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Die Stimme · 1935-02-19 · Heft 427 (19.2.1935) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 427 (19.2.1935)
Date
1935-02-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 DIE STIMME Nr. 427 — 19. Februar 1985 Aus der jüdischen Presse Der Friedenspakt „Hnschomer HuzaiP‘ (Tel-Aviv) findet es merkwürdig. daß eine Stellungnahme Weizmnnns rum F r irrte nspukf zwischen Jnbofinsky mul ßm Gurion bisher nnr/t nicht vorliegt. Auch <fcr „Dnwar'’ hübe bereits dir Aufmerksamkeit darauf gelenkt, indem er schreibe, cs sei notwendig. daß Weizmann in die Exekutier zu riieklu'hre. Wie sei das nun mögt ich, sieh mit der Rückkehr IVeizmanns zu beschäftigen. wenn man beabsichtige, eine breite Koalition, sogar mit Einschluß der Revisionisten, zu bilden? Sei nicht eine derartige politische Konstellation in diametralem Ca. g< nsutz zuallem, wofür die llistadruth bisher gekämpft habe? Weizmann habe mit der 'jege n wertigen Exekutive bisher in, allen ‘■"leidigen Angelegenheiten kooperiert. Ha ben die Führer der Histadruth Weizmann euch bezüglich der Vereinbarung mit den Revisionisten konsultiert oder sei diese Vereinbarung etwa hinter seinem Rücken er folgt? Welche Stellung nehme Weizmann gegenüber dem Palet zwischen Jabotinsky und Ben Gurion ein? Jüdische Ansiedlung in Syrien In „l)e Joodsche Wachter“ (Holland) behandelt. V. Bernstein die neuerliche Erklärung der syrischen Regierung betreffs ihrer Haltung zur Frage eventueller jüdischer Einwanderung und führt unter anderem folgendes aus: Man vergeht sich gegen keinerlei heiliges Prinzip, wenn man erklärt, daß die Grenze zwischen dem französischen Mandatsgebiet in Syrien und dem englischen in Palästina vollkommen willkürlich gezogen und in jeder denkbaren Hinsicht unnatürlich ist. Indessen sind wir jedoch viel zu sehr an stabilen politischen Zuständen im Nahen Osten interessiert, als daß wir irgend welches Interesse daran haben sollten, die politische Atmosphäre zu trüben, indem wir aufs neue die Frage der palästinensischen Nordgrenze aufwerfen .. . Wohl aber müssen wir uns fragen, warum die syrischen Regierungen unter bestimmten, sehr charakteristischen Bedingungen ganz bestimmte Kategorien von Juden wohl zulassen wollen und warum sie es für nötig erachten, darüber Erklärungen abzugeben.... Wir kennen sehr wohl die wirklichen Gründe, die die syrischen Re- ‘ gierungeu zur Abgabe ihrer Erklärung ln wogen haben ... Genau so, wie die frans jordanischen Araber sehen nämlich auch di syrischen mit neidischen Augen auf den ma ferielfen Aufschwung Palästinas... Natur /ich würden auch die palästinensischen Ara ber den Aufse/nrung gern wollen — ohne den Zionismus, der ihn gebracht hat. Aber man kann doch nun einmal nicht die Folgen haben, ohne die Ursachen zu wollen ... Wir verlangen nicht von Frankreich, daß es in Syrien eine Filiale des Jüdischen National heimes errichte. Wir verlangen es auch nicht von den syrischen Arabern. .Iber sie müssen begreifen, daß man die Vorteile und Segnungen} die der Zionismus bringt, nicht bekommen kann, indem man ihn selbst, den Bringer, ab weist... Zionistische Politik In der ,,Chwi/a“ (Lern barg) schreibt Doktor Schwarzbart: „Die Eröffnung der Haifa—Mossul-Petro leumlcitung hat nicht nur eine internationale, sondern auch eine direkte Bedeutung für den 'Zionismus. Die ganze englische Mandatspolitik steht im engen Zusammenhang mit seinen Bestrebungen, das ganze Terrain, das um seine Pefro/eumgruben liegt, in seinen Machtbereich zu bekommen. Wer weiß, ob England das Mandat überhaupt übernommen hätte, wenn es nicht Haifa als Ausgangspunkt für seine Mossulteitung auserkoren hätte. Von diesem Standpunkt aus gesehen, ist es klar, daß auch für die Zukunft die Palästinapolitik Englands eng mit seiner imperialistischen Politik in Asien verbunden bleiben wird, und daß sieh diejenigen, die einen Mandatarwechsel wünschen, trügerischen Hoffnungen hingeben. Sogar wenn das Mandat erlischt, wird England von Palästina nicht lassen; solange es sich die Macht über das Territorium, das Frankreichs Expansion in Asien verhindert und Ibn Sauds panarabische Pläne annihiliert, sichert, ist ihm die eigentliche Regierungsform, ob sie Mandat heißt oder Vertrag, oder Vereinbarung, gleichgültig. Es wird daher die Hauptaufgabe der zionistischen Politik in der Zukunft sein, Wege und Mittel zu finden, um sich Englands Sympathie für unsere Politik der Wiedergewinnung Palästinas zu sichern.“ Palästina-Import und Transfer Die Kommissionen in der Jerusalemer Stadtverwaltung ln der Jerusalemer Stadtverwaltung wurden acht städtische Kommissionen gewählt, ln drei Kommi-simien bc.st.idu eine arabische Mehrheit, fünf haben einen arabischen Vorsitzenden, während nur in drei Kommissionen ein Jud" den Vor-itz führt. Der wichtigsten Kommk-ion. der lVnmtenkoimnission. präsidiert Rürgvrmeisti»r Doktor K h a 1 i d i selbst, aber das jiidir-i h-arabisclie Gleichgewicht in der Stimmenverteilung ist gewahrt. Ebenso ist da> Verhältnis von Juden und Arabern in der Finan/.kununDsimi derart, daß ein Gleiehaowicht hergestellt iist. In der Finanzkomtnission führt- Vizebürgermeister Daniel A ii s tr r den Vorsitz, was als Auswirkung der letzten Verhandlungen anzusehen ist. bei denen Vizebiirgermeister Auster erweiterte Befugni--o zugesiohert worden .sind. Maßnahmen gegen Hypertrophie des Bankwesens in Palästina Die von der Regierung eingesetzte Bankenkontrollkoiumis-sion. die beauftragt war. die gegenwärtigen Verhältnisse im Bankwesen zu überprüfen und Vorschläge betreffend eine etwa notwendige Änderung der gesetzlichen Bestimmungen für die Gründung und den Betrieb von Bankinstituten zu erstatten, hat ihre Arbeiten abgeschlossen. Es wird nunmehr ein Bericht ausgearbeitet mul man erwartet, daß iu diesem besonders auf die Gefahr des Bestehens einer übergroßen Zahl kleiner Bankgeschäfte hingewiesen werden wird. Unter den augenblicklichen günstigen Wirtschaftsverhältnissen ist es Banken, die nur kleine Reserven haben, möglich. Geschäfte abzuwickeln, ohne daß auch nur das im allgemeinen ungenügende Betriebskapital voll eingezahlt ist. Wenn auch häufig hinter den kleinen Unternehmungen größere Banken stehen und ihnen ihren Kredit zur Verfügung stellen, eo bietet doch nach Ansicht der Kommission das geltende Gesetz die Möglichkeit der Gründung von Banken, ohne daß für die erforderliche Sicherheit vorgesorgt wäre. - In Bankkreisen wird erwart eit, daß die Kommission für Bankinstitute ein Mindestkapital von 20.000 Pfund, das binnen einem Jahr nach der Registrierung voll eingezahlt sein muß, Vorschlägen wird. Ferner soll die Vornahme geschäftlicher Transaktionen erst gestattet werden, sobald das Grundkapital ein gezahlt ist. Für Niederlassungen ausländischer Banken soll ein weit höheres Mindestkapital, vermutlich 100.000 Pfund, vorgeschrieben werden. Die Banken sollen verpflichtet werden, auf Briefbogen, Drucksorten usw. 'nicht nur das bewilligte, sondern auch das tatsächlich eingezahlte Kapital anzucreben. Wahrscheinlich ist ferner eine einschränkende Bestimmung über die Zulässigkeit von Worten wie „Royal" oder „National" in der Firmenbezeichnung. Kooperative Kreditgesellschaften werden vermutlich einheimischen Banken gleichgestellt sein, wobei die „eigenen .Mittel" als Kapital betrachtetwerden. Voraussichtlich wird den bestehenden Banken, deren Kapital niedriger ist als das vorgesehene Mindestkapital, eine angemessene Frist zur Aufbringung der Kapitalsdifferenz gewährt werden. Wird diese Frist nicht ei ng eh alten, so soll das betreffende Unternehmen liquidiert werden. Es sollen rpialitizierte Rechnungsprüfer bestellt werden, die für Nachlässigkeiten gerichtlich belangt werden und im Fall der Feststellung eines Verschuldens das Recht zur weiteren Ausübung ihres Berufes verlieren sollen. Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt _II., Praterstraße 13_ Donnerstag, den 21. Februar 1935, um 7*9 Uhr abends Vortrag des Herrn Dr. O. J. Glaser Thema: Die gesdiichtlidien Voraussetzungen des jüdischen Mystizismus und Chassidismus Man hat im jüdischen Lager, je nach Einstellung, mit Erstaunen, Zorn oder Achselzucken, im antisemitischen Lager mit Holm oder aiigenzwinkerndem Lächeln („natürlich, wo das Geld in Frage kommt“) davon Notiz genommen, daß in deu letzten Jahren nicht nur der reichsdeutsche Export nach Palästina sehr »stark — mehr als jener der meisten anderen Staaten. — gewachsen ist, sondern daß er angeblich auch den Betrag der auf diesem Wege aus Deutschland nach Palästina transferierten Vermögen jüdischer Auswanderer weit übersteigen soll. Mit solchen Behauptungen oder Feststellungen kann aber diese Angelegenheit vom jüdischen Standpunkt aus nicht erledigt sein und bleiben. Vor allem muß über die Tatsachen selbst einiges gesagt werden. Wir besitzen wohl verläßliche Ziffern über die deutsche Ausfuhr nach Palästina, beziehungsweise über die Palästinaeiiifiihr aus Deutschland, dagegen fehlt es an allen sonstigen, zur richtigen Beurteilung dieser Frage erforderlichen Unterlagen. Schon die Zahl der nach Palästina eingewanderten deutschen Juden ist umstritten. Seit Etablierung des Hitler- Regimes sollen nach der deutschen Statistik rund 10.000 Juden nach Palästina ausgewaudert sein, nach palästinensischen Statistiken aber rund 20.000. Diese Differenz erklärt sich vielleicht daraus, daß zahlreiche Juden aus Deutschland zuerst in andere Länder und erat dann nach Palästina gegangen sind. Ebensowenig kennt inan jene Beträge genau, welche auf dem durch die deutschen Duvist*ngcsetze vorgescliriebeii en Wege (Einzahlung auf Sonderkonto der Bank of Temple Ltd. bei der Reichsbank- Berliri und Überweisung auf das Konto der Treuhand- und Transferstelle Haavara Ltd. in Tel-Aviv) nach Palästina transferiert wurden. Schließlich dürften auch bereits früher im Auslande befindliche Guthaben oder Vorm ögensohaf ton deutscher Juden den Weg nach Palästina gefunden haben. Es fehlt somit der genaue Überblick über die tatsächlich aus Deutschland nach Palästina exportierten Kapitalien und damit die Vergleichsgrundlage mit den Warenexporten. Grundsätzlich ist nach der deutschen Dovisengcsetzge’bung der Transfer jüdischen Vermögens nach Palästina in der Weise aufgebaut, daß ein Drittel freigegeben, ein Drittel zur Bezahlung ans Palästina eingefiihrter Waren verwendet und das letzte Drittel durch Warenexporte aus Deutschland transferiert wind, wobei noch zahlreiche Sondervorschriften hinsichtlich Begrenzung der freigegebenen Beträge usw. bestehen. Man hat es so in technisch zweifellos sehr geschickter Weise verstanden, den vom riatiou-alökonomischeu Standpunkt aus für Deutschland ungünstigen Export jüdischen Kapitals in einen für Deutschland vorteilhaften Warenexport, also in einen volkswirtschaftlichen Gewinn, umzuwandeln. Dieser von reichsdeutscher Seite bei der Transferierung jüdischen Vermögen« hu Wege der Devisrngesetzgebung ausgeiibte Druck mußte notwendig zu einer Steigerung der paläslinensischon Warenbezüge aus Deutschland führen. Dies um so mehr, als in Palästina hiefiir von vornherein eine gewisse Disposition bestand, da die Einfuhr dieses Landes infolge der starken Wirtsehaftsentwicklung von Jahr zu Jahr um rund 100 Prozent steigt-. Ein weiteres Moment. das zur Steigerung der deutschen Ausfuhr nach Palästina beitrug, war die soziale Gliederung der deutschen Palüstinaatiswamlerer. Es handelte sich hier zum großen Teile um Industrielle und Kaufleute, die -sieh auch in Palästina, mehr oder weniger in ihren früheren oder verwandten Arbeitsgebieten betätigten, vielfach dort Industrien und Gewerbebetriebe gründeten. Diese Leute kannten von früher her bestimmte Erzeugungsmethoden. M asehinen und Rohstoffe, waren an diese gewöhnt und bezogen daher mit Vorliebe ihre Maschinen und Rohstoffe von .ihren früheren meist deutsehen oder deutsch-jüdischen Lieferanten. Zum Teil haben die deutschen Juden noch vor ihrer Auswanderung in ihrem Besitz befindliche oder schon früher gekaufte Maschinen, Rohstoffe und Waren, zum Teil auch auf dem Umwege über andere ausländische »Staaten, nach Palästina exportiert, was in der Handelsstatistik daun als Warenimport aus Deutschland aufseliciut. Schließlich gibt, es noch außerhalb des offiziellen Iransfers gewisse Arten der Transiericrung jüdischen Vermögens nach Palästina, die vielleicht ziffernmäßig keine allzu große Rolle spielen, aber jedenfalls in keiner Waremstatistik aufschoinen. Mit alldem soll die Steigerung der palästinensischen Warenbezüge aus Deutschland keines w e g s ent s e Ji ul d j g t, sondern nur erklärt werden. Man kann keineswegs mit Sicherheit behaupten, ob und in welchem Maße die Warenbezüge ans Deutschland die von dort transferierten Summen übersteigen. Man kann daher nicht ohne weitere« anneJmien, daß der Boykott gegen die Erzeugnisse eines Volkes, da.s nicht nur die in seinem Herrschaftsbereich lebenden Juden mißhandelt und entrechtet, sondern die gesamte Judenschaft aufs Schwerste beleidigt hat, gerade von den aus Deutschland nach Palästina eingewanderten Juden durchbrochen werden sollte, welche genauer als alle anderen die Segnungen des Hitler- Regiones in Deutschland kennengelernt haben. Es mag ans wirtschaftlichen Gründen begreiflich sein, daß man der Pression von deutscher Seite in Palästina insoweit nachgegeben hat, als man im Ausmaße des Transfers jüdischen Vermögens von dort Waren bezieht. Aber e,s ist nicht glaubwürdig, daß darüber hinaus von palästinensischer Seite wesentlich größere Warenbezüge aus Deutschland vorgekommen sein sollten und es Ist wohl s e 1 b s t v e rs t ä n d 1 i c h, d a ß n i c h t g o r a d e v o n d i e « e r Seite de r jüdischen A bw e h r a k t i o n, de m Bo y k o 11 reich sd e n t s c h o r Ware n, i n d e n Rück e n gefallen werden wird. Auf alle Fälle aber muß Klarheit geschaffen worden. Dieser Forderung müssen sich auch diejenigen Juden anschliußen, die gegen den deutsch-palästinensischen Transfer nichts cinzuwendcn haben, weil sie so argumentieren: ,,E« ist besser und vernünftiger, deutsche Juden mit ihrem restlichen Vermögen, selbst durch den Transfer, nach Palästina zu retten, als sie in Deutschland dem sicheren Elend preiszugehen.“ Auch wenn man sich dieser Argumentation arisch ließt, muß über die Frage des angeblichen, über die Transfersummeu lihiausgehondcn deutschen Exports nach Palästina authentische Kl a r h e i t g e s c h a f f e n w e rd o n. Die nationale Ehre erfordert es. Jüdischer Hochschuluusschuü. P a 1 ä s l i n a in neuen Bildern. 11 oute Dienstag tun 8 Uhr abend« Findet ln unserem Zentrallieiai, IX., Alserstraße 2(3, ein L i c h t b i 1 d u r v o rtrag des Herrn Prof. Dr, Karl »Schieber statt. Dieser Vortrag wurde bereits mit großem Erfolg in der Urania abgehalten. Gäste willkommen! _Zionistische Bezlrkssekilon und Wlzo Landstraße — landstraßer Hauptstraße 9 Dienstag, den 19. Februar 1935# 7,9 l>&r abends: Dr. Josef Cöwen&erx, Vizepräsident der Isr. Kultusgemeinde Zur allgemeinen Lage der Juden

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