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Die Stimme · 1935-02-05 · Heft 423 (5.2.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 423 (5.2.1935)
Date
1935-02-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 4X3 f Wien» 5. Februar »935 | | (*• Adar S6?5) | 8. Jahrgang Frei« dieser Nummer 20 g V. b. b. Dienstag-Ausgabe Die großen, vorzüglichen Salonschiffe »Uernsalcmme“, ,,Palästina“ und (,PlIsna4< der direkten Eillinie TRIEST. JAFFA LLOYD TRIESTINO verkehren leden Mittwoch und jeden zweiten Freitag / Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich bloß zirka Ö. S 258'— / Auskünfte: Lloyd l'riestino, I., Kärntnernng 6 JÜDISCHE ZEITUNG t Palästina für alle Juden IIIIIIIIIIII! Holland bestraft antijüdische Hetze Der frühere Herausgeber der antisemitischen holländischen Zeitung „De Stornier“ C. A. P r o n k, der sich nach Einleitung einer polizeilichen Untersuchung ins Ausland begeben hat, wurde wegen Beschimpfung der Juden in seiner Zeitung vom Amsterdamer Polizeirichter in contumaciam zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Der Friedensrichter im Haag verurteilte einen 23jährigen jungen Mann wegen des Rufes „Juda verrecke“ zu zwei Wochen Gefängnis. Wegen Verbreitung antisemitischer Flugblätter wurde ein Mann im Haag zu einer Geldstrafe verurteilt. Das schärfste Vorgehen gegen antisemitische Propaganda in. Holland wird auf besondere Weisungen des Justizministeriums zurückgeführt. Julius Becker Nachfolger Jacobsons als Repräsentant beim Völkerbund Die Jewish Agency for Palestine teilt mit, daß sie Dr. Juliu Becker in Genf zu ihrem Vertreter beim Völkerbund, als Nachfolger des verstorbenen Dr. Victor Jacobson, ernannt hak Dr. Julius Becker war in der zionistischen Bewegung in Deutschland in den Jahren vor dem Kriege führend tätig; mehrere Jahre hindurch war er auch Redakteur der „Jüdischen Rundschau“ in Berlin. Gegen Ende 1917 wurde er mit einer zionistischen Mission in der Türkei betraut, und er pflog damals Unterredungen mit maßgebenden türkischen Politikern hinsichtlich der Zukunft der zionistischen Arbeit in Palästina. Seit der Begründung des Völkerbundes im Jahre 1920 war Dr. Becker bei demselben als Journalist beglaubigt, vertrat in Genf führende europäische Zeitungen und wohnte fast allen Sitzungen der Versammlung und des Rates des Völkerbundes in Genf, Paris, London, Rom usw. bei. Offizieller Judenboykott in Deutschland Wie aus Berlin gemeldet wird, hat sich die von Dr. L e y geführte Deutsche Arbeitsfront an die S p i t z o der in ganz Deutschland eingeleiteten neuen Aktion zum Boykott der Juden gestellt. In G r o ßbe trieben wurden folgende Aufrufe verteilt: „Entsprechend den Bestimmungen der Reiohsleitung ist dafür zu sorgen, daß unsere Mitglieder n i c h ti n jüdischen G e sc h ä f t e n kaufen. Es wurde wiederholt festgestellt, daß diese Verordnung von den Angehörigen der Formationen und Gliedeningen nicht beachtet wurde. Nachstehend ein Verzeichnis der jüdischen Geschäfte und Arzte im Ortsgruppenbereich!“ Dizengoff eröffnet eine Kunstausstellung Tel-Aviv, 1. Februar. (Ä. T. A.) Der nach schwerer Erkrankung bereits wiederhergestellte Bürgermeister von Tel- Aviv, Mayer Dizengoff, hat seine Amtsgeschäfte wieder ausgenommen. Er eröffnete eine Ausstellung von Werken der jüdischen Bildhauerin .Channah 0 r 1 o f f. Die Zionistische Exekutive hat zweifel- und auch dann, wenn man von dom bisher zweifelhaften Wert des Friedensübereinkommens zwischen Jabotinsky und Ben Gurion absieht, durch die Zurückstellung des Planes eines Gesetzgebenden Rates, durch die Erwerbung der Huleseekonzession und die 500.000-Pfund-Anleihe Erfolge aufzuweben, über die sich' alle Zionisten freuen müssen. Weniger erfreulich ist es, daß eine gewisse Presse den Anschein erwecken will, daß die innere Lage zufriedenstellend ist, wenn man von dem ungeklärten Status der Revisionisten absieht. Leider ist hier zwischen Schein und Wirklichkeit ein gewaltiger Unterschied. Eine verantwortungsbewußte Presse darf an dieser Diskrepanz nicht Vorbeigehen, und es liegt im Interesse der ganzen zionistischen Bewegung, der wahren Lag« ins Gesicht zu sehen und Abhilfe zu schaffen. Es muß vorweg festgestellt werden, daß nicht nur die herrschende Arbeiterpartei mit ihren Filialen Histadruth, Poale Zion und Haschomer Hazair, sondern in erster Linie ein Teil der allgemein-zionistischen Presse und einzelne allgemein-zionistische Führer mit einer Begeisterung, die einer besseren Sache würdig wäre, der Histadruth Weihrauch streuen. Man verschweigt geflissentlich die Tatsache, daß heute die Histadruth und die Mapai das politische Leben und die Arbeitsbeziehungen in Palästina monopolisieren. Wenn etwa dieser Tatsache gegenüber behauptet wird, daß die Lage den derzeitigen Macht- Verhältnissen entspricht, so könnte man das nur dann ruhig gelten lassen, wenn man der Meinung ist, daß die systematische Iufiltrierung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung in Palästina das wünschenswerte Endziel der Entwicklung ist und daß andersgesinnte Arbeitergruppen zum Untergang verurteilt sein sollen. Diejenigen aber, die nicht dieser Meinung sind, müssen, a.uf die Gefahr bin, daß man sie als Reaktionäre und Arbeiterfeinde beschimpft, dafür kämpfen, daß in Palästina in gleicher Weise die Interessen der verschiedenen Richtungen im Volke berücksichtigt werden, soweit nur diese politischen Richtungen sieh der Disziplin gegenüber der Organisation unterwerfen uud jene Prinzipien verfechten, die als Grundlage für ein jüdisches Palästina unerläßlich sind, insbesondere das Prinzip In der Lemberger „Chwila“ vom 1. d. veröffentlicht Dr. Josef Fiukelstein jun. ein Gespräch mit dem Chef des österreichischen BundespressedSenstes, Minister L u dwig, in welchem dieser u. a. sagte: Die Verordnungen, in denen gewisse mißverständliche Verfügungen sich befinden, die Grund zu Klagen seitens der Judenbeit gegeben haben, werden gewiß genauesten« durch studiert uud alles, was zur Annahme irgendwelcher Intentionen gegen die Juden führen könnte, entfernt werden. Was die Ärzte anbütrifft, so versichere ich Ihnen, der hundertprozentigen jüdischen Arbeit und die Durchsetzung dieses Prinzips. Es geht hier ganz klar um die Beantwortung der Frage, ob die linksorientierte Arbeiterschaft Palästinas, die zweifellos große Verdienste um den Aufbau des Landes hat, damit auch das Recht erworben hat, aus dieser Macht ein Monopol zu machen und anders orientierte Arbeitergruppen mit Zuckerbrot und Peitsche in das linke Lager zu zwingen und ihre derzeitige Macht zu verewigen. Der Streit um eine allgemeinzionistische Histadruth in Palästina beleuchtet blitzartig die derzeitige Situation. Es ist tragikomisch, daß allgemein-zionistische Presseorgane und einzelne allgemein-zionistische Führer energischer gegen eine allgemein-zionistische Arbeitergewerkschaft in Palästina sind als die Linken selbst. Man höre endlich damit auf, diejenigen als Arbeiterfeinde zu beschimpfen, die auf die' politischen Theorien der Linken nicht eingeschworen sind und die haben wollen, daß ihre Jugend in Palästina als geschlossene Gruppe im Rahmen der Histadrutb ein Eigendasein führt. Denjenigen Allgemeinen Zionisten, die in Palästina keine allgemein-zionistische Jugendorganisation haben, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil ihre Jugendlichen in dem Moment, wo sie nach Palästina gehen, in den linken Kiibuziin und Kwuzoth spurlos verschwinden, fehlt nach unserer Ansicht überhaupt die Legitimation, in dieser Frage mitzusprechen, sicher aber die Legitimation, das große Wort zu führen. Über diese überlebte Art eines Allgemeinen Zionismus von gestern soll demnächst gesprochen werden. Es ist nun die Frage, ob jene Allgemeinen Zionisten, deren Jugend in Palästina als allgemein-zionistische Gruppe besteht und weiterbestehen will, ein Recht haben, in der Frage der Entpolitisierung der Histadruth und in der Frage der V e rwendung der von den Fonds und der Exekutive aufgebrachten Mittel ihr Wort in die Waagschale zu werfen. Es kann kein Zweifel bestehen, daß diese Legitimation besteht, außer wenn man meint, daß die Allgemeinen Zionisten nur zum Geben und die Linken nur zum Nehmen da sind, wenn man sich also mit dem Zustand abgefunden hat, daß die Allgemeinen Zionisten ihr Geld und ihre Jugend zu opfern haben und dafür das Recht bekomdaß es eich um eine politische Angelegenheit gehandelt ha.t. Übrigens prüft der Minister Neustädter-Stürmer nochmals alle Verträge individuell und soweit sich ein Irrtum herausstellt, wird er sofort behoben werden. Ich versichere Ihnen, daß es nie Absicht der österreichischen Regierung sein wird, die Juden ihrer Staatsbürgerschaft zu berauben. Die Regierung wird nie zulassen, daß der antisemitische Wind, der von einem gewissen Staat herüberwebt, hier Erfolg haben wird. Fex-Film seist Harold Lloyd in Der Sündenbock ab heute: Burg- und Rotenturm-Kfno I. men, gnadenweise Vertreter in der Exekutive zu halten, als Aushängeschild für eine angeblich objektive Wahrnehmung der Interessen aller Arbeitergruppen in Palästina. Ist es den Linken um einen ehrlichen Frieden zu tun, dann müssen sie sich ernsthaft mit allen Parteien an den Bern tungs tisch setzen, loyal verhandeln und die Arbeit.sbeziehungen in Palästina einer gerechten.Ordnung zuführen. Alles andere ist Humbug. Die Dinge in Palästina liegen heute , so, daß gerade jetzt die Möglichkeit vorhanden ist., für die allgemein-zionistischen Ärbeilergruppen — die Stiefkinder des A.u fbaues — zu sorgen. Von der 500.000- Pfund-Anleihe dürften 70.000 biß 80.000 Pfund nach Abdeckung der dringenden Schulden für Kolonisationszwecke ü b r i g b 1 e i b e n. Im Hulesee gebiet ergibt sich die Möglichkeit, mindestens 2000 jüdische Arbeiterwirtschaften zu begründen. Auch sonst hat die Exekutive verschiedene Pläne, um neue'Hi e d- 1 u n g e n anzulegen. Am 14. Jänner meldete die „P a 1 c o r“ von einem Empfangsabend für Israel Sief f, clcm auch das Zustandekommen der 500.000-Pfund-Anleike des Keren Hajessod in der Londoner. City zu danken ist. Sieff hielt eine grundsätzliche Ansprache, in der er auscinandersetzte, daß man den für den Aufbau des Jüdischen Nationallieims verantwortlichen jüdischen Institutionen die Freiheit verschaffen muß, Mir Werk friedlich und ruhig durch zuführen. Es müsse ein System einer engen Koordination der Arbeit des Keren Hajessod, Keren Kajemeth und der. Anglo Palestine Bank unter der Führung, der Jewish Agency geschaffen werden. Der Kredit der zionistischen Arbeit sei niemals höher gewesen als jetzt. Sieff teilte mit, daß nach Durchführung der Keren-Hajcssod-Anleihe in London ein ähnliches Arrangement, betreffend einen noch h ö h eren Betrag, zugunsten des Keren K a j emetb in Vorbereitung sei. Durch diese Anlr-iheoperationen werde die allmähliche Tilgung der alteu Schulden ermöglicht und der Weg zu einer neuen großen Siedlungsarbeit freigemacht. Daraus ergibt sich, daß die Exekutive in Jerusalem, die faktisch mit der Histadruth identisch ist, derzeit die Möglichkeit hat, den Beweis dafür zu erbringen, daß sie alle Arbeitergruppen in gleicher Weise in ihr Herz geschlossen hat. Bei der Schaffung der neuen Kolonisationspuukte wird es möglich sein, allgemein - zionistische Siedlungen zu schaffen. Bei der A u ft e i 1 u n g der Böden und in der Art und Weise, wie weiter für diese Siedlungen gesorgt werden wird, wird sich ergeben, ob das bisherige System, das in einseitiger Minister Ludwig Ober die Frage der flsterreidilsdien Juden

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