Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 428 (22.2.1935)
- Date
- 1935-02-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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5«lte 2 DIE STIMME Nr. 42P — 22. Februar 1938 In der Galuth Judenhetze in Mandschukuo New York, 19. Februar. (2. T. A.) über Aufforderung der jüdischen Gemeinden in Oharbin und in Schanghai belichten der Vorsitzende der politischen Kommission dp.- American Jewish Congress Dr. Stephen Wiso und der Sekretär der Kommission Prof. Harris M. C a 1 e n den japanischen Botschafter in Washington. S a i t o. dem sie mitteilten, daß unter den jüdischen Gemeinden im Fernen Osten eine starke Beunruhigung über den Bericht, herrscht, den der Agent der Geheimpolizei in der Mandschurei, K g u t s, im Zusammenhang mit der Entführung- und Ermordung von Simon Kaspe, Sohn eines reichen Juden in Oharbin, veröffentlicht hat. Eguts erklärt, die Menschenrüuber und Mörder, die russische Weißgardisten seien, hätten aus ..Patriotiemue“ gehandelt. Die Angeklagten hätten, indem sie einen Juden entführten und ermordeten, Bache genommen für ihr Vaterland. Durch diesen Bericht, so erklärten Dr. Wise und Prof. Galen, ermutigen die japanischen Behörden, die im Dienste der mandschurischen Regierungstehen, die antisemitische Propaganda der russischen Weißgardisten, die sehr intensiv in der Presse und durch Verbreitung von antisemitischen Legenden unter der Bevölkerung betrieben wird. Der japanische Botschafter wurde daran erinnert, daß der japanische Botschafter in China und der Vizeminister für auswärtige Angelegenheiten in Tokio einer Abordnung der jüdischen Gemeinde in Schanghai die Zusicherung gege ben haben, daß die japanische Regierung antisemitische Propaganda nicht zulassen werde. Botschafter Saito versprach, seiner Regierung die Bitte des Congress zu übermitteln, daß sie bei der Regierung des Staates Mandschukuo interveniere, damit der antisemitischen Propaganda in Mandschukuo ein Ende gemacht wird. lieh. Denn er vermißte die Judenkinder und gab in einer Ansprache der Hoffnung Ausdruck. daß sich die a n w e s e n d e n Katholiken mit den a b w e s e nd e n Juden gut vertragen. Ganz genau so ging es vor ein paar Tagen bei einer Visitation in der Hauptschule Wolfgamr-S e h m ä.l zl gas« e zu.“ Katholisches Urteil über die „Protokolle“ Im ..Kirchlichen Fußnote die folgende worden: der Erzdiözese Köln“ ist Kritik an den „Protokollen der Anzeiger vor kurzem Weisen von in der Form einer Zion“ veröffentlicht im Jahre 1894 erschien in Brüssel ein kleines Bändchen von 337 Seiten: „Dialogue aux enfers entre Machiavell et Montesquieu ou hi poliitique de Machiavell au XlXe siöcie, pnr un contemporain.“ Der ungenannte „Zeitgenosse“, der Verfasser, ist später bekannt geworden. Es war Maurice J o 1 y, ein Gegner der Innenpolitik Napoleon III., der sich am 10. Dezember 1848 durch Volksabstimmung auf vier Jahre zum Präsidenten, dann nach dem Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 auf zehn Jahre zum Präsidenten mit fast unbeschränkter Macht, endlich durch Volksabstimmung vom 2. Dezember 1852 zum Kaiser hatte wählen lassen. 29ei Drfrattfungen bet ölmmtBsotflone öertoenbe betntengt X mit fjeifeer 6auetfirunn Die Umtriebe in Algerien Paris, 18. Februar. (2. T. A.) Im Zusammenhang mit den in Algerien stattgefundenen schweren antijüdischen Ausschreitungen seitens faschistisch ver hetzter Mohammedaner begibt sich laut Beschluß des Ministerrats der Innenminister Regnier nach Algerien, um an Ort und Stelle eine Untersuchung über die Ursachen dieser antijüdischen Bewegung durchzuführen. Die sich immer mehr bemerkbar machende Unzufriedenheit unter den Moslems in Algier ist, wie man in unterrichteten Kreisen annimmt, in einem hohen Maße von Agit atoren aus dem Auslande inspiriert, die in der Agitation gegen die Juden ein Mittel zur Aufwiegelung der Bevölkerung gegen den französischen Staat sehen. Die Entsendung größerer französischer Truppenkörper nach Afrika zur Aufrechterhaltung der Ordnung wird, wie mitgeteilt wird, demnächst erfolgen. Michael Sternberg Dorf! Sternberg geb. Schccr empfehlen sich als Vermählte Haifa-Wien, März 1935 Was sagt das Unterrichts• ministerium dazu? „Der J Ü d i s c he W e g“ meldet: „Wae eine Judenschule ist, konnte man letzthin im Leopoldstädter Sperlgymnasium so recht beobachten. Ein Besuch des Kardinals I n n i t z e r war angesagt. Was tut der Stadtschulrat und die Schulleitung?! Sie befiehlt den jüdischen Schülern, da« Gebäude um 11 Uhr vormittags zu verlassen, da der Erzbischof um 12 Uhr kommen eoll. Die Entfernung der Juden ging eo energisch von- Htatten, daß sogar Sicherheitswache zur „Vermeidung von Ansammlungen“ eingesetzt wurde. Wohl deshalb, damit der Kardinal ja nicht erfährt, daß 95 Prozent der Schüler des Sperlgymnasrums Juden sind. Wie eoll man dieses Vorgehen bezeichnen? Bk Kardinal kielt oa offgibag Sftr gabt» Jolys Schrift gegen Napoleon III. Maurice Joly fingiert in dem höchst geistreichen Buche in 24 Dialogen ein langes Gespräch, das in den Gängen der Unterwelt, während einer Rekreationspause stattfindet zwischen dem Schatten des Florentiner Staatsmannes Nieeolo Machiavelli (1469 bis 1527), durch sein „Libro del Principe1 (1516) bekanntlich zum Theoretiker de fürstlichen skrupellosen Absolutismus, und Ch. de Montesquieu (1689 bis 1755), durch seine Schrift „De l’esprit des Lols“ (1748) zum Vertreter des modernen Rechtsstaates geworden. Das lange Gespräch hat zum Inhalt, im Hinblick auf Napoleons Taktik, seine absolute Herrschaft immer mit den Mitteln der Demokratie aufzubauen, ob und wie noch im 19. Jahrhundert ein Mann unter Innehaltung demokratischer Formen ein Volk um seine Freiheit bringen könne. Es behandelt die verschiedenen damaligen freiheitlichen Verfassungen in den europäischen Staaten, geht zu der Frage über, ob es möglich sei, durch einen S t a a t s s t r e i ch alle Gewalt in die Hände eines Mannes zu bekommen, um dann in einer ganzen Reihe von Dialogen durch Machiavell dem immer mehr erstaunten und von Dialog zu Dialog mehr besiegten Montesquieu klarzumachen, wie die Abschaffung der Freiheit im 19. Jahrhundert durchführbar sei, beziehungsweise der Presse, des Richterstandes, der Hochschulen, des Finanzwesens, der Volksabstimmung, der etwaigen kirchlichen Opposition usw. Erst ganz zu Ende läßt der Autor Montesquieu merken, daß sein Gegenüber in alldem von Frankreich spricht. Mit den Worten des völlig gebrochenen Montesquieu: Dieu eternel, qu’avezvous perrnis! schließt dramatisch der letzte Dialog, und die Schatten müssen wieder in ihro Zellen zurückkehren. Napoleon hat die Satire wohl verstanden, daher das Buch, wo er seiner habhaft werden konnte, konfiszieren lassen, schließlich auch den Autor ermittelt und g efangen gesetzt. Daher ist das Buch sehr selten geworden; schade, da es außerordentlich witzig und spannend geschrieben ist und eine deutsche Übersetzung wohl verdiente. Diesas Buch nun wurde von russichen Gegnern der Juden benützt. Sie machten große Auszüge, anscheinend in ziemlicher Eile, worauf die Übersetzungsfehler hinweison, verteilten das Gespräch zwischen Machiavell und Montesquieu a/uf jüdische Magnaten, die einen Kongreß gehalten haben sollen, dessen Gegenstand die Unterjochung der Christen unter eine internationale Judenherrscbaft gewesen «ei, und ließen die ganze, eo fabrizierte Mystifikation!m Jahre 1905 der dritten Auflage eines russischen advcntiistischnn Buches beidrucken, das in erster Auflage 1901 unter dem Titel: „Das Große iim Kleinen oder nahe ist der heran« ch reitende Antichrist“ von einem gewissen Sergej N ilus in Moskau erschienen war. Die erste Auflage mfo dem Anhang wunde nmr in sehr kleiner Auflage gedruckt: anscheinend sollte es dem Zaren in die Hände gespielt werden, um ihn gegen die Juden einzuiielnnen. Neue russische Ausgaben mit den angehängten Protokollen erschienen 1.911, 1912 und 1917, endlich in Berlin 1920. Die Fälschung ist. zwar unsagbar plump; aber es war wohl ihre unvorstellbare Kühnheit, die eine Anzahl von Männern verblüffte, so zunächst 1919 Gottfried zur Beek, der sie in Berlin in deutscher, dann einen französischen Geistlichen, Monsignore J o u i n, der sie 1920 in französischer Übersetzung veröffentlichte, welcher schon 1921 eine weitere französische Übersetzung von R. L a m b e 1 i n folgte. In Amerika erschien ohne Verfasserangabe 1920 eine Übersetzung, der unmittelbar im gleichen Jahre in London eine längere Bearbeitung und 1924 eine neue Übersetzung folgten. Henry Ford, der bekannte Automobilkönig, ließ eine längere Bearbeitung in Amerika erscheinen; sein Buch wurde sogleich 1922 ins Deutsche übersetzt. Dann folgten außer einer polnischen Übersetzung von 1923 noch die deutsche Bearbeitung von R o s e n b e r g 1923 und eine von Th. Fritsch, dem Inhaber des antisemitischen Hammerverlaiges, 1924, beide seitdem in vielen Auflagen erschienen, endlich, nur mit tiefster Beschämung erwähne ich es, eine deutsche Bearbeitung vonseiten eines katholischen österreichischen Geistlichen, Gaston Ritter, unter dem Titel: „Das Judentum und die Schatten des Antichrist“, 1933. Inzwischen war durch ein Buch von B. S eg e 1, „Die Protokolle der Weisen von Zion kritisch beleuchtet“, Berlin 1924, die Sachlage mit absolut zwingenden Beweisen aufgeklärt und auf das Werk von Mauricy Joly hingewiesen worden. Rosenberg, der offenbar das in der Tat ja auch seltene Buch von Joly nicht vor Augen bekommen hat, wich dem Beweise damit aus, daß Joly gleich Joel, der Verfasser also ein Jude sei, wohl ohne zu bedenken, daß selbst im Falle, Joly wäre ein Jude gewesen, was aber nach dem ganzen Tenor seines Buches ausgeschlossen sein dürfte, damit der Nachweis nicht erschüttert wird, daß die angeblichen Versammlungsprotokolle von 1905 schon im Jahre 1864 in Brüssel als Buch gegen Napoleon III. gedruckt worden sind. (Tatsächlich ist inzwischen festgestellt worden, daß Joly ein bretonischer römischkatholischer Adeliger war. — Red.) Gaston Ritter, der natürlich auch nicht das Buch von 1864 zu Gesicht bekommen hat, schreibt diesen Versuch, an der Echtheit festzuhalton, einfach Rosonberg nach. Th, Fritsch hilft sich damit, daß „er sich nicht vorstellen könne, daß ein arischer Kopf ein solches System spitzbübischer Niedertracht und so schamloser Folgerichtigkeit auszudenkeii fähig sei“ (Ausgabe von 1933, Seite 73); aber es handelt sich ja um eine satirischpolemische Schrift gegen Napoleon III. Daß die Russen, die 1905 die Protokolle herausgegeben haben, sie nach dem französischen Dialogue aux enfers fabriziert haben, daß also Juden nichts mit Ihrer Entstehung' zu tun haben, ist fiir den, der selbst die Möglichkeit hat, den Dialogue aux enfers neben die Protokolle zu legen, einfach evident. Wenn man also nach dem Erscheinen des Buches von Segel an der Echtheit der Protokolle festgehalten hat, so läßt sich das eben nur damit erklären, daß den Verfechtern der Echtheit die Möglichkeit fehlte, das französische Buch einzusehen und daß sie Segel nicht Glauben schenken wollten, der seitenweise den Dialogue und die Protokolle nebeneinander abdruckt. Jedenfalls sollten die Protokolle jetzt aus der Diskussion verschwinden und ihr Inhalt daher auch nicht einmal Indirekt herangezogen werden. Hack zu PURIM, zur MAKKABIADE, zu PESSACH und wöchentlich« Abfahrten durch CotnfUiM IN., Spitalgas.se 3, Tel. Nr. B 42-5-38 Vaterländische Front gegen Wir haben am 4. Jänner eine Einladung des österreichischen Geweribcbundes als Berufs Organisation der Vaterländischen Front veröffentlicht, auf welcher dringend ersucht wurde, die Weihnachteeinkäufc nur bei h o d e n s t ä n d 1 g e n christliche n Geschäftsleute n zu besorgen. Auf eine Anfrage eines unserer Leser ist folgende Antwort ergangen: Z. 1390/35 Wien, den 18. Februar 1935. Mit Rücksicht auf Ihre Mitteilungen in Angelegenheit der Einladung der Ortsgruppe Wien-Josefs'tadt des österreichischen Gcwerbebu,indes, der Berufsorganisation der Vaterländischem Front, teilt die Organisationsabteihmg des Generalsekretariats der Vaterländischen Front mit, daß die von Ihnen beanständete Aufforderung auf der zitierten Einladung, „WeihnachtseiLnkäute nur bei bodenständigen, christlichen Geschäftsleuten zu besorgen“, auf einem V e r s e h c n beruht, das, wie die Erhebungen ergaben, auf das Schuldkomto eines untergeordnete« Funktionärs zu buchen ist. Das G e n e r a 1 s e k r e t a r i a t der V a t e r 1 ä n dißclicu Front hat V e ranlaßs u n g g e t r o f f e n, daß i n II i nk u n f t derartige Fälle unter-« bleiben. Wir bitten, hiervon gefällig Kenntnis zu nehmen, und zeichnen hochachtungsvoll Gremium der Wiener Kaufmannschaft Der Präsident: Der Sekretär: Langer m. p. Dr. Gruß m. p. Pension Eckstein Englisch-indischer Ausschuß über Österreich Wie uns miß London gemeldet wird, findet sich in dem Situationsbericht des Board of Deputies (Vertreterschaft der eng-' lisch-j indischen Gemeinden, eine amtliche' Körperschaft) die folgende Darstellung über die Lage in Österreich: „In Österreich ist die Lage der jüdischen Angehörigen der freien Berufe trotz offizieller Zusicherungen, daß diesen eine gleiche Behandlung zuteil wird, p r ek ä r. Die Besorgnis wird noch erhöht durch die geplante Sozialreform, die alle Verträge mit K r a n k e n k a s s e n ä r z t e n für ungültig erklärt und Neu- und Wiederanstellungen erst nach sorgfältiger Auswahl vors sieht.“ Die Minoritätsabgeordneten in der türkischen Kammer Wie berichtet, sind auf Anordnung des Präsidenten der türkischen Republik, Kemal Atattirk, auch Vertreter der Minderheiten in d/ie Kammer gewählt worden. Es sind dies f ii r die J u d o n Dir. A b r a v a j a in Nigda, für die Griechen Dr. Taptas und Zihni, fiir die Armenier Kerestedjian. PENSION AUCH FÜR Sie b«l Borursunrahlgkolt IHVAUDITXTS.RlNTtH S. ffir «in sorgloses Aller AlTIRf