Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 427 (19.2.1935)
- Date
- 1935-02-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Vr. 42? — 10. Februar 1035 DIB STIMME Sette 5 Erich Gottgetrsu: Ein, ditiU madii QescUicUte- In einem der grüßten und schönsten Gebäude Jerusalems sitzt ein Beamter und. schreibt in ein dickes. in Hotz gebundenes und mit Gold abgedecktes Buch Namen und, Ziffern, nichts als Namen und, Ziffern: zweitausend Namen hat er bis jetzt beisammen, und die zweitausend, Ziffern hinter den zweitausend, Namen sind zweitausend Spenden; wenn das Buch voll ist, werden es fünftausend, Namen mit fünftausend Spenden sein. Beendet wäre dann das fünfte G olde n e B u c h d e s K er e n K a j emeth Lej Israel — des jüdischen Landes vaters, der Boden als unveräußerlichen Nationalbesitz erwirbt und nicht, zuletzt damit Palästina zu Erez Israel macht: für uns ade, für unsere Kinder, für das Leben ferner jüdischer Generationen. Der Besucher mochte den ersten Band des Goldenen Buches sehen. Man führt ihn in den großen Konferenzsaal, der sich an das Zimmer des Keren-Kajemeth-Präsidenten Ussischkin anschließt, die Bilder Pinskers, Ilarzfs, Rothschilds und anderer großer Juden hängen an den Wänden, und in der Mitte des Saales liegen die bereits abgeschlossenen Goldenen Bücher unter Glas und Rahmen. Ephraim Lilien schuf im Jahre 1903 das erste. Die Bczalel-Kunstschule in Jerusalem im Jahre 1913 das zweite. Ycmenitische Künstler setzten wunderschöne Filigranarbeiten ein. Auf einer Ausstellung in Italien wurden bald darauf 20.000 Pfund für jeden Bucheinband geboten ... Professor Hermann Schapira und Theodor Ilerzl eröffnen die Reihe der Stifter. Auch Max Nord au, Baron R ir sc h, David W olf so h n, Menachem Mendel Ussischkin, Chaim Weizm a n n, A c h ad Ha a m, Chaim N. B i al i k, Nachutn S o ko'lo w. Sir Alfred M o n d begegnet man bei, einem Spaziergang durch die ersten Bände. Da stehen als Korporation die „C h o w e w e Z io n“ verzeichnet, ebensowenig fehlen die Zionistenkongresse. Und eine erschütternde Inschrift taucht auf: „M endet, Sohn des Tobias Beilis, d e r Märt y rer des 20. J a h r h u nd e rt s, anläßlich seiner Befreiu n g a m 10. Nov e m her 1913.“ Immer mehr setzte sich der Gedanke des Nationalen, Bodenfonds im jüdischen Volke durch. Als der Keren Kajemeth 1927 sein fünfundzwanzig jähriges Jubiläum, feierte, hatte er so viel überzeugte Anhänger, daß er allein für die Goldencn-Buch-Spender jenes festlichen Jahres einen eigenen Band unlegen konnte: den vierten — mit zweitausend Eintragungen. An ihrer Spitze steht die Zionistische Organisation in Kanada, die für die Auslösung des Emek Chefer eine Million Dollar sammelte. Die ersten Spenden des jetzt geführten fünften Bandes zeigen dreihundertfünfzigmal den Namen Lord Bulfours: in 350 jüdischen Gemeinden wurde anläßlich seiner Demission im Jahre 1930 ihm zu Ehren für dem Keren Kajemeth, gesammelt. Auch die Namen anderer Nichtjuden, die durch Stiftungen an den jüdischen Bodenfonds geehrt wurden, finden wir z. ß. M a sary k, Lloyd George, Coolidge. Am Schluß des Jahres 5094 belief sich die Summe aller Goldenen-Buch-Spenden insgesamt auf rund 305.000 Pfund, also auf etwas ein Neunzehntel aller Keren-Kajemeth-Einnahmen, Es wird 'weitergeschrieben — — Namen, Ziffern, Namen, Ziffern — — und der Mann am Goldenen Buch ist dabei nur einer von vielen Beamten, die zwar nicht in „goldene“, aber deshalb nicht minder wichtige Bücher nicht minder beträchtliche Einnahmen schreiben, die sich u. a. aus allgemeinen Zu Wendungen, Büchersam mlungen, Feststift u ngen, T es tum en tsvermächtn issen, Bttsarerlösen und Baumspenden ergeben. Insgesamt nahm der Keren Kajemeth im Jahre 5094 rund 284.000 Pfund ein, 05.000 Pfund mehr als im Vorjahr; im ersten Viertel des neuen Jahres ersammelte er auch schon wieder 81.500 Pfund, und in den dreiunddreißig Jahren seines Bestehens überhaupt hat der Jüdisch-Nationale Bodenfonds 3,889.500 Pfund gesammelt. ln den Ausgabenbüchern, die die Beamten des Keren Kajemeth führen, steht die Bedeutung dieser Leistung verzeichnet: der Bodenbesitz des Keren Kajemeth wuchs im Jahre 5094 um 12.600 Dunam. Insgesamt beträgt sein Bodeneigentum gegenwärtig rund 345,000 Dunam. Au fünf, verschiedenen Sielten des Landes ließ der Keren Kajemeth im Jahre, 5004 nach Wasser bohren. Ferner wurden 130.00t) neue Bäume gepflanzt, 22.000 Bäume mehr als im Vorjahr. Das ist die Bilanz-. Die Bilanz, die auch, zu ersehen ist aus den blühenden Feldern und, Wäldern Erez Israels, ans den Pardessim und Weingärten, aus den belebten Kolonien. Die Bilanz, die andeutungsweise der vierte Band des Goldenen Buches sogar auf dem Einband hat: eine Relief- (»Schluß.) Butter importierte ma.ii im Jahre 5694 urteil Palästina, zehnmal so viel, als die „Tuiuvah“ von der jüdischen Produktion verkaufte, also 1500 Tonnen. Viele kaufen Butter aber auch aus arabischen Dörfern. Der Eierimport betrug im Jahre 5 übt 00 Millionen Stück; sie hatten einen Wert von 110.000 Pfund gegenüber 4 Millionen Eiern, die von der Produktion unserer Siedlungen verkauft wurden. Neben diesen ausländischen Eiern kaufen die Juden auch noch gewaltige Mengen liichtjüdisclior Eier. Der G e f 1 ü g e 1 i m p o r t erreichte im Jahre 5094 einen Wert von 40.000 Pfund, und gar nicht zu schätzen ist, wieviel Geflügel Juden von Arabern kaufen. G emtise importierte inan im letzten Jahre für 13.000 Pfund. Daneben importierte mau Zwiebeln für über 7000 Pfund und Kartoffeln für über 56.000 Pfund. Die Landwirtschaft in den Gebieten mit schwerem Boden, die heute eine Produktion von 2,000.000 Pfund aufweist, kann eine Produktion von 25,000.000 Pfund her Vorbringen, wenn wir die Getreideproduktion eintauschen gegen die Produktion von Fleisch und Milch, wie wir es in den starken fundierten gemischten Wirtschaften tun. Die Entwicklung unserer Dörfer hat ihren Einfluß auch auf das Wachstum der Städte auägetibt. Die Siedlungen im Hinterland von Afule, Tiberias, Haifa und Tel-Aviv haben zur Entwicklung dieser Städte erheblich beigetragen. In unserer landwirtschaftlichen Entwicklung hat die vom Keren Hajessod gegründete Versuchsstation eine große Rolle gespielt, die heute auf ein 15jährige« Bestellen zuriiekblicken kann. Sie besitzt neben der zentralen Station in Rechoboth Zweigstati onen in Iv i r j a t Anawiin und in G e w a t bei Naliaiai. Die Versuchsstation erforschte die Krankheiten und Schädlinge der Citrus-Pflanzen und stellte die Behandlungsmethoden zu ihrer Verhütung und Beseitigung fest. In der gemischten Wirtschaft setzte sie die Methoden für die Vorbereitung und Verbesserung des Bodens, für die Bearbeitung und Düngung, den Felderwechsel, die Verbesserung der Rinder- und Geflügelrassen und die Bestimmung der Futterrationen für Rindvieh und Geflügel fest. Die Versuchsstation führte neue Futtersorten ein und verbesserte durch Auswahl die im Lande bereits vorhandenen Sorten. Sie setzte die Methoden für die Behandlung von Tafeltraubeti und übstbäumen. fest. Sie erzielte bedeutsame Erfolge auf dein Gebiete des Schutzes der Pflanzen gegen Krankheiten und Schädlinge. Sie unternahm auch erste Untersuchungen von Milchprodukten, Butter, Käse und Joghurt. Sie erforschte weite Gebiete, um den Aufbau ihn1« Boden« und die Beschaffenheit ihres Wassers festzusitellen. Überall war unser Fonds die befruchtende und wegebaihiiende Kraft. Groß war seine Aufgabe bei der Vorbereitung der Einwanderer und bei ihrer Einwanderung selbst. Der Keren Hajessod förderte die Industrie. Er stand an der Wiege vieler industrieller Unternehmungen des Landes. Der Keren Hajessod half beim Beginn des Werkes, das dnrstcUuny aus Elfenbein zeigt die Karte Palästinas; der nationale Bodenbcsil z ist in blauer Farbe in die Karte ein gezeichnet. Doch jene ..goldene“ Bilanz ist erfreulicherweise längst, — falsch. Der Bodenbesitz des Keren Kajemeth, hat sich seil 1927 um zweihundert! ansend Dunam vermehrt. Denn das Goldene Buch des Jüdischen Bodenfonds ist ja nicht nur wie jedes seiner Einnahmebücher, Geschichte, sondern — es macht Geschieht e. die Räder in den Fabriken bewegt und Häuser und Straßen beleuchtet. Er beteiligte sich ferner an der Schaffung des U n t e rn e h in c n s a m T o t e n M e e r, als es noch in seinen Anfängen stand. Viele Chausseen und Straßen hat der Keren Hajessod in Palästina gebahnt. Die II y p o t h e k e n b a n k hat. eine bedeutende Entwicklung erreicht. Vom Tage ihrer Gründung bis zum 31. Dezember 1934 gewährte sic 1640 Darlehen über insgesamt 1,143.000 Pfund. Sie gewährte diese Darlehen in Tel-Aviv. Haifa. Jerusalem, Tiberias, Ramat Gau, Tel-Benjamin, Petach Tikwa, Rischon-le-Zion, Rechoboth und Gliedern. Wenn man von der Hypothekenbank spricht, darf nicht vergessen werden, daß der Keren Hajessod diese Bank geschaffen und ihr das Gründimgskapital gegeben hat. Der Keren Hajessod förderte die Erlösung des Boden« dadurch, daß er verschiedenen B o d e n g e s c 11 s c li a f t e n, insbesondere der American Zion Commonwealth in Krisenzeiteil Hilfe gewährte. Ohne die Hilfe des Keren Hajessod wären Zehntausende Dunam Boden in Afule, Herzlia, Balfouria, der Haifa Buy und Klar Atta den jüdischen Händen entglitten. Hierdurch half der Keren Hajessod unmittelbar tausend e n F a m i I i e n des Mittelstandes. Der Keren Hajessod förderte das E i nd r i n g en de s j ü d i s c h e n A r b e it e r s in die alten Kolonien. Er half bei der Schaffung von Hilfswir tschäfte n: aus seinen Mitteln wurden Häuser und Baracken für die Unterbringung der Arbeiter in den Kolonien errichtet. Er schuf die Was« erleitu ngsanlagen in den Kibbuzim. Er hat im Laufe der Jahre in 24 Kolonien 45 Arbeiterlager errichtet, in denen heute 5500 Arbeiter und Arbeiterinnen leben. Groß war auch die Hilfe des Keren Hajessod in den Jahren der Arbeitslosigkeit in der Krisenzeit 1926 bis 1927. Es ist unvorstellbar, welche Form das Erziehungswesen Palästinas angenommen hätte, und in welcher Lage sich die hebräische Sprache befände, hätte sich der Keren Hajessod nicht um die Schule besonders bemüht, hätte er nicht dem Erziehungswesen seine besondere Sorge zugewandt. Zehntausende von Schülern sind durch die hebräische Schule Palästinas hindurchgegaiigen, die vom Keren Hajessod gegründet und gefördert wurde, angefangen vom Kindergarten über die Volks- und Mittelschule bis zur Universität und zum Technikum. Ohne den Iveren Hajessod wäre heute in den Schulen für die Tausende von Kindern der Einwanderer kein Platz, die eine jüdische Erziehung erhalten, sich selbst die hebräische Sprache aneignen und sie in ihr Elternhaus einfiiliren. Neue Möglichkeiten zeigen sich heute für unseren Fonds. Niemals noch war die Notwendigkeit nationalen Kapitals unserem Volke so verständlich wie heute. Das Volk sieht heute deutlich, daß ohne vorangehende Glialuzarboit das Land nicht imstande wäre, jährlich 40.000 bis 50.000 Einwanderer aufzunehnien, nicht imstande wäre, für 20.000 Juden, die sich im Augenblick der Gefahr aus Deutschland gerettet haben, eine Zuflucht zu sein. Das Volk hat begriffen, was da« nationale Kapital für die Entwicklung des Landes in den kommenden Tagen sein kann. Gerade wenn die Privatinitiative zu nimmt, erweist sich noch stärker die absolute Bedeutung des nationalen Kapitals. Die Privatinitiative ist nicht imstande, das nationale Kapital zu ersetzen, noch kann es ohne diese« nationale Kapital sich behaupten. Die private Initiative würde die fliehenden Massen nicht nach Palästina bringen, nicht für ihre Vorbereitung sorgen, ihnen keinen Boden gehen, sie nicht ansiedeln, ihnen keinen billigen Kredit gewähren, nicht Wege für sic bahnen, ihnen nicht »Schulen und Krankenhäuser einrichten. Die private Initiative würde nicht in die Wüste gehen, uni sie zu beleben, würde keine Sümpfe trockenlegen und nicht Wüste und Felsen bepflanzen. Es gehört zum Wesen der Privatinitiative, daß eie denen, die ihr den Weg bahnen, »dein Clialuzkapital und der Chaluzarbeit, auf dem Fuße folgt. Stadt und Land Jn der letzten Zeit sehen wir zu unserem »Schmerze, daß das Dorf sich nicht so ausdchiit. wie es für die Stärkung unseres Aufbauwerkes im Lande erforderlich wäre. Schon gibt es sogar e i n e L a n d f 1 u eh t. Gewiß gibt es Gründe für diese Erscheinung. die man wohl verstehen kann, mit denen man sieh aber nicht abfinden darf. Es ist nicht nur die Prosperität in der »Stadt und die Verdienstmöglichkeiten in ihr, die verlocken, vielmehr treiben auch Not und Hunger i n d e n Häuser n d e r E 1tern in der Diaspora in die Stadt. Der Arbeiter spart seine Groschen und sendet sie seinen Eltern, die in der Diaspora vor Hunger vergehen. Für die Landflucht» gibt es noch eine tiefere Ursache: Der Arbeiter auf dem Lande hat keine Aussicht auf Ansiedlung, keine Hoffnung, dem Leben eines ständigen Taglöhners zu entraten, im Boden Wurzel zu schlagen und sich ein unabhängiges, geachtetes Lehen aufzuibauen. Oft gehen Arbeiter in die Stadt, um Geld für ihre Rückkehr zur landwirtschaftlichen Kolonisation zu sparen. Schon gibt es Siedler, die aus von ihnen ersparten Mitteln zur Ansiedlung gelangt sind. Die Erweiterung der Kolonisation, die dem Arbeiter die Hoffnung eröffnet, «ich auf dem Boden festsetzen zu können, sowie gleichzeitig die Schaffung von A rbeite r- Hilf s wirtschaften, billigen Wohnhäusern auf dem Lande und die Verbesserung der Lebensverhältnisse des Arbeiters in den Kolonien — all das kann die Lücke ausfüllen. Die« aber ist die Auf-, gäbe des nationalen Kapitals, des Keren Kajemeth Leisrael und des Keren Hajessod. Wir sind glücklich, daß wir heute die Möglichkeit haben, alle unsere bestehenden Siedlungen zu konsolidieren und wieder mit neuer Kolonisation zu beginnen. Wir freuen uns, daß es uns heute möglich ist, Emek Chefer in das Netz unserer Kolonisation einzubeziehen und die Siedlungen zu festigen, die sich aus eigener Kraft mit Not, und Mühe mit dem Boden verbunden haben, die aber ohne den Keren Hajessod weder bestehen noch sich festigen könnten. In einiger Zeit, wird die Chaluza.rbeit und das nationale Kapital zur Arbeit in Hule und in anderen Zonen des Landes rufen. Eine neue Epoche ist für u n s er e n F o n d s a n g e b rochen. Seine Ein n a h men wachsen fort g es e t z fc. Wie g e r i n g sie jedoch sind, gemessen an unseren Bedürfnissen im Lande, gom essen an unserem Streben! Die nationalen Fonds müssen in den Mittelpunkt des jüdischen und zionistischen Lebens treten. Alle aktiven, lebendigen Kräfte unserer Bewegung müssen in den Dienst der Arbeit für unseren Fonds gestellt werden. Heute haben wir eine große Mögilidikeit. Versäumen wir sie nicht! Große Hindernisse stehen noch vor uns. Je größer jedoch die Not und die Hindernisse sind, desto mehr wächst unsere Arbeit und unsere Hoffnung. „Theologie.“ »Sonntag, den 8. Februar 1835, fand die jährliche l’reisverteilung der Koktor- Scliwarz-Stiftung statt. Den Preis erhielt eand. pliil. et tlieol. Cihiel Bare r für «eine Arbeit: „Die Rekonstruktion der Kommentare des R. Ohananel.“ Bei der Feier waren Oberrabbiner Dr. E. Feuehtivang, Vizepräsident der KultusgeinoiiHle Dr. Ornstein und das Professorenlvolleg'ium anwesend. zionistische Frauenorganlsailon (Wlzo) 1., Schotleiuinpi 2.3 Mittwoch, den SO. Februar 1935, '/i7 Uhr abend* Dr. Oskar Griinbaum, ' v.rbandes lür Oesterreich „Geschichte des Zionismus“ Was leistet der Keren Hajessod?