Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-01-22 · Heft 419 (22.1.1935) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 419 (22.1.1935)
Date
1935-01-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054140-3054174--4783-3060441
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 2 DIE STIMME Nr. 419. — 22. Jänner 19'1 gründet. die etwa 30 neue Flüchtlinge zu bereuen h:it. Die jüdischen Organisationen in Paris trefTcii Vorkehrungen zum Empfang und zur Unterbringung der jüdischen Flüchtlinge aus der Saar. Der Verband jü di R 111• r Organisationen in Frankreich ver-!te ein Memorandum an die Mitglieder 1 teputiertenkainmer und an die Senan. in welchem gebeten wird, den jiidie.t Flüchtlingen aus der Saar, die sich in nkreich niederlassen wollen, die Mögk'ht hiezu zu gewähren. >ns Komitee für Schutz und c h t e der ,J u den in Mitte leuropa sauilie ein Telegramm an dem V' ö 1 k e rh u n d, in welchem zwecks Sdui.zes der jüdischen Bevölkerung an der S ir gegen Verfolgung und Diskriminierung die Anwendung der Klausel 35 des Versailler Vertrages und des Annex hiezu gefordert wird. Warschau. 17. Jänner. (2. T. A.) In Warschau sind bisher 40 polnische Juden, die seit vielen Jahren im Saargebiet lebten und dort verschiedene Gewerbe ausiibten, einget.roi'fen. weil sie vor Verfolgungen flüchten mußten. Der Krieg gegen die Juden Das Ergebnis der Saarabstimmung hat | Der Kreuzzug gegen die Juden konnte zweifellos dem deutschen Nationalsozialis-1 sich nur aus diesen Vorwänden-der Nichtmus neue Antriebe gegeben. Oh sie stark g WIR BERATEN SIE IN ALLE! BÄU- und GRUNDSTÜCK ANGELEGENHEITEN FOR PALÄSTINA DURCH UNSER BORO IN WIEN UND HÄiFA AUSKUNFT UNTER „A R C H I T £ K T U R-9 O' AN DIE REDAKTION DER „STIM.Uc Reventlow fürchtet für seinen Hintsrhopf Der radikale Antisemit und einstige Gründer der antisemitischen Internationale Graf Reventlow warnt in seinem „Reichswart“ vor den „Auswüchsen des Rassefanatismus“ und schreibt: „Ein politisch gleichgesinnter Mann beobachtete mich und sagte, er bedauere tief, daß man in nationaler Hinsicht von mir nichts zu erwarten habe; von vorn sähe ich ja leidlich nordisch aus, aber mein Hinte r k o p f müsse jedem rassisch geschulten Beobachter alle Illusion rauben.. < Ich habe, wenn schon tief niedergebeugt, versucht, meinen unzureichenden Hinterkopf weiter zu ertragen. Allgemein muß jedoch festgestellt werden, daß sich auf diesem Gebiete vielfach eine Monomanie entwickelt... Die Tatsache sollte allen genügen: Höchste und nächste Mitarbeiter des Reichskanzlers und Führers sind weder blond noch blauäugig. über ihre Hinterköpfe wagen wir kein Urteil, da uns diese nicht gegenwärtig sind.“ Pension Eckstein - Der arische Geschäftsweiser Von der Leitung dee Hotels „Erzherzog Rainer“ erhalten wir die folgende Zuschrift: Wien, 16. Jänner 1935. Von befreundeter Seite wunden wir aufmerksam gemacht, daß Sie in Ihrem Blatt vom 18. v. M. das Inserieren verschiedener Wiener Firmen m einem arischen Weg¬ oder Gesohäftisweiser kritisieren. Wir haben uns diese Nummer verschafft, und konstatiert, daß Sie unser Haus namentlich anfiihren. In diesem Zusammenhang erlauben wir uns, Ihnen nun folgendes höflioh-st mitzu teilen: Wir haben es immer strengstens vermieden, in unserem Unternehmen irgend eine politische Richtung zum Ausdruck zu bringen und haben es daher erreicht, daß sich alle unßere Gäste, die den verschiedensten politischen Richtungen angehören, bei uns wohlfühlen. Dies bringt es natürlich auch mit sich, daß wir in Adreßbüchern aller Richtungen und nicht nur einseitig in dem einen oder dem andern erscheinen müssen. Dies ist der Grund, daß wir auch im Arischen Gesohäflsweise-r inooiiert haben. Es war uns bei der Aufgabe des Inserates selbstverständlich nicht bekannt, daß in diesem Wegweiser außerdem noch textliche Ausführungen erscheinen, die Sie in Ihrem Blatt angeführt haben und die nach unserer Ansicht in ein Adreßbuch überhaupt nicht hineingehören. Wir bitten Sie, unsere heutigen Mitteilungen zur fOnntn.is nehmen zu wollen und; 1 . . dt vorzüglicher Hochachtung .. Hotel Erzherzog Rainer, Wien. I worden. sein werden, die «ich steigernden wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu meistern, kann bezweifelt. werden. Auf außenpolitischem Ge biet hat eine sehr weitgehende Aktivität eingesetzt, die sich aus dem so oft verletigiieten Programm ergibt, das die Vereinigung aller Deutschen fordert. Zugleich wird wieder die sogenannte Gleichberechtigung Deutschland: in die Diskussion gestellt, die erfüllt sein müsse, ehe von der Rückkehr in den Völkerbund die Rede sein kann. Dieses Postulat, der Gleichberechtigung wird von denselben Regierenden erhoben, die in ihrem Bereich die Gleichberechtigung hinter die Totalität gestellt und das bürgerliche und materielle Recht der Juden vernichtet haben und sich jetzt ansc.hicken, dieses Regime auf die Juden im Saargebiet auszudehnen. Dieser Gegensatz zwischen den eigenen Wünschen und den Taten gegen eine wehrlose Minderheit ist der Ausgangspunkt für die Beurteilung der Sachlage bei allen anderen Regierungen, vor allem in Frankreich und in Italien. Der französische Außenminister hat im Völkerbuudrat mit Nachdruck auf die Verpflichtungen Deutschlands hingewiesen und insbesondere die Flüchtlingsfrage angezogen. Der Völkerbund wird sich mit diesem Problem, dessen Aufwerfung zu erwarten war, beschäftigen müssen und man muß wohl nicht erst hinzufügen, daß die jüdischen Flüchtlinge die ärmsten sind. Schon werden ja die Saarjuden in Deutschland selbst in die Feme hineingezogen und der Nürnberger Freund Hitlers, der bekannte Streicher, hat in einer wütenden Rede den status-quo-Führer Max Braun, einen waschechten Arier, einfach zum Juden erklärt, und wieder das niemals geschriebene Wort Rathenaus von den 300 durch Blut verbundenen Herren Europas zitiert, beides als Grundlage für die Forderung nach Ausrottung des Judentums. Man darf das nicht unterschätzen. In dem Deutschland von heute finden solche Aussprüche immer ein williges Ohr und es ist leider sehr gut möglich, daß eine neue antisemitische Kampagne in Deutschland beginnt. Was sich da vorbereitet, gegen die Juden und gegen den europäischen Frieden, hat auch die Aufmerksamkeit Italiens erregt. Das hochoffiziöse „Giornale d’Italia“ schreibt am 18. Jänner: „Kein einziges Land in Europa ist gewillt, sich den geistigen Direktiven, die ihm Deutschland auferlegen möchte, zu unterwerfen. In Deutschland ist man zu der Auffassung der göttlichen Sendung zurückgekehrt: Die deutsche Rasse soll nicht nur die reine Rasse, sondern auch die auserwählte und beherrschende Rasse werden. Nach dem Kreuzzug gegen die Juden und die katholische Kirche in Deutschland lind den Treibereien in Österreich und Litauen ist es dringender notwendig, daß Deutschland den Sinn seiner geistigen Direktiven deutet, denn in Europa gibt es keinen Platz für irgend welche Hegemonie, besonders wenn diese vom geistigen Boden in das Primat weltlicher Herrschaft übergehen sollte.“ Aus diesen Ausführungen spricht eine sehr bange Sorge. Aber sie ist doch nur daraus entstanden, daß die großen europäischen Staaten den Nationalsozialismus ruhig und ohne aktiven Einspruch haben schalten und walten lassen und daß sie trotz aller Warnungen in der Saarfrage Deutschland als loyalen Partner haben gelten lassen. Die Außenpolitik Deutschlands hat ebenso wie die innere und die Finanzpolitik den Grundsatz des „F etzen Papier“ sich zur Richtschnur gemacht, sie hat sich für ihr Verhältnis nach innen und nach außen eine eigene Rabulistik erzeugt und die Treulosigkeit, die den jüdischen Frontkämpfern gegenüber betrieben wurde, denen offiziell die Stellung belassen, inoffiziell durch Geheimerlässe gestohlen wurde, ist nur einer aus einer langen Reihe von Akten, die zur Vorsicht mahnen mußten, auch wenn die Angst vor dem Krieg die Hauptrollo spielte. Die Politik der Nachgiebigkeit hat sich gerächt; das Beispiel Italiens, das am 25. Juli seine Truppen am Brenner hat aufmarschieren lassen, hat gezeigt, daß Berlins Bäume nicht immer in den Himmel wachsen müssen. Aber die Konsequenzen sind nicht gezogen I eiumenguug so weit entwickeln, daß er in einen Kreuzzug gegen die Katholiken überging. Die Mächte haben es selbst verschuldet, wenn jetzt der siegbor,wuschte Nationalsozialismus wieder Appetit auf Österreich zeigt, i.m Sudetoiiland, in Litauen, im Elsaß, in Südbelgien zu hetzen beginnt und auch schon von Rrain, Cilli und Pettau als Iredentagebiete redet. Europa hat es geduldet, daß die Juden in Deutschland mit Füßen getreten wurden, und diese Duldsamkeit hat den Herren Deutschlands die Lust gestärkt, tiberaUhin zu drohen, überallhin ihre Methoden zu tragen und jedwede Brutalität zu begrüßen als willkommenes Mittel, Europa in die Zeit der Völkerwanderung zurückzuwerfen. Die europäiselicn Staaten haben den Nationalsozialismus ermuntert, sie haben ihn als politische Idee behandelt und nun wächst ihnen diese Gesellschaft über den Kopf. Und statt sie wenigstens jetzt zurilckzuscheuehen, ist ihr eine neue großmütige Geste zuteil geworden: der Völkerbund hat beschlossen, am 1. Februar mit der Räumung des Saargebietes zu beginnen. Er gibt den SS und SA das Terrain frei und sorgt so selbst dafür, daß er in der kommenden außerordentlichen Session recht viel Material für seine Beschwerden vorfindet. Und dann wird wieder alles gut sein. Die Juden haben beim Völkerbund keine ständige Vertretung. Aber es wird mit jedem Tag mehr zur unabweislichen Notwendigkeit, daß in Genf ein jüdisches Amt errichtet wird, in dem sachkundige Personen sitzen, die sorgsam die politische und wirtschaftliche Situation beobachten und jeden Vorgang, jedes neue Gesetz, jede Verordnung auf ihre AukWirkung auf die jüdische Bevölkerung prüfen. Dieses Amt muß in Verbindung mit dem Generalsekretariat des Völkerbundes stehen und jeden Übergriff registrieren und gegen ihn einschreiten. Das ist gewiß kein Allheilmittel, aber doch ein Ventil.. Alle, auch die deutschen Nationalsozialisten, haben Angst vor Öffentlichkeit. Sie pflegen ja die Lüge und das ist der Beweis. Und wenn die Staaten, die unter dem Geist Deutschlands gerne antisemitische Praxis treiben, wissen, daß sich jede Maßnahme, jeder Wortbruoh irgendwie rächt, werden sie doch zur Zurückhaltung erzogen werden. Unsere Bemühungen müssen aber weiitorgehen, bis wir zu einer wirklichen jüdischen Weltpolitik gelangen, zu einer vollen Kenntnis der wirtschaftlichen Kräfte des Judentums und gestützt auf die Position in Palästina, zur defensiven Offensive übergehen können. Zu dem alleinigen Zwecke, um unsere Rechte zu schützen. Damit werden wir dem so heißersehnten Frieden auch einen guten Dienst erweisen. Es war ein guter Gedanke, eine jüdische Weltwirtschaftskommlssion zu errichten. Sie muß vom ganzen Judentum unterstützt werden und sie schafft die statistischen Unterlagen für eine jüdische Politik, für die Voraussetzung der Anerkennung des jüdischen Volkes als gleichwertig im Konzert der Völker und gleichberechtigt in den einzelnen Ländern; sie ist die Waffe in dem Krieg, den die Hitlerei dem Judentum verkündet hat. Und nur durch politische Arbeit können wir erzwingen, daß das Prinzip der Nichteinmengung, das nur blasse Furcht ist, fallen gelassen wird. dort wurde. .Segen hat uns Juden Herr Max Ausschnitt in seiner Betätigung als Jude nicht gebracht, aber die Konsequenzen seines Jude-Seins haben wir getragen. Wir haben wegen des Juden Ausschnitt gelitten, leiden und werden noch leiden, weil der Rassonantiscmitismus den Übertritt zu einer christlichen Religionsgemeinschaft nicht als einen Austritt aus der jüdischen Nation gelten läßt. Gesuc&t Buchhalter, in allen Büroarbeiten versiert, der auch organisatorisch und propagandistisch tätig sein muß. Anträge mit Nachweis der bisher.gen Tätigkeit ur ter „Buchha *er" an d.e Administiation ces Blattes Rumänisch-jüdischer Senator nimmt die Taufe Bukarest, 17. Jänner. (2. T. A.) Der bekannte jüdische Großindustrielle und Mitglied des rumänischen Senats Max Ausschnitt in Bukarest ist zur grieehisch-katholisohen Kirche übergetreten. Die „Ostjüdische Zeitung“ schreibt dazu: Der jüdische Senator Max Ausschnitt hat öfters in das jüdisch-politische Leben eingegriffen, o<hn,o uns Juden irgendwie genützt zu haben. Das Verbot der Abhaltung der Makkabiade in Cornau t i (Czernowitz) ist auf seinen Einfluß zurückzuführen, und von glaubwürdiger Seite wird versichert, er habe bei den letzten Parla.mentswahlen darauf Einfluß genommen, daß die regierende Partei weder mit der Jüdischen Reichspartei noch mit der Union rumänischer Juden ein Wahl-- kartcll absch.loß, wodurch die Wahl volk ibewußter jüdischer Vertreter verhin-l Ein Eideshelfer Rosenbergs Im Zuge seiner „Weisen-von-Zion“-Kampagno läßt Alfred Rosenberg im „Völkischen Beobachter“ eine Artikelserie „Die Beichte eines kleinen Weisen von Zion“ in großer Aufmachung veröffentlichen, worin das 1928 in Berlin erschienene Buch eines gewissen S i m a n owitsch zitiert wird, der behauptet, als Sekretär Rasputins Einfluß auf die russische Judenpolitik genommen zu haben, und sich darauf beruft, daß er dabei mit Führern des russischen Judentums kooperiert habe. Unter anderen wird der gegenwärtig in Paris lebende Rechtsanwalt S 1 i o s b e r g genannt. Die Berliner „Jüdische Rundschau“ bat Dr. Sliosberg um eine Mitteilung seiner Beziehungen zu Simanowitsch. Dr. Sliosberg macht nun die Zeitung darauf aufmerksam, daß er im dritten Bande seines in Paris erschienenen Buches „Erinnerungen eines russischen Juden“ unter anderem geschrieben hat: . . Tn der Umgebung von Rasputin trieb sich ein gewesener Juwelenhändler Simanowitsch herum, der sich als Sekretär von Rasputin ausgab. Erstens war dieser ,Sekretär4 ein vollständig«! A n a 1 p h a b e t, und zweitens ha’t'to Räsputin keinen Bedarf für einen Sekretär. Aber, wie es scheint, hat Simanowitsch wirklich Rasputin bei allen seinen Orgien begleitet und ihn mit verschiedenen Menschen zusammengeführt, wahrscheinlich nicht ganz uneigennützig. Dieser Siinanowitsch ist nach dem Kriege in Paris aufgetaucht. Er war hier in dio Affäre der gefälschten Tsclierwonzen verwickelt, saß eine Zeitlang im Gefängnis, wurde aber dann vorn Gericht freigesprochen. Er hat hier Öfter versucht, Unterstützung von angesehenen russischen .Juden zu erlangen, was ihm aber nicht gelungen ist. ... Er besuchte einmal auch mich, und als ich ebenfalls ablehnte, ihn zu unterstützen, erklärte er offen, daß er — falls man ihn nicht unterstützen würde — ein Buch schreiben würde, in dem er viele angesehene Juden kompromittieren würde. Ich antwortete ihm darauf, er solle tun, was er wolle. 1927 erschien wirklich ein Buch von ihm in Berlin. In der Vorrede erklärte er, daß er zum Sekretär von Rasputin v o in Zaren selbst ernannt worden sei. Das ganze Buch ist voll von Lügen und Erfindungen. Nebenbei gesagt, ist das Buch natürlich nicht von ihm geschrieben, da er absoluter Analphabet ist.“ Es sei erwähnt, daß Sliosberg seinerzeit einen vom 10. August 1928 datierten Brief der Presse zugehen ließ, in welchem er betont, daß der völlig ungebildete und übelbelemmindoto Simanowitsch nicht die geringste seriöse Beziehung zu den Führern des russischen Judentums hatte. Sliosberg schrieb: „Siinanowitsch war in Petrograd unter anständigen Menschen vollkommen unbekannt, und alle seine Märchenerzählungen übor angeblichen Schutz jüdischer Reclito durch seine Arrangements sind 1 ä c h n rlieber Unsinn und erfundene Anekdoten.“ Emii Nimhäuser gestorben Am 19. Jänner starb der langjährige Obmann der Bozirkosokfion XX, Emil Ninih ä u s e r, und wurde am 20. Jänner unter* riesiger Beteiligung zu Grabe getragen. Fine Würdigung de« Verstorbenen und ein Bericht über das Begräbnis erscheintin unserer nächsten Nummer,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.