Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 419 (22.1.1935)
- Date
- 1935-01-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Np, AIO I Wien. .TätlltAf* fOlC I R«laktion und Administration: Wisn, I., M»rt-Aur»l-SiriB« 6. ^r* | fTien» •lannw I Tel.: U 22-3-91. nedaktlonmhluB Montag und Mittwoch vorm. Preis dieser Nummer 2© Dienstag-Ausgabe JÜDISCHE ZEITUNG ■A Hollands Justizminister gegen Antisemitismus Amsterdam, 20. Jänner. (2. T. A.) In Beantwortung einer Anfrage des Mitglieds der ersten Kammer des holländischen Parlaments, Dr. Henri Polak, hat der holländische Justizminister Dr. van S c h a i k erklärt, er halte die Erregung in jüdischen und anderen Kreisen über die Behauptung eines antisemitischen Blattes, es sei bei den Juden Brauch, Christen zu töten, und die Juden seien hierzu nach den Bestimmungen des kabbalistischen Buches ,,Sohar“ sogar gezwungen, für berechtigt. Die heute geltenden Gesetzesbestimmungen böten jedoch keine Handhabe zur Verfolgung der Urheber solcher Veröffentlichungen. Der Minister beabsichtige, der Ausbreitung des Antisemitismus durch E r- 1 a ß neuer gesetzlicher Bestimmungen Einhalt zu tun. | (18. Schewath $095) j 8. Jahrgang Bürgermeister Dizengoff außer Lebensgefahr Jerusalem, 19. Jänner. (Palcar.) Im Gesundheitszustand des schwer erkrankten Tel-Aviver Bürgermeisters D i z e ng o f f ist eine Besserung eingetreten. Wie die Ärzte versichern, beflndet sich der Patient außer Lebensgefahr. Die Nachricht von der bedeutenden Besserung in Dizengoffs Befinden hat in ganz Palästina, insbesondere in T e 1 - A v i v, große Freude und Befriedigung ausgelöst. Das Schicksal der Saar-Juden Aus Genf, 20. d., meldet die 2. T. A.: In Anwesenheit des Dr. Nahum Goldmanns hat Herr J. Jefroykin, Mitglied der Exekutive des Comite des Delegations Juives, mitsamt den Genfern Mitarbeitern des Komitees bei verschiedenen Mitgliedern des Völkerbundrates durch persönliche Demarchen zugunsten einer besseren Sicherung der Lage der Juden im Saargebiet, nach Rückkehr dieses Gebietes zu Deutschland, interveniert. Die Vertreter des Cornitö des Delegations Juives wurden insbesondere empfangen.: vom französischen 'Außenminister Pierre L a v a 1, vom tschochoslowakischen Außenminister Edouard Benes, von den Vertretern Italiens und Großbritanniens und von einer Anzahl anderer Ratsmitglieder. Die Vertreter des Comite des Delegations Juives, wiesen darauf hin, daß die Beschränkung des Schutzes der Juden an der Saar auf ein Jahr deren Lage gefährdet und daß eine derartige zeitliche Beschränkung auch nicht im Einklang stehe mit den vorjährigen allgemeinen Entschließungen der Völkerbundversammlung, die eine unterschiedliche Behandlung der Minoritäten der Sprache, Rasse und Religion als mit dem Geist qnd der Praxis des Völkerbundes u nvereinbar erklärten. Kundgebung der Reichsvertretung der deutschen Juden Die Reichs Vertretung der deutschen Juden hat an die jüdischen Gemeinden des Saargebietes den folgenden Gruß gerichtet: Nach 15 Jahren der Trennung ist die Saar zu Deutschland zurückgekehrt. In geschichtlicher Stunde entbieten wir den jüdischen Gemeinden im Saarlande ein Wort herzlicher Verbundenheit. Ihr seid jetzt wieder mit; uns zusammengeschlossen und wir mit euch. Gemeinsam ist uns wieder unser Schicksal, gemeinsam Arbeit, Sorge und Aufg a b e. Pflichten sind euch neu gestellt.; wir teilen sie mit euch. Gegenseitig wird unsere Hilfe sein. Dem Gebot und der Hoffnung unseres deutschen Judentums treu worden wir Zusammenhalten. Die Reichsvertretung der deutschen Juden. gez. Baeck. * Dr. Bruno Weil, Mitglied der Reichsvertretung clcr deutschen Juden ist im Aufträge der Reichsvertretung in Saarbrücken eingetroffen, um mit Vertretern der Juden des Saargebietes über deren Gegenwart und Zukunft zu beraten. Dr. Bruno Weil erklärte Pressevertretern gegenüber, er habe den Juden an der Saar, die hier geborenwurden und aufgewachsen sind und deren Vorfahren seit Jahrhunderten auf dieser Erde gelebt haben, geraten, unter allen Umständen auszuharren ,und nicht auszuwandern. Die Zeit werde kommen, sagte Dr., Bruno -Weil,, da die Juden in ihre Heimatrechte wieder eingesetzt werden würden. Die Juden Polens an den Völkerbund Warschau, 18. Jänner. (2. T. A.) Die im Hause der Warschauer jüdischen Gemeinde abgehaltene Kundgebung zugunsten der Saarjuden nahm einen sehr eindrucksvollen Verlauf, die angesehensten Führer der polnischen Judenheit nahmen teil. Der Präsident Eiiah M a z u r schilderte die verzweifelte Lage der Juden im Saargebiet und forderte zur Verstärkung des Wirtschaftsboykotts Hitler-Deutschlands auf. Es wurde beschlossen, an den Völkerbund die folgende Depesche abzusenden: Die große Volkskundgebung im Warschauer Gemeinderat, in der sämtliche Richtungen des polnischen Judentums repräsentiert sind, gibt ihrer schweren Besorgnis hinsichtlich des Schicksals der jüdischen Bevölkerung an der Saar nach dem Plebiszit im Saargebiet Ausdruck und appelliert im Namen des polnischen Judentums an den Völkerbund, die Rechte und Freiheiten der jüdischen Minderheit im Saargebiet zu schützen. In einer zweiten Resolution wurde gegön die Bedrückung der Saarjuden, die bereits eingesetzt hat, protestiert. In sehr vielen größeren und kleineren Städten Polens fanden am gleichen Abend stark besuchte Kundgebungen zugunsten der Saarjuden statt, entsprechende Resolutionen wurden an den Völkerbund gesandt. Jüdische Saarkundgebung ln Österreich nicht zugelassen Für den 17. d. war von allen zionistischen und jüdischen Korporationen Wiens eine Versammlung einherufen worden, in welcher über das Schicksal der Saarjuden nach der Abstimmung referiert werden sollte. Die Versammlung war polizeilich gestattet worden. In letzter Stunde wurde jedoch von der Polizei erklärt, daß zufolge des seit Montag bestellenden Verbotes aller Saarlumdgebungen auch diese Versammlung nicht zu gelassen werden kann In jüdischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß am Dienstag in Linz eine große Deutschiandkundgebung im Zusammenhang mit der Saarabstimmunganstandslos stattgefunden hat. Goebbels feiert den Sieg Nach einer Meldung aus Berlin hat Minister Goebbels in seiner Ansprache auf der großen Berliner Saar-Feier an der Siegessäule vor dem Reichstag das Signal zur Judenhetze dadurch gegeben, daß er die Status quo-Wähler als ein Gemisch von „Juden, Separatisten und Marxisten“ bezeichnete. Die „Neue Zürcher Zeitung“ berichtet über den Verlauf dieser Feier u. a.: Es war eine Siegesfeier von einer barbarischen Großartigkeit. Bis 11 Uhr nachts dauerte der Marsch durch das Brandenburger Tor und Unter den Linden. Aus den rauhen Kehlen waren von Zeit zu Zeit vor den Fenstern der Gesandtschaftsgebäude Unter den Linden einige Verse aus Kampfliedern zü vernehmen: „Wenn JudenbJ h. t -vom ~ Messer spritzt, gehts uns nochmal so gut.,’. Kameraden, hängt den Juden, hängt den Schwarzen an die Wand.“ Eine Rede Streichers Auf einer Saar-Kundgebung anläßlich des Abstimmungsergebnisses sprach auf dem Adolf-Hitler-Platz in Nürnberg Gauleiter Julius Streicher. Nach einem Bericht der „Fränkischen Tageszeitung“ äußerte, er: „Wir wußten und wissen, wer es war, der das Leid in das Saarland und damit ins deutsche Volk brachte. Mit dem Namen Max Braun ist gesagt-, wer das Unglück an die Saar brachte. Max Braun gehört jener Rasse an, gehört jenem Volke an, das durch den Mund Walther Rathenaus vor Jahrzehnten sagen ließ: „300 Männer, die sich gegenseitig kennen und durch das Blut verbunden sind, regieren die Geschicke der Welt!“ Der Jude Max Braun war Beauftragter der jüdischen Rasse, des jüdischen Volkes. Er war beauftragt, zu verhindern, daß das Saarvolk zum Mutterland zurückkäme. Ihr Nürnberger, Deutsche, vergeßt nie:- ein Jude war es, der an der Spitze des Terrors stand, ein Jude war es, der mit dem Geld der Judenbauken und der jüdischen Weltbörse glaubte, dem deutschen Volke das Unglück hingen zu können, daß hunderttamsende Deutsche für immer dem deutschen Volke genommen werden. Jawohl, wollen wir nie vergessen: ein Jude stand an der Spitze der Schande, die wir erlebten. Und wollen wir darüber hinaussohen über diesen Sieg, hinein in die Zukunft! Was wollen wir wünschen? Wir wollen wünschen, daß einmal ein Tag komme, wo die ganze W” e 11 zur Abstimmung'sch reitet, wo der Menschheit die Frage vorgelegt wird: Willst du noch weiterhin mit solchen Christusmördern gemeinsame Sache machen, willst du weiterhin mit ihnen Zusammenleben, willst du weiterhin dulden, daß das ewige Volk der Juden dich bedrücke und aussauge bis aufs Blut? Jawohl, schapen wir hinaus über diesen Feiertag, hinein in die Zukunft: es muß der Tag der Erlösung kommen, der Tag der Befreiung aus der Fessel, die der Jude der Menschheit umlegte. Wir glauben an einen Weltfrieden, der E Sfoermols grobes ©lücf bei @d)elI)Qtmn?r! Sei her am 18. b. DDI. ftottgefu-nbenen 3te* puttg ber Mloffenloflerie hmrbe foimfjl befi erffce Haupttreffer tum S 50.000.— mit 8o§ Dir. '38.333, al§ aud) ber jtoeit« Haupttreffer hon S 20.000.— mit So§ Dir. 5268 mit Pont. 33anff)au§ © d) e Ip a nt m e r & © d)a 11 e r a, SHMeit, I., ©tefanäplap Dir. 11, berBaiuften öofett gewonnen. üf>erbic§ tourlbe am 17. b. DJI. ber H^P** treffer ber 1925er SBaulo-fe bon S 80.000.—, toelcper amt 2. Rehmer 1935 mit bent 2ö§ ©eric 4634 Dir. 36 bon einem So^berein mit fieben DDIitgliebern getoemnen toatrbe, im ge* nannten SBaitöjauS esfomptiert unb auäbe* Saf)lt. Weltfriede wird aber erst dann kommen, wenn die Macht des Weltfeindes gebrochen ist, der Weltfeind ist der ewige Jude, und wir Nürnberger, wir Franken, sind stölz darauf, daß wir etamdgehalten haben a.uf dem Weg, den wir 14 Jahre lang marschiert, sind... Wir oder unsere Kinder werden ‘ es noch einmal erleben, was wir vor vielen . Jahren schon prophezeiten und immer wier. der prophezeien werden: Der Tag der Erlösung vom ewigen Juden, er kommt.“ (Der Führer der Status quo-Front an dör Saar, Max (genannt Matz) Braun, ist wed er Jude noch stammt er von Juden ab! — Rathenau hat den Satz niemals geschrieben.. Die „Neue Freie Presse“ hat dies wiederholt öffentlich fest-gestellt.) In einem Artikel Streichers in der „Deutschen Volksgesundheit“ (Nürnberg) heißt es u. a.: „Wir wissen nun, warum der Jude mit allen Mitteln der Verfiihrungs-, knnst darauf ausgeht, deutsche Mädchen möglichst, frühzeitig zu schänden; warun> der jüdische Arzt seine Patientinnen in der. Narkose vergewaltigt; warum sogar die Judenfrauen ihren Männern den Verkehr mit, Nichtjüdinnen gestatten: das deutsche Mädchen, die deutsche Frau soll den art-, fremden Samen eines Juden in sich aufnehmen, sie soll niemals mehr deutsche Kinder, gebären.“ Die Verfolgung der Juden „Daily Herold“, das sozialistische L o ndoner Organ, erklärt, daß diejenigen Saar-Juden, die im Lande verbleiben, sich wissentlich Verfolgungen aussetzen. Die Zeitung bringt eine Schilderung der Atmosphäre im Saarland von seinem Saarbrückener Korrespondenten, worin davon die Rede ist, daß die Saar-Juden, die schon bis jetzt schwer terrorisiert wurden, nunmehr einem' neuen Martyrium entgegengehen.' Juden, sogar jüdische Kinder werden auf der Straße beschimpft. Vor jüdischen Geschäften sammelten sich Demonstranten an, stießen höhnische und drohende Rufe aus. Ein Kaffeehaus in der inneren Stadt, das einem Juden gehört und meist von Juden besucht wird, wurde wiederholt von einer Menge blockiert, die eine drohende Haltung einnahm. Der Besitzer hatte erst Ruhe, als fünf englische Soldaten in seiner Wohnung Quartier nahmen. Die Flucht der Saar-Juden nach Frankreich hat bereits eingesetzt. In Foix sind 200 jüdische Flüchtlinge eingetroffen. In F.irhach wurde eine Flüchtlingshilfskommis-sion ge- 164937