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Die Stimme · 1935-02-05 · Heft 423 (5.2.1935) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 423 (5.2.1935)
Date
1935-02-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Dil STIMMI Nr. 428 — 5. Februar 1988 AUS DEM DRITTEN REICH Max Naumann, der Führer Iu der Prager Preise“ schildert ein Mitarbeiter den Verlauf einer Berliner Versammlung national deutscher Juden unter M a x Naunian n, der er beizuwohnan Gelegenheit hatte. Wir betraten, berichtet der Korrespondent, einen bereits voll besetzten Saal. Es war ein bunt gemischtes Publikum, Frauen und Männer in jedem Lebensalter waren zugegen. In den Knopflöchern der alten Herren prangten die Ordensbänder der alten Armee. Hinter dem Rednerpult sab man die untersetzte Gestalt M a x Na umanne, von seinen Anhängern nach berühmtem Vorbild „der Führer“ genannt. Er feierte den Saareieg und sagte: „Wir haben an den Führer und Reichskanzler ein Telegramm gerichtet, in welchem wir namens der deutsch fühlenden Juden unsere Genugtuung und Begeisterung über den Saarsieg zum Ausdruck brachten.“ (Stürmischer Beifall.) Dann folgte das Hauptreferai des Abends über das Thema: „Gibt es ein Weltjudentum?“ Naumann unterscheidet zwischen „Dentschjuden“ und „Fremdjuden“ und führte aus, die Zionisten und „W e 11 j u d e n“ seien „viel gefährlichere Gegner“ als die deutschen Feinde des Judentums. „Den Juden“, sagte er, „ist a.uf die Füße getreten worden, vielfach mit Recht, aber es kann auch einmal mit Unrecht geschehen sein, aber meist mit Rech t.“ Naumann sprach noch von „vierzehn Jahren Traditionslosigkeit und marxistischer Schmach“ und schloß mit einem Gelöbnis zum heutigen Deutschland. Der Korrespondent schließt: „Trotz des grotesken Anblickes, den die Versammlung bot, waren wir doch erschüttert von der Tragik dieser kleinen Gruppe, die in ihrem Streben, .echt1 deutsch zu sein, alle Kleinlichkeiten des Ghettojuden enthüllt.“ Die Ausbürgerungen über die letzten Ausbürgerungen in Berlin, von denen 323 Personen — wie das Deutsche Nachrichtenbüro bemerkt: hauptsächlich Ostjuden — betroffen wurden und unter denen sich mehrere hervorragende Filmkünstler und Gelehrte sowie eine auffallend große Zahl von Ärzten befinden, schreibteine informierte Persönlichkeit dem „Pariser Tagblatt“ unter anderem: Die Nachprüfung der Naturalisation geschieht in Deutschland jetzt ganz systematisch. Diese Aktion gegen die in späterem Lebensalter Eingebürgerten ist ja eine der Großtaten' der Nationalsozialisten, die sie bereits als einen ihrer Programmpunkte lange vor ihrer Machtergreifung ankündigten. Sie haben von ihren Versprechungen nicht allzuviel gehalten. Nur den Rassenantisemitismus führen eie mit allen Konsequenzen durch. In der nationalsozialistischen Agitation ist nun immer Kinoprogramme der Woche KREUZ-KINO tfreS-S Vom 5. bla 8. Februar 1935 Urau fUhiung; Der lange Schatten mit William Poweil Beginn: 4, 8/t6< 0,8. */*10 Uhr Heimat-Kino e lephxf A°l & Ö-76*9 Vom 5. bis 8. Februar 1935 Urauf Uhrungi Bosniaken Wochentag: 5, 7, 9 Uhr, Sonn u. Feiert, ab 8 Ubi UotiupurH-Kmo lXTelepflo!rgAr 18-? Vom 5. bis 8. Februar 1935 BOLERO mit George Raft (in deutscher Sprache) JigUcb: 4, VA VA V40 Dbr behauptet worden, die Weimarer Republik habe in der Hauptsache Ostjuden eingebürgert. Besonders sind derartige „Vorwürfe“ gegen die preußische Regierung für die letzten Jahre der preußischen Parlamentswirtschaft erhoben worden. Ich bin nun im Besitz der amtlichen Ziffern für die Jahre 1927 bis 1929. In diesen Jahren sind in Preußen insgesamt 30.870 Personen eingebürgert worden, darunter befanden sich 3850 Juden. Die ganz überwiegende Zahl der Einbürgerungen umfaßte also — und das Verhältnis ist in der ganzen Weimarer Zeit gleich gewesen — deutschbltitige Persönlichkeiten aus dem Auslande, darunter teilweise eine besonders große Zahl von Deutsch-Balten, besonders von baltischen Baronen. Streicher der Erzieher „Basler N&tionalzeifcung“ führt ans, daß die neueste Nummer des „Stürmer“, de.r gewöhnlich in einer Auflage von 150.000 erscheint, eine einzige Aufforderung zu Judenpogromen ist. Wieder wird von der ersten bi« zur letzten Seite und bis aaif intime Details von Attentaten jüdischer Schänder auf „blonde“ Mädchen“ landauf, landab erzählt, als ob sich die Juden, aus Rache für die nationalsozialistischen Judengesetze, in den Kopf gesetzt hätten, das ganze deutsche Volk zu lxastardisieren. Und viele Leser glauben das. „Jud Leopold, der Kinderschänder von Weimar“, ..Massenschändung in KöId“, „Raissensehande in der Meistersingerstadt“, auch einen ganz massiven an ti jüdischen Sch ul - aufsat.z aus Gelsenkirchen druckt der „Stürmer4 ab. „Wie wir, so werden auch die .Stürm er‘-Leser sich über das freuen, was die kleine Erna in ihrem Schulaufsatz zu sagen hat. .Lieber Stürmer!1, so fängt der Aufsatz an. .Gauleiter Streicher hat uns so viel von den Juden erzählt, daß wir sie ganz gehörig hassen. Wir haben i n der Schule einen Aufsatz geschrieben unter dem Titel: Die Juden sind unser Unglück. Ich möchte bitten, meinen Aufsatz in Abdruck zu bringen.1 “ Daraus nur ein Zitat: „Schon am Hofe Karls des Franken regierten Juden, deshalb wurde das römische Reich eingeführt... dae römische Gesetz ist ein jüdisches Händlergesetz ... In Gelsenkircben bat der Jude Grlinberg Aas a.n uns verkauft... Wir standen am Rande des Grabes, da kam Adolf Hitler ...“ Ein deutscher Sohulaufsatz, abgedruckt im „Stürmer“, dessen Herausgeber einer der Führer des Dritten Reiches ist! und Arzt des deutschen Volkes Neben dom „Stürmer“ gibt Streicher, wie «chon gemeldet, a.ueh die Zeitschrift „Deutsche Volksgesundheit“ heraus, in der er für die Naturheilkunde wirbt. Er selbst erklärt in seinem Manifest: „Ich begebe mich heute in die Front derer, die um die Rückkehr zu einer naturgemäßen Heilweise kämpfen. Wenn ich dies tue, daun folge ich einem inneren Ruf und dem daraus sich ergebenden Muß. Wer sich Juden zum Kampfe stellt, kämpft gegen den Teufel... Ich habe die viehische Brutalität der jüdischen Clique genügsam erlebt. Sie hat mich aber nicht mürbe gemacht. Wir werden uns auch nicht beugen vor der heimlichen Macht gewisser Judenknechte im Dritten Reich. Wir werden siegen, weil sie uns hassen.“ Palästinafilm von Dr. Philipp Rezek „Palästina, Oktober 1935" Zionistische Bezirkssektion I. Cafe Altes Rathaus, I., Wipplingerstr. 24 Donnerstag, 7. Februar 1935, y,7 und y,9 Uhr abends. Karten be' den Ausschussmitgliedern und an der Abendkassa erhBltlich Die tschechischen Faschisten Das Organ der tschechischen Legionäre „Närodni Osvobozeni“ schreibt: Niemand bei uns hat jemals in einer größeren geistigen Sklaverei pangermanischen Deutschtums gelebt, als unsere faschistischen und halbfaechietischen Überpat r i o t e n. Ihre Zeitschriften wimmeln von Geistesgut, das aus Broschüren pangermanischer Rassentheoretiker entlehnt ist. Die Faschistengemeinde propagiert eine arische Front ale getreue Kopie des antisemtischen Regimes im Norden. Diese Leute sehen nur Berlin und Wien und ihre Auffassung vom Nationalismus, Nation und Staat ist typisch deutsch. Das Gedankengut der nichtdeutschen Welt ist ihnen vollkommen fremd. Trotzdem behaupten sie, den tschechischen Nationalgedanken in Reinkultur zu vertreten. Die jüdische Palästina"Arbeit als Vorbild Bombay, 1. Februar. (2. T. A.) Der indische Arbeiterführer B. Shiva R a e, der als Arbeiterdelegierter der indischen Round Table-Konfercnz in London beiwohnte, berichtete auf der in P a t n a tagenden Indischen Wirtschaft skonferenz über die jüdische Arbeit in Palästina, die er während seines kürzliohen Palästina-Besuches kennenzulernen Gelegenheit hatte, und «teilte diese Arbeit, als den Ausdruck des jüdischen Genius, als beispielgebend hin. Hier, sagte Rae, wurden die Schwierigkeiten des dürftigen Boden« und des Wassermangels überwunden, ein dürres Land wurde in einen Obstgarten verwandelt. Es würde «ich für Indien sehr lohnen, sich die Methoden der jüdischen Siedler in Palästina zu eigen zu machen. Geheime Terrororganisation in Argentinien Buenos Aires, 31. Jänner. (I. T. A.) Die Leitung der Polizei in Buenos Aires teilt mit, sie habe endlich die Spuren einer weitverzweigten geheimen Nazi-Terrororganisation entdeckt, die Abteilungen in allen Landeszentren unterhält und als ihre Hauptaufgabe die Terrorisierung der jüdischen Bevölkerung betrachtet. Es wurde festgeetellt, daß die in letzter Zeit auf Synagogen verschiedener argentinischer Städte verübten Attentate von Mitgliedern dieser Organisation im Auftrag ihrer Führer vollzogen wurden. An der Spitze der Organisation stehen Reichsdeutsche und Auelanddeutsche. Die Polizei hat zahlreiche Verhaftungen vorgenomrnen. Die Verhafteten gestanden, von einer ausländischen Bank finanziert worden zu sein. Die Aufdeckung der Terrororganisation erfolgte anläßlich der Verhinderung eines Versuches, ein dicht besetztes Theater, in dem ein Anti-Nazi-Stück aufgeführt wurde, niederzubrennen. Jüdische Mittelmeerschiff• fahrt schlägt griechische Konkurrenz Die Entwicklung der jüdischen Schiffahrt im Mittelländischen Meer wird von der griechischen Presse mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, wobei mitunter die Befürchtung zum Ausdruck gebracht wird, daß Griechenland unter dieser Entwicklung infolge Zurückdrängung seiner eigenen für seine Wirtschaft ungemein wichtigen Mittelmeerschiffahrt geschädigt werden könnte. So hat zum Beispiel die große Athener Tageszeitung „T y p o s“ einen Leitartikel veröffentlicht, in dem sie darüber Klage führt, daß die jüdische Seeschiffahrt dank ihrer außerordentlichen Initiative im Begriffe stehe, den Verkehr im Mittelländischen Meer zu monopolisieren. Die interessierten Kreise Griechenlands und die griechische Regierung werden aufgefordert, angesichts der neuen Lage wachsam zu sein und die notwendigen Schritte zum Schutz der griechischen Interessen zu tun. „Typos“ berichtet in diesem Zusammenhang, daß folgende durch jüdische Initiative geschaffene Gesellschaften bereits tätig sind: Der Palestine Lloyd mit den Schiffen „Mount Carmel“ und „Mount Zion“, der die Linie Konstanza—Rhodos—Palästina—Alexandrien betreibt; eine andere Gesellschaft mit dem Sitz in Haifa bediene die Linie P a 1 ä s t i n a—Äg y p t e n—S y r i e n$ eine dritte Gesellschaft, die 800-Tonnen-Motorboote für Fluß- und Seeschiffahrt besitzt, habe den direkten Dienst B u d a p e s t—i Piräus—Haifa aufgenoramen; ferner wird behauptet, daß die Reederei Arnold Bernstein von der Red Star Line die 16.000 - Tonnen - Dampfer „Finnland“ und „Westerland“ für eine Linie New Y o r k— Palästina gekauft habe; scbließlicb stehe eine andere jüdische Gruppe in Unterhandlungen betreffend den Ankauf von Schiffen für eine Linie Haifa—Jaffa—Saloniki und eine Linie Haifa—Jaffa—Genua—Marseille. Ila gegen Palcor Zu den vielen innarzionnstischen Streitigkeiten kommt nun noch ein Krieg zwischen der Jüdischen Telegraphenagentur (Ita) und Palästina-Korrespondenz (Palcor). Wir hatten schon kürzlich, noch ehe uns diese Differenzen bekannt waren, Anlaß gehabt, darauf hinzuweisen, daß die Palcor, eine offiziöse Korrespondenz der Exekutive in Jerusalem, immer dann mit behaglicher Breite zu berichten weiß, wenn es sich um Unannehmlichkeiten und Differenzen bei verschiedenen Parteien, ausgenommen natürlich der herrschenden Partei, handelt. Nun haben sowohl die Ita als die Palcor den Weg in die Öffentlichkeit genommen und machen sich gegenseitig Vorwürfe. Wir haben n/ich/t die Absicht, in diesen Streit einzugreifen, behandeln ihn aber trotzdem, ohne etwa für die Ita, bei der ebenfalls verschiedenes auszusetzen ißt, Partei zu ergreifen, weil der Konflikt symptomatisch für die derzeitigen Verhältnisse in der Organisation ist.- Die Ita beklagt sich über die Palcor, weil sie ihr Konkurrenz macht und ihr verschiedene wichtige Nachrichten nicht früher zukommen läßt, bevor sie nicht in der Palcor erschienen sind. Die Ita behauptet weiter, daß die Palcor von den Führern der Hißtadrut-h gegründet wurde, um eine Kontrolle über die aus Palästina kommenden Nachrichten zu üben und die eigene Stellung mittels eines ihren Parteiintereeeen dienenden Propagandadienstes zu festigen. Die Ita verweist mit Recht auf die tatsächlichen Verhältnisse in der Exekutive; sie erklärt, daß sich die Jerusalemer Exekutive vollkommen in den Händen der Hißtadruth befindet, da sich Dr. R u p p i n für politische Fragen nicht interessiert, sondern sich nur seinem Ressort (Kolonisation) widmet; von den Nicbtzioüißten ist Dr. Berkson zurückgebreten, Dr. Hexter nicht anwesend und Doktor Senator fühlt sich der Histadruth zugehörig. Auf die verschiedenen Anwürfe, die sich Ita und Palcor gegenseitig machen, möchten wir nicht eingeh en. Wir erachten es nur für notwendig, daß die nächste Sitzung des Aktionskomitees dazu benützt wird, um «ich genauen Aufschluß über die Tätigkeit der Palcor, die in den Räumen der Exekutive arbeitet, m verschaffen und darauf zu drängen, daß die Berichterstattung der Palcor in objektiver Weite erfolgt und nicht dazu mißbraucht wird, um für eine Partei getarnte Propaganda zu machen. Es ist bemerkenswert, daß in den Aussendungen der Palcor nicht angegeben ist, wer ihr Eigentümer ißt. Man findet nur den Vermerk: „Redaktion der Palcor-Korrcspondenz: G. Agronsky, J. Grawitzki, J. Ivlinoff.“ In diesem Zusammenhang «ei erwähnt, daß es uns aufgefallen ißt, daß die Berichte der einzelnen Departements der Exekutive in Jerusalem den Vermerk tragen: ,,Nicht zur Veröffentlichung“ und daß dann trotzdem die bezüglichen Berichte in ihren wesentlichen Teilen unmittelbar darauf in der Palcor erscheinen. Entweder «ind «also die Berichte vertraulich, dann darf auch die Palcor die Berichte nicht bringen, oder sie. sind nicht vertraulich, dann müssen sie, und zwar gleichzeitig allen jüdischen TelegTapbenagentoiren zur Verfügung gestellt werden. Wir wollen hoffen, daß bei der nächsten A.-C.-Sibzmng in dieser Sache Ordnung gemacht wird, um so mehr als verschiedene Zeitungen bereits zu diesem Streit Stellung nehmen und zum Beispiel die revisionistische Zeitung „H a j a r d e n“ richtig bemerkt, daß das nationale Kapital für die ganze Nation da ist und nicht für eine Partei. „B u 6 tnai“ meint ironisch, daß nun infolge der Tätigkeit deT Palcor nur richtige Nachrichten aus Palästina kommen würden, weil offenbar die Herausgeber dieser Korrespondenz „absolut koschei“ seien. ,,Bustnai“

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