Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 422 (1.2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 422 — 1. Februar 1935 Dil 8TIMMI Seite 3 ^Ä^pJFMTDNFim ,fWf : STEFAN JltKUV ROSYBARSONY-FELIX BREmfll OTTO iVALLBL?i5’WlllYCTtTrNEwW61-ru"AUPruH*UNC,: ■WOTBBEBCTiHBMHl LITE -' OPERN-KINOI. r, T 77,, rscHOTUNRiNG-KiNo i Monopol- P,LMToyE1.M .»^ LlKTSPIELTHEATERfLOTTEN" Die legale jüdische Einwanderung nach Palästina im Jahre 1934 N'iu-h I et i offiziellen Regierungsziffern betrug die legale jüdische Einwunderang während des ^inzon Jahres 1934 nach den offiziellen Reglern ugszifforn 42.358 Personen. ln ili»-s«-r Ziffer sind miieingesclilosscn die 4111 jiidisidien Touristen. die von der Regierung das Recht erhielten, legal im Lande zu bleiben. Von der Gesamtziffer der neuen Einwanderer (abgesehen von den Touristen, die die Aufenthaltserlaubnis erhielten) waren 8237 Personen oder 2214% Kapitalisten. Hiervon waren Kapitalisten mit einem Vermögen von 1000 Pfund und darüber 7198 Personen oder t9’7%: als Handwerker mit einem Vermögen von 250 Pfund und darüber wunderten 916 Personen oder Pension EcMn - Imm 2-5% ein: die Einwanclererziffer der übrigen Kapitalistengr uppen, wie Personen mit gesichertem Einkommen., mit einem Vermögen von 500 Pfund usw. war unbedeutend und betrug insgesamt kaum 0-3%. Auf Grund der Zertifikate der Jcwish Agency wunderten im Jahre 1934 20.358 Personen ein, die 55-6% der Geisamtcinwandermigsziffer bildeten. Als Verwandte palästinensischer Einwohner wunderten a.uf Grund besonderer Re-gierungserlaubnis 5853 Personen ein, die 16% der Gesamtem Wanderung bildeten. Als Studenten und Schüler palästinensischer Schulen wunderten im Laufe des Jahres 1787 Personen ein, die 4*9% der Gesamtem Wanderung bildeten. Ais Angehörige religiöser Berufe (Rabbiner, Schächter usw.) wunderten ein.-oh ließt ich Familienangehörigen 378 Personen oder zirka 1% der Gesamteinwanderung ein. Im Jahre 1933 betrug die Zahl der legalen jüdischen Einwanderer aller Kategorien 30 327 Personen. Im Vergleich zum Jihre 1933 haben wir also im Jahre 1934 eine Steigerung der jüdischen Einwanderung um insgesamt 40% zu verzeichnen. Umzüge nach Palästina Transporte aller Art nach dem gesamten In- und Ausland fachgemäß und kulant du ch Gottlieb Kantor, Wien I. Bez., Hellerstorferstraße 4 Telephon: ü 27*5-35 Serie Tel-Aviv Zentrum des palästinensischen Eisenbahnwesens Jerusalem, 28. Jännor. (Z. T. A.) Der frühere Generaldirektor der Great Western Railway in England, jetzt Mitglied des Ra.t-es für koloniale Entwicklung, Sir Felix Pole, der auf Einladung der Palästiiui- Regierung über einen Monat in Palästina geweilt, und das Eisenbahnwesen studiert hat, hat vor seiner Abreise aus Palästina sich, wie die ITA erfährt, definitiv für die Ü b u r t-ragu n g de s E iß ertbuh 11k not enpu n.k tes von Ludcl nach Tel-Aviv ausgesprochen und dabei vielfache andere Vorschläge zur Entwicklung des Eisenbahnwesens in Palästina gemacht. Ihre SC iffskartQlt nach Pnlöslsa, Äfiynen.flmGriUö bes'MKon Sin uni iieslcn durch ltuts<p>ür<> Lu'/.ky & Co.. COMPASS TOURS Wien, IX., Spitalgasse 8. Telephon B 42-5-38 Perez Smolenskin, anläßlich des 150. Todestages am 1. Februar: Gehörtes und Erlebtes Von Dr. "David "Roi&blum Saloinon Rubin, dem Güttingens deutsche Universität die Studio „Spinoza mul Maimonides“ mit der Verleihung dos Doktorhutes quittierte, hatte das Alter des Psalmisten bereits überschritten, als es mir vergönnt war. seine Bekanntschaft zu machen. An schönen Sommertageu pflegte er, der fast zur Gänze Erblindete, in den altehnviirdigen „Plantationen“ meiner Vaterstadt Krakau auf einer Bank zu sitzen und gerne mit Bekannten über Vergangenes zu plaudern. Diese Unterhaltungen mit ihm waren ebenso lehrreich wie ergötzlich. Denn er war der Odysseus der Ilaskalabzeit, viel gereist, vprfolgt, erfahren, sah die Dingo mit dem Auge des Philosophen, Kritikers, praktisch geschulten Kaufmannes und bückte auf eine Welt von Ereignissen zurück, an denen er in Geschichto und Literatur werktätigen Anteil genommen hat. Die Literatur ist ihm nicht ganz gerecht geworden, noch ist der Künder seiner Bedeutung für unsere Wissenschaft nicht erstanden. Wir unterhielten uns eines Tages über Religion und Religionsstifter. Da fiel der Name jenes Josef Rabinowitz. der in Rußland eine neujüdisehe Sekte gründete, später in Berlin zum Protestantismus überging und zu Beginn der Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts einen Brief an Lawrence Olipba.nt richtete, der eine Zeitlang von ihm in der Öffentlichkeit reden machte. Olipliant, ein Engländer, war Glaubensschwärmer, Globetrotter, Politiker und Gelehrter in einer Person, begeisterte sich für das jüdische Volk und strebte eine Art öffentlichrechtlicher Heimstätte für die Juden in Transjordanien an. Er hat sich hiebei politischer Mittel bedient, die aber zu keinem Ziele führten. Er zog als Christ mit der ersten Aliah ins Heilige Land. Dorthin schrieb .ihm Ra-binowitz den erwähnten Brief, in dem er die Propagierung eines neuen jüdisch-christlichen Glaubens in Palästina anregte. Lawrence Oüphant nahm den Schreiber nicht ernst. Der Brief aber erregte vorübergehend großes Aufsehen. Von Oliphant auf Smolenskin zu kommen war eine auf der Hand liegende Ideenassoziation. War doch Smolenskin von den Ideen des Engländers berauscht. Kaum aber fiel der Name des großen Hebräers, da war er auch nicht mehr aus der Unterhaltung zu bannen. Für Rubin, den abstrakten Denker, lag Smolcnskins Bedeutung in der Aufklärungsarbeit, die in den Schriften und Werken des größten hebräischen Schriftstellers jener Zeit geleistet wurde. Gerade das, was die spätere Kritik Smolenskin als Mangel ankreidete, nämlich die Didaktik, die Predigt, die Belehrungs- und Aufklärungstendenz, die sich in jedem Romane, in jeder Erzählung vordrängte und sehr häutig das Künstlerische des Werkes verdrängte, hat Rubin als die stärkste Seite des Talentes bei Smolenskin hervorgehoben. Smolenskin war für ihn Wegweiser, Lehrer, Aufklärer, seelischer Befreier und Zerstörer von Aberwitz und Aberglauben, kurz Bahnbrecher seiner Zeit für das in der Dunkelheit wandelnde jüdische Volk. Und wie unterschieden sich die haskalischen Tendenzen dieses Mannes von den ähnlichen Bestrebungen bedeutender Persönlichkeiten jener Zeit! Diese zerstörten, vernichteten, verrissen Altes und Überkommenes und vermochten nichts dafür zu geben, er aber gab dem Ghetto einen neuen Glauben. Er warf das Wort von der Heimat in die Judengasse und verankerte so Palästina in der Galuth. Er redete vom Hebräischen als von der eigenen Sprache, sprach von der jüdischen Kultur wie von einem unvergleichlichen Schatz und das Wort Jude erklang in seinem Munde wio ein Ehrentitel! Als Rubin auf die nationale Tätigkeit Smolenskins zu sprechen kam, wurde er warm und begeistert. Er, der klassische Voftretor der verklingenden Haakalalizeit, war selbst kein Zerstörer und er vermied es peinlich, bei Behandlung philosophischer und religiösor Themen irgendwie das Empflndon gläubiger Juden zu verletzen. Er war der taktvollste Maskil seiner Zeit. Daher war ihm die positive Seite in Smolenskins Wirken seelenverwandt,. Er selbst, glaubte an ein geistig freies, von seelischer und materieller Sklaverei gereinigtes Zion; an die verheißene mossianische Zeit und war überzeugt, daß nur der „Jisclmw“ sie zeitigen wird. Er bewunderte in Smolenskin den lauten Verkünder, den Rufer im Streite, den Mahner und unerschrockenen Kämpfer. Rubin und Smolenskin fanden sich noch auf einem anderen Gebiete: dem Schlachtfelde gegen den Chassidismus. Dieser Kampf hatte eine tiefere Ursache, als die modernen Verherrliche!- des Chassidismus anzunehmen glauben. Es war nicht bloß der Haß gegen dio Macht der Finsternis, die sieh in jenen Kreisen an der heranwachsenden Generation brutal auswirkte, sondern vornehmlich die Erkenntnis, daß der Chassidismus mit seiner Unduldsamkeit, seinem Fatalismus — ein Ehm.nn, I <►* S1AKALL > HÖRTOtRRON unabwendbares Hindernis für die angestrebte Einigung des jüdischen Volkes war. Smolenskin erblickte im Chassidismus wegen seines Glaubens an den persönlichen Messias, auch die größte Gefahr für die Jischuw- Bewegung. Daher die Parole: Kampf gegen alles Trennende, Zwiespältige und Wesensfremde! Hochhalten alles dessen, was einigend, bindend und wesenseigen war! Daher der unerbittliche Angriff gegen Chassidismus, Aberglaube und Assimilation. Smolensk,in sah in der Assimilation nur eine vorübergehende Verirrung galuthischer Mentalität und glaubte daher an den Sieg der nationalen Bewegung. Schon in der Einleitung zum ersten Hefte des Haschachar legte Smolenskin sein Programm nieder. Er sah in Land und Sprache die einzigen einigenden Bande für alle Gruppen und Schichten des jüdischen Volkes. Daher rief der „Haschachar“ Begeisterung hervor. Auch Rubin, der Smolenskins Programm teilte, unterstützte den Haschachar auf das werktätigste und zählte zu dessen ständigen Mitarbeitern. Rubin hob die Werbekraft Smolenskins hervor, die sich nicht bloß auf Gleichgesinnte erstreckte, sondern auch auf Männer wie David Heinrich Müller, David Kaufmann, die für die Volksbewegung nicht viel übrig hatten. Für den Maskil Rubin war der „Haschachar“ der Höhepunkt Smolenskinschen Schaffens und Wirkens. Für die Romane des Meisters hatte der Philosoph nicht viel Verständnis. Was darin an Verstand enthalten war, wie etwa die Kritik der Lessingschen “Fabel von den drei Ringen, hatte er sich wohl gemerkt, ebenso das Urteil über Letteris’ Elisa ben Awujah oder Graetzs Kommentar zum Hohelied. Smolenskins erzählende Kunst schien ihn kalt zu lassen. Welchen Eindruck der Meister auf die national orientierte und hebräisch lesende Jugend der Siebziger- und Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts übte, läßt sich in dem eugon Rahmen dieses Aufsatzes schwer schildern. Das Selbstbewußtsein der Jugend wachte plötzlich wieder auf. Die Aufforderung Smolenskins an die jüdischen Schriftsteller nicht zu übersetzen, sondern originell zu schreiben, ließ erkennen, welche geistigen lind künstlerischen Kräfte er im Judentum vermutete, und verlieh den Schiller* und Goethe-Enthusiasten im Ghetto eigene Schaffenskraft. In der Judengasse gab es Männer, die die programmatische Einleitung zum „Haschachar“ ebenso auswotidig hersagen konnten, wie den flammenden Aufsatz „Eth lataath“. Seine Erzählungen sind gierig gelesen worden. Die Jugend las sie mit roten Wangen und fliegenden Pulsen in Wäldern und Feldern, in Kellern und Verstecken, denn sie wurden von dem Chassidum auf den Index gesetzt und bedeuteten eine körperliche Gefahr für jeden, bei dem sie gefunden wurden. Auf mich persönlich machte Smolenskins Roman „Ilatoch b’darkei hachajim“ (Irrend auf Lebenswegen) den gewaltigsten Eindruck. Zur Zeit, als ich das Buch las, war Smolenskin nicht mehr am Leben. Aber noch war alles aktuell und lebend, was in diesem Bucho war: Milieu, Handlung. Personen, Gesellschaft, Kritik, Neid, Liebe, Haß — alles, alles, was den Juden bewegt, abstößt und begeistert. Und diese nach den Begriffen jener Zeit blendende Sprache! Das Buch wirkte verwirrend, aufwieglerisch, atemraubend. Ich glaube nicht, daß mit Ausnahme von Mapus „Ahawath Zion“, einem hebräischen Roman, ein solcher Erfolg beschieden war, wie diesem Hauptwerke Smolenskins. Smolenskin war einer der Vorkämpfer des politischen Zionismus, denn er ahnte ihn voraus. Er war ein Chaluz, der der nationalen Bewegung von heute den Weg nach Zion ebnete. Er war noch mehr — wie jener Rabbi in Perezs Erzählung, der noch höher stieg als in den Himmel! Hierin muß er aber seinen Ruhm mit einem zweiten teilen, mit Elieser ben Jehudah. Er sah nämlich richtig, daß über Erez Israel hinaus es nur ein Einziges gibt, das alle Juden einigen kann in allen Orten, allen Zeiten, allen Wechselfällen des Schicksals über alle inneren und äußeren Pogrome hinweg und das ist: die lebendige hebräische Sprache. Und das ist auch mein Glaube. Still ruht sein Grab in Meran, doch laut pocht sein Herz bis auf den heutigen Tag in Jerusalem, RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Oprrer) II., Taborstraße 12 Telephon R 46-5-57 Ausgiebige Braten-Mentls S l*l!0 'WJ „ Geflügel-,, S2.ao3ü/- VorzUg'.di 2 Zubereitung-Sdiwadia ter B eie* Natuwel: e Uefoäticües llöwzext zum Andenken oh Cltctim Ho-änttcu* ULatik Zum Andenken an den verewigten hebräischen Dichter veranstalten der Keren Kajemeth, gemeinsam mit dem Klub Erez Israel ein großes, hebräisches Konzert im Großen Konzerthaussaal, welches am 10. d„ %8 Uhr abends, stattfindet. Die schönsten Gedichte Biaüke werden vertont zum Vortrag gelangen. Die künstlerische Leitung dieses Abends hat Prof. Artur Wolf, der seit zwanzig Jahren das hebräische Lied in Wien propagiert, über. Aus dem Programm seien nachstehende namhafte Künstler genannt: Opernsänger Iguo Mann (Brünn), Frau Grete R 0senfeld (Sopran), Prof. Julius Wolfsohn, die Sängerknabe-n des Stadttempels, Opernsänger Prof. Max Klein, unter Leitung Kurt F u c h s g e 1 b, der jüdische Gesangsverein, Dirigent: Israel Brand mann, der jüdische Sängerbund Hasimra, Leitung: Herschmann sowie das Symphonieorchester des Bundes jüdischer Frontsoldaten unter Leitung ihres Dirigenten Dr. Kurt Pahlen usw. Dieser Abend dient nicht nur der Propagierung des hebräischen Liedes, sondern hat auch einem wohltätigen Zweck. Der größte Teil des Erträgnisses fließt dom Koren Kajemoth und der Winterhilfe der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu. Karten zu dieser einzigen großen Veranstaltung sind erhältlich: Keren Kajemeth, I., Marc- Aurel-Straße 5, Tel. U 29-1-29, Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt, Klub Erez Israel, II., Praterstraße 13, Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20 a, Tel. R-45-305, Jüdische Kunststelle, II., Aspernbriickengasse 2, und ihre Zweigstellen. Sichern Sie sich rechtzeitig Eintrittskarten beim Zionistischen Landeskomitee Keren Kajemeth, I., Marc-Aurel-Straße 5, Jüdische Kultursfcello, II., Ispernbrückengasso 2, Bücherstube M. Ratih, II., Taborstraße 20a.