Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 419 (22.1.1935)
- Date
- 1935-01-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054140-3054174--4785-3060443- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seife 4 DIE STIMME ■ 22. .Tänncr 10,15 selbrd stellen und gcgtn die Weltorganisation arbeiten, die Histadriith durch geschickte Tarnung, dalurch, daß ihr der Apparat der Weltorganisation zur A'erfstellt und dadurch, daß ihr bürgerliche Kreise die Flanken decken. Das ist, die wahre Situation. Sie ist beklemmend. aber man soll ihr ins Auge sehen. Über alle Parteien hinweg mögen sieh alle die Hände reichen, die in Wahrheit den Frieden wollen. Organisieret den Frieden! Kettet die Organisation! Hermann Kadinh »um Gedenken Anläßlich der ersten Wiederkehr seines Todestages Weisls Forderungen Über die Ausführungen Dr. Weisls auf der Krakauer Revisionislenkonfcrenz haben wir n a c h d e r l. T. A. berichtet. Dr. Weisl sendet uns dazu eine Zuschrift, in der er ausführt: ..Ich habe nicht gesagt, daß die Revisionisten berechtigt seien, im Namen des jüdischen Volkes zu sprechen; ich habe viel mehr gesagt, daß die Konferenz der neuen Exekutive den Auftrag erteilen müsse, politische Verhandlungen insbesondere in Polen und den Ländern der Kleinen Entente zu führen, gestützt auf die Vollmacht, die ■wir durch die über 600.000 Petitionsunterschriften erhalten haben und im Namen der Petitionäre. «labotinsky hat nicht einige Zwischenrufe gemacht, sondern hat bei dieser Stelle mich gefragt, ob ich damit sagen wolle, daß wir Revisionisten im Namen der Petitionäre zu verhandeln berechtigt sind. Es ist nicht richtig, daß ich erklärt habe, die Revisionisten sollen künftig die zionistische Organisation sein — das genaue Gegenteil trifft zu; ich habe erklärt, daß ich mich freuen werde, auf dem nächsten Zionistenkongreß alle Delegierten der Revisionistischen Weltkonferenz wiederzutreffen. Es ist nicht richtig, daß ich erklärt habe, die kommende Revisiontetiisohe WeJtkonferenz solle ein Zionistenkongreß sein. Richtig ist vielmehr, daß ich gefordert habe, im Rahmen der von mir seit langer Zeit vorgeschlagenen Reorganisation der revisionistischen Bewegung einen Kongreß als oberste Instanz der Partei zu schaffen, entsprechend ihrer Bedeutung und ihrem Wachstum, ohne hiedurch irgend welche Be Ziehungen zum Zionistenkongreß vorzuschlagen. ' Ich möchte schließlich noch betonen, daß ein weitverbreiteter Irrtum bei meinen zionistischen Freunden und Gegnern über meinen angeblichen „Maximalismus“ besteht, über den Sie im selben Zusammenhang sehrrdben. Ich bin nicht Maximalist. Die Maximalsten stehen unter Führung Achi Meirs, der organisatorische und finanzielle Fragen als sekundär ansieht und aus diesem Grunde auch keinerlei Wert auf eine Zusammenarbeit mit den anderen zionistischen Parteien legt, während ich die »Schaffung einer starken revisionistischen Massenorganisation als unentbehrlich ansehe und eine möglichst harmonische Zusammenarbeit mit der zionistischen Organisation stets befürwortet habe, allerdings unter der Voraussetzung, daß diese Zusammenarbeit nicht zum Verzichten auf die eigene politische Arbeit führt, die ich für unentbehrlich halte.“ Zu diesen Mitteilungen Dr. Weisls wollen wir nur bemerken, daß wir seine Theorien ablehnen und den »Standpunkt vertreten, daß die Revisionisten alle Sonderaktionen unterlassen und den Primat der Disziplin der Zionistischen Weltorganisation anerkennen müssen. Allgemeine Verwunderung wird es erregen, daß Herr Dr. Weisl es ablehnt, Maximaiist zu sein. Eher seinem Charakterbild sollte jenes Wort stehen, mit dem er so gern und immer wieder unser jüdisches Volk bezeichnete, — als eine natio »? u i generis: Hermann Kadisch war als Mensch, Jude, Politiker ganz und gar — sui generis: ein Eigener. In diesem individualistischen Zug und Grundzug seines Wesens erscheint sein Leben und sein Lebensgang von einer seltenen Geschlossenheit in all dem Bewegten und Bewegenden, das ihn im Zeitenstrom — ein halbes Jahrhundert rastloser Betätigung — ergriff und trug, vorwärts, von Etappe zu Etappe. Mit einem ans Wunderbare grenzenden politischen Sinn von Natur aus begabt, erschuf er sich in frühester Jugend, beinahe noch an der Scheide zwischen Knabe und Jüngling, — fast möchte man sagen rein intuitiv — immerhin — im Blick und Aufblick zu dem einen und anderen edlen Vorbild politischer Führermenschen seiner Frühzeit, etwa eines Adolf Fischhof, — da schon formte er sich die ideelle Synthese, deren Kern und Inhalt so sehr frucht-verheißend, so reich, so weltweit lockte, daß er ihm sein ganzes folgende Leben, fünf Jahrzehnte hindurch und unter vollem Einsatz seines Könnens hin geben konnte und hingegeben hat. Hermann Kadisch war Politiker aus innerster Lust, Liebe, Leidenschaft. Aber der dein Affekt nach von der Politik Besessene, stand zeitlebens kühl, nüchtern, scharf- und hellsichtig ihren Verflechtungen, ihren Gefahren, ihren Versuchungen gegenüber — dank seinem klaren Bewußtsein von ihrer theoretisch verpflichtende«! Problematik und ihrer fragwürdigen — Praxis. Ein Schwärmer und Stürmer aus eigenpolitischem Triebe, widerstand er allezeit ihren Lockungen, so oft sie von außen iihm winkten; denn höher als alle Aspirationen galt ihm die eine, die köstlichste: die Wahrung, Behauptung seiner inneren Unabhängigkeit gegenüber engstirnig hemmenden Bindungen politischer Richtung, gar Parteiung, — auch wenn und wo er sie bejahend, sich grundsätzlich zu ihr bekennen mochte. Auf dem Prinzip individueller Freiheit, baute sieh jene ideelle Synthese auf, für deren politische Verwirklichung er sich permanent in Dienst gab: ein Diener der — Freiheitsidee. Hier gab es Bindungen. Der Freiheit gegenüber — Bindungen? Ihr gegenüber? von deren Unwiderstehlichkeit, Zaubermacht, unser Geschlecht, die Menschenart, in aller Fülle und Vielheit seiner Eigenarten, »einer Abarten, ausnahmslos ein und dasselbe Hohelied durch die Jahrtausende menschlicher Geschichte anzustimen wußte, in Einzel- und Chorgesang: Denker und Dümmlinge, Gottgläubige und Gottlose, Heilige und Verbrecher, Demokraten und Demagogen, politisch gereifte Führer und von bösen Dämonen gepeitschte Verführer hier gab es, liier gibt es Bindungen: für die edlen Apostel menschlicher Freiheit, — nur für sie nicht, die Apostaten des Menschentums: der Begriff der Freiheit hat seine Bindung und seine Schranke a.m Begriff des Mitmenschen. Mit ihm muß sie der Mensch teilen, das heißt gemeinsam haben; mit ihm als einzelne und innerhalb jeglicher Menschen — und Völkergemeinschaft. Aus seinem unentwegte«! Beharren auf der prinzipiellen Forderung freier, individueller Entfaltung auf der gemeinsamen Basis sozialer Bindungen, sozialer G e r e c h t igk e it, ergibt sich seine jeweilige theoretische Einstellung wie ebenfalls sein aktives Verhalten zu den Zeit- und Kulturströmungen eines halben Jahrhundert«. Hermann Kadisch, der F r e i 1 il n d e r, Mitarbeiter und »Sekretär Theodor Hertzk a ß, Kadisch der Großüsterreichcr im alten Österreich-Ungarn, heftigster B ekäinpfer jeder nationalen Hegemonie, leidenschaftlicher Verfechter nationaler u n d kultureller Autonomie, zumal auch für die nationalen M i n o r itä t. e n, — selbstredend auch für die j ü d is c li e. m der er sich n a t i o n a 1, d a n n zionistisch bekannte, Genosse ns c h a f t s s o z i a 1 i s t, aber A n t i m a rx i ß t, Föderalist und P a n e u r o- 1) ä e r — in all den Etappen der Vor- und Nachkriegszeit ist Henmnnai Kadisch sich und seinen Grundsätzen gleich und treu blieben. Der Zionistische Landesverband Ittr Oesterreich und die Zionistische Bezirkssektion XX geben biem t Nachricht, daß Herr EMIL NIMHXUSER langjähriger Obmann der Boxlrksaefct on XX und dar BaxIrkaKommlsalon für dan XX BatIrK, atc. am 19. Jürmer im 54. Lebensjahre dahingeschieden ist und am 20. Jänner zur ewigen Ruhe bestatt et wurde. Wir betrauern in dem Dahingeschiedonen einen aufopferungsvollen, um die Verbreilunr der zionistischen Idee bociiverdienton Zionisten, einen selbstlosen Beschützer der Armen und Bedürftigen. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die ideelle Synthese, die Hermann Kadis ch von seiner frühesten Jugend an durch sein ganzes Leben Leitstern war, bedeutet somit in präziser Formulierung das G r u n d v c rh ä 11 nis und Grund verhalten des Menschen zur Gesamtheit, die Einstellung des Einzelnen zum Staat seine Einordnung in die Volks- und Menschengemeinschaft. Es ist, im Aspekt der Gegenwart gesehen, dae brennendste Problem, aber im Grunde brennt und flammt es durch alle Zeiten als das Hauptproblem menschlicher Geschichte. Utopisten und Realpolitiker begegnen sich hier trotz aller prinzipiellen Gegensätzlichkeit. War Hermann Kadisch Utopist? War er — Realpolitiker? Er war beides. Von jenem hatte er den Blick fürs Ganze, für den Bau und Aufbau — einer des Menschen würdigen Gemeine ohaftsform, — und vom Realpolitiker hatte er den Scharfblick für alles gegenwärtig Nahe, das Gute wie das Böse, das Schöne wie das Häßliche. Und gerade diese Verbindung von real Gegenwärtigem mit den Postulaten des Ideellen, die Zukunft Verheißenden, aber sie schon in die Gegenwart Projizierenden, unterscheidet und unterschied ihn von den Politikern und der Politik des „nur eben jetzt Mögliche n“. Er hatte die genaueste Kenntnis von den jeweilig agierenden Politikern, Staatsmännern und durchschaute die subtilsten Zusammenhänge in den politischen Vorgängen. Für die konkrete Verwirklichiin; seiner politischen, kulturpolitischen Synthese war er somit prädestiniert und ausgerüstet wie wenige. Hermann Kadisch war ganz eigentlich der „geborene“ Red n e r. Und es war ihm gleichgültig, ob er vor zehn Zuhörern oder in Volksversammlungen vor ihrer Hunderten seine Philippiken donnerte. Denn der tiefste Beweggrund seiner Rede kam nicht von — außen; ihn bewegte der Eifer und da« Feuer der Ideen, an die er felsenfest glaubte, Ln deren Verwirklichung er, nüchtern gesprochen, eine unerläßliche politische Notwendigkeit erblickte, in deren Geringwertung oft genug — Verhöhnung er kommendes Unheil, ja Untergang vorausfühlte, und — ein politischer Seher — vorauß verkündete. Lange vor anderen und in scheinbar friedlichsten Zeiten verkündete er den Zerfall der Ilabsbnrgermonarchie, sofern das föderalistische Prinzip der Völkerautonomie nicht restlos für alle Völker und Stämme zum Durchbruch und Verwirklichung kommen würde. Und als er — ein vergeblicher Rufer in der Wüste, — den Zusammenbruch erlebte — ja, da war Hermann Kadisch einer der ersten, der in Wort und Schrift aufrief zum Neuaufbau eines föderativen Mitteleuropa«. Jahrzehnte hindurch Stand Hermann Kadisoh in der zionistischen Bewegung, bis zum letzten Atemzuge treu zu seinem Volko haltend. Da« weite Gebiet der einstigen österreichisch-ungarische Monarchie nach allen Richtungen durchquerend, warb er unermüdlich für die zionistische Grundidee, — aber auch hier frei, unabhängig den besonderen Gruppierungen, Parteiungen gegenüber. Bis zuletzt förderte er mit Wort und Tat jede jüdische, zionistische Aktion, wenn sie positiv gewertet werden konnte; stets aber hielt er auch hier den Blick aufs Ganze gerichtet, ein beständiger Mahner und Warner vor separatistischer Zersplitterung und kurzsiohtigor Isolierung dos jüdischen Go- ' samtproblem« gegenüber den allgemeinen politischen und sozialen Problemen der Zeit, Es gibt nur wenige führende Zionisten, die das jüdische Problem im Zusammenhang mit dem großüsterreiehischen vor und Österreich nach dem Weltkrieg de« weiteren mit dem Problem Mitteleuropa — und jedes ■im Aspekt der Weltpolitik —, mit der gleichen Intensität analytisch zu durolulrmgmi und .synthetisch zusammenzufassen vermochten wie Hermann Kadisch. Und im Hinblick auf die Umwälzungen und Wandlungen. die wir unmittelbar erleben, möchte man von ihm sagen, daß er — zumindest für eine unberechenbare Zeitstrecke —- vhd- 1 eicht der letzte repräsentative jüdische Mensch und Politiker gewesen sei, und von einer Objektivität, Ursprünglichkeit. Unbefangenheit gegenüber der allgemeinen Problematik, und a.ueh der besonderen-: Juden tum — Christentum, daß ihm mit gutem Recht, der von Juden und Christen ams verschiedensten Lagern und Ländern als weiser politischer Berater und politischer Charakter geschätzt ward, ein ehrendes Andenken gewahrt bleiben wird. Bernhard Tag. Es war eine eindrucksvolle Goden kf e i e r, die Freunde und Verehrer zur Wiederkehr seines ersten Todet«tage« veranstalteten, und sie war um so eindrucksvoller, als es — trotz öffentlicher Anzeige — nur ein kleiner, intimer Kreis war, von Menschen, die ihm nahe stau Jen. Die Wihve, Frau 0 1 g a Kadisch, war zur Feier erschienen. Jüdische und christliche Freunde fanden «ich ein, und jeder einzelne Redner konnte einen und den anderen besonders eigentümlichen Zug dem Charakterbild Hermann Kadisch' ei.nfügen, der als Mensch, als Jude, als Politiker wohl wert ist, daß wir ihn mit dauern dom Gedenken ehren. Heute Abfahrt von SO Chalu• ztm nach Palästina Das Palästina-Amt Wien teilt mit: Heute' Dienstag fährt eine Gruppe von über 50 Personen, zum größten Teil C h a 1 u z i m, von Wien über Triest nach Erez Israel. Abfahrt ab Südbahnhof um 21.20 abends, Einschiffung in Triest auf der „Gerusalemme;* am 23. Jänner 1935. Die nächste Abfahrt von Wien erfolgt a.m 30. Jänner 1935. Kinoprogramme der Woche KREUZ-KINO Vom 22. bis 25. .lünncr 1035 Viva Villa Beginn: 4, 8/J5, */s8, ‘/„10 Uhr LeopomsfQdter UoIRsHino Vom 22. bis 25. Jilnncr 1035 PETE mit Franziska Gaal Wochentags Vt6, '/*8, '/410 Uhr, Sonn- und feiertags ’/i« Uhr RembrandMüno II., Malzgasse Nr. 2 Telephon A 44-0-35 Rothschilds Landstr. Hauptstr. 25/27 'leleplion B 53-0-92 Am 22. und 23. JUnner 1035 Rochus-Kino111 Am 22. und Königin Christine 21. Jänner WM) Ein Unbekannter mordet Wochontagu; '/.fl, 7, 0 IJIn . SoimtagH-. 7,5, 1 i Uhr IX., WlihringerstraOe 12 Telephon A 18-3-96 Vom 22. bis 25. JUnnoi 1035 Uotftprk-Kino Vom 22. bis So endete eine Liehe mit PauBa Wessely Täglich: 4, °/*6, 7*8, 7*19 Uhr