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Die Stimme · 1935-01-22 · Heft 419 (22.1.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 419 (22.1.1935)
Date
1935-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 419. — 22. Jänner 1935 OIE STIMME Seite 3 Der neue Stadtrat von Jerusalem Jerusalem, 20. Jänner. Zum Bürgermeister von Jerusalem wurde der erfolgreiche Gegenkandidat Nashashibis bei den letzten Wahlen, Dr. Hussein Fakri el K h a 1 d i, ernannt. Zum ersten Vizebiirgermeister wurde Chaim Solomon, zum zweiten Bürgermeister Jakub Farradsch als Vertreter der christlichen Bevölkerung bestimmt. Die neugewählte Stadtvertretung hat die Arbeiten bereits aufgenommen, ohne die Entscheidung über den Wahlprotest, der von zwei anderen Mitgliedern der Nashashibi- Partei eingereicht wurde, abzuwarten. Nach der Abweisung des vom ehemaligen Bürgermeister Nashashibi eingebrachten Wahlprotestes durch das Jerusalemer Distriktgericht waren Verhandlungen der Regierungsstellen betreffend die Besetzung des Bürgermeisterpostens aufgenommen worden. Der Distriktskommissar Campbell hatte Vertreter des Waad Leumi zu einer Besprechung eingeladen, in der die Möglichkeit der Besetzung des Bürgermeisterpostens mit einem Juden erörtert wurde. Die Ergebnisse dieser Besprechungen wurden auf Wunsch des Distriktskommissars nicht veröffentlicht. Es folgten weitere Verhandlungen mit dem High Commissoner, in denen die Vertreter der jüdischen Wählerschaft, die die Mehrheit in der Bevölkerung ausmacht, sich schließlich damit zufrieden gaben, daß ihnen der Posten des ersten Vizebürgermeisters, dessen Befugnisse erweitert werden sollen, überlassen wird. Soholow über die Lage in Palästina London, 20. Jänner. (L T. A.) ' In einer zionistischen Versammlung, unter Öem Vorsitz dies Oberrabbiners Dr. Hertz sprach Nah um S o k o 1 o w über die Lage iin Palästina. Er sagte: In Palästina geht eine Wiedergeburt des jüdischen Volkes vor sich und im Prozeß piner Wiedergeburt kann man jede Leistung .vollbringen. Ich hoffe, daß die Zeit kommen wird, da wir mit Zustimmung der Regierung Trans Jordanien haben werden. Wir haben jetzt einen großen Erfolg errangen. Wir halben das H u I e - G e b i e t erworben. Ich war 1910 in Konstaintinopel, als man die Konzession den Arabern übergab. Sie haben sie erworben, aber in einen Schrank verschlossen. 20 Jahre lang haben die Araber keinen Finger gerührt, jetzt ist die Zeit gekommen, da wir junge Menschen, Ghaluzim, nach Palästina bringen können. Übertriebener Jubel tut nicht gut, ebenso auch nicht unaufhörliche Kritik. Di© Erwerbung des Hule- Gebiets bedeutet fiir uns einen ungeheuren Fortschritt. POLEN besonders billige Gesellschaftsreise »m 29. Jänner bis 20. Februar (andere AufenthaUsarranRemenhi möglich). Ideelle Gelegenheit für Winteraportler. Anmeldungen und Auskünfte nur Poln. Verkehrsbüro „FRANCOPOL“ Wi*n, III., Rennweg 1 Tel. U 16490 Gegen Jüdische Siedlung auf Cypern Die Athener wissenschaftliche Wochenschrift „Ergassia“, die vor kurzem in einem Artikel die Leistungen der jüdischen Kolonisation in Cypern lobend hervorgehoben hat, veröffentlicht einen zweiten Artikel über diese Frage, in dem auf die Gefahr einer Verdrängung des griechischen Elements auf der Insel hingewiesen wird. Den Juden, die nach Yypern einwandern, schreibt das Blatt, sagen wir: Ihr seid willkommen, wenn ihr euch darauf beschränkt, Geld zu bringen und Unternehmungen zu schaffen. Wenn ihr aber auch Menschen zur Ansiedlung bringt, werden die Cyprioten dagegen revoltieren. Der englischen Regierung wird in dem Artikel vorgeworfen, sie fördere jüdische und armenische Kolonisation, um die etnographischen Verhältnisse auf der Insel zu ändern und ihre historische Verbindung mit dem griechischen Volkstum zu lösen. Friedensgerede oder Frieden? Die revisionistische Weltkonferenz in Krakau ist nach fast cimwöcbiger Dauer zu Ende gegangen. Sie hat das sogenannte Friedens Übereinkommen gett c h m i g t — wie wir bereits berichteten — und hat noch Resolutionen über die Petitionsaktion, über die Schaffung von Ligen der „Petitionäre“ und die Einberufung eines „Kongresses der Petitionäre“ beschlossen. Sie faßte weiter den Beschluß, auf die Mandatarmacht einen Druck auszuiiiben, um sie zur Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Mandat zu verhalten. Diese Resolution wurde gegen die Stimmen der Maximalsten angenommen. In der wichtigsten Frage, der Frage der Disziplin gegenüber der Zionistischen Weltorganisation, sind die Hoffnungen aller jener Zionisten außerhalb des revisionistischen Lagers und, wie gewisse Redner am Kongreß selbst zu erkennen gaben, auch die Erwartungen vieler Revisionisten enttäuscht worden. In seiner letzten Rede erklärte Jabotinsky, daß sich die Revisionisten nicht „u n t e r w e rf e n“ werden. Eine Zusammenarbeit sei nur auf föderativer Grundlage, ohne das Prinzip der Mehrheit oder Minderheit möglich. Jabotinsky erklärte weiters, daß die Revisionisten kein g ef ti h l s m ä ß i g e s Verhältnis zum Kongreß haben und von dieser Institution nur Gebrauch machen werden, wenn es sich ihnen lohne. Im übrigen entzog er die Entscheidung über diese wichtigste Frage der Konferenz, indem er erklärte, es sei Aufgabe des Exekutivkomitees der Revisionisten, zu entscheiden, ob diese zum Kongreß gehen würden oder nicht. Die Revisionisten würden zu Hause bleiben, wenn der Schekel eine Klausel betreffend Diszipldnzwang enthalten sollte. Wie man sieht, ist 'das Ergebnis dieser ©in/wö ohigen Redeschlacht ein schlechtes für die Zionistische Organisation, aber gleichzeitig auch, wie wir meinen, für die Revisionisten selbst. Diese Weltkonferenz der Revisionisten hat nämlich endgültig das Märchen von der Geschlossenheit der revisionistischen Bewegung zerstört. Zwischen den Delegierten, welche die Disziplinverpflichtung gegenüber der Zionistischen Organisation anerkennen, und Jabotinsky, der den derzeitigen Schwebezustand erhalten wissen will, und den Maximallsten zeigen sich tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten. Man kann heute ruhig sagen, daß die Union der Zionisten- Revisionisten aus drei verschiedenen Parteien besteht, die einstweilen noch durch Jabotinsky zusammengehalten werden. Die revisionistische Union ist nichts anderes als ein Spiegelbild des linken Flügels der Zionistischen Organisation, der ebenfalls aus verschiedenen Gruppen besteht, die aber durch wirtschaftliche Interessen aufeinander angewiesen sind, und ein Spiegelbild der Verhältnisse bei den Allgemeinen Zionisten. Bezüglich der Allgemeinen Zionisten kommt nur der erschwerende Umstand dazu, daß diese in vollkommener Verkennung der Situation es noch immer für notwendig befinden, sich zu differenzieren, statt zu ralliieren. Wie wird eich nun das weitere Verhältnis der Revisionisten zur Zionietischen Weltorganisation gestalten? Die Zionistische Exekutive hat auf die Einladung zur revisiomistieeben Konferenz geantwortet, daß sie zu ihrem Bedauern nicht in der Lage sei, einen Vertreter zu entsenden und hat im übrigen, was offenbar ein Wink mit dem Zaunpfahl war, der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Frage der Disziplin befriedigend gelöst werden wird. Das ist nun nicht geschehen und die Zionistische Exekutive, die letzthin — übrigens nach unserer Meinung zu Unrecht —■ begonnen hat, energisch zu werden, als es sich um eine allgemein-zionistische Gruppe in Kongreßpolen handelte, wird nun zu beweisen haben, ob sie gleiches Maß allen Gruppen gegenii b e r zur Anwendung bringt. Da auch in der Frage des sogenannten Londoner Paktes zwischen Jabotinsky und Ben Gurion die de! Histadruth noch auseteht2 stehen wir eigentlich dort, wo wir gestanden sind. Eines ist sicher: Daß Vetorecht, das sich Jabotinsky nach dem Mußter des liberum veto der polnischen Adeligen zubilligt, ist untragbar. Eß geht nicht an, noch dazu unter Negierung des Primates der Disziplin gegenüber der Zionistischen Weltorganisation, eine Föderation von einander unabhängiger zionistischer Organisationen zu schaffen, ganz gleichgültig, ob dabei daß Majorität«-, prinzip ausgeschlossen werden soll oder nicht. Fraglich ist es nur, welche Taktik die Exekutive den Revisionisten gegenüber verfolgen will, um die Einheitlichkeit der Organisation zu wahren, ob es zu einem Bruch kommen soll, oder ob man warten will, bis in der revisionistischen Führung jenes Prinzip zum Durchbruch kommt, das Jabotinsky bei der Konferenz verkündete, daß sich nämlich Politik auf Logik aufbauen müsse. Jabotinskyß derzeitige Politik scheint nur der Ausdruck eines Kompromisses zwischen ihm und den Maximalifiten zu sein. Es ißt auch fraglich, wie lange Jabotinsky sich auf dem politischen Seil wird halten können, das an einem Ende von den Maximalsten gehalten wird, während 'das andere Ende nur mehr zaghaft von jenen Revisionisten gehalten wird, die für den Primat der Disziplin der Weltorganisation sind und eigentlich in der revisionistischen Union nichts mehr zu suchen haben, sondern gefüllte- und gesinnungsgemäß allgemeine Zionisten sind. Es ist aber müßig, darüber Betrachtungen anzustellen, ob und wie lange noch Jaibotinsky diesen Zustand wird aufrecht erhalten können und oh es nicht eines Tages dazu kommen wird, daß die Revisionisten tatsächlich aus der zionistischen Organisation austreten. Dieses Ereignis wird nicht nur von den Maximalisten herbeigefiehnt, sondern auch von gewissen Kreisen der Linken. Diese Kreise unterschätzen offenbar die Gefahr, di© in einer Sezession der Revisionisten liegen würde. Eis ist keineswegs eine ausgemachte Sache, daß sich die Austrittsbewegung nur auf Teile der revisionistischen Union oder auf alle Revisionisten beschränken würde. Es gilbt Unzufriedenheit in der Zionistischen Organisation genug und es gibt heute schon ergebene Zionisten außerhalb der Union der Zionisten-Revisionisten, die keinen zweiten Prager Zionistenkongreß mitmachen möchten, weil sie keine Sehnsucht danach haben, die Folie für eine Diktatur abzulegeo, die sich formal-demokratisch tarnt. Wir wollen mit aller Deutlichkeit unterstreichen, daß unter Wahrung des Prinzips der Einheitlichkeit der Weltorganisation nach Möglichkeit eine Sezession der Revisionisten hintangehaltoiL werden soll. Es ist auch nach unserer Meinung leichtfertig, wenn man darauf pocht, daß nur die Jewish Agency die durch den Mandatvertrag legalisierte Vertretung des jüdischen Volkes ist und daß daher die Revisionisten, wenn sie aus der Organisation austreten, zur Ohnmacht verurteilt wären. In unserer wechselvollen Zeit ist auch in politischen Dingen verschiedenes möglich, was früher undenkbar gewesen wäre. Wir sind daher der Ansicht, daß die Exekutive mit aller Energie, aber doch mit ruhiger Überlegung beharrlich für die Herbeiführung des Friedens mit den Revisionisten bemüht bleiben muß. Darüber hinaus aber muß sie so handeln, daß jene Gruppen, die treu zur Zionistischen Weltorganisation stehen, dafür die Sicherheit haben, daß die Exekutive Vertreterin aller Zionisten und nicht die Vollstrecker i n des Machtwillens einer bestimmten Richtung ist. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Revisionisten die zionistische Disziplin verletzen, aber es ist ebenso sicher, daß es für diejenigen leicht ist, Disziplin zu halten, die sich an der Macht befunden. Der 18. Kongreß hat bewiesen, daß sich die Exekutive nur auf einen Teil der Zionistischen Organisation stützt und seither ist nichts geschehen, was den Schluß zulassen würde, daß die Arbeiterpartei und die Histadruth den ernstlichen Willen haben den in der Exekutive nicht vertretenen Parteien nicht nur Pflichten aufzuhalsen, sondern ihnen auch ein Mitb^stimmungsrecht einzuräumen und ihre gerechten Forderungen zu erfüllen. Es wurde bisher unterlassen, Verhandlungen mit den Allgemeinen Zionisten, den M i s r a c h i s t e n und der J u d e nstaatspartei in einer Weise zu führen, daß an dem guten Willen, zu einem ehrlichen Frieden zu gelangen, nicht gezweifelt werden könnte. Es hat seit dem Kongreß bisher nur eine einzige; Sitzung des Aktionskomitees stattgefunden. Man beeilt sich offenbar nicht, eine zweite Sitzung einzuberufen, obwohl doch sicher sämtliche Mitglieder der A. C. zum Beispiel ein Interesse daran haben miit-, zubestiminen, in welcher Weise die 500.000- Pf und -Anleihe Verwendung finden soll und welchen Arbeitergruppen die Hule- Seelandereien zur Kolonisation übergeben werden sollen. Es liegt daher nicht nur bei den Revisionisten, sondern auch bei den an der Macht befindlichen Faktoren der zionistischen Bewegung, also der Arbeiterpartei und der Histadruth, ob wir wirklich zu einem ehrlichen Frieden gelangen können. Die Exekutive wird den Revisionisten den Wind aus den Segeln nehmen, wenn sie loyale Verhandlungen mit jenen Parteien führt und zum Abschluß bringt, die sich heute für beschwert erachten, nicht zuletzt durch die s c h r a nkenloseAusnützungderMacht in Palästina durch die Histadruth. Diejenigen Kreise, die es gerne sehen möchten, daß die Revisionisten aus der Zionistischen Organisation ausgeschlossen werden, damit dann die Linken den Kongreß restlos beherrschen können, versündigen sich ebenso an der Zionistischen Organisation, wie die Revisionisten, die mit der Zionistischen Organisation einen leoninischen Vertrag eingehen wollen, indem sie nach Jabotinskys Weisung von den Institutionen der Organisation nur so weit Gebrauch machen wollen, als es ihren Zwecken dienlich ist. Der Ernst der Situation sollte in allen zionte bis oben Kreisen erkannt werden und ins-« besondere bei der Arbeiterpartei, die heute die Zügel der Regierung in der Hand hält, viel vom Frieden redet und alles für die Verankerung und den Ausbau der Macht ihrer, Partei tut. An diese älteren Führer der Arbeiterpartei kann man vielleicht noch! appellieren, daß sie einem Zustand ein Ende; machen mögen, der tiefgreifende Unzufriedenk eit in jenen Kreisen des Volkes auslöst, die treu und ergehen zur Zionistischen Organ nisation stehen, aber eine andere Weltanschauung haben und Palästina nicht zum Experimentierfeilid für die Aufrichtung einer Proletarierdiktatur machen lassen wollen. An Jabotinsky zu appellieren, scheint nach den bisherigen Erfahrungen aussichtslos zu sein. Er ist auch nicht mehr Herr seiner Entschlüsse und die Verhältnisse zwischen Majorität und Minorität, die sich auf der revisionistischen Weltkonferenz gezeigt haben, können sich auch leicht zu seinen Ungunsten ändern. Man kann aber nicht die Hände in den Schoß legen und warten, bis dieses Ereignis einmal eintreten wird, man kann nicht warten, bis das zionistische Haus lichterloh brennt. Die Situation im revisionistischen Lager und die trotz aller Friedensschalmeien bestehende politische Intransigenz großer Teile der linken Arbeiterschaft stellen der politischen Weltgeltung des Zionismus und trotz aller Prosperität dem Aufbau Palästinas leider keim günstiges Prognostikon. Der sogenannte Friedenisschluß zwischen Jabotinsky und Ben Gurion, der sicherlich das Zustandekommen der 500.000 Pfund Anleihe günstig beeinflußt hat, könnte ein Fetzen Papier werden, wenn nicht alle Gutgesinnten dem Unfug mit dem Friedemsgerede an den Leib rücken, die Dinge sehen, wie sie wirklich sind, und Ordnung machen. Es hat keinen Sinn und es ist schädlich, I weiter über die bösenRevis io nisten und die brave Histadruth zu schreiben und zu reden und so — bewußt oder unbewußt —• ein unrichtiges Bild zu schaffen. Es hat auch keinen Sinn und ist schädlich, den umgekehrten Versuch zu machen, wie es von den Revisionisten geschieht und den Linken alle Schuld anzudiehten. Lea extrömessetoiichent! Die Feinde des Friedens stehen im linken und im rechten Lager. Beide Lager streben eine splendid isolation im Zionismus für sich an, die Revisionisten, indem sie ihre Sache, auf sich

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