Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 424 (8.2.1935)
- Date
- 1935-02-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. ,424 - 8. Februar ttöfc Hocli Polen billige Gese Ischaftsreisen Abfahrt am 19. Februar Mehrere Aufentlialtstermine in Ptden. Anmeldungen beim Polnischen Verkehrsbüro „F^LINOPOL“, Wien ilf., Rennweg I (Uebiiu le iles Polnischen Konsulats.) Tel. U 16-4-90 keine Rolle .spielen. Eine Basis der politischen .Gesinnung nicht nur, sondern d er p o 1 i t i s c hon L e i s t u n g muß es sein. So kann auf dieser Basis eine Front enf.-tcln-n. die nicht nur abwehrt, sondern auch aut'luuit. Und diese Front allein wird ein sicheres Bollwerk nein gegen die Flut des braunen Heidentums.“ Wer die Geschichte österreich-s. der Monarchie sowohl wie der Republik kennt, der weiß, daß die Juden in ihrer Treue zum Staat, in ihrer unablässigen Mitarbeit an seinem wirt schaftliehen und geistigen Gedeihen, deiner kulturellen Erhöhung nie irre geworden sind und daß für sie nichte anderes als die Leistung, die persönliche Eignung maßgebend gewesen' ist. Sie sind für Österreich und der Judenboykott, mag er aus voller Absicht oder aus Unverstand kommen, ist und bleibt Hochverrat. dann ist eine «ehr ernste Lage entstanden. I auf die Meinung der Mitglieder «eines Exe- Die Krakauer Konferenz der Revisionisten | kutivkomitecs keinen Wert zu legen, das hat die Entscheidung über dae Verbleiben I iet mehr als eine interne Angelegenheit der der Revisionisten in der Organisation dem Revisionisten. 'Die Zionistische Weltorgani- Exekutivkomitee, dessen Obmann Jabosation muß Wert darauf legen, daß tinsky ist überlassen. Jabotinsky scheint dieser Frage eine restlose Klärung erfolgt. Europäische Staatsmänner fiir den jüdischen Weltkongreß MODELLENTWÜRFE und Mä I. MARC AURELSTR.3 US Antisemitische Terror Organisation in Bulgarien aufgelöst? . „Daily Express“ meldet aus Sofia, daß die bulgarische Regierung an die Liquidierung der antisemitischen Terrororganisation „Rödna Z a s c h t i t a“ geschritten ist. Eine bedeutsame Erklärung Jabotinskys New York, 6. Februar. (2. T. A.) Der gegenwärtig iu Amerika weilende Präsident der Union der Zionisten-Revisionisten, Wladimir Jabotinsky, beantwortete einige vom Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur an ihn gerichtete Fragen wie folgt: Eine Frage der Sezession existiert heute nicht mehr, denn die Revisionistische Union ist bereits ein von der Zionistischen Organisation vollkommen getrennter Körper. Unsere Bewegung ist nicht Teil irgend einer anderen Organisation. Unsere Union hat kein besonderes Interesse am Zionistenkongreß. Gerne jedoch wollen wir verhandeln, um Verständigung zu schaffen. Was die sogenannten Friedenspakte betrifft — es gibt gar keinen Friedenspakt. Es handelt sich lediglich um Einstellung der Feindseligkeiten in ihrer schlimmsten Form. Bisher haben wir nur einen Waffenstillstand erreicht. Zürn Schluß erklärte Jabotinsky: Eß ist meine Überzeugung, daß der Revisionismus die dominierende Macht im Zionismus werden muß. * Zu dieser Meldung bemerken wir: Wenn es sich hier nicht, wie es bei Jabotinsky oft verkommt, nur urn große Worte handelt, Der Minister für auswärtige Angelegenheiten der Tschechoslowakischen Republik und Mitglied des Völkerbundrates Doktor B e n c s c h. der griechische Gesandte in Paris und Delegierte Griechenlands beim Völkerbund Nicolas P o 1 i t i s und der spanische Botschafter in Paris und Delegierte Spaniens beim Völkerbund Salvador« de M a d a r i a g a haben dem Komitee zur Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses, der im Spätsommer 1935 in Genf stattfinden soll, zustimmende Deklarationen zukommen lassen. Die Deklaration Beneachs lautet: ..Mit wirklichem und lebhaftem Interesse habe ich von der Einberufung des J irdischen Weltkongreeses für dieses Jahr in Genf erfahren. Die Fragen, welche Sie behandeln werden, sind von einer ganz besonderen Aktualität und Wichtigkeit und ich kann Ihnen versichern, daß die Tschechoslowakei welche die Geschichte gelehrt hat, was es für ein Volk bedeutet, die politische Freiheit zu verlieren, mit Sympathie die Anstrengungen betrachten, die Sie unternehmen, um den Juden die Stelle und Situation in der Welt zu sichern, die ihnen, entsprechend den Prinzipien der Humanität und im Sinne der demokratischen Idee, zukommen. Es hat mich auch interessiert zu hören, daß der Kongreß so organisiert wird, daß er der Lage sein wird, der Interpret der Gefühle der jüdischen Massen zu sein und die Autorisation zu beanspruchen, als Repräsentanz ihrer Interessen zu sprechen.“ Das Schreiben des Gesandten Nicolas Politis lautet in der Übertragung: „Es ist ein alarmierendes Z chen für die gegenwärtige schwere Krise, daß das Weltjudenfcum die Notwendigkeit fühlt, sich zum Schutze der jüdischen Rechte und zum Zwecke ihrer geistigen und moralischen Zusammenarbeit zu organisieren. Aber die« gibt auch zu hoffen, daß das Elend, an welchem die Welt leidet, nicht unheilbar ist. Die Reaktion, die durch die Mißachtung der großen Ideen von Gerechtigkeit und Freiheit hervorgerufen wird, beweist, daß die Kraft dieser Ideen noch bei weitem nicht erschöpft ist. Dem Jüdischen Weltkongreß, der für ihre Wioderherstellun, kämpft, gilt infolgedessen die Sympathie eines jeden zivilisierten Menschen.“ Botschafter de Madariaga schreibt: „Die Iberische Halbinsel, Heimat des Maimonides und des Ihn Gabi roh das Land, das Spinoza hervorbrachte, ist für das jüdische Volk eine zweite Heimat. Auf der Iberischen Halbinsel hat die jüdische Nation ihre zweite Glanzperiode gehabt, fast ebenso groß wie die der biblischen Epoche. Es fehlt daher einem Spanier nicht an Argumenten für die produktive Macht des jüdischen Volkes. Als Spanier wünsche ich dem Jüdischen Weltkongreß den besten Erfolg,“ Das Minoritätcnproblcm in Rumänien Von Dr. Manfred Reifer, gewesener A bgeordneter der rumänischen Kammer ANLEIHE Man hat über die Lage der Minderheiten in Rumänien in der letzten Zeit wenig gesprochen und noch weniger geschrieben. Die Welt, vornehmlich die jüdische, war mit so schwerwiegenden Problemen, mit so brennenden Fragen beschäftigt, daß sie an das Eldorado der Juden in Rumänien vergaß. Und doch soll dies „Bei-Seite-liegenlassen“ nicht zu einer beständigen Einrichtung werden. Die Juden Rumäniens bilden nach Polen das stärkste jüdische Zentrum Europas und es ist nur recht und billig, die jüdische Welt über ihr Schicksal von Zeit zu Zeit zu informieren: Rumänien hat bei einer Gesamtbevölkorung von 18 Millionen 4 Millionen Minderheiten, diie sich in bezug auf die Bevölkerungszahl auf Magyaren, Juden (zirka 1 Million), Deutsche, Urkrainer, Bulgaren, Türken, Serben und Russen verteilen. Mit diesen Minderheiten gehen die Juden in bezug auf die Ausnahmssteilung ganz konform und haben Überdieb noch ein Plus: Judentum. Mit anderen Worten: Sie nießen“ alle „privilegierten“ Rechte einer Minderheit und überdies noch die „Sonderstellung“ als Juden. Die allgemeine Tendenz ging dahin, die Minderheiten aus den öffentlichen Ämtern zu entfernen. Zu diesem Zwecke wurden Prüfungen aus der rumänischen Sprache, Geographie und Geschichte Rumäniens (Vaterlandskunde) oingeführt und*es marschierten zunächst die Lehrer, dann die Eisenbahner, dann die Postbeamten, die Mag ist rat«- beamten auf und unterzogen sich den Prüfungen. Und das Schicksal wallte es, daß diese Mindcrheitler mm großen Teile die Examina bestanden haben. Dadurch wurde doch das Ziel nicht erreicht: Entfernung der Miirioritätler aus den Staatsämtern, und! man beschloß neuerliche Prüfungen, In- | spektionen. Und siehe da, der Erfolg blieb nicht aus: Viele Minoritätler zogen es vor, in Peneion zu gehen, andere wieder stellten sich neuerlich zum Examen und warten ungeduldig und voller Sorgen auf das Prüflings resultat. Angesicht dieser Maßnahmen könnte man glauben, daß die Ämter von Minderheiten überflutet sind. Nichts Ist falscher als diese Annahme. In den einzelnen Ämtern sitzen noch die letzten aussterbendes Epigonengeschlecht. Neue Beamten aus den Reihen der Minderheiten wurden seit der Begründung Groß-Rumäniens nicht engagiert. Ein spezielles Kapitel bildet die Erlangung der Offizierscharge für die Juden. Der Weg zum Reserveoffizier ist für den jüdischen Einjahrig- Freiwilligen verrammelt, wiewohl an der jüdischen Loyalität nicht zu zweifeln iet. Mit dieser Situation der Juden in den öffentlichen Ämtern hat man sich so gut wie abgefunden. Es hilft kein Protestieren und kein Appellieren an das Gerechtigkeitsgefühl des rumänischen Volkes. Und schon gar nicht in unseren Tagen 1 Das wissen die Juden Rumäniens und darum hoben sie sich niemals an ein auswärtiges Forum gewandt, wenn es galt, ihre Rechte zu verteidigen. Als loyale Staatsbürger kämpfen sie um ihre Gleichberechtigung auf gesetzlichem Wege, im Rahmen der rumänischen Gemeinschaft. Leider ohne Erfolg! Von ihren nationalen Postulaten wurde &o gut wie keines erfüllt. Man wurde des Kampfes müde und man fügte sich ins Unvermeidliche. Und mm kommt etwa» ganz Neues: Man greift in die Privatämtor ein. Das Gesetz über die Verwendung des rumänischen und fremden Personals in den Wirtschaftsunternehmungen vom Juli 1934 spricht von „fremdem“ und „rumänischem“ Personal. Das goht also ganz in Ordnung. Nun wurden Verzeichnisse über das in Verwendung stehende Personal in den Privatbetrieben von den zuständigen Behörden abverlangt und gemäß dem Ministerratsbesohluß vom 21. Jänner 1935 drei Kategorien festgestellt: 1. Staatsbürger, 2. Volk (ethnische Zugehörigkeit) und 3. Ausländer. Diese Einteilung der Staatsbürger widerspricht der Verfassung, welche allen Bürgern ohne Unter* schied der Sprache, Religion die Gleichberechtigung garantiert. Wenn die Juden schon in den öffentlichen Ämtorn verschlossene Türen finden, so darf man ihnen doch nicht auch Schwierigkeiten in den Privatbetrieben bereiten. Es ist wahr, daß unter der rumänischen Intelligenz Not herrscht, allein diese auf Kosten der Juden zu beheben, dae würde eine Rechtlosigkeit sondergleichen dar- „ALLRADIO“ Ing. Nissim Anavi David Lehrer Wien, lKarmelfterplaCz 1 (Coke Tnborstralle) — Toi. A 44*207 Radio, Gtammophon, Eie kfto material, » AN A V.« 0a u erb and Öfen 1 auseß Kleine lellxaQtungen Problem lösen. Die Juden haben der rumänischem Intelligenz die Stellen nicht woggenommen, vielmehr durch Gründung vieier Privatbetriebe solche verschafft. Das weiß die Regierung nur zu gut, allein sie opfert nicht ungern die Rechte der Minderheiten auf dem Altäre der stürmenden chauvinistischen Jugend. Das ist ja die alte Schule der herrechenden liberalen Partei. Um so erfreulicher stimmt der Beschluß der Nationalen Bauernpartei (nationalzaranistisclie Partei) unter Führung Mihalaches bezüglich der Stellungnahme zu den Minderheiten. Es muß hervorgehoben worden, daß diese Partei die stärkste in Rumäuieu ist und sich auf die Bauernmassen stützt. In diesen Beschlüssen der obersten Parteileitung heißt es: „Der Geist der Demokratie diktiert uns die Respektierung der Sprache aller Minderheiten Rumäniens. Die Partei hält am Prinzip der Rechtsgleichheit und der Gleichheit aller politischen Rechte aller Bürger ohne Unterschied der Religion und Nach Palästina zu Purim, MnMiüß und zu Pessuch durch Reisebüro COMP ASS - TOURS IX., Spitalgasse 3 Tel. B 42-5 88. Nationalität fest. Die Partei betrachtet OS als ihre Pflicht, den Minderheiten die Frei-* heit ihres Kultes und der Schule gemäß den Bestimmungen der Minderheitereehte zu garantieren.“ Wenn auch in diesen Erklärungen nicht speziell die jüdische Minderheit gemeint ist, so haben dieselben angesichts der Behandlung der Minderheiten in den anderen Ländern eine besondere Bedeutung. Dies um so mehr, als es sich doch um die regierende Partei von morgen handelt. Das ißt doch ein Lichtstrahl in dieser für die Juden so finsteren Zeit. * Vaida-Voevods Forderungen Auf der Tagung des Wirtschaftsausschusses der Permanenten Delegation der nationalzaran Mischen Partei (Nationale Bauernpartei) forderte der siebenbürgische Führer dieser Partei, der frühere Ministerpräsident Yaida-Voevod, die Aufnahme einer Bestimmung ln das Parteiprogramm, welche den Numerus clausus für Juden im Unterriohtswesen und in der Industrie vorsieht. Der Antrag wird im Plenum zur Diskussion gestellt werden. Der Rat der nationalzaranistischen Partei (Nationale Bauernpartei) bat mit großer Mehrheit den von Vajda Voevod gestellten Antrag abgelehnt. Die Parteiführer M a n I u und Mihalache, sowie andere Parteimitglieder nahmen entschieden gegen den Antrag Stellung und erklärten, eine Annahme dieses Antrages würde der Nationalen Bauernpartei, die in den Reiben der Juden und der Minderheiten größere Sympathien genießt als die anderen Parteien, sehr schaden. Überreste aus der alten Zeit, ein von «selbst stellen. Damit wird man auch nicht das EHRENERKLÄRUNG Eiidpsgofertigter, Emanuel Lipschltz, Weinhändler in Mattersburg, erklüte hiemit. daß ich Herrn Ignatz Figdor, Weinproduzent und Weinhändler in Großhöfleln, üuraenland, unschidriig verdächtigt habe, indem ich aussF»rengte, daß sein pi """nys Kosclierwein nessach ist. Diese meine Behauptung ist aher unwahr, weshalb ich dieselbe vor dem Herrn Oberrabbiner in Muttersburg mit Bedauern '/urlickaezogen hahe. Ich bkto Herrn Ignatz l' igdor um Entschuldigung, lanko il m. daß er die trogen mich cntatiete "•trafan/iicre zurückgezogen hat und verpflichte mich, die onlstnndenen Anwaltskosten per 8 63.— zu bezahlen. Ich gehe meine Zustimmung, daß diese Erkläiung auf meine Kosten in den Zeiten on Jüdische Pre Re“ und „Die Stimme“ einmal veröffentlicht werdo. Mattersburg. den 28. I. 1935. Emanuel Llpichltx e. h. Ueslcitige hiemit, daß Hart JJpxchitz obige Erklärung vot mir abgegeben hat. Sa tum Ql Ehrenfeld e. Ii. Oberrnbbiuor in Mattersburg