Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-02-12 · Heft 425 (12.2.1935) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 425 (12.2.1935)
Date
1935-02-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3053752-3054140-3054180--4832-3060496
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Kr. 425 — 12. Februar 1935 Max Liebermann gestorben aus Berlin wird gemeldet, uaß der große Maler Max L i e b e r m a n n, 88 Jahre alt, gestorben ist. Max Liebermann wurde am 20. Juli 1847 in Berlin geboren. Anfang der Siebzigerjahre, während eines Studienaufenthaltes in Holland, erhielt er entscheidende Anregungen von den dortigen Meistern, insbesondere von Josef Izraels, und entwickelte sich zum Meister des deutschen Impressionismus. Unter der Wirkung der holländischen Schule kam Liebermanns Freude am Licht und am hellen Farbenreichtum zur Entfaltung. Liebermann wirkte in den Jahren 1878 bis 1884 in Berlin. In München erhielt seine Kunst strengere Züge durch gewissenhafte Exaktheit der Zeichnung, eine unbarmherzige realistische Objektivität und Intimität 'der Ausführung. Aufsehen und Widerspruch erregte seinerzeit das große Bild „Jesus unter den Schriftgelehrten“ (1879). Mit der .Übersiedlung nach Berlin beginnt bei Liebermann eine neue Phase der Kunstentwicklung. Die impressionistische Technik wird der sogenannten abkürzenden Darstellung untergeordnet, die Einzelheiten werden durch rauhe, kräftige Pinselstriche als gleichwertig in die die Einheit des Naturbildes vertretende Raumeinheit einbezogen. Seit 1891 machte sich Liebermann auch als Porträtmaler einen Namen. Zugleich tritt auch in seiner Malweise eine entschiedene Wandlung’ zum wirklichen Impressionismus ein, dessen Wesen nicht so sehr in der Farbe als in der Form, in der Bewegung und im Rhythmus begründet ist. Im Laufe der Jahre entwickelte Liebermann auch ein bedeutendes graphisches Werk. Im Jahre 1898 wurde Liebermann Professor an der preußischen Akademie der Künste, deren Präsident er in den Jahren 1920 bis 1933 war. Er erhielt vom deutschen Kaiser den Orden pour le mörite. Er wurde zum Ehrenbürger von Berlin ernannt, und Reichspräsident Hindenburg verlieh ihm den Adlerschild des Deutschen Reiches. Liebermann war auch Doktor phil. h. c. der Berliner Universität und gehörte vielen Kunstakademien verschiedener Staaten als Mitglied an. Er veröffentlichte eine Reihe von Werken auf kunstwissenschaftlichem Gebiet, so über die Maler Degas und Josef Izraels, ferner die Abhandlung: „Die Phantasien der Malerei“ und „Gesammelte Schriften“. Liebermann war bewußter Jude und nahm auch an jüdischen, insbesondere sozialhumanitären Angelegenheiten Anteil. Der Nationalsozialismus hat auch ihn in die Acht erklärt. Liebewma/im aber hat unmittelbar nach der Machtergreifung Hitlers seine Stelle als Präsident der preußischen Akademie der Künste freiwillig z u r ii c ik g e 1 g g t. Das war die Antwort seines reinen Künstler- und Menschentums auf den neuen Kurs, der ihm keinen Lebcnsra-nm mehr gab. Später erhielt er ein Bet ä t i g u ngsvertot. Seine Bilder wurden aus allen deutschen Sammlungen entfernt. An seiner Bedeutung kann natürlich auch da« Dritte Reich nichts ändern. Auskünfte wegen geplanter I Paläsflnareise erteilt unentgeltlich Gesinnungsgenosse. Anfragen unter „Palästlnareise" an I die Administration des Blattes DIE STIMME Seite 3 Allgemeiner Zionismus von heute In der letzten Nummer der „Stimme“ hat der Vorsitzende des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, Dr. I g n a z S c h w a r zb a r t (Krakau) ein klares Bild der gegenwärtigen Situation im Allgemeinen Zionismus gezeichnet. Wenn zu den Ausführungen Dr. Schwarzbarts hiemit Stellung genommen wird, so geschieht dies zu dem Zweck, um die innere Ursache der bestehenden Differenzen bloßzulegen. Der Streit, ob eine a 11 g e m e i n - z i onistische Gewerkschaft in Palästina bestehen soll oder nicht, der Streit, ob die allgemein-zionistischen Chaluzim im Allgemeinen Hechaluz verbleiben oder im Hechaluz Haklal Zioni vereinigt werden sollen, und der Streit, wie die B eziehungen zur Weltorganisation und zu den verschiedenen Parteien geregelt werden sollen, das alles sind nur die Ausdrucksformen einer prinzipiellen Differenz. Eine kurze historische Betrachtung wird zur Klärung beitragen. Der Allgemeine Zionismus ist nicht den Weg der zionistischen Parteien, insbesondere nicht den Weg der Arbeiterpartei gegangen. Während die Mitglieder der Arbeiterpartei systematisch für Palästina erzogen wurden, infolgedessen nach Palästina gingen und sich dem Aufbau widmeten, also den Zionismus in der Praxis verwirklichten, ist der Allgemeine Zionismus bis vor nicht allzu langer Zeit ideologisch und praktisch in der Galuth stecken geblieben. Die Arbeit der Allgemeinen Zionisten an sich ist deswegen nicht gering zu schätzen. Im Gegenteil, aller Idealismus der Chaluzim und die ganze außenpolitische Arbeit der Exekutive wären wahrscheinlich vergeblich gewesen, hätten nicht die Allgemeinen Zionisten unter großen persönlichen Opfern die Landesorganisationen erhalten und gewaltige Opfer für die nationalen Fonds gebracht. Die Allgemeinen Zionisten waren es also, denen in einem bedeutenden Ausmaß der heutige Stand der Zionistischen Weltbewegung und die Schaffung des Fundaments zu danken ist, auf dem die derzeitige Prosperity Palästinas beruht. Die Allgemeinen Zionisten blieben aber G a 1 u t h -Z i o n i s t e n, während die Arbeiter Palästina-Zionisten wurden und so dem Jischuw ihr Signum aufdrückten. Gewiß, es gingen auch die Söhne Allgemeiner Zionisten, von Idealismus beseelt, nach Palästina. Diese allgemein-zionistischen Chaluzim, die als Diener des ganzen Volkes nach Erez Israel gingen und dort ihre Galuthkleider mit der Arbeiterbluse vertauschten, schlitterten aber gleichzeitig in die klassenkämpferische Ideologie ihrer Arbeitskollegen hinein. Sie gingen dem Allgemeinen Zionismus verloren. Das hinderte aber ihre Eltern in der Galuth nicht, auch weiterhin die Holzhacker und Wasserträger der Organisation zu sein und ihre Brieftasche offen zu halten. Dann kam die Weltwirtschaftskrise. Sie regte den Allgemeinen Zionisten zum Nachdenken an. Er begann sich zu orientieren. Die eigene Wirtschaftsnot brachte ihn zu jener Erkenntnis, aus der heraus der jüdische Arbeiter schon vor Jahren den Weg des Chaluz nach Erez Israel gegangen war. Er oder zumindest seine Söhne wollten den gleichen Weg gehen — und sie fanden ihn oft verrammelt. Klagen über die B e n a c hteiligung der All gemeinen Zionisten, über eine Zurücksetzung ihrer Chaluzim bei der Hachscharah und A 1 ij a h mehrten sich und in Palästina, dem oft mit schwerer Mühe erreichten, resorbierten Histadruth und Mapei, die sich im Eesitze der oft von den Allgemeinen Zionisten aufgepäppelten W'irtschaftspositionen befanden, die allgemein-zionistischen Chaluzim so gründlich, daß keine Spur von ihnen übrig blieb. Lange Zeit wurde die Ursache dieses Übels nicht erkannt, weil eine ausgezeichnet organisierte Propaganda der Linken es verstand, das Märchen von der unpolitischen Histadruth aufrecht zu erhalten. Jetzt allerdings dämmert es, in einem Lande früher, im anderen später. Und nun erlebt man die Tragikomödie, daß die allgemein-zionistischen Reihen, bestehend aus Galuthzionifiteo;. PalästinazionjsteA und solchen Zionisten, die erst Palästinazionisten werden wollen, sich gegenseitig beschießen, wie zwei Bataillone desselben Regiments, die der Feind in Verwirrung gebracht hat. Statt gemeinsam Mittel und Wege zu finden, um den Söhnen das zu geben, was ihnen auch ohne Rücksicht auf die Opfer der Väter gebührt, schon aus dem Grunde, weil es sich um national begeisterte, zur Selbstaufopferung im Dienste des ganzen Volkes bereite Chaluzim handelt, wüten viele gegen ihr eigenes Fleisch und Blut. Das ist der A11gemeine Zionismus von gestern, der zum Tode verurteilt ist, weil er selbst die Schlinge zuzieht, die um seinen HaLs gelegt ist und weil er seine Jugend preisgibt. Diese Richtung, die eine ganze Entwicklung verschlafen hat, weiß nun plötzlich nichts Besseres zu tun, als gegen den A 11gemeinen Zionismus von heute Sturm zu laufen, gegen jene verhältnismäßig junge Richtung, die ihre Galuthkomplexe abschüttelt und ihr Programm: Primat der nationalen Interessen, Palästina nicht für eine Partei, sondern für das ganze Volk, in Erez Israel verwirklichen will. Dieser Allgemeine Zionismus von heute, der auf eigenen Füßen stehen will, steht im Kreuzfeuer der Allgemeinen Zionfeten von gestern und der getarnten Geschütze der Histadruth. Diese Situation muß und wird durchgestanden werden. Von ihrer Überwindung hängt vielfach der so sehnsüchtig erwartete Frieden und vielleicht auch zum Teil die Existenz der Zionistischen Weltorganisation ab. Wir Allgemeine Zionisten von heute stehen, wie Dr. Schwarzbart richtig bemerkte, in der Stunde der Entscheidung. Die Gegner lassen alle Minen springen, der Kampf ist auf allen Linien entbrannt, in der Galuth und in Palästina. Die Entscheidung muß in Palästina fallen. Der AllgemeineZionismus vonheute kämpft um seinen Platz an der Sonne Erez Israels. Es muß uns gelingen, unsere Jugend dort zu verankern. Palästina als Parteistaat ist undenkbar und trägt den Todeskeim in sich. Diese Gefahr kann nur der Allgemeine Zionismus von heute bannen. Es ist unbegreiflich, warum wir in den eigenen Reihen Widerstand finden, nur deswegen, weil wir glauben, daß ein auf einer Diktatur aufgebautes Palästina für die Zukunft des Jischuw eine große Gefahr ist. Wir wollen als bauende Kräfte ins Land und dort als Gleichberechtigte für seine Größe und Zukunft, für die Lösung der Judenfrage arbeiten. Wer hat das moralische Recht, uns dabei in den Arm oder gar in den Rücken zu fallen? Das ist die wahre Lage. Eine u nfreundliche Behandlung des Weltverbandes der Allgemeinen Z ionisten, der Streit um Zertifikate, um die allgemein-zionistische Histadruth, Spaltungen und Sezessionen, — das alles ist nur Wirkung und nicht Ursache, ist nur Ausdruck für das Bestreben der Arbeiterpartei, alles, was sich ihr nicht fügen will, in Palästina nach Möglichkeit auszuschalten und mundtot zu machen. Das alles soll uns aber nicht daran hindern, mit Elan den Weg zu gehen, den die Arbeiterpartei schon längst gegangen ist, den Weg zur Erfüllung in Palästina, aber nicht im Dienste eines volksfremden Parteidogmas, sondern im Dienste des ganzen jüdischen Volkes und jüdischer Ideen. Es liegt nicht an uns, sondern an der herrschenden Partei, ob die Einordnung unserer Jugend in geschlossenen Gruppen in Palästina im Kampf oder im Wege einer loyalen, gütlichen Ordnung erfolgen wird. Wir wollen den Frieden, den Frieden mit unseren engeren Gesinnungsfreunden, die uns heute bedauerlicherweise bekämpfen und den Frieden mit der Exekutive und der Histadruth, aber ohne Verzicht auf Prinzipien, den wir auch unseren Gegnern nicht zumuten. Wir würden es aber tief bedauern, wenn es zu einer gütlichen Ordnung nicht kommt, und wenn man uns zum Kampf zwingt. Das wird uns aber nicht davon abhalten, unseren Weg entschlossen weiter zu gehen. Der Allgemeine Zionismus von heute will die Erneuerung des ganzen jüdischen VoJ- QasfuOirlschoft Xindmkdte f- Rot<znturm3tra$se 1* Maste. Gastdäiii Wiens i Bis 3 Uhr früh geöffnet! kes unter Ablehnung von Marxismus, Faschismus und anderen Ismen, welche di« ewige Quelle sozialer Erschütterungen sind. Er will, auf der sozialen Ethik unserer Thora und der Propheten fußend, in Palästina auf dem Wege der Evolution zu einem neuen Typus der sozialen Gerechtigkeit, jüdischer sozialer Gerechtigkeit, gelangen und so das jüdische Volk den wahren Frieden teilhaftig werden lassen. Das ist ein weitgestecktes und heiliges Ziel, das aller Opfer wert ist. Ihm zuzustreben ist die sittliche Pflicht aller, die sich mit Recht und nicht nur aus Gewohnheit oder Trägheit Allgemeine Zionfeten nennen. Nach Palästina wöchentlich und Sonderfahrten durch Reisebüro IX., Spitalgasse 3 Tel. B 42-5-38 Hur Juden sorgen für die Flüchtlinge Im englischen Oberhaus kam es am 6. Februar im Anschluß an eine Anfrage Lord M a r l e y s zu einer Aussprache über das vom Völkerbund eingesetzte Oberkommissariat für Flüchtlingsfürsorge und die Möglichkeit seiner künftigen Finanzierung durch die im Verwaltungsrat des Auswandererhilfswerks vertretenen Regierungen. Lord Marley gab einen Überblick über Entwicklung und Umfang der Auswanderungsbewegung, wies darauf hin, wie vor anderthalb Jahren die Errichtung des Oberkommissariats zustande kam, und daß der Völkerbund der Überzeugung war, alle Regierungen würden den High Commissioner nach besten Kräften in seiner Aufgabe unterstützen. Wenn es auch dem High Commfesioner gelungen sei, vielen deutschen Flüchtlingen zu helfen, stehe er doch auch heute noch vor den Aufgaben, derentwegen er ernannt wurde. Man habe berechnet, daß von den etwa 70.000 deutschen Flüchtlingen nur 35.000 seßhaft gemacht werden konnten, und zwar der größte Teil von ihnen, etwa 20.000, in Palästina, die übrigen in den Vereinigten Staaten, Südafrika und einigen europäischen Ländern. Die große Masse der 35.000 noch nicht seßhaft gemachten Flüchtlinge befinde sich gegenwärtig in Frankreich und habe keine Aussicht auf dauernde Niederlassung. Der High Commissioner habe seine Arbeit mit einem inzwischen zurückgezahlten kleinen Vorschuß des Völkerbundes begonnen. Seither habe keine Regierung einen Penny für die Ausgewanderten oder das Büro des Oberkommissars beigesteuert. Die ganze Arbeit des Oberkommissars sei dadurch erschwert worden, daß er genötigt war, Mittel von privater Seite aufzubringen, und von keiner Regierung einen Penny erhielt. Für die Auswandererfürsorge seien von privater jüdischer Seite anderthalb Millionen Pfund zur Verfügung gestellt worden. Obwohl 20 Prozent der Ausgewanderten Nichtj u d e n sind, seien es in der Hauptsache die jüdischen Organisationen, die sich Mercurbank In der am 8. d. M. unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Gabriel Netimann abgehaltenen Sitzung de« Venvaltung&rates der Mercurbank wurde die Bilanz für das Geschäftsjahr 1934 vorgelegt und genehmigt. Es wurde beschlossen, der Generalversammlung dea Antrag zu stellen, von dem nach Vornahme von entsprechenden Abschreibungen verbleibenden Gewinn per S 210.066*46 den Betrag von S 50.000.— zur Dotierung des Reservefonds II zu verwenden und den Rest auf neue Rechnung vorzutrageu. E

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.