Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 426 (15.2.1935)
- Date
- 1935-02-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE STIMME Seite 3 Nr 4S6 — 15. Februar 1955 2>c. )tdu& U&seniUed: Zum 15. Todestage des Helden von Tel-Chaj — am 11. Adar Am 11. Adar fährt sich zum fünf zehnten Mate der Tag, an dem Josef T rum peldor bei der Verteidigung der Kolonie Tel - C h n j den Heldentod fand. Aus diesem Anlaß bringen wir aus der demnächst erscheinenden Porträtssammlung „J üdi sehe Köpf e — Profil eines Volke s“ von Doktor J ak ob Rosenthal den folgenden Essay über den Menschen und Zionisten Josef Trum peldor. Die Redaktion. An der nördlichen Spitze Galiläas, in der jii lischcn Kolonie Tel-Chaj, liegt er begraben. Dorthin pilgern alljährlich in den e ns ton Frühlingstagen Tausende von Menschen, junge Arbeiterpioniere, denen Josef T r u m p e I d o r heute Symbol des Pioniertiiirus bedeutet, und ältere, deren Mut und Ausdauer noch von der des großen Helden von Tel-Chaj beflügelt w tr/ en. Seit nun 15 Jahren ergießt eich dieser Mensehenstrom aus dem judäiseben Gebirge und aus dem Emek, aus Wadi Chawarith und Jerusalem zu dem Grabhügel in Tel- Chaj, dorthin, wo Trumpeldor im Frühjahr 1920 bei der Verteidigung der Kolonie vor arabischen Beduineneinfällen seine edle Seele aushauchte, im Todeskampfe noch die Verteidigung leitend. Die Schüsse, die damals hart an 'der Drusengrenze aus einer gut gezieltem Araber- Hinte abgegeben wurden, setzten einem wahrhaften Heldenleben einen tragischen Schlußpunkt. Vierzig Jahre war er alt, als er fiel. Schönheit und Energie zeichneten eich in Beinen Zügen, unbändige Kraft strömte aus Beinen Muskeln, Stolz lag in seiner Haltung. üEr war Russe und Jude. Die männlich fechöne Gestalt umfing eine große und doch Barte, opferbereite und kindlich-frohe Seele. Er war ein Kind des Kaukasus, wo er 1880 geboren wurde. Er war der geborene Soldat mit aller Härte und Standhaftigkeit. Er war .wißbegierig und sehaffensfreudig. Doch er war Jude. Und beides bleibt ihm im zaristischen Rußland noch vorläufig versagt. Wegen der damals dort herrschenden Prozen tmorm für Juden kann er die Universität Picht besuchen und er wird — Dentist. Anführer, Offizier darf er als Jude in der zaristischen Armee nicht werden, aber er darf, nein, muß zum Militärdienst als einfacher Soldat. Und Josef Trumpeldor wird SoLdat in der russischen Armee. Schon sein Vater war „Soldat Nikolaus I.“, hatte 25 Jahre Militärdienst geleistet und diese Soldatcnfestigkedt auch seinem Sohne Josef vererbt. Aber auch die starke und, warme Anhänglichkeit an seine jüdische Gemeinschaft. Trumpeldor war also Soldat geworden. Und jetzt rollt sein Leben in einer geradezu klassischen Linie ab. Bald lenkt der junge Rekrut, der alle an Kraft und Mut überragt, die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten auf sich. Der Russisch-Japanische Krieg war ausgebrochen. An der mandschurischen Grenze toben die Kämpfe, und Trumpeldor, der sich schon vorher als Instruktor recht bewährt hatte, wird der an die japanische Front abziehenden Division zugeteilt, mit dem Ziel: Port A r t h u r. Der Held von Port Arthur Damit beginnt das Heldenkapitol in Josef Trumpcldors Heldenleben. Um die Festung tobt ein erbittertes Ringen. Der Kampf wogt hin und her. Im vordersten Kampfgetümmcl ist Trumpeldor der erste. Er kämpft mit seltenem Mut. Mau erzählt seinen Vorgesetzten Wunderdinge, die vom heroischen Mut des jüdischen Soldaten zeugen. Hat er nicht die Regimentsfahne gerettet und den verwundeten Regimentsgoistlichen aus dem Kampffeld im Kugelregen auf seinen Händen getragen und in Sicherheit gebracht? Rekrut Trumpeldor, ist er nicht schon gefallen? Ach nein, er denkt nicht daran. Sein Schicksal hat mit ihm noch einiges vor. Es beginnt die Belagerung Port Arthurs. Immer ungestümer rollen die Angriffe der Japaner gegen die Festung, die eingoschlossen wird. Noch widersteht sie. Trumpeldor ist überall und’tafcftr zur Stelle, ImBäför* bk eines Tages ein Schuß ihm den linken Arm in Stücke reißt. Im Kriegsspital in der eiliges öhlossenen Festung, unter den unmöglichsten hygienischen Bedingungen, muß ihm der linke Arm bis zur Schulter amputiert werden. Doch Trumpeldor verzagt nicht. Nur eines schmerzt ihn, als er das Spital verläßt. Er vermag kein Gewehr mehr zu laden. Wird er, der Jude, einen Revolver erhalten, er, der einfache Soldat einen Säbel tragen dürfen? Sein Heldenmut wird gewürdigt und er erhält beides, und kämpft und kämpft, so lange — bis sich die Stadt ergeben muß und Trumpeldor mit der Besatzung in japanische Gefangenschaft gerät. Doch auch hier ist Trumpeldor nicht müßig. Er gründet Schulen und Zeitungen und zionistische Vereine, sammelt für den jüdischen Nationalfonds und entfaltet eine unbändige Tätigkeit. Der Friede von Portsmouth macht diesem Wirken ein Ende. Trumpeldor, nach Rußland zurückgekehrt, wird mit Auszeichnungen überschüttet. Vier Medaillen vom Heiligen Georg schmücken bereits seine Brust, als er vom Zar Nikolaus den Offiziers-' rang erhält. Und so der e r s t e j ii d i s c h e Offizier in der zaristischen Armee wird. Aber jetzt kann Trumpeldor auch seinen zweiten Lebens wünsch erfüllen. Er studiert mit Feuereifer au der Petersburger Universität, um nach Beendigung seines Jusstudiums nach — Palästina außzuwandern und Landarbeiter zu werden. Trotz des fehlenden Armes ist er dort, der geschickteste und stärkste unter den Kolonisten. Es ist eine glückliche Zeit für ihn. Da bricht der Weltkrieg aus. Palästina als Kampfgebiet zwischen Türkei und Entente wird evakuiert. Kemal Pascha schickt Tel- Avivs Einwohnerschaft in alle Windrichtungen. Trumpeldor kommt nach Ägypten, nach Alexandrien. Als Flüchtling unter Tausenden wird er vom englischen Kommandanten aufgesucht und in Schutz genommen. Hier in Ägypten trifft er 1915 erstmalig mit Wladimir Jabotinsky zusammen, der als Zeitungskorrospondent dort tätig ist und zugleich die Idee der jüdischen Legion propagiert. Wladimir Jabotinsky begegnet Trumpeldor und gewinnt ihn als ersten fiir seinen Legionsgodanken. Er ahnt wohl nicht, daß Trumpeldor eines Tages, da längst nicht mehr die jiidisclio Legion besteht, als Anführer des jüdischen Selbstschutzes den Heldentod finden und sein Blut den Boden des jüdischen Palästina tränken werde. Denn das lag in der Lebenslinio dieses Mannes: Trumpeldor war ein Naturkind. Er trug die Sehnsucht seines Volkes u;i ‘h (Baden insdcli, er wallte pflügen, säen^ ernten1 und dafür wenn’s nötig ist, mit dem Feinde kämpfen. Farmer und Soldat und Pazifist zugleich. Er wollte nach dem Worte des Propheten leben: „Es werden die Schwerter zu Spaten...“ Aber wenn es sein mußte, so sollte die eine Hand den Spaten, die andere den Revolver führen. E r mußte es in einer. Aber zuvor führt er als Kapitän das sogenannte „Zion Mule Corps“, mit dem er nach Gallipoli zieht. Die „Jüdische Legion“, die als Teil der englischen Orientarmee an der Eroberung Palästinas kämpfend mitwirkte, ist mit ein Ruhmesblatt in dem reichen Heldenleben Trumpeldors. Er kämpft als Einarmiger mit bewundernswerter Bravour. Von den Engländern bestaunt und bewundert und von den Arabern gefürchtet, führt er seine Aufgabe durch. Der Schöpfer des Hedialuz Der Krieg war noch kaum zu Ende, das Schicksal über Palästina als nationale Heimstätte der Juden noch nicht entschieden, als in Trumpeldor ein grandioser Plan reifte, dessen schöpferische Durchführung heute, 15 Jahre nach seinem Tode, vor der inneren Struktur der nationalen Heimstätte der Juden nicht mehr wegzudenken ißt. Trumpeldor schuf den neuen Menschentypus des jungen Palästina, den Arbeitspionier, C h a 1 u z. Gewiß, auch vor 50 Jahren schon waren es Arbeitspioniere, die Männer der russischen Bilu-Bewegung, die mit grenzenlosem Idealismus und wahrer Todesverachtung den steinigen Boden Palästinas urbar zu machen suchten1 und ihr Leben der Malaria als Tribut ließen. Aber Trumpeldors historisches Verdienst bleibt es, diesen Menschentypus organisiert zu haben, ja diese .Arbeitekategorie ist in seiner Konzeption vom Anfang an als das Um und Auf der Aufbauarbeit in Palästina fixiert. „Zurück zur Scholle“ war die Parole dieses jüdischen Sohnes des Kaukasus. Gleich Gesetzestafeln schuf er die Grundsätze der „Ohaluz-Bewegung“. Nicht bloß Arbeiter sollten die Pioniere sein. Seelische Bereitschaft, seelische Hachsoharah forderte er. „Aus unserer Mitte muß ein Geschlecht entstehen, das weder eigene Interessen noch private Neigungen haben darf. Ein Geschlecht aus Eisen. Eisen, aus dem man alles schmieden kann, dessen die nationale Maschinerie bedarf. Benötigt sie ein Rad? Hier bin ich. Muß man die Erde aufgraben, bin ich es, der sie aufgräbt. Braucht man Soldaten, bin ich zur Stelle. Poliizeileute, Ärzte, Juristen, Schauspieler, Lehrer, Wasserträger? — Hier. Ich habe keine Physiognomie, keine Psychologie, keine eigenen Gefühle, keinen eigenen Namen. Ich bin ein Diener Zions, zu allem bereit, an nichts gebunden, kenne bloß den einen Imperativ: Aufbau!“ Das war das Kredo Trumpeldors, wie er es Jabotinsky im Sommer 1916 erörterte. Im Jahre 1920 wird die Jüdische Legion, das jüdische Freiwilligenkorps, aufgelöst. Es entbehrt nicht der Tragik, daß unmittelbar darauf sich die ersten blutigen arabischen Überfälle auf die nun wehrlosen Juden ereigneten. Trumpeldor leitet den rasch gebildeten jüdischen Selbstschutz an den geführdetsten Punkten des Landes. In Tel-Chaj: Hier erfüllte sich das letzte Kapitel seines Heldenlebens. Mit nur wenigen Leuten — auch junge Mädchen und Frauen sind unter den sich verteidigenden Kolonisten — wehrt er eine Überzahl von die Kolonie angreifenden Beduinen und Drusen ab. Da treffen ihn, der so oft im Kugelregen gestanden, drei wohlgezielte Schüsse eines Arabers. Zu Tode getroffen leitet er noch das Gefecht, führend und befeuernd. Und wie sein ganzes Leben dem Leben des Ganzen geweiht war, so ist auch seine Grabstätte Tel-Chaj, das ist „Hügel des Leben s“, geworden, zu dem alljährlich Tausende hinpilgern. Pension Eckstein - * ring iJLldLLktJhdbidkliktdkdkdik NOCH NIE GEZEIGTE AUFNAHMEN DES PRINZ OF WALES KINDERJAHRE - KRIEGSJAHRE - GEGENWART IN EINE WELT IN FLAMMEN AB HEUTE: SCHWEDEN-KINO Angriffe Jabotinskys gegen die Zionistische Exekutive New York, 13. Februar. (2. T. A.) Der gegenwärtig in Amerika weilende Präsident der Weitunion der Zionisten- Revisionisten, Wladimir Jabotinsky, veröffentlicht eine Erklärung, in der er die Zionistische Weltexekutive beschuldigt, sie habe mit der Veröffentlichung ihres Aufrufes gegen den revisionistischen Fonds „Tel-Chaj“ und dadurch, daß sie immer noch der Zuteilung von Zertifikaten an die Betarim Hindernisse bereitet, das in London geschlossene vorläufige Friedensabkommen in vorbedachter Weise verletzt, Jabotinsky fordert das Zusammen* treten einer Round Table-Konferenz aller zionistischen Parteien zwecks Weiterführung der Aktion zur Herstellung des inneren Friedens im Zionismus und erklärt, falls die Round Table-Konferenz nicht zusammentrete, sei der „Friede in größerer Gefahr denn je“. Jabotinsky fährt fort: „Weitere Friedensverhandlungefi allein mit der jetzigen Zionistischen Exekutive sind unter deü geschilderten Umständen sinnlos.“ Zum Schluß erhebt Jabotinsky gegen die Zionistische Exekutive die Beschuldigung, sie habe sich beeilt, den Text des Sehekete f orimilars durch Hinzufügung der Dis.ziplin-Klausel zu ändern, um auf diese Weise zu verhindern, daß die Revisionisten zum XIX. Ziomißtenkongreß kommen. Nach Palästina zu Purim, zurHOkkUbttundzuPmll durch Reisebüro IX., Spitalgasse 3 Tel. B 42-5- 38. Was die revisionistische Petition provoziert hat Die palästinensischen Tageszeitungen „H aarez“ und „D a v a r“ haben der Ante wort der Mandatskommission auf die revisionistische Petition große Aufmerksamkeit geschenkt. Der Beschluß der Kommission, die die Petition mit der Begründung abge-t lehnt hat, daß der Gedanke eines Judenstaates in Palästina mit dem Mandat nicht in Einklang stehe — 60 betonen die Zeitungen in ihren Leitartikeln —, bedeutet emo; schwere politische Niederlage nicht nur für die Revisionisten, sondern für den Zionismus überhaupt. „Wer hatte ein Interesse daran“, so fragt der allgemein-zionistische ,Haarez‘, „die Mandatskommission zu einer Antwort zu vor- Vorzügliche Zubereitung -Schwechater Biere - Natur weine II., Tnborstraße 12 RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Opcrcr) Telephon R 46-5-57 anlassen, die fast eine offene Erklärung gegen Palästina als Judenstaat ist? Für dies Antwort, die wir jetzt erhalten haben, können _ wir uns bei der „klugen“ Taktik der „weitsichtigen“ Politiker aus dem revisionistischen Lager bedanken. Für wen war eg notwendig, von der Mandatskommission eine neue Interpretation des Mandates zu erhalten? Lohnte cs sich wirklich, hierfür diq zionistische Disziplin zu brechen? Die Po* 55