Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 425 (12.2.1935)
- Date
- 1935-02-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Salta % Dil SYIMMI Nr. m 12. Februar ’IOSS ist in der jn München erscheinenden Monats schrift „Der Weltkamp f“, Monatsschrift für Weltpolitik. Völkische Kultur und die Judenfrage aller Länder, die von Alfred R os '• n b e r p gegründet wurde, eingehend dar gestellt. Die Leser des „Weltkampf“ werden aufgefordert, sich an der antijüdischen Pro paganda durch Einsendung von Werbeadreesen zu beteiligen. Es heißt dort: „Die vom internationalen Judentum mit dem größten Aufwand von Mitteln in der Schweiz angestrengten Prozeß, durch die es mit Hilfe ler freimaurerisch stark beeinflußten Richterschaft eine amtliche Bestätigung für die Unechtheit der sogenannten Protokolle der Weisen von Zion zu ergaunern versucht, sind so typisch für die stets wiederholten Anstrengungen zur Verschleierung jüdischer Niedertracht, daß man ihnen eine besondere Aufmerksamkeit zuwenden muß. Der faßt mittellosen Angeklagten hat sich erfreulicherweise der Weltbund der Völkischen nunmehr angenommen... Rosenberg fordert zur Rltualmordpropaganda auf. Besondere Beachtung verdient, daß Rosenbergs Monatsschrift in diesem Zusammenhang den Wink gibt, daß man jetzt wieder mit „den berüchtigten Ritualmordproz.essen“ agitieren müsse Dementsprechend enthält dieselbe Nummer dee „Weltkampf“ Hetzartikelj die sich ausdrücklich auf die Ritualmordnummer dee „S t ii r m e r“ vom Mai 1934 beziehen. Dabei wird eine organisierte, internatioqale Agitation mittels der Ritu almordbeschuldigung angekündigt. Im Chor der Ritualmordhetzer steht natürlich das Blatt Streichers, des intimen Freundes Hitlers, „Der Stürmer“, an erster Stelle. „Die Stimme“ hat hierüber bereits wiederholt berichtet, besonders über die in der Redaktion erfundenen jüdischen Inserate, die den Gipfel der Frechheit in dem folgenden Inserat erreichen: „Streng koschere Kille (Judengemeinde) sucht erstklassigen ,schochet( (Schächter) zum ,Schwarzschächten*, welcher auch Erfahrung in ,R i t u a 1 m o r d e n* hat. Zuschriften unter ,GojimbIut‘ koscher sehet Pesach.“ Der „Ruhm“ und die „Verdienste“ dee Nürnberger „Stürmer“ läßt andere Nationalsozialisten, die aus ihrer Gesinnung ebenfalls ein Geschäft machen wollen, nicht schlafen. So erscheint also in Berlin, trotz der allgemeinen Sperre für Zeitungen, ein neues Hetzblatt im Genre des „Stürmer“. In der ersten Nummer heißt es u. a.: „Die Juden werden wieder frech in Berlin.- Da ist es höchste Zeit, daß dieser asiatischen Horde klargemacht wird, daß Berlin eine deutsche Stadt ist. Wir rufen darum unsere Leser auf: Meldet uns alles, was ihr v'on der Judengesellschaft hört, seht und erfahrt, berichtet uns alle Lumpereien, die das aus erwählte Volk sich heraußzunehmen er dreistet. Ab 1. März 1935 beginnen wir mit der Veröffentlichung. Wir hoffen, daß die Mitarbeit unserer Leser es uns ermöglichen wird, durch eine jede Woche erscheinende vierseitige Beilage ,1m Schatten der Synagoge* zu beweisen, daß Berlin den Berlinern und nicht den asiatischen Horden gehört Darum vorwärts, Volksgenossen! Sorgt für Material, stellt die Juden unter Kontrolle!“ In den Kreis der von Berlin aus geleiteten antijüdischen Propaganda gehört auch die in Erfurt alle vierzehn Tage in drei Sprachen erscheinende Zeifcungskorrespondenz „W e 11d i e n s t“. Ihr Herausgeber ist der Oberstleutnant a. D. Ulrich Fleischhauer, der von den Angeklagten ira Berner Prozeß als Sachverständiger bestellt wurde und zunächst eine Verschleppung des Prozesses herbeigeführt hat. In diesem Zusammenhang ist die folgende Zeitungsmeldung interessant, die ln verschiedenen österreichischen Zeitungen enthalten ist: „Aus Deutschland sind kürzlich zahlreiche Exemplare eines neuen Buches, ,Die zionietischen Protokolle* nach Österreich geliefert und in einigen Buchhandlungen feilgeboten worden. Das Buch behandelt denselben Gegenstand, der unter dem Titel ,Die Weisen von Zion* in der Schweiz Gegenstand eineB mit großem juristischen und wissenschaftlichen Apparat geführten Ehrenbeleidigungsprozesscs bildet. Wie wir erfahren, ist dieses neue Produkt der antisemitischen Agitation über Verfügung des Presseetaatsanwalts, Hofrat Dr. Schwartz, beschlagnahmt worden,“ Man ersieht auch aus dieser Zeitungsmeldung, daß die n a ti o n a 1 i s t i s c h e Agitation in ö s t e r r e i c h rührig ist., und daß die hier erscheinenden Pamphlete, wie z. B. „Der arißcho Geschäftsweiser“, der inzwischen beschlagnahmt wurde, aber auch Pater G a e t o n Ritters Buch über die Protokolle der Weisen von Zion u n d äh nliehe P r e ß p r o d u k t e die nationalsozialistische Agitation fördern. Die Regierung wird gut daran tun, dieser Propaganda mehr Augenmerk zuzuwenden. Die im Kanton Basel mehrfach beschlagnahmte und verbotene, hetzerisch antisemitische Zwei Wochenschrift, „Der Volksbund“ wird weiter in Solothurn beraußgegeben. Unter denn Titel „Eine Sumpfblüte“ schreibt die „N e u e Zürcher Z e it u n g". die letzte Nummer de« „Volksbundes*'. die auf deutschen Bahnhöfen zura Kaufe ungebeten wird, werde mit einem quergek lebten roten Kopfzettel als die nationalsoziaiistisohe Zeitung dor Schweiz“ bezeiolinot. Sie sei zum Verwechseln dem reichs deutschen „Stürmer“ ähnlich. In Bild und Schrift wird’ diae Leitthema „Juda verrecke“ über vier Seiten variiert. Nebenbei wird, ebenfalls nach bekanntem Muster, ausgiebig in „Enthüllungen“ über Freiinauerei gemacht. Die „Neue, Zürcher Zeitung“ bemerkt weiter: „Den zuständigen politischen und Verkehrsin* tanzen möchten wir empfehlen, sich vom Standpunkt, unserer nationalen Würde, wie auch der Wahrung u n s e r o r g a s t g ew e r b 1 i c h e n Interessen mit dem in Solothurn erscheinenden Blatte zu hefaesen. Die Pressefreiheit, sollte denn doch nicht zum Freibrief f ii r ,j e <1 e u Sc h m i e rf i n k werden.“ den anderen Bürgern zusammenwählen, oft für Kandidaten der Tsaldaris-Partei deii Ausschlag gaben, kämpft, die von Venizelo« geführte Oppositionspartei für Wiedereinführung des jüdischen Wahlsektors. Bei dieser Gelegenheit sin bemerkt, daß a u c h i n G e n f, in französischer Sprache, ungehindert eine Monatsschrift unter dem Titel „L’H o m m e de d r o i t e“ ensoheint, Ile ebenfalls ganz dem Vorbild des reichsdeufcsehen ..Stürmer“ entspricht und in allein Zeitungskiosken zmn Verkaufe angeboten wird. Man zweifelt nicht daran, daß auch diese französisch getarnte Hetzschrift aus d e u t sc h en Qu e11en gespeist wird. Deutsche Agenten hetzen wieder in Algier und in Marokko, und auch in Persien erscheint jetzt eine von der deutschen Botschaft finanzierte persische Wochenschrift mit nationalsozialistischer Tendenz. Goebbels Millionen rollen. Gudes dio England bestätigt alles, was Waudiope beschließt Im englischen Unterhaus fragte der Abgeordnet, e der Labour Party, Colonel Josiah C. W e d g w o o d, den Mimißter für die Kolonien, Sir Philip Cunliffe-Lister, ob es richtig sei, daß in Jerusalem ein Araber zum Bürgermeister ernannt wurde und warum dies, falls es zutreffe, geschehen sei, da doch die Bevölkerungsmehrheit der Stadt j ü d i e c h ist. Der Minister antwortete: „Zum Bürgermeister der Stadtverwaltung von Jerusalem wurde ein Araber, Dr. Hussein Fakri Ef fendi e 1 Khalidi. ernannt. Das Gesetz gilbt dem High Commission« r unbeschränkte Vollmacht zur Auswahl irgend eines Stadtverordneten für die Er nenuung zium Bürgermeister, und ich habe vollkommene« Vertrauen zu seinem Urtei 1.“ Wedgwood fragte, ob es nicht Tatsache sei, daß der letzte Bürgermeister von Jerusalem ein Araber war, und daß dieser den Ruf einer selbst im Orient bemerenswerten Korruption hinterließ; halte der Minister es für richtig, daß ein Araber zu seinem Nachfolger ernannt werde? Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte, der Abgeordnete Wedgwood habe nicht vorher angekündigt, daß er den Charakter eines früheren Bürgermeisters zu beurteilen beabsichtige. Auf jeden Fall wäre es für den Minister höchst unangemessen gewesen, sich in die Befugniese des High Commisöioner in dieser Angelegenheit einzumengen. WIR BERATEN SIE IN ALLEN BAU- und GRUNDSTÜCK- ANGELEGENHEITEN FÜR PALÄSTINA DURCH UNSER BÜRO IN WIEN UND HAiFA AUSKUNFT UNTER „ARCHITEKTUR-BORO" AN DIE REDAKTION DER „STIMME" Ist eine Ausbürgerung und Landesverweisung Achb Meirs gesetzlich? Der Abgeordnete Wedgwood richtete an den Minister für die Kolonien die Frage, ob über den Vorschlag Achi-Meir seine palästinensische Bürgerschaft abzuerkennen und ihn des Landes zu verweisen, bereit« eine Entscheidung getroffen worden sei; falls dies geschehen sei, warum und welchen Präzedenzfall es für ein solches Vorgehen in Großbritannien oder in den Kolonien gebe. Sir Philip Ounliffe-LIster antwortete: „Ein solcher Vorschlag wurde mir noch nicht zur Genehmigung vorgelogt. Bezüglich des dritten Teils der Frage möchte Ich bemerken, daß in den Kolonien unter gewissen Umständen die Möglichkeit zur Einziehung von britischen Natural i s ationß - Aus we i s e n unter Voraussetzung der Zustimmung des Kolon len ministe rs besteht: Zum Beispiel ln dem Fall, wenn der Inhaber des Naturallsatkfflft-AiufWGtee* Abneigung oder Illoyalität gegenüber Sr. Majestät bewiesen hat oder wenn er in den ersten fünf Jahren nach der Erteilung des Ausweises zu einer mindestens zwölfmonatigen Gefängnisstrafe, zu Strafarbeit oder zu einer Geldstrafe von mindestens 100 Pfund verurteilt worden ist.** Die Judenverfolgungen im Irak Zu der Angelegenheit der Judenverfolgung im Irak stellte Wedgwood noch folgende ergänzende Fragen: „Ist der Außenminister im Besitze eines Berichtes seitens unserer dort stationierten Luftstreitkräfte? Besteht die Möglichkeit, daß unsere dortigen Vertreter Vorstellungen bei der Irak-Regierung erheben?1 Abg. Jänner: „Besitzt der Außenminister Informationen betreffend das Verbot gewisser jüdischer Zeitungen?“ Außenminister Sir John Simon: „Was die letzte Frage betrifft, so bin ich nicht in der Lage, sie ohne vorherige Ankündigung auf der Stelle zu beantworten. In Beantwortung der Frage des Abgeordneten Wedgwood erkläre ich, daß ich nicht Informationen seitens der von ihm erwähnten Quellen im Sinne hatte. Was unsere eigene Ansicht in dieser Angelegenheit betrifft, so glaube ich, daß jedermann verstehen wird, welche Dinge erweckt wurden, sam gemacht iiat.“ Abg. Wedgwood: „Wird der Außenminister des Vorgehens der Irak-Regierung gegenüber den Armeniern eingedenk ßein und darauf achten, daß es sich nicht wiederhole?“ Diese Frage blieb unbeantwortet. Zum näheren Verständnis sei bemerkt, daß im Irak ein Anneniermassaker stattgefunden hat und daß die Irak-Regierung auf die Vorstellungen Englands geantwortet hat, es sei übersehen worden, den Minderheitenschutz in die Verfassung oiimibauen. Arabischer Bericht über eine Unterredung mit Ben Gurion Genf, 10. Februar. (Z. T. A.) Die extrem-nationalistischen Araber Emir Schekib Ars 1 an und lsclian Buy E 1- Dschabri veröffentlichen in der letzten Nummer der Zeitschrift „La Nation Ambe“ einen Bericht über eine angebliche z w a n go s e Unterredung, die sie am 23. September 1934 in Genf mit dem Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, David Ben G u r.i o n, gehabt batten. Gemäß dieser Darstellung hätte Ben rion den beiden Arabern die Ziele Zionismus auseinandergeßetzt und auf absolute Notwendigkeit der „Umwandlung Palästinas in c i n j dis e h e s Vaterland und einen j n d i s c ii c n Staa t“, sowie des Zustandekommens einer Einigung mit den Arabern hingewiesen. Er hätte T r a n e j o r d a n i e n als künftiges Siedlungsland für die Juden mit einbezogeu und als Maximum der Aufnahmefähigkeit der beideii Länder für jüdische Einwanderung die Zahl von 6 bis 8 Millionen Juden genannt. Als Gegenleistung für eine arabische Zusammenarbeit mit den Juden hätte er politische Hilfe für die Araber ln Syrien und wirtschaftliche Hilfe, durch I nvestier u ji g v o n jüdische m K a p i t a 1, ira Hedschas, im Irak und im Jemen angeboten. Arslan und El-Dschabri hätten diese Vorschläge mit Entrüstung a b g elehnt. Die Darstellung des angeblichen Gespräches schließt mit folgenden Worten: „Diese Demarche von Bon Gurion hat in Wirklichkeit große Bedeutung, denn sie läßt die wahren Ziele der Zionisten erblicken und beweist, daß die Zionisten von cler baldigen Verwirklichung ihrer Träume überzeugt sind. Daß mag als Warnung dienen, nicht nur für die Araber, sondern auch für Großbritannien, das sich die Folgen einer derartigen jüdischen Expansion zutiefst überlegen sollte.“ Exkommunikation für arabi* sehe Bodenverkäufer Wie die „Reichspoet“ meldet, fand in Jerusalem unter dem Vorsitz des Großmufti eine Versa in m 1 u n g von U1 e m a s statt. Über Antrag des Großmufti wurde beschlossen, allen Arabern, die an Juden Boden verkaufen, ein religiöses Begräbnis zu verweigern. Nach der Verkündigung des Beschlusses brach die Versammlung in den frenetischen Ruf aus: „Allah ist groß!** Gefühle durch die auf die er aufmerkmit Beginn: Tsaidaris gegen Jüdischen Wahlsehtor in Saloniki Saloniki, 7. Februar. (Z. T. A.) H PI Rt Q t - K {!| 0 Der griechische Ministerpräsident Panaighis Tsaidaris gab gegenüber denn Präsidenten der Zionistischen Föderation Griechenlands, M. B e s « a n t c h i, die folgende Erklärung ab: „Nie habe ich mein (Einverständnis zur Wiederein Setzung des jüdischen Walilsektors In Saloniki gegeben und werde es auch in •Zukunft nicht tun. Dio Juden mllsder Verfassung gemäß allen and o- Hofmeister, Hauslehrer für allo Mittelsehultypen, mit Kenntnissen fremder Sprachen, vermittelt prompt um<d an entgeltlich der Jüdische Hochschulausschuß. Wien, IX., Alserstraßo 26, Tel, A 25-2-28. Kinoprogramme der Woche KREUZ-KINO Uraufführung: Der lange Schatten William Poweil 4, a/*ß, ‘/,8, V.10 Uhr IX.» Porzellangaese 19 Telephon A 18-0-76 Vom 12. bis lß, Fobrunr 1035 Vorstadtvariete (Die Amsel vom Lichtental) Wochentag: 6, 7, 9 Uhr, Sonnu. Feiert, ab 3 Uhr •sen ron Bürgern g 1 e i c hg enteilt sein.* In Saloniki haben die Juden bis vor wenigen Jahren in einem speziellen Wahlsektor ihre Abgeordneten in das Parlament gewählt. Die Regierung Tsaidaris hat den Wahlsektor, dor von den Juden als ein „Wahlghetto“ empfunden wurde, abge- ■sohafft. Da aber die Juden, seitdem sie mit IX., Wührlngerstraße 12 Telephon A 18-3-ÜO Uotlupork-Klno Vom 12. bla 15. Februar 1055 Der Herr ohne Wohnung Täglich: 4,8/*6, ‘/a8, Uhr