Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 426 (15.2.1935)
- Date
- 1935-02-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 126 15. Februar 1935 Auskünfte wegen geplanter PalHsflnarelse erteilt unentgeltlich Gesinnungsgenosse. Anfragen unter tlPalä$thuareit0n an die Administration des Blattes als 15.000 Juden ' aus Deutschland aufgenonunen. Aus seiner eigenen Kraft. Für den Völkerbund lag hier ein Anlaß vor, vor dem Tribunal der Menschlichkeit z.u beweisen, ob er sein eigenes Werk, die jüdische nationale IIei.mst.1tte, da7;u benützen will, sich als Bund der Völker zu bewähren. Ein Beschluß d>‘s Völkerbundes, Palästina und Trunsjnrdnnieu für diejenigen zu öffnen, die dies wünschten, hatte nirgends Widerstand ge.fundi'ii. in einer Zeit, in der das Entsetzen über die Barbarei der neuen deutschen Herren noch lebendig war. Es hätte nur eine einzige Regierung den Antrag einbringen und die vielleicht Zögernden unter den Druck der öffentlichen Meinung stellen müssen. Aber da war wohl die Furcht vor England retardierend. England, das man vielfach als die Schutzmacht der Juden an gesehen hat, zeigt uns seit dem Mandat oft genug die kalte Schulter. Und die erste Gelegenheit, die sich jetzt bot, eine umfassende großherzige Geste zu machen, hat England nicht dazu benützt, um die jüdische Einwanderung nach Palästina entsprechend zu »teigem. Alle Welt hätte es als Selbstverständlichkeit, als Entlastung von einem schweren psychologischen Druck begrüßt, wenn die Tore Palästinas weit geöffnet' worden wären. Aber England schloß sie zu, stellte arabische Polizisten und arabische Scouts davor und erließ Drohungen gegen die „Illegalen'1. Dieses böse Wort wurde in diesen schrecklichen Tagen geprägt... Es ist in Genf kein Antrag gestellt worden, es ist kein Gehl bewilligt worden, es Ist von nichtjüidischer Seite nichts Ernsthaftes zur Lösung des Problems der jüdischen Flüchtlinge unternommen worden. Und dieses Problem droht sich noch weiter a-uszubr eiten. In Deutschland geht der Pogromantisemitismius weiter, die Maßgebenden erfinden täglich neue Parolen und ihre Agenten arbeiten ununterbrochen im Ausland. Wir sehen sie ja auch in Österreich am Werk und es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht wieder neue Äußerungen des neudeutschen Erlösersystems hier verspüren würde. Die Gleichschaltung Österreichs ist nicht aus dem Programm des Dritten Reiches geschwunden, und während England unter der Führung des Sozialisten Macdonald und des Lord Simons alle Stunden das Vertrauen zu Hitlers Friedensreden ausspnicht und ihn in den Pakt zur Sicherung Österreichs einbeziehen will, deckt man in Österreich stets neue Verschwörerzellen auf, in denen mit Hilfe des Judenhasses der Sturz des Friedens angebalmt wird. Und so wie in Österreich, so treiben sich die Goebbels-Leute in der Tschechoslowakei, in der Schweiz, in Amerika, in Ungarn und in der ganzen Welt herum, immer bemüht, die Unzufriedenen zuerst gegen die Juden zu dressieren. In der Saar zeigen sich schon die ersten Früchte und es wird noch ärger werden. Die Welt wird nicht helfen. Helfen können nur die Juden und nur durch Palästina. Der Völkerbund ist nicht unerreichbar und auch die Regierungen sitzen nicht in einem Geheimzimmer. In der Frage der jüdischen Flüchtlinge hat allein der Zionismus Erleichterung geschaffen, indem er 15.000 Menschen nach Palästina verpflanzt hat. Die Kichtzionisten. die so viel Kritik üben, mögen erst einmal zeigen, was sie geleistet haben. Der Zionismus muß die Linie verfolgen und beim Völkerbund fordern, daß die Einwanderung unter der Verantwortung und der Kontrolle der Mandatskommission freigegeben und daß Transjordanien geöffnet wind. Wir haben nicht mehr viel Zeit. Das Problem wird sehr bald am Rand der Katastrophe angelangt sein. Die Gleichschaiter AUCH FÜR 1. bei IMVAUDITXTSftCNTCM I. für «In s«r«ioi«a AM«t A I.TI lf «R I MT* N 3. (m At>l«fe«nsfalU HINTIRBLItRIMEM-RRMTKH GUMSTIGBM ■■DlMGUMGftf VERSICHE RUNGS-AKTI EN-GEI. > PENSIONS-VEREIN JMIEN, I., SCHELLINCGASSE 1 ■ ■■fl Es liegt klar zutage, daß die antijüdische Strömung in Österreich unter dem Einflüsse der getarnten und nichtgetarnten Nationalsozialisten steht und als Vorspann für die Gleichschaltungsbestrebungen dient. Eine autoritative 'Stellungnahme der führenden Kreise gegen ihm Hochverratder Hetzer ist jedoch bisher nicht erfolgt. Die Schreib weise der diversen Blätter wird immer ein dcut-iger. So ioseu wir in dom „Deutschen Volksblatt“: „Warum müssen Arier, wenn sie Rechtshilfe brauchen, zu d e an jüdischen A nw a 11 gehen? Warum kann es nicht so sein, daß der Arier grundsätzlich zu dem arischen Anwalt geht? Ist vielleicht gar der •jüdische Anwalt gesetzeskundiger und tüch tiger als sein arischer Kolloge? Neinl Viele Volksgenossen gehen nur deshalb gedankenlos zum jüdischen Anwalt, weil sie ihn für ,gerissener halten, und die wenigsten sind sich darüber klar, daß sie damit nur eine typische Rasseneigenschaft des Judentums fördern, die wirklich wert wäre, aus dem Rechteleben eines christlich-deutschen Staates mit Stumpf und Stiel ausgerottet zu werden.” Die „Deutsche Arbeiter-Presse“ des Doktor Walter Riehl schreibt unter anderem: „Noch vor zwei Jahren war die heute scheidende Frage kein Streitpunkt: wir alle hielten den Anschluß fiir eine gemeinsame Revisiousforderung... In einem Punkte aber waren wir wenigstens einig ob christlich oder national: wir wollten die Übermacht des Judentums brechen!... Wir haben schon einmal (1919) den Gedanken einer zwischenvölkischen panarischen Union vertreten ... Gebe Gott, daß wir noch Zeit finden, das unvermeidlich scheinende Unheil abzuweuden. Wir aber bleiben treu unserer alten Fahne ...“ Nicht nur in Zeitungen, sondern auch in öffentlichen Versammlungen wird zum Sturm gegen die Juden aulgefordert. So hat der „Karl-Lueger-Bund“ (Zentrale, IX., Säulengasse 12) für Mittwoch, den 13. Februar eine Abwehrversammlung mit der Tagesordnung „Christliche Ständeordnung und Judenschaft, christliche Glaubens¬ und Knlturfreiheit und Judenschaft“ einberufen. Als Redner wurden in der Einladung angegeben: Schriftsteller Anton Drei, Karl Peter vom Antisemitenbund, .Schriftleiter Alfred Staohelberger, F r ä ulein Barbara Zögernitz, Kreisführerin der Ostmärkischen Sturmscharen, und Karl C h aloupka, Kreisführer der Ostmärkischen Sturmscharen. Die Parole der Veranstaltung lautet: „Christliche Deutsche! Auf 'zur Verteidigung unserer christlichen deutschen Heimat!“ , Ist das Auftreten von Kreisführern der Ost-märkischen Sturmscharen von der Leitung dieser Vereinigung gebilligt worden? mann ist ein Freund dev Frauenfeld und schon seinerzeit in höherer Stellung beim Ga.u Wien tätig gewesen. Die „Rundpost“ wurde früher als Blatt der inzwischen aufgelösten Schulvereinsortsgruppe „Deutsche Jugend“ herausgegebeii. Deren Leiter Dr. Schögl und W ip p e 1 sind jetzt, Schriftleiter der „Rundpost“. Das „Weltblabt* verweist auf diesen Zusammenhang zwischen dein Deutschen Schul verein und der „Rundpost“. Der Deutsche Schul verein ist in Österreich streng arisch, ln der Tschechoslowa-kt heißt er Kultur verein und schnorrt bei Juden um Geld. Palästina t. Einzel reisen jede Woche zu Originalpreisen. 2. Gesellschaftsreise» zu Purim, zurMakkabiade und zu Ostern, darunter am 8.M:irzl935 mit Pampfer„Rex“ (51,000t) u. mit den Dampfern des Lloyd Triestino Reiseleitung: N. M. Racker Nordisches Reisebüro Wien, l.| Graben 10, Tel. R 24-2-31 O.K GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN i.. Kärtnersfrafje Nr 61 Besitzer Ollo Koserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise ln eilen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer Die jüdische Ärzteschaft in Österreich Wien, 13. Februar. Im „Mitteilungsblatt einigung jüdischer Walter Riehls Bekenntnis Die „Deutsche Arbeiter-Presse“ schreibt in ihrer letzten Nummer in einer Polemik gegen Frau Irene Harand: „Nehmen Sie zur Kenntnis, daß unser Doktor Riehl heute genau ho wie vor zwei Jahren Nationalsozialist ist.., Merken Sie sich endlich, daß Antisemitismus in Österreich natürlich eine erlaubte und keineswegs staatsfeindliche Richtung ist fauch Dr. Dollfuß war Antieomit).“ Der NationalfiOzialLsniuH ist in Österreich eine verbotene Partei! Trotzdem kann Walter Riehl sich öffentlich zu ihm bekennen. Die um die „Rundpost“ Vor kurzem ist die getarnte nationalsozialistische „Rundpost“ eingestellt worden. Das „Weltblatt“ teilt nun mit, daß das Blatt dank den Bemühungen einflußreicher Kreise demnächst wieder erscheinen soll. Eigentümer, Herausgeber und Verleger ist jener Herr Ludwig Habermann, den wir al« den Herausgeber dos antisemitischen Geschäftsweisers „Kenn’ dich ans“ festgestellt haben. Das Pamphlet wurde beschlagnahmt- und gegen Habo-rmami ein Strafverfahren eingeleitet, Haber- (Z. T. A.) der V e r- Ä r z t e“ wird unter anderem erklärt: „Was uns aber nicht gelungen ist zu vor hindern und wogegen wir unablässig auch im neuen Jahre kämpfen müssen, ist die Tatsache, daß seit 22 Monaten wider jedes Recht und gegen alle Versprechungen unsere jüdischen Kollegen in den Fondsspitälern und den städtischen Anstalten präteriert werden, ohne jeden dienstlichen Anlaß, nur deshalb, weil sie das „Unglück haben, Juden zu sein. So gerne wir im Sinne der offiziellen Erklärungen das Ge genteil behaupten möchten, sind wir im Na men der Gerechtigkeit und im Interesse der vergeblich um das primitive Recht auf Ausbildung kämpfenden jungen Ärzte gezwungen, immer wieder darauf hinzuweisen. Wir müssen aus Verantwortung auch darauf verweisen, in welcher katastrophalen materiellen und seelischen Verfassung sich diese jungen Menschen, vollkommen schuldlos, befinden, und es ist wahrlich keine Drohung, daß viele unter ihnen mit dom Gedanken des Selbstmordes angesichts ihres verpfuschten Lebens spielen. Solange es uns nicht gelingt, die Ausbildung von Kollegen in den Fondsepitälcrn zu ermöglichen, erwachsen die Sorge und die Pflicht, Ersatz zu schaffen, nicht nur für die Ausbildung, sondern auch für die dazu erforderliche materielle Basis.“ Der JTx\-Vertreter erfährt aus Wiener Ärzt-ekreisen noch folgendes: Die Vereinigung jüdischer Ärzte ist gegenwärtig bemüht-, eine materielle Basis zu schaffen, dio es ihr ermöglichen soll, den jüdischen Jungärzten, die in Wien nicht mehr zur Spitalspraxis zugelassen werden, das Aufsuchen ausländischer Anstalten zwecks praktischer Ausbildung zu erleichtern. Man denkt an die Unterbringung einer größeren Anzahl junger jüdischer Doktoren der Medizin in amerikanischen Spitälern. Am 30. Juli 1935 muß der letzte jüdische Sekumiararzt das Allgemeine Krankenhaus verlassen, nachdem bereite zwei Monate vorher der letzte jüdische Sekumiararzt aus dein Wiener Krankenhaus verseil wunden sein wird. AUS DEM DRITTEN REICH [modeuentworfe un0Ra^s I. MARC AUREISTR.3 ftÄS DER ÄRZTE-MANTEL,,, DER BUREAUX-MANTELX-S. Eine Ritualmordlüge aufge~ deckt Neusatz, 12. Februar. Vor dem hiesigen Kreiisgericht wurde eine phantastische Ritualmordaffäre nac h sechsjähriger II n t e rsuc h u n g aufgeklärt-. Am 8. September 1928 hatte .sich im Dorfe Petro vac vor dem Haiws des jüdischen Kaufmannes Po Halt eine erregte Menschenmenge angesammeit, um an dem Kaufmann Rache wegen angeblicher ritueller Opferung seines 15jährigen chris tlicheai Dienstmädchens Takac zu üben. Das Mädchen war aber, wie nachträglich festgesteUt wurde, ihrem Dienstherrn entlaufen und wurde nach einigen Tagen in de.r Umgebung des Ortes ausgeforseht. Von den heute vor Gerichterschienenem 16 angeklagten Bauern wurden zwei w egen grober Ruhestörung zu jfl einem Monat Arrest verurteilt, während die übrigen freigesprochen wurden. Der Führer und sein Gefährte Nürnberg, 12. Februar. Führer und Reichskanzler Hitler, der seit dem Partoikongreß nicht mehr in Nürnberg war, erschien ganz unerwartet in dieser Stadt, um den F rankem! Ith,rer Julius Streicher zum 50. Geburtstag m beglückwünschen. Hitler hielt eine kurze Ansprache, in der er Streichers Verdienste hervorhob. Es sei für diesen sicherlich ein erhebendes Ge f ü h 1. daß der 50. Geburtstag für ihn nicht nur die Wende eines halben Jahrhunderts, sondern wohl aucli eines Jahrtausends deutscher Geschichte sei. In Streicher habe der Reichskanzler einen Gefährten, von dem er wisse, daß e r u n b e i r r b a r h i »- e r ihm stehe. „Der Judenhenner“ Berlin, 12. Februar. (2. T. A.) Die in Berlin neu erscheinende Wochenschrift „Der Judenkenner“ fordert: „Ein Jude, der ein arisches Mädchen schändet, muß sterben! Ein arisches Mädchen, das sich dom Juden hingibt, muß m i t i h r e m B u h 1 e n s t e r b e »! Ein arisches Mädchen, das einen Juden, oder ein arischer Mann, der eine Jüdin heiratet, wird des Landes verwies e n!“ * Direktorium der Berliner Jüdischen Gemeinde besteht nicht mehr Berlin, 11. Februar. (Z. T. A.) Wie der Jüdischen Tcdegiaiphen-Agentur initgetei.lt wird, ist die am 31. Dezember 1934 abgelanfemi Amtsperiode de« Direktoriums der Berliner Jüdischen Gemeinde nicht v e r 1 ä n g e r t worden. Damit sind die Befugnisse des Vorsta nd o s der B e r 1 i n e r J ii d i >s c li e n Gemeinde, die dieser teil weise auf das Direktorium übertragen hatte, in vollem Umfange wieder hergest.cllt. Seit 20 Jahren haben «ich Togal fablet teil glänzend bewährt bei rheumatischen, gichtischen Beschwerden, Kopfschmerzen und Erkältungskrankheiten. Togal wird auch Sie wieder gesund machen. Ihnen Lebensfreude und Arbeitsfähigkeit geben! In jeder Apotheke, bekommen yio Togal.