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Die Stimme · 1935-01-25 · Heft 420 (25.1.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 420 (25.1.1935)
Date
1935-01-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. J20 — 25. Jänner 1035 DIE STIMME Seite 3 Emil Nimhäuser Als inan in den ersten Na*:hkrieg«jähren daran.sch riit, in allen Wiener Bezirken zionistische .Sektionen zu schaffen, war es selbstverständlich, daß Emil Nimhäuser die Hihruog der Sektion in der judenreichen Brigittenau ilberm‘h.m.en solle, der er auch bin vor kurzfun Vorstand, (»ab es doch keinen Juden, der diesen Bezirk und sein»' jüdische Bevölkerung so gut kannte wie er! Und tatsächlich — die Sektion blühte und gedieh unter seiner Leitung, wuchs aus dein dumpfen Kollcrlokale in der Knrl-Motel- St.raße zu dem schönen Hehn in der Jägerstraße empor. NimMiiisers Tatkraft, seine Zähigkeit und Energie, sein Draufgängertum und schließlich sein natürlicher Verstand machten ihn bald zur repräsentativsten Gestalt der Juden des Bezirkes. Ihm ist cs zu verdanken, daß die zionistische Bewegung liier auf fruchtbaren Boden stieß. Seiner unerschütterlichen Hingabe an da« zionistische Ideal i-st es zuzu.schreiben, daß die Zionisten schon seit vielen Jahren aus den Kultuswahlen führend in der jüdischen Bevölkerung des XX. Bezirkes hervorgehen konnten. Ols Obina.nn der Bezirks- und Fiirsorgekominission der Knltusgemeinde verstand er es, ein warmer Anwalt der Armen und Verelendeten seines Bezirkes zu sein. Und so kam es, daß ihn jedes jüdische Kind der Brigittenau kannte. Seine richtige Auffassung vom Wesen des Zionismus führte ihn auch zum Verständnis für die Jugend. Zu «einer Tätigkeit gehörte es daher seinerzeit, gegen viele Widerstände seiner eigenen engeren Freunde und Mitarbeiter der Jugend ein Betätigungsfeld einzuräumen und sie sieh entfalten zu lassen. Die jüngere Generation wußte seinen politischen Takt, seine politische Klugheit, seine politische Arbeit zu schätzen und seine soziale Leistung zu würdigen. Und so haben wir a,m vergangenen Sonntag in Nimhäuser einen Mann zu Grabe getragen, der eine markante Erscheinung eigener Prägung gewesen ist. Auf zionistischen Landeskonferenzen und sonstigen Beratungen, in der Kiiitusgemeinde und ganz besonders in der Sektion Brigittenau wird man nur sehr schwer diesen feinen, klugen Kopf missen, der oft durch ein erheiterndes Wort gefährlich scheinende Situationen lösen konnte. Die Judenbcit Wiens, die in der letzten Zeit so viele tüchtige Männer verloren hat, ist wieder um eine bedeutende Persönlichkeit ärmer geworden. Im Herzen aller, die mit ihm gearbeitet und die ihn gekannt hatten, im Herzen aller Armen, für die er selbstlos gewirkt hat, wird das Andenken an Emil Nimhäuser ewig fortleben. Bei unseren Versammlungen und Tagungen wird Emil Nimhäusers vierschrötige Gestalt, der starke Mann, der „G-liottoge-neral“, als den ihn gutmütiger Spott bezeiclmete, fehlen. Er war trotz des Widerspruches, den .sein Elan oft bei Gegnern hervorief, ein gütiger Mensch. Sein Andenken sei gesegnet. Der schon «eit laugen Jahren schwer kranke Freund starb am 19. Jänner und wurde am Sonntag, den 20. Jänner, unter sehr starker Beteiligung bestattet. Unter den Anwesenden befanden sich u. a. Oborrabbinor Dr. Feucht w a n g, Staubs rat Präsident Dr. F r i o d m a n n, Vizepräsident Dr. Josef L ö w e n h e r z, Dr. Oskar G r ü nb a u m, Präsident des Laudeskomitees, die Kultusvorstoher Professor Rath, Doktor K ö r n e r, Dr. Land a u, W a 1 tue h. Der Jüdische Eltemvereln der Hebr. Sprach- und Bibelschule der Isr. Kultusgemeinde für den XX. Bezii k, Othmargasso 46, gratuliert Herrn Prof. Dr. Leo Monczer samt Frau anläßlich der Geburt einer Tochter. Dr. P 1 a s e h k o s und Dr. F o 1 d s b o r g. Abordnungen aller Sektionen und VVizo- Gruppen und die vollzählig erschienene Mitgliedschaft der Sektion Brigittenau. Namens der Knltusgemeinde. würdigte l)r. Josef Löwenhi-rz, namens des Landeskomitee« Dr. Oskar G r ü n b a u m, namens der Sektion Dr. Leo M e n c z e r, namens der Fürsorgekommission Herr Josef Ko.hn, namens d»'S Verbandes der kredit- Um etwas zu verlangen, muß man es, wie Max Nordau es einmal formuliert hat, zuerst fordern und dann bekommen. In den meisten Fällen muß man es laut, eindringlich und wiederholt fordern und immer wieder verlangen, bevor mail das Gewünschte wenigstens teilweise erhält. Dies ist der Sinn der politischen Arbeit, die seit Jahrzehnten von volksbewußten jüdischen Organisationen im Kampf um die jüdisch»» Gleichberechtigung geführt wird. Denn es ist noch nicht lange her, da traute man sich auf jüdischer Seite nicht in aller Öffentlichkeit, laut und vernehmlich im Namen der jüdischen Massen zu fordern. Wenn man überhaupt etwas tat, so geschah dies von einzelnen sogenannten „Großjuden“, die ee vorzogen, ihre persönlichen Bekannten im geheimen leise zu bitten, daß etwa« im Interesse der Juden geschehe oder unterlassen werde. Es ist kein Zweifel, daß gegenwärtig, im Zeitalter der Massenorganisationen und der Massenherrschaft, die zweite Methode die richtige ist. Beweis dafür sind die Ergebnisse der jüdisch-poliitschen Arbeit in vielen Ländern der Welt und vor allem die Tätigkeit zentraler, allweltlicher jüdischer Organisationen, von denen in den letzten Jahren das Comitö des DeKgations Juives zweifellos eine besondere Rolle im jüdischpolitischen Kampfe zum Schutze der jüdischen Rechte gespielt hat. Man darf nicht vergessen, daß es gar nicht lange her ist, daß Millionen Juden der Welt auch formal rechtlos gewesen sind. Man erinnere sich an die Lage der Juden im Zarenreich und an die Verhältnisse, wie sie in Rumänien bis zum Jahre 1918 geherrscht haben. Gegenwärtig gibt es nur wenige Länder, allerdings darunter als furchtbares Menetekel die Großmacht Deutschland, in denen die Juden nicht gleichberechtigt sind: In vielen Ländern bestehen, wenigstens auf dem Papiere, zusätzliche Garantien der bürgerlichen Gleichberechtigung in Form der M i n o r i t ä 16 r e c li t e. Bei der Erlangung dieser hat das Comitti des Delegations Juives bekanntlich eine hervorragende Rolle gespielt. Und wenn auch die rechtlich politische Situation der Juden in sehr vielen Ländern zu wünschen übrig läßt, so ist doch der gegenwärtige Zustand der formalen Gleichberechtigung gegenüber den ehemaligen der politischen Rechtlosigkeit als Fortschritt zu werten. Ferner ist nicht zu verkennen, daß die Wachsamkeit der jüdisch-politischen Organisationen, vor allem des Comikte des Delegation» Juives, in zahlreichen Fällen verhindert hat, daß in so manchen Ländern hinsichtlich der jüdischen Rechtsstellung ein Rückschritt in Zustände erfolgte, wie sie im zaristischen Rußland geherrscht haben. Der Kampf um die formale Gleichberechtigung ist aber nur ein erster Schritt. Diese Gleichberechtigung ist lediglich eine Voraussetzung, aber lange noch kein wirklicher Zustand gleicher Geltung in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Allerdings muß zuerst die Voraussetzung geschaffen werden, bevor man dazu schreiten kann, die gesetzlichen Bestimmungen mit dem gewünschten Inhalt zu füllen. In welchem Maße die formale Gleichberechtigung weit davon entfernt ist zu befriedigen, lehren die Zustände in sehr vielen Staaten, in welchen die Juden in g»‘l)»'nden Kauf Io ute Kommerzialrat, J acobi und namens seiner Freunde Dr. Otto G 1 a s e r die Verdienste dos Verstorbenen. Die Redner feierten Nimhäuser als den treuen Zionisten, den rastlosen Agitator für die zionistische Idee, »len Beschützer der Armen und gütigen Menschen. Die religiöse Funktion versah in dankmswerW Weise Herr Oberkantor Gersou Margolies. demonstrieren. In Polen leben über 3 Millionen Juden. In der Verfassung der polnischen Republik ist den Juden volle Gleichberechtigung zugesichert; die polnische Regierung behauptet, und sie gibt sich auch in vielen Fälllen Mühe, die Gleichberechtigung der Juden zu schützen. Trotzdem aber leiden die Juden unter der herrschenden Wirtschaftskrise in einem z us ä t z 1 i c h e in Maße, das auf den antijüdischen Kurs in der polnischen Gesellschaft und auch in der polnischen Wirtschaftspolitik zurückzuführen ist. Di»» gleiche Erscheinung kann man in R umänien, Lettland, Litauen und in vielen anderen Ländern beobachten. Eine unerbittlicher Verdrängungsprozeß vollzieht sich in den meisten Ländern gegenüber den jüdischen Werktätigen und verschont keine einzige jüdische Schichte und Klasse. Und zwar geht das auch in solchen Ländern vor sich, die e« weit von sich weisen, eine antisemitische Regierungspolitik zu treiben, wie sie in Hitler-Deutschland eine Selbstverständlichkeit ist. Wer sich über das Ausmaß dieses grauenhaften Verle-umdungsprozesses, der seit 1918 die .luden in den meisten Ländern Ost- und Mitteleuropas erfaßt hat, ein Bild verschaffen will, dem sie die Lektüre der Broschüre empfohlen, welche das Comite des Delegations Juives über die wirtschaftliche Lage der Juden in Ost- und Zentraleuropa seit dem Weltkrieg heraus gegeben hat, deren Verfasser der bekannte jüdische Statistiker J. Lestschinsky ist.. Der sachkundige Autor kommt zur Feststellung, daß die Juden in fast allen Ländern das gleiche erleben: Deklassierung, Verdrängung, Pauperisierung. Diese Erscheinungen haben neben historisch erklärbaren Ursachen, wie der unglückseligen sozialen Struktur des jüdischen Volkes, vor allem ihre Begründung in dem allenthalb verbreiteten Judenhaß, der sich in gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt, wenn er es sich versagen muß, in gesetzlicher Form in Erscheinung zu treten. ln Anbetracht dieser Tatsache erweist sich ein rein politisch geführter Kampf um das formal jüdische Recht als ungenügend. Diese Erkenntnis ist seit langem Gemeingut aller derjenigen, welche auf der internationalen politischen Arena den Rechtskampf für die Juden führen. Sie alle, die Vorkämpfer für die jüdischen Minderheitenrechte, die Führer der jüdisch-politischen Parteien und die Vertreter des Comitös des Juives, vor dem Völkerbund und den einzelnen Regierungen wußten ganz genau, daß ihre Aufgabe nicht erschöpft ist, wenn sie darauf bestehen, daß den Juden in den einzelnen Verträgen und Verfassungsdokumenten gleiche Rechte zuerkannt werden. Denn der Sinn dieser Gleichberechtigung kann doch nur der sein, daß den Juden die Möglichkeit freier gesellschaftlicher und wirtschaftlicher B e t ä t i g u n g gegeben werde. Und diesen Zustand zu erlangen, das ist der Zweck und Inhalt des Kampfes um die wahre jüdische Gleichberechtigung. Obwohl der Kampf um dio formalen jüdischen Rechte noch lange nicht abgeschlossen ist — man denke nur an die Situation der Juden in Deutschland — und somit die Voraussetzung für den zweiten Schritt um das Recht, freier wirtschaftlicher Betätigung unter gleichen Bedingungen für die Juden, noch nicht geschaffen ist, so erweist es sich als notwendig, alle Schritte zu unternehmen, um in der Öffentlichkeit das richtige Verständnis für die zweite Art der jüdisch-politischen Betätigung zu wecken. Ilrnbei ist zu beachten, daß es eine ganze Reihe von j ii d i s c h - wirtschaftlichen Problemen gibt, die nur durch jüdische Anstrengung im Wege der Selbsthilfe gelöst werden können. Daß diese Bestrebungen verstärkt werden rniisstm, ist selbstverständlich. Daneben gilt es aber gegenüber der Außenwelt politischwirtschaftlichen Forderungen namens der Juden zu erheben und durchzusetzen. Zunächst muß inan sich aber über das völlig im klaren sein, was, nach einem Worte Ferdinand Lais&alle, wirklich ist. Zu diesem Zwecke hat das Comite des Delegations Juives eine ökonomische Zentralk o m’m i s s i o n ins Leben gerufen. Sie ist das Spczialinstrument für die Einleitung aller Maßnahmen, die den zweiten Schritt des Kampfes um die wahre jüdische Gleichberechtigung darstellen. Da« Echo, das diese Kommission in der jüdischen Öffentlichkeit gefunden hat, beweist, daß das Comitu de« Delegations Juives mit seiner Konzeption, den politisch-wirtschaftlichen Kampf für die jüdischen Massen aufzunehmen, sich im vollen Einklänge mit der jüdischen Gemeinschaft in der ganzen Welt befindet. M. Waldmann, Parte. Pension Eckstein - Mm Frage der Danziger Juden vor dem Völkerbundrat Genf, 21. Jänner. (Z. T. A.) Der letzte Bericht des Oberkommtesars der Freistadt Danzig, Herrn Seon Lester, an den Völkerbandrat erwähnt auch die Lage der Juden in Danzig. Herr Lester teilt mit, daß der Präsident des Senates der Freistadt, um der Beunruhigung entgegenzuwirken, die sich in gewiesen Kreisen am Anfang des Sommers bemerkbar gemacht hat, am 2. Juli 1934 in der Danziger Presse eine Regierungserklärung hat veröffentlichen lassen, die lautet: „Erklärung dee Senates in bezug auf die Behandlung gewisser Teile der Bevölkerung wegen ihrer Abstammung und ihres Glaubens. Zu wiederholten Malen sind Befürchtungen ausgesprochen worden im Zusammenhang mit der Behandlung gewisser Teile der Bevölkerung, insbesondere der jüdischen Bevölkerung, wegen ihrer Abstammung und ihres Glaubens. Diese Befürchtungen sind vollkommen unberechtigt. Die Konstitution der Freistadt Danzig widersetzt sich jedweder Behelligung der Einwohner der Freistadt Danzig wegen ihrer Abstammung und ihres Glaubens. Ausgeschlossen ist insbesondere jedweder Wirtschaftsboykott, da die Regierung der Freistadt einem jeden ihrer Bürger die volle Achtung seiner konstitutionellen Rechte sichert. Die Regierung — und sie weiß, daß in diesem Punkte ihre Meinung von der ganzen Bevölkerung geteilt wird — wünscht, im Rahmen einer legalen Regelung, ein Regime loyaler Konkurrenz, das sich ausschließlich auf tatsächliche Leistungsfähigkeit stützt, und sie wird alle gesetzlichen Mittel anwenden, um ihren Willen durchzuführen.“ Der Oberkommissar erinnert weiter an einen Absatz aus dem am 18. September 1933 zwischen Polen und der Freistadt abgeschlossenen Abkommen über die Benutzung des Hafens in Danzig, in welchem den jüdischen Kaufleuten volle Freiheit in der Ausübung ihrer Tätigkeiten auf dem Massen siedeln. Einige Beispiele sollen dies jüdisch-politischer Betätigung, den Kampf Gebiete der Freistadt gewährleistet wurde. Keren Kajemeth, I., Harc-Aurel-StraOe 5 Club Erez Israel, II., Praterstraße 13 (Lloydhof) Sonntag, 10. Februar 1935, Im grollen Saale des Konzerthauses Das große hebräische Konzert zu Ehren Chaim Nachman Bialiks s. a. Karton Im Vorveikauf: Zionistisches Landeskomiteo für Oesterreich. I., Ma-c-Aurel-Straße 5, Tel. U 22-2 11; Ztenistische Bezirkssektio-» I.eopoldatadt, 11., Praterstraße 13, Tel. R 42-407; Keren Kajemeth: I Maic- AurehStraßa 5. Tel. U 29-1-29; Bücherstube Rath. IJ., Taborstraßo 20a. Tel. R 45 305: Kaufhaus Halporn, II., Fflrsterjrasse 6. Tel. A 46 4-12; Jüdische Kulturstelle, II., Aspernbrückengasse 2 ’’ * Bund jüd. Frontsoldaten I., Bräunerstraßo 2; „Wizo“ 1., öchotteuring 25, Tel. A 11-6-26 und in allen Sektionen. L. M. Politische und wirtschaftliche Gleichberechtigung

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