Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 426 (15.2.1935)
- Date
- 1935-02-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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J7r. 426 — tf>. Februar 1935 DIE STIMME Sehe 5 Zweierlei Maß Das zionistische Zentralorgan „Haolam“ bringt, einen Artikel .,Uni die Einheit der Zionistischen Landesverbände“, iti welchem das Organisationsdepartement der Exekutive gegen die Angriffe von allgemein-zionistischer Seite in der Frage der ehemaligen Gruppe Eth Liwnoth in Schutz genommen wird. Wir haben nicht die Absicht, hier juristische Untersuchungen darüber anzustellcn, ob der Standpunkt der ehemaligen Gruppe Eth Liwnoth berechtigt ist oder nicht. Dieser Streit beweist aber, wie reformbedürftig das Statut der Zionistischen Organisation ist und deswegen soll einiges darüber gesagt werden. In dem Artikel der Zeitschrift ..Haolam“ behauptet das Organisationsdepartement; der Exekutive, es habe gerade von denjenigen, die ihm Untätigkeit vorwerfen, keine Unterstützung in seinem jahrelangen Kampf für die Legalität, Disziplin und Einheit in der Zionistischen Organisation erhalten. Wir wissen nicht, auf wen dieser Vorwurf gemünzt ist und begnügen uns mit der Feststellung, daß es die Allgemeinen Zionisten waren, die in den schweren zionistischen Kämpfen der Nachkriegszeit die Organisation gestützt und erhalten haben, ohne aus der Wahrung der Disziplin Vorteile zu ziehen. Wir verlangen auch keinen Dank und keine Anerkennung vom Organisationsdepartement der Exekutive. weil fiir uns unsere positive Einstellung zur Weltorganisation eine Selbstverständlichkeit bedeutet und weil wir wissen, daß der Satz „Dankbarkeit ist kein Handelsartikel“ auch in der zionistischen Politik gilt. Wir registrieren nur, daß nach Ansicht des Organisationsdepartements alle Allgemeinen Zionisten in einem Lande zwangsläufig dem betreffenden Landesverbände angehören müssen. Mithin wäre keiner allgemein-zionistischen Gruppe der Austritt aus dem Landesverbände oder eine Sonderorganisierung außerhalb des Landesverbandes gestattet. Nun hat sich Herrn Blume n f e 1 d s K i d m a h in Palästina, obwohl sie allgemein - zionistisch ist, außerhalb des Landesverbandes als selbständige Partei organisiert. Es ist uns aber nicht bekannt, daß die Exekutive, so wie im Falle der ehemaligen Gruppe Eth Liwnoth der jetzigen Landesgruppe Ivongreß-Poien des Wcltverbandes der Allgemeinen Zionisten, mit einer geharnischten Erklärung vor die Öffentlichkeit gegangen ist. Die Exekutive hat also gar keinen Anlaß, darüber'beleidigt zu sein, daß man ihr verwirft, daß sie zweierlei Maß a.mvetitlet, je nachdem, ob cs sich um den Weltverband der. Allgemeinen Zionisten, oder um eine Gruppe handelt, die den Weltverbaud bekämpft. Wir gehen aber weiter und fragen: Welche Schritte hat das Organisationsdepartemeut seit etwa zwölf Jahren unternommen, um den Hascho m e r H a z a i r, der, von einigen Ländern abgesehen, überhaupt keinen legalen Status in der Zionistischen Weltorganisation hat, dazu zu zwingen, sich dem Statut zu fügen? Das Organisationsdepartemeut kann höchstens antworten, daß es seit u n g o f ä h r zwölf Jahren in einem Briefweclis'e I mit dem Hasehomer Hazair steht, einem Briefwechsel, der wahrscheinlich größtenteils ein Monolog des Organisatiousdepartenients ist. Man hat von diesem Briefwechsel in der Öffentlichkeit übrigens bisher nichts gehört und die Exekutive hat auch keinerlei Maßnahmen gegen den Hasehomer Hazair ergriffen. Im Gegenteil, man hat den Haschomer Hazair in Palästina verhätschelt und unterstützt. Bei Eth Liwnoth ahn*, da las inan es anders. Die Exekutive tut daher nicht gut daran, einen Teil der allgemein-zionistischen Presse sozusagen des Verbrechens der Majostätsbeleidigung zu beschuldigen, weil sie es wagt, gegen die Stellungnahme des Organisationsdepartenients im Falle der Landesgruppe Kongreß-Polen des Weltvorhandes der Allgemeinen Zionisten zu remonstrieren, Man kann dein Organisationsdepartemeut nur beiptlichteu, wenn es — allerdings in einem anderen Zusammenhang — in dem bezogenen Artikel des „Haolam“ sagt: „Z w o i o rl e i M a ß k a n n es g e g e n über M i u or i I ä teil ge roch torweise d o c li nicht gebe n.“ Wenn wir diesen Erörterungen Raum geben, dann geschieht dies aus dem Grunde, weil wir das Übel bJoßlegen wollen, an dem die Weltorganisation seit Jahren krankt. Das Statut der Weltorganisation stammt aus dem Jahre 1921 und ist vom praktischen Leben in wichtigen Punkten überholt worden, w a s di o Exekutive s e 1 b s t z ug i b t. I) r. Sch warz hart hat kürzlich in einem Artikel gesagt, daß es nach dem Statut, Landesverbände und Sonde r v e r b ä n d e gibt, daß es aber im wirklichen Leben auch Lebens verbändn gibt. Das Statut der Weltorganisation wird nur dann die Gewähr für einen legalen Z u stand aller V e r b ä n d e in der Organisation geben, wenn es den Bedürfnissen des praktischen Lebens angepaßt wird. Die Allgemeinen Zionisten haben seit dem 17. Kongreß vergeblich den Versuch gemacht, eine Reform des Statuts lierbeizuluhren, z. B. in der Frage des Schekelwahlrechtes. Am 17. Kongreß wurden jedoch alle Anträge der Allgemeinen Zionisten mit den vereinigten Stimmen der Revisionisten und Linken im Plenum des Kongresses niedergestimmt und beim 18. Kongreß besorgte das dieselbe Majorität bereits in der Orgaiiisationskommission. Dafür versuchten die Linken am 18. Kongreß die Landesverbände der Allgemeinen Zionisten durch die beabsichtigte Schaffung sogenannter T e r r i t, o r i a 1 v e r b ä n d e zu zerstören, was ihnen glücklicherweise mißlungen ist. Dazu kommt noch, daß die derzeitige Einteilung in Landesverbände und Sonderverbände im höchsten Grad reformbedürftig ist und daß das Organisationsdepartement, das seit dem Jahre 1931 von Herrn B e r 1 Locker geleitet wird, es bisher unterlassen hat, mit einem konstruktiven Plan vor die Öffentlichkeit zu treten. Man kann also ruhig behaupten, daß die Tätigkeit des Organisationsdepartements auf diesem lebenswichtigen Gebiete bisher u nf r uc h t b a r gewesen ist. Wenn nun das Organisationsdepartement mit großer Schärfe gegen die Landesgruppe der Allgemeinen Zionisten in Kongreß-Polen vorgeht, dasselbe Vorgehen aber gegenüber der Kidniah, dem Haschomer Hazair und der Judenstaatspartei, die ebenfalls kein Sonderverbaud ist, vermissen läßt, dann muß man zu den Ausführungen des Artikels im „Haolam“, daß „das Organisationsdepartement den Weltverb a n d der All ge meinen Zionisten als den Versuch einer Z u s a m m e nf a s s u n g aller a 11 g e m einz ionis t i s c h e n Kr ä f t c b e g r ii ß e“, mit den Worten einer anderen Stelle des Artikels sagen: „L i p p e n b e k e n n t n i s s e allein ge n ii g c n h i e r n i c h t: e s sind die Tat e n, n a c h d e n e n in;i n gerechte r weise beurteilt w i r d.“ W i r A 11 g e m e i n e n Zionisten b ab e n an diesem S t r e i t m i t d e r Exekutive gewiß keine F r e u d e. Es wäre uns lieber, wenn das Organisation-' departement, der Exekutive mit einem Reform plan für das Statut vor die Öffentlichkeit treten würde und man sagen könnte, daß es ein gerechter Rcformvorschlag ist, der den Zweck hat, die Z i o n i- »tische Weltorganisation zu einem L e b ensvor b and f (i r a 11 e Z i onisten zu machen, die sich ihrer Disziplin nnt e r w e r f c n. Tritt das Organisitionsdeparteinent, wie wir gerne hoffen wollen, bald mit einem solchen Vorschlag vor die Öffentlichkeit, dann werden wir die .ersten sein, die diese Tätigkeit des Organisationsdcpnrtenicnts anerkennen werden. Im übrigen wird auch der Weltverband der Allgemeinen Zionisten gemäß den Krakauer Beschlüssen der zionistischen Öffentlichkeit einen Plan für die Reform des Statuts der Weltorganisation vorlegen. Die Sitzung des A k t i o n s k o m i t e e s findet in der allernächsten Zeit statt und auch vom Kongre ß trennen uns nur mehr einige Monate. Das Organisationsstatut könnte also bald durchgreifend reformiert werden. Das Problem der Landesgruppe Kongreß-Polen des Wcltverbandes der Allgemeinen Zionisten aber sollte den Leiter des Organisationsdepartements nicht gar so nervös machen. Es ist zwar richtig, daß das Organisationsdepartcment bereits im Jahre 1931 nach der Gründung des Weltverbandes seine Wünsche betreffend die Gründung von Lumlosgnippen bekanntgegeben hat. Es ist alier eben so richtig, daß es zum Stur m gegen den W e 1 tv e r b a n d der Al 1gemeinen Zionisten und zu einer öffentlichen Polemik erst jetzt ü berge gangen ist, nachdem der Weltverband auf Grund der Krakauer Weltkonferenz mit der Realisierung seines Programms begonnen hat. eine Tatsache, die verschiedene Faktoren augenscheinlich nicht bohagt. Hier liegt nach unserer Ansicht die p o 1 i t i s c h e E rk 1 ä r u n g für die g e g e nw ä r tig e Offensive gegen den Weltverband der Allgemeinen Zionisten. Wir stehen vor einer eigenartigen Situation. In der zionistischen Außenpolitik gibt es keine großen Differenzen, a b c r d i e Organisation kracht in ihren Fugen. Das Organisationsproblem ist daher das Problem des 19. Kongresses und der Zionistischen Weltorganisation überhaupt. Haschomer Hazair, Kidmah Eth Liwnoth, das sind Teilprobleme. Halten wir uns damit nicht auf und gehen wir aufs Ganze! Jetzt, gilt es, das ganze große Organisationsproblem zu lösen. Es ist lange genu g verschleppt wr ordc n. Es liegt beim Organisationsdopartement der Exekutive, rechtzeitig vor dem Kongreß mit Reformplänen vor die Öffentlichkeit zu treten. ■ Für eine Politik der N a d e 1stiebe, von welcher Seite immer, ist unsere Zeit denn doch zu ernst. Die k o ns t r u k t i v e Organisations a r b e i t. der wir uns widmen wollen, läßt es nicht als wünschenswert erscheinen, daß die Angelegenheit der Lnndesgnippe Kongreß-Polen des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten weiter breitgetreten wird. 2!rt buben fiel; ^ogubgübfi'ttcn gauj I) erbotwiflCKb bcluübrt. 3ul}lrcicf)e Ta uf)'d)r eiben über SckjuI bet bevafteten Seihen, bet heuen fein nnhcreS SOfittcI ntcT;v Ijalf. (Sin SJcrfttd) üfccvjeuflt! offen 2lbotbef.cn. 5j3rei3 S 240. lins Beste vom sind die In Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstkiassigaltrenommierten SCHMIDL-MAZZOTH welche unter streng orthod. Aufsicht des *1^X2 S-lDV ÖttD nmnn UP'Sn hergestellt werden. Die Mazzoth werden aus feinstem Mehl erzeugt I Seit vielen Jahren genießen die„S chmidl-Mazzoth" das beste Renommee und werden von allen bevorzugt. Auf die Extraqualität meiner Fabrikate „Marke Schmidl N. B." auf Mazzoth, Grieß und Farvel wird besonders aufmerksam gemacht. 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Erzherzog Rainer WIEN IV., Wiedner Hauptstraße Nr. 27/29 DAS MODERNE WIENER FAMILIENHOTEL Kfar Kremenezky — das Dorf für österr. Juden Das Gelingen von Kfar K r em e n e z k y hängt von den mindestens 1200 Selbstkontingentlern ab, von denen ein jeder mindestens S 100.— aufbringt. Keren Kajemeth-Versammlungen. Int Zusammenhänge mit der Kfar Kremenezky-Arbeit im besonderen und mit der Keren Kajemeth-Arbeit im allgemeinen fanden zuletzt in Wien folgende Vorträge statt: „WIZO“: Hier «sprach Dr. Cbairn Tavtakower über die Idee und die bisherigen Leistungen des Keren Kajeineth und schilderte insbesondere die Bedeutung der Selbstkontingentierung für die Durchführung der Keren K a j e m e th - Ale tii o n. Im Anschluß an diesen Arortrag berichtete die Präsidentin der „WIZO“. Frau Löwenh e r z, über die Bahrtuchaktion, welcho unter Führung der Frau Dr. Grün bäum, der Erfinderin dieser Idee, und der „WIZO“ seitens der österreichischen jüdischen Frauen durehgeführt werden wird. Es werde diese Aktion eine wahre Volksaktien werden, die der jüdischen Frau Österreichs Gelegenheit geben werde, an der größten einmaligen Ehrung des verstorbenen Führers, llerzl, teilzmiehmeii. Der Gesamtb e tra g we rd e Kf a r K r e m onezky g e w i d in e t s e i n. Sektion XI! u. WIZO XII. Vor einer sehr gut besuchten Mitgliederversammlung, an der angesehene jüdische Mitbürger dieser! Bezirkes teilnalmien, sprach der Leiter des österreichischen Keren Kajenieth über die Bedeutung des Keren Kajenieth für den Aufbau von Erez Israel. Im Anschluß daran referierte die KKL-Peferentin der „WIZO“ über die Kfar Kremenezky-Aktion der ..WIZO”. Nach den Hoferate» wurde die Selbstkuntingeutieruiig der Sektionsmitglieder durehgeführt, nachdem bereits bei einer früheren Ausschußsitzung die Selbstkoni iogentierung des Anschusses durehgeführt worden war. auch: Din Arbeit des Keren Kajemctli.