Gemeinden in der ganzen Welt zum Kaufpreis beisteuern werden. Aus Anlaß des Jubiläums tag es werden übrigens aus ganz Palästina die. Juden zum Grab des Maimonides in Tiberias pilgern. tu% j<zUc ln Jerusalem fand in den letzten Tagen eine Reihe von Beratungen über das Programm der Feier des achthun de rtst e n Geburtstages Moses Maimonides statt. Bei der letzten vom Waad Leumi e'mberufenen Beratung wurden die verschiedenen für diese Feier auf gestellten Pläne ausführlich behandelt. Unter anderem wurde über den Vorschlag des bekannten Gelehrten Dr. Juda Kauf mann beraten, nach dem alten jüdischen mittelalterlichen Brauch das nächste Jahr vom ölberge für die ganze jüdische Welt als Gedenkjahr an Maimonides zu prokla mi er en sowie nach Jerusalem einen Kongreß der Maimonides-F orscher der ganzen Welt unter Beteiligung von Vertretern aller jüdischen Gemeinden einzuberufen. Dieser Kongreß soll die Errichtung eines Maimonides- H a u s e s beschließen, in dem jedes Zimmer einem der Werke des Maimonides gewidmet sein soll, ln der Ritzung wurde auch eine Reihe anderer Pläne besprochen, darunter der, eine Wanderausstellung der Werke des Maimonides zu veranstalten, so wie der Plan einer Ausstellung für die Kultur der Juden in Spanien und Portugal sowie der Plan der Schaffung eines Instituts für Maimonides-Forschung, der Herausgabe seiner Werke und der Ein fii/truug des Unterrichts in den Werken des Maimonides in die höheren Schulklassen. Anscheinend wird ein großer Teil der Feier sich in Tiberias abspielen, wo ein großer Zug zum Grabe des Maimonides stattfinden wird. Nach Anhörung aller Pläne wurde zur Aufstellung des endgültigen Programms eine besondere Kommission gewählt. Sie besteht aus Vertretern der Jewish Agency, des Waad Leumi, der Universität Jerusalem, des Lehrerverbandes, des Schrift steiler Verbandes, des Ärzteverbandes, des Ober- Rabbinats und der Gemeinden Jerusalem, Tel-Aviv, Haifa und Tiberias. Da der Geburtstag des Maimonides auf den Rüsttag des Pessachfestes fällt, wird die Maimonide.s- Feier vermutlich in den Pessach-Zwischenf eiertagen statt finden. (Palcor.) Maimonides-Feier an der Jüdl sehen Volksuniversität in Paris Die vor vier Jahren von einer Gruppe von Intellektuellen aus dem Kreise des Verbandes der jüdischen Gesellschaften Frankreichs gegründete Pariser jüd i sehe V olksuni versität veranstaltet anläßlich des 800. Geburtstages von M o ses M a i m o n ide s eine große öffentliche Kundgebung, bei, der hervorragende Vertreter der französischen Philosophie und, der Philosophie des Judentums die Bedeutung Maimonides’ würdigen werden. Die Volksuniversität hat bisher über 400 V orlesun gen aus allen Gebieten des jüdischen Lebens veranstaltet. Spanische Regierung schreibt drei Preise für Werke über Maimonides aus Jerusalem, 19. Februar. Die hebräische Universität in Jerusalem \ entsendet zur Feier in Cordova zwei Vertreter. Während der Rambam-Feiern in CordovaI wird ein „Rambam-lnstitut für Wissenschaft\ des Judentums Dev ideükeieg. im film „Eine Welt in Flammen — Inferno 1914—1918“ — ein Fox-Film. Nach den eindrucksvollen Filmwerken „G-w valcade“ und „Die Welt geht weiter“ bringt die Fox nun den im gleichen Geiste gehaltenen, von gleicher Tendenz getragenen drittel« Ivriegsfiltn, der gleich den zwei ernten, ja durch seine grauenvolle Realistik noch nachdrücklicher eine Anklage gegen das Völkermorden; ist und gegen den Krieg — für den Frieden wirbt. Im Gegensatz zu den ersten zwei erwähnten Filmen, die durch eine mehr oder minder feia-t gesponnene Handlung in ihrer Wirkung unterstützt wurden, beschränkt sich der Film „Inferno 191-1—1918“ auf die Wirkung des bloß Bildhaften. Die Abrollung dieser Bildreportage, des Grauens, der nackten, photographierten Wirklichkeit, erschüttert und packt weit mehr, als es die spannendste Filmhandlung je vermöchte. Nur mit klopfendem Herzen, mit schlagendem Pulse kann man diesem BilderstreiKn folgen, der nichts anderes will, als ungeschminkt das zeigen, was in den letzten Tagen der Menschheit, damals, zwischen 1914 und 1918, in den Lüften und zu Wässer, in den Gebirgen und Schützengräben, an der Marne und. in Polen, in Flandern und in Rußland, in den Gewässern des Skagerraks, in der Adria' und im Atlantischen Ozean vorging und; geschah. Mit der ganzen entsetzlichen! Genauigkeit des Objektivs der Kamera* Ein Bilderstreifen von so grauenvoller Echtheit, daß er durch die Konzentriertheit der Vorgänge die Wirklichkeit fast noch übertrifft. Man sieht die zahllosen Toten und weiß zm gleich, daß ihnen noch Legionen folgen werden, man sieht ihr Enden und Verrecken und im Orient“ gegründet wer . „ „ , , den. Die spanische Regierung hat drei Preise | V?*? “ für die besten Werke über Maimonides (Rambam) ausgeschrieben. Voraus muß man denken/ sidi sichern — versichern Phönix Allgemeine Versfdierungs» Oe*./ Wien/ IX*/ Alserplnf * 3 und Gastspiel. Sevilla Pastor — Erna Siegler. In den Jüdischen Künstlerspielen (II., Praterstraße 34) gelangt Freitag, den 22. d. M„ zum erstenmal „Der S c h o k o 1 a d e n k ö n i g“, Lustßpiel in zwei Akten von Werwill, Musik von Olschanetzky, mit Frau Sevilla Pastor in der Hauptrolle zur Aufführung. Samstag und Sonntag „Der Schokoladenkönig“, Sonntag nachmittags, VA Uhr (bei ermäßigten Preisen), und Montag abendß „Die Sehickerte“, Dienstag und Donnerstag „Masltow“, Mittwoch,^ den 27. d. M„ „Hulie Kabtzen“. Jüdische Bühne, II., Praterstraße 60, Tel. R-43-4-59. Wegen des großen Erfolges wurde die musikalische Komödie „Der Gaslen“ von Kalmanowitßch bis in kl. Donnerstag, den -8. 1 ebiuar 1935, prolongiert. In den Hauptrollen S. Na tan, N. Leven thal J. N a t a n. Jüdische Kulturstelle, II., Aspernbrückengasse 2 (R-48-2-91). Zweigstellen: VI., Loquai platz 11 (B-20-0-81), IX., Währingerstraße 48 (A-14-400). Den Mitgliedern stehen ermäßigte Karten für alle Theater Wiens zur Verfügung. Wegen der Bundestheaterkarten bitten ° wir, sich Freitag für die kommende Woche an uns zu wenden. Konzerte: Rudolf Serkin, M. K. S., 8. März; Stabat Mater (Joseph Schmidt. Desy Halban-Kurz, Alex. Swed, G. M. S., 9. März; Moritz Rosenthal: 12. März. Führungen: Sonntag, den 24. Februar, Uhrenmuseum der Stadt Wien. Direktor Kaftan des Museums führt persönlich durch die Wunderwerke der Uhrmacherkunst aller Zeiten und Länder. Treffpunkt: Punkt 10 Uhr, I., Schulhof 2. Hilda Dulitzkaja singt für Kfar Kremenezky. Sonntag, den 24. Februar 1935, K8 Uhr abends, im Heim der Zion. Bezirkssektion Mariahilf-Neubau, VI., Loquaiplatz 11, gibt Gg. Hilda Dulitzkaja einen Teeabend, dessen Gesamterträgnis dem Kfar Kremenezky zufließt. die Opfer des Luft- und Unterseebootkriege^ mit all seinen tückischen Schrecken. Man sieht die Kämpfe im Schützengraben und im wüßten Handgemenge, man sieht brennende Ballone der Rekordflieger in einer einzigen Rauchwolke zur Erde treiben. Schiffe sinken, man sieht Menschen im mörderischen, verzweifelten Kampfe mit den durch Geschosse aufgepeitschten Meereswogen, man sieht Angriffe zu Landj Schützengraben stürmen, da fällt einer, und der andere dort, ein Angriff in den Schneefeldern von Flandern: sie sind von Menschen1 — rot gefärbt. Man sieht, man sieht..., nein* die Augen schließen sich, da Herz bleibt fast stehen vor so viel grauenvollem Würgen, vor so viel unsäglichem Jammer, vor so viel namenlosem Unglück, vor dem die Frage der Fachleute, ob es auch echte Aufnahmen ßind, vollends verstummen muß. Der Film „Eine Welt in Flammen — Inferno 1914—1918“ ist in seiner handlungslosen, stummen Bildhaftigkeit ein einziger Aufschrei, wie er leidenschaftlicher gegen den Krieg nicht gemacht werden konnte. Der Film, der den Krieg in den entsetzlichsten und tollsten, weil wahrsten Äußerungen zeigt, sollte überall, für roß und klein vorgeführt werden. Er ist ein einziges Memento, das an die Schrecken des Krieges gemahnt, ein erschütterndes Werben für den Frieden. j. r. Heute „Die Nacht vor dem Henker“ im Kreuz-Kino. Der beste amerikanische Kriminalfilm dieses Jahres mit Charlie Chan, dem chinesischen Sherloek Holmes, ist nach einem englischen Detektivroman von Earl Derr Biggere gedreht worden. Der neue Kriminaltilm der Fox „Die Nacht vor dem Henker“ erscheint ab heute im K r e u z - K i n o. Charles Boyer als Liliom. Charles Boy er spielt die Rolle des Liliom in dem Film, den der bekannte Regisseur Fritz Lang unter der künstlerischen Leitung von Erich Pommer nach dem Theaterstück von Franz M o 1 n a r in Paris für die F o x hergestellt «. «,„ ab«.** Cr_Be perM smolenskln-G edenkfeier MsTiuih iimi - Ziinistisclter Lindesverband für Österreich Festsaal des Hotel Continental« II.« Taborstr. 4 Anläßlich seines 50. Todestages 67901020