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Die Stimme · 1935-02-05 · Heft 423 (5.2.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 423 (5.2.1935)
Date
1935-02-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Wr. 423 ~ 15. FeTmwr 1036 DI8 «T1MMI Seite 3 Numerus ttullus in der Akademischen Skimeister• schaff Das „Mitteilungsblatt des Amtes für Leibesübungen an den Wiener Ho eh« ob ulen“ veröffentlicht in seinem Jä.nner-Feber-Heft die Bedingungen für die Akademische Ski* meiste re oha,ft von Österreich, die in Kitzbühel im der Zeit vom 22. bis 24. Februar sta ttfi nd et. Das Protektorat, haben die "Rektoren aller österreichischen Hochschulen übernommen. Als teilnahmsberechtigt werden in dem genannten Mitteilungsblatt angeführt: a.) alle Studenten und Studentinnen (1 e u tscher Abstammung und M u 11. o r sprach e, die an einer Hochschule immatrikuliert sind; b) alle Altakactcrniker und Altakadomikcrinnen deutscher Abstammung und Muttersprache. Das heißt also, wenn auch in getarnten Redewendungen, daß Juden vom Wettbewerb in der Akademischen S k i m e i s t e r s c h a f t ausgeschlossen sind. Das ..Amt für Leibesübungen an den Wiener Hochschulen“ ist unsere« Wissens eine halbamtliche oder zumindest eine Institution, die sich des Protektorats der Rektoren erfreut. Wir fragen daher die Unterriohtsverwaltung, was sie zum Ausschluß der jüdischen Hochschüler von der Akademischen Skimeisterscha.ft zu bemerken hat. Nach Polfistlno zu Purim, MUKKUlMundzuPeSMCll durch Reisebüro COMPASS-TOURS IX., Spitalgasse 3 Tel. B 42-5-38. Die Reform der Sozial Versickerung Die österreichische Regnerung hat soeben ,einen Gesetzentwurf betreffend Sozialreform fertiggestellt, der, wie die I. T. A. meldet, unter anderem vorsehen soll, daß sämtliche Verträge mit den Krankcukasscnärzten automatisch erlöschen und daß die Neube- Rohctftigung von Ärzten an den Krankenkassen nach dem Prinzip der Auswahl zu geschehen haben werde. Nachdem bisher in großer Zahl jüdische Ärzte aus staatlichen und städtischen Gesundheitisimstibutionen sowie aus jenen der sozialen Fürsorge entlassen worden sind, würde der neue Gesetzentwurf die Gefahr der Exils tenzvernichtung für etwa tausend jüdische Ärzte her auf beschwören. Man muß bei dieser Frage daran erinnern, daß der Vizekanzler Starhemberg in einem — bisher noch nicht dementierten, beziehungsweise richtiggestellten — Interview im „Neuen Wiener Journal“ angekündigt hatte, das neue Österreich werde eich jene Gesetze schaffen, die für die Wohlfahrt seiner Bevölkerung Voraussetzung sind, die dem Charakter der Bevölkerung entsprechen müssen. Aus dem Gremium der Wiener Kaufmannschaft Wie der Wiener ITA-Vertreter erfährt, ist dem Direktor G o 1 d b e r g der Handelsakademien des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft nahegelegt worden, sein Amt niederzulegen, da auch diese mit dem Schulwesen zusammenhängende Funktion m i t einem Arier besetzt werden soll. Direktor Goldberg erklärte sich auf diese Aufforderung hin bereit-, mit dem Ende des Schuljahres zu rück zu treten. Es wurde ihm jedoch bedeutet, schon mit Semester Schluß sein Amt niederzulegcn, da der Wunsch des Bürgermeisters Schmitz dahin gehe, das gesamte Schulwesen, also auch das Gremium, so rasch wie möglich u n te r ausschließlich katholische Leitung zu bringen. Es wird notwendig sein, daß der Bürgermeister, auf den man sich sooft beruft, solchen Erzählungen seiner Wünsche autoritativ entgegentritt. dieses Wort wahr ist, kam uns gerade in diesen Tagen besonders zum Bewußtsein. Die landschaftlich so großartig gelegene Kolonie G e d e r a h im Süden Palästinas feierte am Chanukkah dieses Jahres, den Tag ihres fünfzigjährigen Bestehens, und was uns aus diesem Anlaß von den Umständen, unter denen neun russische „Bilujim“ diesen Siedlungspunkt errichteten und jahrzehntelang unter unwahrscheinlich klingenden Schwierigkeiten behaupteten, in die Erinnerung zurüokgerufen wurde, ließ uns eine Ahnung aufsteigen von der Leidenskraft dieser Menschen und von der Macht, die sie mit dem neu gewonnenen Boden der alten Heimat verband. Es waren namenlose Helden, die die ersten Pfade neuen Lebens in einer Wüste bahnten. Und wir wissen, daß Gederah nicht die einzige Kolonie ist, die unter solchen Opfern gegründet und gehalten wurde. Jede bisherige Alijah hatte an das Land nicht nur ihren Sohinerzenstribut zu zollen, sondern sie hatte ihn zu leisten im Gefühle einer historischen Verantwortung. In Palästina war noch bis vor wenigen Jahren jeder Jude, der zu irgend einem Tun die Hand ausstreckte, ein Chaluz, und er leistete seine Pioniersteuer auf hundert Arten. Aber die Rechtfertigung ihres Erscheinens auf diesem Boden bewies jede Eimvauderungswelle nicht durch das, was sie auf irgend einem Gebiet vollbrachte, sondern durch die Spuren, die sie in der Landeroberung hinterließ. Die erste Alijah bezeichnete ihren Weg durch Rischon und Petach Tikwah, Rosch-Pinah und Gederah und die ganze Reihe anderer über das Land verstreuter Kolonien; die zweite stellte uns die erste Avantgarde der jungen Chaluziut, schuf uns den Grundtypus des neuen jüdischen Bauern in Erez Israel und schenkte uns den Stützpunkt im E m e k- Ha j ar d e n; sie und die dritte Alijah eroberten den Emek-Jesreel, und sogar die vierte , diese erste, eine zeitlang so verlästerte Massenwelle, kann sich, neben dem großen Antrieb, den sie T e 1- A v i v und der industriellen Entwicklung gab, durch die Belebung des Scharon Junqes. intell. Mädchen sucht Stelle in Büro, Verkauf, oder Nachmittag zu Kindern mit Sehulnacbhilfe und Englisch. Englischunterricht in und außer Haus S 1.— bis S 1.50 pro Stunde unter Telephon A 13-2-54 Deutsche Alijah und Landsiedlung Von unserem Korrespondenten Ch. Haller, Tel-Aviv. Nach einem bekannten talmudischen Wort!genen, den Unterschied erfassen. Selbst noch kann man sich Erez Israel nur durch die letzte, die vierte Alijah vor zehn und Schmerzen erwerben. In welchem Grade neun Jahren, fand von dem, was man ertragsfähiges Wirtschaften nennt, nichts vor. Sic leistete durch Schaffung der industriellen Anfänge und die Hinterlassung einer vermehrten Bevölkerung die verstärkten wirtschaftlichen Grundlagen, deren Früchte erst der fünften Alijah zufallen. Diese in ihrer Auswirkung kaum abzuschätzenden positiven Umstände werden den deutschen Juden sicher nicht nur die Einordnung in der Stadt, sondern auch auf dem Dorfe erleichtern. Ja cs ist anzunehmon, daß der deutsche Jude gerade durch die Verbindung mit dem Bo d e n Erez Israels am schnellsten und sichersten den Rückweg zur nationalen Gemeinschaft finden wird. Der entschlossene Schritt von Berlin zu den jüdische Geschichte atmenden stillen Feldern Schomrons und des Emek wird ihn über manche innere Übergangskämpfe hinwegheben und seine jüdischen Urquellen leichter aufschließen. Die bisherige landwirtschaftliche Tätigkeit der deutschen Olim in den eineinhalb Jahren ist beachtlich. In E n - C h a j und Pardess-Chana haben sie wichtige Zentren deutsch-jüdischer Siedlung geschaffen. Kerkur ist im Begriffe ein weiteres zu werden. Ferner sind die in Bildung begriffenen Punkte auf nationalem Boden anzuführen, wie B e e r - - T u w i a. im Emek Chef er (Wadi-Chavarit), in der Haifa- Bay und auf dem Fedja-Boden bei Petach Tikwah. Es gehört wohl mit zu dem „Glück im Unglück“ der deutschen Alijah, daß der Keren Kajemeth in solchem Ausmaß schnell helfend einzugreifen in der Lage war, wie bisher noch bei keiner Mittelstandseinwanderung. Trotzdem dem Fonds nichts weniger als reiche Bodenreserven zur Verfügung standen, erfüllte er eine entscheidende Aufgabe bei der Einordnung deutscher Olim in Palästina, und besonders bei ihrer Überführung auf das Land. Es wurden an die tausend Einwanderer gleich vom Hafen weg in die Arbeitskwuzoth auf KKL-Boden gebracht. Der Keren Kajemeth sorgte durch zusätzliche Käufe für die Erweiterung des Bodenbesitzes dieser Kwuzoth, um ihre Aufnahmefähigkeit für neue Olim zu vergrößern. Es wurden neue Lager und Chawurot bei den bestehenden Kwuzoth für die deutschen Olim gebildet, außerdem ©nhielten den verschiedenen Kolonien einzelne Arbeiter Bauparzellen für die Errichtung ihrer Wohnstätten. Im zukunftreichen Emek C h e f e r stellte der Keren Kajemeth tausend Dunam Pflanzungsboden für 50 deutsche Siedlungsstellen zur Verfügung, wozu jeder Siedler ein eigenes Siedlerkapital von etwa 1100 Pfund mitbringen muß. Für eine bestimmte Anzahl dieser Siedler kann ein günstiger langfristiger Kredit von ju 300 Pfund beschafft werden. Daß diese Siedlergruppe nicht so schnell Zustandekommen konnte, wie es die günstige Chance rechtfertigen würde, ist mit jenen inneren Hemmungen zu erklären; übrigens eine Erscheinung, die wir auch beim ostjüdischen Mittelstand erlebt haben. Mit 1000 Pfund Eigenkapital glaubt der städtische erbbelastete Mittelständler „es nicht nötig zu haben“, aufs Land zu gehen. Aber die Gruppe wird Zustandekommen. In Beer Tuwia hat sich die Siedlergemeinschaft bereits gebildet und die Errichtung der Kolonie wird im nächsten Frühjahr beginnen. Ebenso ist die Gruppe der Hilfswirtschafts- Siedlung „M a i m o n i a“ bei Petach-Tikwah schon beisammen. Im Emek Sewulun (Haifa-Bay) lassen sich 200 deutsch-jüdische Familien, und zwar ein Teil auf landwirtschaftlicher Grundlage und die übrigen als vor städtische Garte n s i e d 1 u n g, nieder. Im Emek J e sr e e 1 bestehen Pliine für Kfar-Jec h e s k i e l und Tel-Adaschim. Die aus Deutschland ins Land kommenden jürliehen K i n d e r g r u p p c n werden im Ju- 'onddorf Bens c h e m e n, in den verschiedenen Jugendanstalton in Jerusalem und Haifa, im K i b b u z R o d g e s, in T o I- Josef und Ein-Charod untergebracht. Das alles auf dem nationalen Boden des QrsiüDlrischaf f ■ Rotenturmstrasse 12 Älteste Gaststätte Wiens f Bis 3 Uhr früh geöffnet! rechtfertigen. Wir können weder vor uns selbst, noch vor der Welt, unter deren Scheinwerferlicht unser Tun in diesem Lande steht, unsere Einwanderung nach Palästina als Rückkehr in die Hei- , t allein durch den Hinweis auf die von uns geschaffenen Städte mit all dem Nützlichen und Schönen, das sie enthalten, hinstellen, sondern vor allem durch das Maß, in dem wir den heimatlichen Boden in Kultur nehmen. Das Bauen von ertragreichen Häusern, die Errichtung moderner Handelsgeschäfte und rentabler Industrien, so nützlich und wichtig sie sein mögen, wird uns von niemand als Rechtstitel auf das Land angerechnet werden. Solche Werke vollbringt das namenlose, rentensuchende Kapital an allen gewinnversprechenden Orten Nur die Kultivierung des Bodens, die für alle Mühe und Aufwendungen nur die Existenz des Lebens gibt, aber dabei den reellsten Gehalt der menschlichen Seele offenbart, wird unseren Anspruch auf ihn begründen. Zweifellos steht die fünfte Alijah, die in der geschichtlichen Reihenfolge wohl als die deutsche bezeichnet werden wird, vor einer gleichen Aufgabe. Sie wird ihre geschichtliche Rechtfertigung durch ihre Leistung auf dom Lande bieten. Man hat schon öfter auf die besonderen Schwierigkeiten hingewiesen, die die deutsche Alijah in dem Prozeß der nationalen Einfügung in den einheitlichen Jischuw durchzumachon hat. Und das stimmt. Sie hat gegenüber den bisherigen Alijoth den längsten Weg zurückzulegen, denn die deutschen Juden gehören zu den Zweigen des Volkes, die sieh von seinem Stamm am weitesten entfernt haben. Aber die deutsche Alijah findet gegenüber ihren Vorgängerinnen e:nen Vorzug vor, der ihre psychologischen Schwierigkeiten ungeheuer aufwiegt. Die ersten Alijoth kamen ein Urland, dio deutsche komm-! in Kulturland. Nur die wenigsten der heutigen Einwanderer werden, trotz aller Schilderungen des Vorangegan- Keren Kajemeth. Dieser war bisher der tragende F a k t or bei der Anstrengung, die deutschen Olim auf dem Boden Erez Israels zu verpflanzen, und er behütete die deutsche Alijah vor allem davor, in dio Hände der privaten Bodenspekulation zu fallen. Die Erfordernisse sind noch lange nicht alle gedeckt und es ist Sache der Judenheit, d cm Keren K a j e m e t h neue Bode n k ä u f e zu er m ö gliehen. Aber das Ganze stellt bereits ein' erhebliches Siedlungswerk dar, das im Entstehen begriffen ist. Was da« für die Tausende jüdischer Menschen, die im alten jüdischen Land eine neue Heimat gefunden’ haben, bedeutet, könnten wahrscheinlich nur die jüdischen Flüchtlinge in Paris oder in! Uruguay, oder in den anderen Ländern, wo sie „aufgenommen“ wurden, aus,sagen. RUßOLF FÖRSTER in dem österreichischen Spitzenfilm HOHE SCHULE (Das Geheimnis des Carlo Cavellt) mit A GELA SALOCKER, DINAH GRA1E, HANS MOSER Regie : Erich Engel OLLO Die jüdische Autonomie in Estland An dem in Reval am 31. Jänner erüffneten Kongreß der Stadtgemeinden und Selbstverwaltungskörperschaften Estlands ist auch die Leitung der autonomen j ü d i« h e n K u 11 u r v e r w a 11 u n g vertreten., In der Eröffnungssitzung sprach der jüdische Delegierte K 1 o ra p u s der Republik Estland dafür, daß sie der jüdischen Minderheit die Möglichkeit einer autonomen Organisation und der Teilnahme an der konstruktiven Arbeit für den Staat gegeben hat, den Dank aus. Anfang November vorigen Jahres war durch ein Spezialdekret des estländischen Staatspräsidenten verfügt worden, daß jede mindestens 3000 Seelen starke Nationalität in Estland offiziell als Minderheit anzuerkennen sei. Seither werden die etwa 3500 Juden Estlands, denen schon früher weitgehende autonome Rechte auf kulturellem Gebiet gewährt waren, zu den offiziell anerkannten Minderheiten des Landes gerechnet. Forderungen nach Zertifikaten Saloniki, 1. Februar, (2. T. A.) Unter den Zionisten g a n z Griechenlands besteht starke Unzufriedenheit über die unzureichende Zahl der Griechenland zugeteilten Palästina-Einwanderungszertifikate. Die zionistische Ortsgruppe in Serres forcierte alle zionistischen Vereinigungen Griechenlands auf, die sofortige Einberufung einer Konferenz des zionistischen Landesverbands Griechenlands zwecke* der Behandlung der Zertifikatefrage zu erwirken. Dio jüdische Bevölkerung des Städtchens Orestiada an der türkischen Grenzo erklärte dem Salonikier Palästina-Amt, daß, wenn nicht mindestens ein Zertifikat nach Orestiada überwiesen wird, sämtliche lokalen zionistischen Vereinigungen ihre Tätigkeit einstellen werden. Der Palästina-Drang unter den Juden der Türkei, besonders unter jenen Thraziens, ist im Steigen begriffen. Ein jüdischer Führer aus A d r i a n o p e 1 begab sich nach Palästina, um Zertifikate für die Juden Thraziens zu verlangen und auch für die Befreiuung der vielen jüdischen jungen Leute aus der Türkei, die unter der Beschuldigung illegaler Einwanderung in palästinensischen Gef ä n i g n i ss en schmachten, zu wirken.

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