Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 420 (25.1.1935)
- Date
- 1935-01-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 420 — 25. Jänner 1935 DIE STIMME Seit© 3 ■g—gsa INSTALLATIONEN ELEKTRISCHE KRAFT-,MODERNE BELEUCHTUNGS- UND RADIO- ANLAGEN / ELEKTR. H AUSHAL- TUNGSGERÄTE/LUSTER/RADIO Fachmännische Beratung kostenlos Paul Heller«!.f Lichtensteg 1 Tel. U 11-9-12 Die Mandatskommission Genf, 21. Jänner. (Z. T. A.) Der Völkerbundsrat hat zwei Berichte «■eines Berichterstatters, des Ministers Doktor Benes, über die XXV. und XXVI. Tagung der Mandatskommission zur Kenntnis genommen. Auf Vorschlag des Berichterstatters wurde die endgültige Annahme des Berichts über die XXV. Tagung, die im Juni v. J. stattgefunden hat, noch einmal, bis zur Mai-Tagung des Rates, vertagt. Diese Vertagung erklärt sich durch noch immer bestehende Meinungsverschiedenheiten zwischen Italien und Frankreich in bezug auf konstitutionelle Fragen in Syrien, Meinungsverschiedenheiten, die man wegen Zeitmangels während des Besuches La vale in Rom noch nicht hat belieben können. Der Vertreter der Tschechoslowakei widmet in seinem Bericht über die XXV. Tagung der Kommission einen Absatz auch dem P a 1 ä s t i n a m a n d a t. Er weißt in kurzen Ausführungen auf die Schaffung der Organe der Gemeindeautonomie und die auf dem Gebiete der Kolonisation und der landwirtschaftlichen Entwicklung getroffenen Maßnahmen hin. Anderseits lenkt er die Aufmerksamkeit des Rates auf die Schlußfolgerungen der Kommission bei Erledigung von zwei Petitionen, die die Gleichstellung der Rabbinatsgerichte mit den mohammedanischen Gerichten, die Organisierung der jüdischen Gemeinden und die besondere Stellung der Gemeinde Waad Adah Askenazim betrafen. Diese Petitionen hat die Kommission Jm Juni v. J. behandelt. Der Rat nahm diesen Teil des Berichtes 'über die XXV. Tagung der Kommission ohne Debatte an. Ebenso nahm er den Bericht des [Vertreters der Tschechoslowakei über die XXVI. Tagung der Kommission, die im November v. J. stattgefunden hat, an. Dieser Bericht enthält keine besondere Anspielung auf die während der letzten Tagung behandelten Petitionen aus Palästina. Der iVertreter Großbritanniens gab keinerlei Erklärung ab. Der Vertreter Spaniens regte an, daß den Mitgliedern der Mandatskommission .Gelegenheit gegeben werden solle, von Zeit zu Zeit Reisen in die Mandatsgebiete zu unternehmen. In vertraulicher Sitzung ernannte der Rat anstelle des verstorbenen van Rees den Holländer Baron van Asbeck, einen früheren hohen Kolonialbeamten in Niederländisch-Indien und Professor des Kolonialrechtes in Batavia, zum Mitglied der Mandatskommission. Der Kamps im arabischen Lager Der achte Kongreß der palästinensischen Araber, der im Dezem/ber 1934 stattfinden sollte, wurde erneut auf einige Monate vertagt. Inzwischen befindet sich diie arabische Exekutive, die einmal eine führende Rolle in der arabischen Nationalbewegung gespielt hat, im Zustande fast völliger Auflösung, der bereits seit dem Tode ihres früheren Präsidenten Musa Kasim Pascha anhält. Das Präsidium der arabischen Exekutive blieb infolge innerer Kämpfe unbesetzt, was dazu geführt hat, daß die Exekutive ihren Einfluß auf den Gang der Ereignisse im Lande verloren hat. Die letzte Sitzung der arabischen Exekutive beschloß, daß die Wahlen zum Kongreß auf der Grundlage von Parteilisten, nicht von solchen persönlicher Kandidaturen, durohgeführt werden sollen. Hiermit wollte man das arabische politische Leben aus dem engen Rahmen der Famillenoiiquen befreien und es in einen umfassenderen Kampf für politische Programme und Parolen verwandeln. Da sich solche Dinge jedoch nur auf Grund von Resolutionen sehr schwer durchführen lassen, begannen sich auch die neuen Parteien weniger auf Grund ihrer programmatischen Differenzen zu organisieren als auf dem gleichen, alten Boden von Familieminteressen. Als erster trat energisch an die Organisierung seiner Partei der durchgefallene Bürgermeister von Jerusalem, R a g h e b Bey Naschaschibi, heran. Seine Partei trägt den Namen „Partei der nationalen Verteidigung“ und befaßt sich heute vor allem mit der energischen Propaganda für die Schaffung eines Legislative Council in Palästina. Naschaschibi rüstet sich, wie berichtet wird, dazu, auf dem nächsten Kongreß seine Kandidatur für den Vorsitz in der arabischen Exekutive aufzusteilen, falls alle seine Bemühungen, das Bürgermeisteramt in Jerusalem wiederzuerlangen, mit einer Niederlage enden sollten. Seine Partei rüstet sich gleichzeitig dazu, auf dem Kongreß die Forderung ziu stellen, daß Neuwahlen zum Obersten Moslemischen Rate durchgefükrt werden sollen, der sich heute völlig in den Händen der Mufti-Partei befindet, die in ihm alle gutbezahlten Posten der Aufsicht über dien „Wakf“ und andere Heiligtümer besetzt hält. Auch die H u s s e i n i s, die Familie des Mufti, hat eine eigene Partei unter dem Namen „Arabische Föderation“ gegründet, die unter der neuen Finna die alte Politik der Mufti-Gruppe fortsetzeii wird. Die panarabische „I s t a k 1 a 1“-P a r t e i, die bisher in Palästina als Partei kaum tätig war und aus einer kleinen, allerdings sehr aktiven Gruppe Intellektuller bestand, begann jetzt sich zu organisieren und beschloß, ein eigenes Büro in Jemsalem zu schaffen. Diese ganze „P a r t e i -1 n d u s t r i e“ im arabischen Lager wird in unterrichteten Kreisen jedoch mehr als Saisonerscheinung im Gefolge der Wahlen zum achten arabischen Kongreß und der Jerusalemer Bürgermeisterwahl, denn als politische Differenzierung in der arabischen Öffentlichkeit angesehen. So sieht die Situation im arabischen Lager und hinsichtlich der Beziehungen zwischen den arabischen Parteien aus. Wenn wir jedoch die Situation vom Standpunkte der jüdischen Interessen betrachten, sehen wir vor uns vor allem zwei Faktoren, die geeignet sind, ernstere Sorge zu erwecken. Der erste Faktor sind die arabischen Jugendorganisationen, deren Tätigkeit in der Vergangenheit in verschiedenen Augenblicken ganz gefährliche Formen angenommen hat. Der zweite Faktor ist der Mufti und seine Gruppe, die sich nicht mit dem Kampfe für ihre Herrschaft im inneren arabischen Leben begnügen, sondern auch eine energische Tätigkeit dadurch entfalten, daß sie in Palästina und vor allem außerhalb seiner Grenzen in den anderen islamischen Ländern eine religiöse Hetze treiben. Sie bemühen sich auch, den Obersten Moslemischen Rat und die ,W a k f“ - Verwaltung (die Verwaltung der der mohammedanischen Kirche gehörigen Böden) in ein Instrument des Kampfes gegen den Zionismus auf dem Gebiete des Bodenkaufs zu verwandeln. Wenn die arabischen Demonstrationen in Palästina vom Herbste 1933 vor allem unter der Losung des Kampfes gegen die jüdische Einwanderung geführt wurden, so wurde jetzt der Schwerpunkt auf den Kampf gegen jüdische Bodenkäufe verlegt. Der Mufti fährt in der letzten Zeit durch die arabischen Dörfer und betreibt gegen den Verkauf von Boden an die Juden eine Agitation; er beschwört die Fellachen, dies nicht zu tun, und verhängt den Bann dagegen. Er begnügt sich hiermit jedoch nicht. Er führt vielmehr auch eine systematische Tätigkeit durch, um — häufig mittels sehr unsauberer und ganz dunkler Machenschaften — Bodenkonflikte hervorzurufen und Prozesse um Boden anzuzetteln, denen er einen religiösen Charakter zu gehen sich bemüht. Der Oberste Moslemische Rat versucht in der jüngsten Zeit an gewissen strategisch wichtigen Punkten als Bodenkäufer aufzutreten. Zu diesem Zwecke bemüht er sich auch, von der Regierung die Erlaubnis zur Aufnahme einer Bankanleihe von £ 100.000 zu erhalten (ohne Erlaubnis der Regierung darf das nach der Verfassung des Moslemischen Rates nicht geschehen) und von hier stammt der Irrtum und die falsche Nachricht, daß sich der Rat bemüht, direkt von der Regierung eine Anleihe zu erlangen. Hinter all diesen Machenschaften verbirgt sich nicht nur die Fahien üe mit den grillten Schiiten der Wellt nach Amerika und Canada Cunard White Star Repräsentanz: Wien, I. Kärntnerring 4 und IV., Wiedner Gürtel 22 jede Gelegenheit zu einer Entfaohung eines Feuers im Lande zu benutzen. Besonders große Vorbereitungen wurden durch die Mufti-Gruppe im Gefolge der Erwerbung des Hule-Gebietes durch di© Juden getroffen. Bisher haben jedocfi di© Hetzer auf diesem Gebiete eine vollständige Niederlage zu verzeichnen. Die Araber, di© im Hule-Gebiet wohnen, haben sich nicht als Instrument benutzen lassen. Sie haben umgekehrt ihrer Zufriedenheit darüber Ausdruck gegeben, wie ihre Interessen bei der Übernahme des Bodens durch di© Juden gesichert wurden. Was im Hule- Gebiet geschah und was der antijüdischen Hetze ihre schärfste Waffe entriß, ist entscheidet wegen der Richtung, in der die jüdischen Bodenkäufe auch in Zukunft werden gehen müssen. Kleinere Bodenkäufe werden durch Juden auch weiterhin wie bisher durchgeführt werden, beim Kauf größerer Flächen — und solche Käufe sind auch jetzt und in Zukunft möglich — wird man für die Befriedigung der Interessen der Araber sorgen müssen, die auf den gekauften Böden sitzen, um auf diese Weise di©' bösen Absichten der antijüdisohen Hetze zu zerstören. (Palcor.) Saul Tschernichowsky Ehren* mitglied der Leitung der Pen< Clubs Nach einer Mitteilung der Leitung der Pen-Clubs in London wurde der berühmte hebräische Dichter Saul Tschemichowsky als Vertreter der hebräischefl Literatur zum Ehrenmitglied der Exekutive der Pen-Clubs gewählt. Dieses Ehrenamt wird durch die Leitung der Pen-Clubs nur an die bedeutendsten literarischen Vertreter jedes Volkes vergeben. Die Liste der bisherigen Ehrenmitglieder weist die folgenden Schriftsteller auf: Franz Werfel für Österreich, Maurice Absicht des Bodenraubes, sondern auch die, Maeterlinck für Belgien, Präsident Jakob Rosenthal: jUchocd Bee&-Uofu*aM*-Afotod Der Dichter am Vorlesetisch Von jenem Dichterkreis, in dessen geistige und literarische Nähe zu kommen, auch einmal die Sehnsucht des jungen, literarisch ambitionierten H er zl war, jenes Titanen, der später das große Drama der Verheißung vom Gelobten Land geschrieben und sich so unsterblich gemacht hat, ist uns in "Richard Beer-Hofmann der einzige große Dichter geblieben, der, nach wie vor, „Jaakobs Träume“ lebt und webt. Den Schöpfer des „Grafen von Charolais“ den Autor der „Gedenkrede auf Wolfgang Amadeus Mozartden Dichter des „Schlafliedes für Mirjamdas einst Hermann Bahr als das Schönste bezeichnete, das der deutschen Literatur geschenkt worden ist, den Dramatiker, der Goethes „Faust“ in die Aufführung eines Abends zu bannen vermochte, Beer-Hofmann, den großen zeitlosen Bibeldichter unserer Tage, den Verkünder biblischer Treue, den Deuter prophetischer Weisheit zu lesen, bedeutet heute, in unseren Tagen der Hast und der Quantitätsrekorde, mehr denn je, innere Bereicherung. Ergriffen und. erschüttert erlebt mm. aber. diese Dichtungen, wenn man sie, vom Munde ihres Schöpfers beseelt, gesprochen hört. Alles, was in seinen Werken an Schönem und Erhabenem ist, schwingt da mit. Lauterkeit und Größe, das Ethos der Propheten, deren dichterischer Interpret Beer-Hofmann ist, strömten auch an diesem Abend mit strahlender Leuchtkraft, mit Pathos und Würde, mit Weisheit und Güte, aus allem Vorgetragenen. Ob es Szenen der hinreißenden, historisch-wuchtigen, von biblischer Zeitlosigkeit erfüllten Dichtung „Der junge David“ oder der von dynamischer Gewalt und Gottestreue erfüllten Engelszene aus dem heute mehr denn je aufrüttelnden „Jaakobs Traum" waren, alles packte und ergriff und wühlte auf, alles trug den Odem des Genius, war beflügelt von der großen Liebe des Dichters zu seinen Schöpfungen, war durchpulst vom starken Rhythmus Beer- Hofmannscher Dichtkunst. Sein „Jisroel" zum Schluß ist der gewaltige Ruf jahrtausendealten Gottes-Ringens und für Gott Streitens. * Es war ein Abend der Verheißung und der Besinnung. Die Vorlesung war zu Ende. Die Luster des schönen Marmorsaales waren längst ausgelöscht, die rauschenden Ovationen eines begeisterten, mit Dichter und Werk innerlich mitgehenden Publikums vorüber; draußen aber in der kalten Winternacht hörte man noch lange des Dichters Stimme, die bezaubernde Melodie des Schlafliedes für Mirjam. * Der Rahmen der Vorlesung war ein überaus schöner. Es hatten sich außer den Repräsentanten des zionistischen und jüdischen Wien — man sah Obenrabbiner Doktor Feuchtwan g, Staatsrat Dr. F r i e firn a n n, Vizepräsident Dr. L ö w e n h e r z, Präsident des Zionistischen Landeskomitees Dr. Oskar Grünbaum mit Gemahlin, Vizepräsifientin der Wizo und des Landeskomitees, Frau Sabine Paß weg, Vizepräsiidentin Frau Blainka Federn-Lipschütz, den früheren Vizepräsidenten der Kultiusgemeinde, Kultusrat Dr. Jakob O r n s t e i n und zahlreiche Kultusvorsteher — auch prominente Vertreter der Literatur, Wissenschaft und Kunst eingefunden. Man bemerkte unter anderem die Gattin und die beiden Töchter des Dichters, die Witwe Arthur Schnitzlers, seinen Sohn, den Schauspieler und Regisseur Dr. Heinrich Schnitzler mit Gattin, Baronin Oppenh e i nij die Schriftsteller Dr. H ö 11 r i e g 1,1 Dr. Rundt, den Sohn des Altbundespräsidienten Dr. Hain is ch, Direktor Krau? des Bankhauses Kux, Bloch & Co., zahlreiche Verleger, * Der Abend wurde durch eine geholt- und geistvolle Begrüßungsansprache der Präsidentin der Wizo, Frau Sophie Löwen* herz, eingeleitet, die ihrer Freude Ausdruck gab, daß ein so zahlreiches Publikum die Gelegenheit wahrgenommen habe, um mit der Wizo den großen Dichter Beer-Hofmann zu ehrtn und ihm dafür zu danken„ daß er für diesmal aus seiner Zurückgezogenheit herausgetreten. „Daß Richard Beer-Hofmann" — führt6 Frau Löwenherz aus — „gerade uns zionistischen Frauen diese hohe Ehre erweist, ist bedeutsam. Der Dichter, der unseren großen biblischen Müttern Rebekka und Ruth die herrlichsten Denkmäler in seinen Werken schuf, glaubt an die jüdische Frau als die Hüterin großer Traditionen, an ihr Vermögen: die in der Seele ihrer Kinder schlummernden Kräfte ans Licht zu fördern und Erlösendes zu schaffen. Er verherrlicht die jüdische Stammesmutter. Dafür bleibt dem Meister für alle Zeit der Dank der jüdischen Frau sicher. Seine Vorlesung im Rahmen der Wizo-Veranstaltungen soll bezeugen von unserer Verbundenheit mit dem Dichter, von der Verbundenheit seines Werkes mit uns*<