Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 424 (8.2.1935)
- Date
- 1935-02-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frei« dieser Nummer 20 g V. b. b. Freitag-Ausgabe Die großen, vorzüglichen Salonscbiffe „Galllca", „Palästina“ und „Gerusalerame“ der direkten Eillinie TRIEST-JAFFA des LLOVD TRIESTINO JÜDISCHE ZEITUNG verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag der ausgezeichn ' “ ■ - bloß zirka ö. S 2i — — .—n Freitag / Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich - / Auskünfte : Lloyd Triestino, I., Kärntnerring 6 Nr« 424 | Wien, 8» Februar 1935 I Redaktion und Administration: Wien, I., Marc-Aurel-StraBe 6. Tel.: U 22-3-91. .ledaktionaechluß Montag und Mittwoch vorm. J^^C5^Ada^5695^^^fit|Jahrgaiig 'Jüdische Vertretung in der türkischen Kammer London, 5. Februar (2. T. A.) „Daily Telegraph“ berichtet aus A nk a r a, daß der Chef der türkischen Regierung, Kemal Pascha, angeordnet hat, daß iim künftigen türkischen Parlament einige Sitze auch für den jüdischen Bevölkerungsteil reserviert werden sollen. Es wird dies der erste Fall in der neuen Türkei sein, daß die Juden eine Vertretung fn der Kammer erhalten. Henry Inch verurteilt London, 5. Februar (2. T. A.) Der Präsident des Board of Deputies, Neville L a s k i, teilt mit, er habe aus Johannesburg die Nachricht erhalten, daß Henry Inch, ein „Schüler“ Julius Streichers, einer der Angeklagten im südafrikanischen Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion“, zu sechs Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Gegen die Ausbürgerung von AchbHeir und Yevin i Paris, 4. Februar (2. T. A.) Das Zentralkomitee der Union der Zionlsten-Revisionisten ersuchte in einem Schreiben dein High Commiissioner für Palästina, Sir Arthur Wa-uchope, eine Abordnung der Union in der Angelegenheit der Ausbürgerung von A c h i - M e i r und Doktor Yevin zu empfangen. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, wurde auch dem früheren Administrator der revisionistischen Zeitschrift „Ohasith Haarn“, Dr. Joschua Lichter, der ebenfalls im Prozeß gegen Brith Hahirjonim verurteilt worden war, vom Einwanderungsdepartement der Regierung mitgeteilt, daß ein Verfahren eingeleitet wurde mit dem Ziele, ihm die Bürgerrechte abzusprechen, und daß ihm zur Einreichung einer begründeten Berufung eine einmonatige Frist gestellt wird. Achi-Meir selbst hat ein zweites Schreiben vom Einwanderungsdepartement erhalten, in welchem einige Irrtiimer im ersten Schreibe® richtig-gestellt werden und ihm neuerdings bedeutet wird, daß, wenn binnen einem Monat seine Berufung gegen die eingeleitete Ausbürgerung nicht erfolgt, die Ausbürgerung in Kraft tritt. . Auf Initiative von Rabbi U s i e 1, Ben-Zion K a t z und S u p r a s k i fand eine Beratung von Persönlichkeiten des Jischuw statt, in der beschlossen wurde, den Waad Leumi aufzufordern, gemeinsam mit den Verwaltungen der jüdischen Städte und Kolonien eine Aktion gegen die Absicht der Palästina-Administration, Achi-Meir, Yevin und Lichter auszubürgern, durchzuführen, da die Ausbürgeningsmaßnahmon der Administration eine große politische Gefahr für den Jischuw bedeuten. Katholiken, Nationalsozialisten und Juden In dem kürzlich bereits erwähnten Hochverratsprozeß gegen den Nationalsozialisten B 1 a s c h k e hat sich eine bemerkenswerte Szene abgespielt. Eine Zeugin, die in dem Büro des Angeklagten beschäftigt gewesen war, sagte über ihre Wahrnehmungen aus. Der Verteidiger zog sie ins Kreuzverhör, aus dem das folgende hier mitgeteilt sei: V e r t. (zur Zeugin): Sie behaupten, schon ein halbes Jahr vor dem Putsch von einem derartigen Unternehmen gehört zu haben, woher? — Zeugin: Von verschiedenen Seiten. — V e r t.: Das ist keine Antwort. Es ist leicht, einen Menschen des Hochverrates zu beschuldigen, der mit lebenslanger Kerkerstrafe bedroht ist... Sie machen ja hier auf einen Herrn des Gerichtshofes sogar einen vertrauensvollen Eindruck, aber Sie müssen uns doch genauer sagen, woher Sie das wissen. — Zeugin: Das Fräulein Baierle hat schon im Herbst eine Menge von jüdischen Firmen wegen des Boykotts heraus ge-' schrieben. — V e r t. (ironisch): Und daraus schließen Sie, daß von einem Putsch die Rede war? Das soll den geplanten Putsch auf das Bundeskanzleramt bedeuten? (Heiterkeit im Zuhörerraum.) — Zeugin: Das deutete doch auf eine lange Tätigkeit bin. — V e r t.; Uns interessiert hier nicht ein antisemitischer Boykott, sondern der Überfall auf das Bundeskanzleramt. — Verhandlungsleiter (unterbrechend): Vielleicht interessiert mich sogar auch ein jüdischer Boykott, weil man daraus gewisse Schlüsse ziehen kann. Hier wird also der klare Beweis geführt, daß die antljüdisohe Boykottagitation ein Vorläufer der Ereignisse vom 25. Juli gewesen ist, an welchem Tage der Bundeskanzler Dr. Dollfuß ermordet wurde. Die Aufstachelung der Haßinstinkte gegen die .das Beispiel des Dritten Reiches, wo durch Terror und Demütigung der jüdische Konkurrent aus dem Wege geräumt werden konnte, wurde in Österreich als der Beginn des großen Reformwerken angepriesen, das dann später, wenn der Anschluß gewaltsam erreicht war, mit der vollen Macht der Staatsorganiisaition über den jüdischen Bereich hinaus vollendet werden sollte. Die Zeugin hat unbewußt das Richtige gefühlt, der Vorsitzende des Gerichtshofes hat erkannt, daß aus dem antijüdisohen Boykott ,.gewisse Schlüsse“ z>u ziehen wären. Diese Schlüsse a-uf den direkten Zusammenhang zwischen Judenhetze und Putsch lassen sich auch jetzt wieder ziehen. Der Ausgang der Saar-Abstimmung hat die Annexionsgelüste wieder angefacht und sie zeigen sich zunächst in der Form des Boykotts, in der mit neuem Elan erhobenen Forderung nach Numerus clausus in de® freien Berufen; — dann aber nl einem unterirdisch mit illegalen Flugzetteln und Zeitungen geführten Kampf gegen die katholische Kirche, der allerdings einstweilen noch sehr, vorsichtig betrieben wird, weil die schweren internationalen Verhandlungen die volle Intensität noch nicht gestatten. Wenn Deutschland den Nichteinmischungspakt unterschrieben haben wird, dann wird man’s anders lesen. Der Nationalsozialismus betrachtet die römisch-katholische Kirche als Verwandten und Erben des Judentums und belegt sie deshalb mit seinem vollen Haß; er verwirft sie wegen ihrer auf der jüdischen Bibel sich aufbauenden Auffassung von Gott und Welt und er hat Christus einfach zuin Juden war ein notwendiger Bestandteil der j Arier abgestempelt, um so einen Gegensatz Agitation zur Gleichschaltung Österreichs; | herzustellen, für den jede Grundlage fehlt, INSTALLATIONEN ELEKTRISCHE KRAFT-, MODERNE BELEUCHTUNGS- UND RADIO¬ ANLAGEN/ELEKTR.HAUSHAL- TUNGSGERÄTE/LUSTER/RADIO Fachmännische Beratung kostenlos Paul Heller, l.f Lichtensteg 1 Tel. U 21-9-12 Unwetter-Katastrophe in Palästina Jerusalem, 5. Februar. (2.. T. A.) I drei Personen den Ertrinkungstod gefunden. Seit einigen Tagen wütet wiederum ein I Die Moscheen und die Seifenfabrik wurden verheerender Sturm im palästinensischen (zerstört. Bei Tulkarem sind 13 Araber er- Küstengebiet. Die Eisenbahnstrecke und die Landstraße zwischen Haifa, Jaffa—Tel-Aviv und Jerusalem wurden streckenweise stark beschädigt, daß augenblicklich der Verkehr zwischen Nord- und Südpalästina unterbrochen ist. Auch in anderen Gegenden Palästinas haben Sturm und Regen viel Schaden angerichtet. In der Gegend von Emek-Chefer und Nathania wurden drei Araber und sechs Stück Vieh von den Fluten fortgerissen, die Leichen der drei Araber wurden im Alexander-Teich gefunden. In Benjamina hat der Sturm in den Orangenplantagen viel Schaden angerichtet. -J In Nahlus, wo 20 Häuser durch die Wassermassen zerstört worden sind, haben ACHTUNG HAUSBESITZER! Eure Häuserverwaltungen, Geldbeschaffungen unc* Reparaturkredite kulantest nur durch das behtfrcflich konzessionierte Realitäten-, Hypotheken- und Verwaltungsbüro Tel. A 48-9-22 Sensal R. TAUBMANN Wien, II., Nordpolstraße 2/3 trunken. Durch die drei Tage anhaltenden Wolkenbrüche ist die Sarona-Ebene vollständig überschwemmt. Insbesondere sind die deutschen Kolonien in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Häuser wurden abgedeckt und die Dachziegel vom Sturm kilometerweit geschleudert. Die Bergströme führen sämtlich Hochwasser, das zum Teil bis zu fünf Meter gestiegen ist. Sie reißen in ihren Fluten Leichen von Menschen und Tieren zu Tal. Auch der Jordan ist über die Ufer getreten. Die Zahl der Todesopfer soll 22 betragen. zumal die im Neuen Testament niedergelegten Reden und Aussprüche Christi vielfach auf der Anschauung der Propheten fußen. Es ist verwunderlich, daß den führenden katholischen Persönlichkeiten diese kausale Verbindung zwischen dem nationalsozialistischen Judenhaß und der Fehde wider Romnicht klar geworden ißt, und daß sie die beiden Vorgänge als getrennte Erscheinungen ansehen. Nur aus dieser Erkenntnislücke ist es zu erklären, daß sich selbst katholisch-kirchliche Verbände das Boykottschlagwort zu eigen machen und der Pfeife des Rattenfängers folgen. Während ßie einerseits daran festhalten, daß das Christentum sich im Verfolg der jüdischen Linie an das Geistig- Seelische wendet, akzeptieren sie anderseits in Bezug auf die Juden den Appell des Nationalsozialismus an. Instinkt und Trieb und ahnen. nicht, wie. sehr sie sich’ damit selbst verneinen, wie sehr sie damit den Widerstand ihrer Glaubensgenossen im Dritten Reith erschweren. In dem politisch-geistigen Kampf, den die katholische Kirche führen muß, ist die Antithese zwischen Idee und Opportunismus in Österreich überstark und das Kompromiß wird einstweilen auf dem Feld des Antisemitismus gesucht und gefunden. Es ist gut, daß doch langsam die wahre Erkenntnis durchdringt. In einem Gespräch mit dem Wiener Vertreter der Lemberger „Chwila“ hat Minister Ludwig, der Chef des österreichischen Bundespressed;Allstes, indem er ant-ijüdische Tendenzen der Regierung scharf dementiert, gesagt, es werde in Österreich nicht geduldet werden, daß der Wind aus dem Nachbarstaat hier Erfolg hat. Der Minister, der als christlichsozialer Journalist seine öffentliche Laufbahn begonnen hat, äußerte auch: „Man haßt die Juden, weil man sie nicht kennt.“.’ Das ist ein kluges Wort, dem man weiteste Verbreitung wünschen möchte. Und man möchte auch wünschen, daß in Österreich diejenigen schärfer angefaßt werden, die aus diesem Nichtkennen Kapital schlagen und vom Judenboykott her den Staat unterwiihlcn, Unruhe und Arbeitslosigkeit vermehren und die Aufmerksamkeit des Auslandes erregen. ,,Österreich“, so heißt es wörtlich in einem Aufsatz in der „Wiener Zeitung“, „Österreich, das ist die breite Basis, auf der Arbeiter, Bauern und Bürger sich zusammenfinden müssen. Eine Basis, aufderWeltanschauu n g, Ra ssc und Religion f*ww ANTHRAZIT KOHLE BASCH BESTE QUALITÄTEN ARGENTINIERSTRASSE 22 II IR I TEL SERIE (I 9Jm9 tU