Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 423 (5.2.1935)
- Date
- 1935-02-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«•ft* 2 Otl STIMMI Nr. 423 - 5. Februar 1035 ' Weise eine Partei favorisiert, fortgesetzt wird oder nicht. Es ist das Gerücht verbreitet, daß der Keren K a j e m e t h eine Anleihe von 1H Millionen Pfund erhalten soll. Es wird jedermann freuen, wenn diese Nachricht sich bewahrheitet. Es wird aber auch jeder gerecht-denkende Zionist eiusehen, daß die allgemein-zionistischen Arbeitergruppen, die in den letzten Jahren begonnen haben, in Palästina ihren Lebenstraum zu verwirklichen, in besonderem Maße materielle und moralische Förderung verdienen, um ihnen Gelegenheit zu geben, ihre Verläßlichkeit und Treue für das Aufbauwerk zu beweisen. Geschieht das nicht, dann hätten diejenigen recht, die da sagen, d a 13 h e u t e i n P a 1 ä s t i n a alles nur zugunsten der Linken geschieht. Es handelt sich hier um eine schicksalsschwere Frage und die Tatsache, daß in den letztem Jahren von vielem Seiten verlangt wurde, daß die von einzelnen Parteien bei Spezialsammlungen aufgebrachten Mittel nur zur Aussiedlung von Arbeitern und M i t t e 1 s t ä n d 1 e r n der betreffenden Gruppe Verwendung finden müssen — eine Tatsache, deren Verallgemeinerung .eine Gefahr für die Fonds sein könnte —, sollte allen denjenigen zu denken geben, denem die Einheit der 0 r g a n i s ation und die überparteiliche Stellung der Fonds am Herzen liegt.. Die Mittel, die jetzt der Exekutive, beziehungsweise den Fonds zur Verfügung gestellt werden und die große Anleihe, die für den Keren Eajemeth erwartet wird, sind eine Gelegenheit, die von denjenigen Gruppen nicht außer acht gelassen werden darf, die bisher am Aufbau Palästinas wenig oder gar nicht beteiligt waren. Diejenigen aber, die immer von der r.o objektiven Histadruth schwärmen, sind moralisch verpflichtet, ihr Wort dafür einzulegen, daß die Histadruth in einen Dachverband der verschiedenen politischen Arbeitergruppen umgestaltet wird, damit alle diese Gruppen zusammen — getragen von der gemeinsamen Begeisterung für die jüdische Aufbauarbeit — Palästina zu dem machen, was es eein soll: Zu einer friedlichen Arbeitsstätte für das ganze jüdische Volk. Es geht jetzt um die Frage, ob ein trügerischer Schein a.ufrechterhalten werden soll, der die Hauptquelle unerfreulicher innerer Kämpfe ist, oder ob eine beglückende Wirklichkeit geschaffen werden soll, die bisher nur vorgetäusoht wird. Das Wort hat die Histadruth. W B BERATEN S « E H ALLEN BAU- und GRUNDSTUCK- ANGELEGENHEITEN FÜR PALÄSTINA DURCH UNSER BORO IN WIEN UND HÄiFA AUSKUNFT UNTER ^RCHITEKTUR-BORO* AN DIE REDAKTION DER „STIMME* Davis Trietsch gestorben In Jerusalem ißt am 3. d. im Alter von 65 Jahren der Schriftsteller und Wirtschaftspolitiker Davis Trietsch, der seit einiger Zeit in Palästina ansässig war, gestorben. Davis Trietsch vertrat in der Zionistischen Organisation den Gedanken möglichst rascher Überführung großer jüdischer Massen nicht nur nach Palästina, das eine Zeit lang jüdischer Einwanderung verschlossen war, sondern auch in die Nachbarländer Palästinas, insbesondere nach Cypern und El Arisch. Als Mittel für eine möglichst dichte Ansiedlung empfahl er die Schaffung von industriellen Kleinbetrieben, eine Art dezentralisierter Hausindustrie, die seiner Ansicht nach infolge der geringeren Mittel, die für sie im Vergleich mit landwirtschaftlicher Kolonisation erforderlich sind, sowie wegen der geringeren Anforderungen, die sie an die Urastellungsfähigkeit der Einwanderer stellt, das Kolonisation» tempo wesentlich beschleunigen würde. Trotz des mitunter hoftigen Widerspruche, den seine Gedankenzüge bei führendon zionistischen Persönlichkeiten fanden, setzte Davis Trietsch ihre Propagierung in Wort und Schrift mit großem Nachdruck fort. Sein Eintreten für jüdische Kolonisation auf Cypern hatte übrigens auf einem der zionistischen Kongreese zu einer energischen Stellungnahme II e «: z 1 s gegen die seiner Meinung nach verfehlten Experimente geführt. Xrieteeh .w, auch, eine? der Begründer des Jüdischen Verlags und der Zeitschriften „Oet und West“ und ,,Palästina“. Von seinen Büchern ist d a s P a 1 ä s t i n a - H a n db u c h, das in mehreren Sprachen in neun Auflagen erschien, das bekannteste. Ferner sind eein Buch über jüdische Emigration und Kolonisation, sein Atlas der jüdischen Welt und Palästina-Wirtschafteatlas hervorzubeben. Mit der Fassungskraft, Palästinas beschäftigt sich eine 1030 erschienene Schrift, von Davis Trietsch. In der letzten Zeit wirkte Davits Trietsch in Palästina praktisch an dom Ausbau von 0 cf 1 ii g e 1 z u c h t - B e t r i c b e n mit. 1 >a-vi® Trietsch. der bis zu seiner Übersiedlung nach Palästina Jahrzehnte lang in Berlin gelebt hat, war in Berliner Schriftstellerkreisen eine populäre Figur. Jüdischer Zusammenschluß Ein dem österreichischen Bundeskanzler nahestehendes Blatt, der „Sturm über Österreich“, beschäftigt sieh mit der ..Arag“, der hinter dem „Arischen Gcsehäftsweitser“ sich tarnenden Gesellschaft, und fragt nach ihren Zielen. Die Frage ist nicht, so unberechtigt. Denn, um in Österreich den Boykott der Juden zu betreiben, braucht man keine eigene Gesellschaft au bilden; von dem Handwerk der Hetze leben gar viele in diesem Land. Wenn also ein eigener Verband besteht, so muß er noch andere lichtscheue Zwecke vor sieh haben. Nach dieser Richtung verfügt, man bei uns über warnende Erfahrungen und sie haben in dem dieser Tage durchgeführten Militärprozeß gegen die Leute vom 25. Juli eine eigene Nuance erhalten. Es ist unwidersprochen behauptet, worden, daß der Leiter deä nationalsozialistischen Nachrichtendienstes, der Ingenieur Blasdike, in der Zeit der Vorbereitung des Aufstandes mit zwei Ministern der Regierung Dollfuß in Verbindung gestanden ist. Die „Volkszeitung“ nennt ihre Namen: Dr. Kerber und Glas, wobei uns auch erwähnenswert scheint, daß nach einer Feststellung der „Wiener Zeitung“ der gewesene Minister Dr. Kerber der Autor jener Sozialreform-Vorschläge ist, die eben jetzt in der gesamten Bevölkerung sehr viel besprochen werden, weil sie — wie es heißt — die Beiträge erhöhen und die Pensionen herabsetzen. Die ganze Entwicklung der nationalsozialistischen Tätigkeit zeigt genau das Bild, auf das wir immer wieder hm.gewie.seii haben. Die Ausschaltung der Juden iet der Anfang und dann ist auf einmal der Angriff auf den Staat selbst da. Das Ganze vollzieht sich auf einer Linie, die unbestritten nationalsozialistische Erfindung made in Genua ny ist: Spitzelei, Wortbruch, Treulosigkeit, dazu Sprengbomben, Böller und Attentate. Die Flugzettel und antijüdisohen Aufrufe sind Vorübungen, um die Empfänglichkeit der Bevölkerung, ihre Indikation für politische Erschütterungen abzutasten. Wenn sich das Rechtsempfinden nicht dagegen auflehnt, daß ganze Schichten arbeitender Menschen nur wegen ihrer Abkunft und ihres Bekenntnisses brotlos gemacht werden sollen, dann kann die Wühlerei fortgesetzt werden und die Zersetzung weiter getragen werden, Hand in Hand mit einer militärisch angestricheneix Verwilderung der Jugend, bis eines Tages die Sache reif ist und die Autos für den Putsch bereitgestellt werden, falls der Versuch, die Legalität mit legalen Mitteln zu zerbrechen, unausführbar ist. So war es in Österreich. Aber die Erkenntnisse, die der 25. Juli und die ihm dann folgenden Gerichtsverhandlungen gebracht haben, scheinen nicht genügende Durchschlagskraft gehabt zu haben. Denn die antijüdischo Literatur schwillt wieder an. Die Indikation ist da; in der nichtjüdisohen Gesellechaft hat man nichts daran gefunden, daß jüdische Ärzte entlassen worden bumI, obwohl sie mit Politik nichts zu tun hatten; die infamen Verdächtigungen jüdischer Schulärzte sind nicht bestraft worden. Immer wieder wird den jüdischen Steuerträgern entgegengehaltcn, daß der Staat eine christliche Mehrheit besitzt und sieh seine Gesetze auf dieser Basis schafft, unbeschadet des Minderheitenschutzes, den Österreich in vorbildlicher Weise auszuüben gedenkt. Dazu kommt von Tirol aus. wo es keine Juden gibt, . eine Numerus-olausus-Bewegmig in der Advokatur, und — nach einer Meldung der Jüdischen Telegraphenngcntur — eine neuerliche sehr weitgreif ende Reform des Ärztewesens in den Krankenkassen. Es ist dabei nirgends von Juden die Rede. Wir kennen die Weise, wir kennen den Text. Niemand in der Öffentlichkeit erhebt Einspruch gegen diese Vorstöße, die die nationalsozialistische Tendenz deutlich verraten und ihr vielleicht den Anreiz zu neuen Taten vermitteln. Die Drahtzieher sehen, daß das Billigkeits- und Gerechtigkeitsgefühl gegenüber einer Schichte im Schwinden ist; nun kann es auf die anderen Schichten losgehen. Und siche da, es ist eine neuerliche Wolle nationalsozialistischer Aktivität zu verspüren, die österreichische Legion w'ird in Bayern wieder gesammelt, Gerüchte gehen um, allerlei Erzählungen, die alle zusammen den Zweck haben, Unruhe zu schaffen und den psychologischen Zeitpunkt, für ein weiteres Wagnis festzustellen. Die Frage, die der „Sturm über Österreich“ stellt, wäre eigentlich an der Hand des neuen Gesetzes gegen die staatsfeindlichen Umtriebe zu beantworten; wenn nämlich eine behördliche Aktion die Korrespondenz und die Geldquellen der unterschiedlichen antisemitischen Propagatoren aller Färbungen, revidiert. An dieser Frage sind die Juden nicht so stark interessiert wie der Staat, der in seinem eigensten Interesse nachse.hen müßte, wer denn die Leute sind, denen die geschäftlich aufgezogene Sorge um den arischen Konsumenten am Herzen Liegt, und welche weiteren Ziele sie sich gesetzt haben. Was die Juden anbetrifft, so müssen sie sich doch sagen, daß diese Angriffe auf sie nur darum immer wieder gewagt werden, weil man sie für wehrlos hält. Aber wenn man genauer zusieht, sind die Juden nicht gar so wehrlos, wenn sie nur wollen. Eine Gemeinschaft von 180.000 Menschen muß sich nicht beiseitesohieben lassen. Sie kann sich Gehör und Respekt verschaffen und darauf dringen, daß Verfassung und Minderheitenschutz eingehalton werden. Wir wollen nichts als unser Verfassung®- gemäß gewährleistetes Recht, nicht nur in der Theorie, sondern auch in der täglichen Praxis. Palästina kauft noch immer Waren aus Deutschland Wie die Außenhandelsstelle für das Rheinland mitteilt, hat auf ihre Einladung der Abteilungsleiter in der Reichsstelle für den Außenhandel Dr. Schneider (Berlin) vor einer größeren Anzahl von. am Ausfuhrgeschäft nach Palästina inter-1 esslerten Firmoninhabern über „Die Gestal-! tung der deutschen Ausfuhr im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas“ gesprochen. Er schilderte die raacho Entwick-; lung dieses englischen Mandatsgebietes, daß , durch die jüdische Einwanderung sich rapid entwickelt hat. Die Citrus-Kultur (Orangen, Grapefruits, Zitronen) ist gegenwärtig der j bfcstentwickelto Teil der palästinensischen Landwirtschaft. Bedeutung haben auch die Milchwirtschaft und die Kleintierzucht. Sehr | entwickelt ist der Baumarkt, und zwar sowohl dio Siedlung als auch die Erstellung von Fabriksgebäuden. Wesentlich ist dio Nachfrage nach deutschen Maschinen für eine Reihe von Industriezweigen, dio Verbrauchsgüter hersteilen. Bei Verbrauchsgütern ist nach wie vor mit einem Boykott gegon deutsche Erzeugnisse zu rechnen, wenn auch diese Boykotthetze die Unterstützung offizieller Stellen dieses Landes bisher noch nicht g e f u n d o u h u t. Der „A n z o i g o r f ü r Maschine nw o s e n“ (Essen) führt unter der Überschrift „Winke für das Muschiuengoschäft mit Palästina“ unter anderem aus: „Falsche .Anschauungen herrschen vielflach Polen Sr "* Abfahrten am 10. u. 20. Februar Mehrere Aufnillialtstermlne in Pulen. Anmeldungen beim Polnischen Verltchrsbüro „FRANCOPOL“, Wien III., Rennweg I (Gebäudo des Polnischen Konsulats). Toi. U 10-1-90. fach über die Absatzmöglichkeiten für Maschinen deutschen Ursprunges. IJiezu ist zu bemerken, d a ß g erado i n P;i 1 ä, s t i n a der Boykott, deutscher Erz e u gn i s s e bei weitem nicht so scharf ausgeprägt int wie in einzelnen anderen Ländern. Gerade in den beiden letzten Jahren hat sich die palästinensische Einfuhr aue Deutschland s e b r g ü n s t i g entwikkelt und konnte in den ersten drei Monaten der Jahre 1933 und .193-1 jedosmal eine Steigerung von etwa 00 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielen.“ Es wird beraten,,» Dem letzten Bulletin des Palästina-Komitees für Boykott Nazi-Deutsehlands ist zu entnehmen, daß die Boykot,tzentrale letztens in Haifa getagt, und eine R e organis at i o n der B o y k o 1.1 b e w c g u n g vorgenommen hat. Gegenstand der Aussprache bildete auch das T r a n s f e r a b k o Hirn e n. Es wurde festgeetellt, daß die Boykottaktion in Palästina in eine neue Phase getreten ist. Es wurden besondere Handelsbranchen organisiert, auch wird eine Boykottpropaganda unter Handwerkern geführt. Die jüdischen Kanfleute erhalten regelmäßige Boykottzirkulare. Eine Jugendver-: Sammlung in Haifa beschloß den totalen Boykott deutscher Waren. Handelsabkommen zwischen Süd« afrika und Deutschland gefährdet „Morning Post“ meldet aus Johannesburg, daß das unlängst zwischen Deutschland und Südafrika abgeschlossene Handelsaustauschabkommon am Z u s a m ni e n-< b r e c h en ist. Auf Grund diese® Abkonn mens hätte Südafrika von Deutschland WoII-i waren um 2y> Millionen Pfund beziehen soD len. Infolge des Boykotts deutscher Waren durch die südafrikanischen Juden ist Südafrika außerstande, auch nur annähernd dieses Kontingent deutscher Wollwaren abzunchmen. Zionistenverfolgung im IraU Wie aus Bagdad berichtet wird, wurde dort der Vorsitzende der Zionistischen Organisation des Irak, Aron Sassoon Nahum, wegen zionistischer Betätigung verhaftet und nach seiner Freilassung unter Polizeiaufsicht gestellt. Ein ihm in der Zeit, da der Irak' uoeb britisches Mandatsgebiet war, vom damaligen High Commiösioner ausgestelltes Dokument, das ihn zur Fortführung der zionistischen Arbeit ermächtigte, wurde e i ngezogen. In letzter Zeit wurden im Irak wiederholt Maßnahmen getroffen, die gegen die zionistische Betätigung gerichtet sind. Die Haltung der Behörden im Irak, die sich jetzt gründlich von derjenigen unterscheidet, clie sie in jüdischen Dingen unter der Regierung des kürzlich verstorbenen Königs Feisal einnahmen, hat in den ausländischen jüdischen Kreisen, insbesondere auch i n Indien, dessen Judenheit besonders enge Beziehungen zu den Juden im Irak unterhält, einen sehr ungünstigen Eindruck gemacht. Besonders peinlich wurde es empfunden, daß die Regierung cles Irak vor kurzem Sir Robert Waley Cohen, dem Generaldirektor der Shell Company, der sich zur Feier der Eröffnung der Irak-Petroleum- Leitung nach Ivirkus begeben wollte, a 1 s Juden das Visum verweigert hat. Die® dürfte zu Vorstellungen der englischen Regierung bei der Irak-Regierung führen. Vor kurzem wurden aus Bagdad auch zwei hebräische Lehrer aus Palästina, die an dortigen jüdischen Scluilon tätig waren, ausgowiesen. Druckfehlerberichtigung In unserer Nummer 422 vorn 1. Februar 1934 soll es richtig heißen: „Perez Bmolenskin, anläßlich dos 50. Todestages am l. Februar.