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Die Stimme · 1935-02-19 · Heft 427 (19.2.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 427 (19.2.1935)
Date
1935-02-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 427 10. Februar 1935 DIE STIMME Seite 3 Sven Hedins |üdis<her Ahne Der große Asien,forscher Sven H edin wird am 19. d. M. 70 Jahre alt und, die ganze Welt begeht, mit ihm, diesen Tag als eine Feier der Kulturmenschheit. Es ist bekannt, daß Sven IIedin, als er während des Krieges seine Sympathie für Deutschland aussprach — er ist an deutschen Universitäten ausgebildet worden —, von der Ententepresse sehr scharf angegriffen wurde. Die Gegner warfen ihm auch an den Kopf, daß seine Freundschaft für Deutschland sich aus seiner jüdischen Abkunft erkläre. (Wie sich doch die. Zeiten ändern!) Nun befindet sich tatsächlich unter Hedins Vorfahren ein Jude namens Brod aus Frankfurt. Er wanderte 1771 in Schweden ein, ließ sich taufen und nahm den Namen Berlin an. Seine Tochter ist eine Großmutter des Forschers. Sven Hedin hat von diesem Vorfahren sein Äußeres geerbt: er ist klein, hat eine Hakennase und besaß, ehe das Alter kam, dichtes, schwarzes Haar und schwarzen Schnurrbart. Sven Hedin, der sich seiner jüdischen Ahnen nicht schämt, hat in seinem Schreibzimmer einen hebräischen Druck, einen Auszug aus seinem Werk „Transhimalaya“, den er mit Stolz den Besuchern zeigt. s,2,ü Mantua, in Bandet*" Vor 125 Jahren, am 19. Februar 1809 ist der Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer von einem französischen Kriegsgericht in Mantua zum Tode verurteilt und erschossen worden. Er hatte sich nach dem unglücklichen Ende seines Aufstandes auf eine Alm geflüchtet und wurde von einem Bauern namens Raffl den Franzosen verraten. Die österreichische Phantasie hat diesem Mann aus leicht verständlichen Gründen den Namen Judas von Tirol verliehen. Hofer wurde in Mantua von einem jungen Advokaten, einem Juden, verteidigt. Der Tod Hofers hat damals überall Bestürzung erregt und die Stimmung der breiten Massen ist in dem Lied „Zu Mantua in Banden“ festgehalten worden. Dieses Lied, 'das ein Volkslied aller deutschen Stämme geworden ist, hat ein Jude, Julius Mo senthal, geschrieben. Das ist wenig bekannt und die Deutschen, denen dies unangenehm ist, haben den Namen des Dichters in Vergessenheit sinken lassen, ebenso wie sie es verschweigen, daß kein Deutscher es wagte, Hofer vor dem Gericht zur Seite zu treten, icährend der jüdische Anwalt kein Bedenken trug, Hofer Beistand zu leisten. Wert von Menschen und Rassen, diese Unterwerfung unter „Autoritäten“, welche von jedem besonnenen Geiste mit kalter Verachtung abgelehnt werden (zum Beispiel Diihring, R. Wagner, Ebrard, Wahrmund, P. de Lagarde — wer von ihnen ist in Fragen der Moral und Historie der unbereohtigste, ungerechteste?), diese beständigen absurden Fälschungen und Zurechtmachungon der vagen Begriffe „germa- Jerusalem, 15. Februar. (2. T. A.) Im Zusammenhang mit der letzten Erklärung Jabotinskys in New York über die Beziehungen zwischen der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation lind der Weltunion der Zionisten-Revisionisten hat der Leiter des politischen Ressorts der Jerusalemer Exekutive der Jewish Agency, David Ben Gurion, der Jüdischen Telegraphen-Agentur die folgende Erklärung zur Veröffentlichung übergeben: „Falls der Bericht über Jabotinskys Erklärung korrekt ist, so ist meine Antwort darauf die, daß irgend ein Abkommen mit Bezug auf den Keren Tel Chaj nur in Jabotinskys Einbildung bestehen kann. Die Zionistische Exekutive hat niemals den Keren Tel Chaj anerkannt, der Keren Tel Chaj ist auch in keinem der Abkommen auch nur erwähnt worden. Ich stimme mit Jabotinskys Erklärung über die Zwecklosigkeit weiterer Verhandlungen überein, weil schon die Resolution der Revisionistischen Weltkonferenz in Krakau betreffend Fortsetzung einer separaten politischen Aktion automatisch den Verhandlungen ein Ende bereitet. nisch,, „semitisch, „arisch“, „christlich“, „deutsch“ —- das alles könnte mich auf die Dauer ernsthaft erzürnen und aus dem ironischen Wohlwollen herausbringen, mit dem ich bisher den tugendhaften Vclleitäten und Pharisäismus der jetzigen Deutschen zugesehen habe. — Und zuletzt, was glauben Sie, daß ich empfinde, wenn der Name Zarathustra von Antisemiten in den Mund genommen wird? ... Ihr ergebendster Dr. Fr. Nietzsche.“ Während der Verhandlungen mit Jabotinsky in London war ausdrücklich betont worden, daß, wenn die Revisionisten nicht in vollem Maße die Disziplin der Zionistischen Organisation anerkennen, die Zionistische Exekutive dann die notwendigen Maßnahmen ergreifen werde, um einer abnormalen Lage, die es den Revisionisten erlaubt, die Rechte zu genießen, ohne die Pflichten zu erfüllen, ein Ende zu machen. Nach dem Durchfall der revisionistischen Petition in Genf, der ja vorausgesehen werden konnte, ist dies noch notwendiger als früher. Keinerlei Drohung seitens der Revisionisten, den Frieden zu brechen, wird uns in unserer Entschlossenheit zurückhalten, die politische Autorität und den inneren Zusammenhalt der Zionistischen Organisation zu stärken. Sollte Jabotinsky seine Meinung geändert haben und sich an dem Zionistenkongreß beteiligen zu wollen, so steht ihm der Weg hiezu offen; vorausgesetzt, daß die Revisionisten, gleich allen anderen Zionisten, die Gleichheit der Rechte und Pflichten, vorbehaltlose Mitgliedschaft und die Autorität der Zionistischen Organisation anerkennen. Einziges Konzert Joseph Schmidt 20. ds. V28 Uhr, Großer MusiIcvereinssaal. Der Künstler singt u. a. Arien aus Mefistofele, Entführung/ Rigoletto, Manon, Butterfly, Tosca sowie eine Gruppe von ihm noch nicht gesungener altitalienischer Gesänge und Romanzen. Karten an der Kasse Dr. Hohenberg, I., Operngebäude/ und Musikvereinskasse. wird Jabotinsky auch dann noch behaupten, daß ihn das gar nicht geniere, er werde weitere Memoranden überreichen. Dieses frevlerisohe Spiel, ein in Permanenz erklärter politischer Wahnsinn, rüttelt an den Fundamenten der zionistischen Be-* wegung und ist eine willkommene Schützenhilfe für die antizionistißchen Aspirationen! der Araber und Engländer. Er bedroht aber auch das ganze Judentum, dessen Kraft er zersplittert. Schon die nächste Zeit sollte Klarheit darüber schaffen, ob die vielen tausende Zionisten, die sich im Jahre 1929 aus Verlängerung über eine seither überwundene minimalisierende zionistische Politik dem Revisionismus angeschlossen haben, bereit sind, aus Anhänglichkeit an den Führer, seine Katastrophenpolitik mitzumachen, oder ob sie diesen methodischen Wahnsinn ablehnen und in die Zionistische Weltorganisation zurückkehren, um dort praktisch für die Erreichung der jüdischen Freiheit zu arbeiten. PALÄSTINA^MELDET: Kapitalserhöhungen in Palästina Jerusalem, 14. Februar. (2. T. Ä.J Die Palestine Electric Corp. hat beschloss sen, das Aktienkapital von 1 Million Pfund auf 2% Millionen Pfund zu erhöhen, und diel Palestine Potash Ltd. (Ausbeutung der chemischen Schätze des Toten Meeres), die erst kürzlich ihr Aktienkapital von 400.000 Pfund auf 800.000 Pfund erhöht hat} kündigt eine neuerliche Aktienemission von' 400.000 Pfund an, so daß das Gesamtkapital auf 1,200.000 Pfund ansteigt. Auch andere; große Gesellschaften haben ihr Grundkapital Aus fast allen Kolonien kommen Nachrichten über den wachsenden Mangel an jüdischen Arbeitern. Die neuen Einwanderer, die in die Kolonien geschickt werden, erhalten sofort Arbeit. In einigen Kolonien war man gezwungen, einen Teil der Bau arbeiten zu mobilisieren. Infolge des Mangels an jüdischen Arbeitern breitet sich in den Kolonien immer mehr die arabische Arbeit aus. Besonders beunruhigt ist die Lage in Rischon le-Zion, Ness Ziona, Rechoboth, Bne Berak, Petach Tikwa, Chedera und in fast allen Kolonien im Scharon. Auch in Tel-Aviv und Haifa fehlen Arbeiter, besonders Facharbeiter. In Jerusalem, wo die Baubewegung gewöhnlich schwächer ist als in den anderen Städten, herrscht heute eine starke Belebung im Baugewerbe. Pension Eckstein - Immrn Ein Brief Nietzsches an Fritsch In der letzten Zeit ist in Deutschland eine neue Nietsche-Literatur entstanden, die sich bemüht, Nietzsche zum eigentlichen Vater des Nationalsozialismus zu stempeln. Verfechter dieser These sind unter anderem Prof. Dr. Horneff er (ein ehemaliger Freimaurer) und Prof. Dr. Richard O e h 1 e r. Über Oehlers Buch „Nietzsche und die Vollendung des Nationalsozialismus“ schreibt die Schwester Nietzsches und Verwalterin des Nietzsche-Archivs, Elisabeth Förster-Nietsehe, deren Mann, Förster, antisemitischer Vorkämpfer war, unter anderem: „Das ist sehr wichtig, da dies Buch zum erstenmal die großen Zusammenhänge zwischen der Kultur-Philosophie Friedrich Nietzsches und der nationalsozialistischen Weltanschauung aufweist.“ Die Zeitung „Dais Volk“, Siegen, warnt 'davor, Nietzsche für den Nationalsozialismus in Anspruch zu nehmen, und reproduziert das folgende Schreiben, das Nietzsche an Theodor Fritsch, Verfasser des„HandbuchsderJudenfrag e“, am 29. März 1887 gerichtet hat: „Sehr geehrter Herr! Hiermit sende ich Ihnen die drei Nummern Ihres Correspondenz-Blattes zurück, für das Vertrauen dankend, mit dem Sie mir erlaubten, in den Prinzipienwirrwarr auf dem Grunde dieser wunderlichen Bewegung einen Blick zu tun. Doch bitte ich darum, mich fürderhin nicht mehr mit diesen Zusendungen zu bedenken: ich fürchte zuletzt für meine Geduld. Glauben Sie mir: dieses abscheuliche Mitredenwollen naiver Dilettanten über den In der ganzen jüdischen Welt wurde die durch die revisionistische Petition an den Völkerbund ganz überflüssigerweise heraufbeßchworene Erklärung der Mandatskommission, daß der Sinn des Mandates keineswegs der sei, in Palästina einen Judenstaat zu errichten, peinlich empfunden. Man hätte nun annehmen können, daß diese Abfuhr die Union der Revisionisten eines besseren belehrt hätte. Dem ist aber leider nicht ßo, wie eine offizielle Erklärung des Exekutivkomitees der Weltunion der Zionisten-Revisionisten beweist. Dort wird unter anderem behauptet: „Eß wäre schlechthin naiv, zu erwarten» daß schon bei der ersten Proklamierung unseres nationalstaatlichen Postulats, daß lange Jahre verschwiegen wurde, die Mandatskommission gleich bereit sein werde, dieses Ideal zu akzeptieren, wo dies auch noch gegen die Tradition und gegen den Willen der Mandatarmacht ist. Dr. Weinsohals Petition war ein selbständiger politischer Schritt im Auftrag der Revisionistischen Exekutive, um den Völkerbund und die Weltmeinung, speziell die englische öffentliche Meinung, zum erstenmal mit dem Postulat der jüdischen staatlichen Bestrebungen bekannt zu machen. Diese Aufgabe sei erfüllt worden. Diesem Schritt werden andere folgen. Falls auch das zweite Memorandum unseres Paktstina-Merkas sein Ziel nicht erreichen sollte, werden wir, ebenso wie das jüdischo Volk, nicht ermüden und ein drittes und ein viertes Memorandum Überreichen. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß die gerechten Forderungen des jüdischen Volkes auf Palästina und auf einen Judenstaat sowohl bei der Mandatarinacht als auch beim Völkerbund und bei der öffentlichen Meinung der ganzen zivilisierten Welt Verständnis und Anerkennung finden werden.“ Es mag dahingestellt bleiben, ob diese Ankündigung, wie es schon oft bei außenpolitischen, durchwegs im Sand verlaufenen Aktionen der Revisionisten, ein Manöver darstellt, um die Anhängerschaft, die seit der Krakauer Konferenz mehr denn je unzufrieden ißt, abzulenken. Für die breite zionistische Öffentlichkeit wird aber hier ein Zustand in Permanenz erklärt, der für die ganze zionistische Bewegung große Gefahren in sich birgt. Man kann schon heute sagen, daß die Zionistische Weltorganisation in zwei Teile zerfällt. Ein Teil arbeitet für den Judenstaat dadurch, daß er sich am praktischen Aufbau Palästinas und an der Förderung der Jewißh Agency, als dem einzigen im Mandat legitimierten Organ beteiligt. Der andere Teil redet nur vom Judenstaat und erzeugt durch Petitionen gefährliche Stimmungen in Kreisen, die nun einmal stärker sind als das Judentum. Wer realpolitisch denken kann, dem wird die Wahl nicht schwer fallen, welche Politik e<r miitmachen will. Der Judenstaat wird durch Petitionen nicht geschaffen, eher verzögert. Es könnte aber ebensogut dazu kommen, daß der Völkerbund einmal als Antwort auf eine revisionistische Petition einen Beschluß faßt, der die Hoffnungen auf den Judenstaat endgültig begräbt. Vielleicht erhöht. Der Orangenexport um 10 Prozent gestiegen Nach den offiziellen Regierungsziffern wurden bis zum 27. Jänner d. J. aus Palästina 3,014.092 Kisten Orangen und Grape Fruit exportiert. In der vorjährigen Saison wurden im gleichen Zeitabschnitt, das heißt bis zum 27. Jänner, 2,220.408 Kisten exportiert, Die Steigerung des palästinensischen Orangenexports beträgt demnach in diesem Jahr zirka 40 Prozent. (Palcor.) Eine neue Zementfabrik in Palästina Jerusalem, 15. Februar. (2. T. A.) Eine Gruppe Juden aus Polen errichtet in Palästina eine neue Zement-Fabrik. In das Unternehmen wird ein Kapital von 250.000 Pfund investiert, ein Bauplatz im Ausmaß von 3000 Dunam wurde bereits erworben. Der kaufmännische Direktor des neuen Unternehmens, Herr Mann, hat sich nach Polen begeben, um die Verhandlungen mit den dortigen Interessenten zum Abschluß zu bringen. Bata bewirbt sich um Palästina* Zertifikate Jerusalem, 15. Februar. (2. T.Ä.) Die Bata-Abteilung in Palästina wandte sich an das Einwanderungsamt der Jewish Agency mit dem Ersuchen um Zuteilung von Einwanderungszertifikaten, damit die Firma Beamte aus der Tschechos 1 0 w a k a i ins Land bringen könne. Das Einwanderungsamt erwiderte, daß, falls Bata in Palästina eine Fabrik eröffnen sollte, die Agency dabei behilflich sein wird, daß Spezialisten und Instrukteure ins Land kommen können,

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