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Die Stimme · 1935-01-18 · Heft 418 (18.1.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 418 (18.1.1935)
Date
1935-01-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 418 — 18. Jänner 1936 DIE STIMME Seite 3 zählte Autoladungen zum Versand bereite Weihnachtswaren sah unter anderem Kartons mit den Aufschriften: „Frohes Fest“, „Fröhliche Weihnachten“ usw., ebenso Tannengrfln, herzige Bildörln vom Christkindl und Regierungsrat Dr. Bernhard Wadistein gestorben vieles andere. '! Wa-s mit diesem Artikel gesagt sein soll? 4 Das Publikum aufzuklären, ebenso auch die Zuckerbäcker aufzuklären, nur beim eingesessenen Handwerker zu kaufen, wie derselbe nur von renommierten Firmen seine Fertig- - wäre beziehen soll. Kaufen Sie nur von Fabriken, deren Inhaber bodenständig, erziehen Sie die bodenständige Kundschaft zum selbstverständlichen Einkauf nur wieder beim bodenständigen Handwerker, damit das von Religion und Nation geforderte Gemein- '; schaftsgefühl auf diese vernünftigste und schönste Art zum Ausdruck kommt.“ Zu diesen Ergüssen kann nur wiederholt werden, was wir über ähnliche Presseerzeugnisse unter Berufung auf die offiziellen Erklärungen des Bundesministers für die Auswärtigen Angelegenheiten, Dr. Berger- Waidenegg, gesagt haben. Auch der hier wiedergegebene Artikel im „Konditor“ vertritt keine Idee, durch deren Kraft Österreich wirken könnte. Auch dieser Artikel ist eine ,,G r e u e 1 - N a c h r i c h t“, gegen welche die Behörden einschreiten sollten. ★ „Greuelnachrichten.“ El mH Wie das „Weltblatt“ mitteilt, hat sich der Verband österreichischer Musiker in einem längeren Schreiben an die Stadt Wien gewendet, in dem unter Hinweis auf die beabsichtigte Einführung einer Filmzensur und Gewährung von Zuschüssen der Stadt Wien an die Wiener Filmproduktion die Forderung erhoben wird, man möge bei der Durchführung dieses Planes vor allem darauf bedacht sein, daß die Begünstigungen auch wirklich nur der Wiener bodenständigen Filmp r o duk tio n zufließen. Es handelt sich hier um eine von 'dem „Weltblatt“ und anderen Blättern eingeleitßte Aktion, gegen die Beschäftigung jüdischer Musiker in den Fiknkap eilen. Das Ziel ist, das Inlanidsarbeiterschutzgesetz gegen die Juden .anzuwenden. Bei solchen Tendenzen wundert man sich dann, wenn sich die jüdische Öffentlichkeit zur Wehr setzt. So wird die Grundlage für „Greuelnachrichten“ geschaffen. Flüchtlinge aus Sowjetrußland in Palästina Der . Oberste Gerichtshof Palästinas, hat ein für die Rechtslage jüdischer Flüchtlinge aus Sowjetrußland in Palästina sehr bedeutsames Urteil gefällt. Daß Gericht stützte sich in seiner Entscheidung auf die Bestimmung des russischen Gesetzes, der zufolge Personen, die ohne Erlaubnis der Sowjetbehörden nach dem 7. November 1917 das Gebiet der Sowjetunion verlassen haben, dadurch ihrer Bürgerrechte [verlustig gegangen sind. Im November 1920 hatte die damalige Sowjetbürgerin Nechama Wecker mit ihrem Bräutigam Menacham Mendel Z e i d- 1 e r Rußland ohne Paß oder behördliche Erlaubnis verlassen und hatte am 20. Dezember 1920 in Rumänien Zeidler geheiratet. Auf Grund ein.es ihm dort ausgestellten Zertifikats kam das Ehepaar Anfang 1921 nach Palästina. Noch im selben Jahr [erhielt Zeidler einen provisorischen Ausweis als Bü rger Paläs tina s. Im September 1925 wurde die Ehe durch das Rabbinische Gericht in Tel-Aviv getrennt. Eine neue Staatsangehörigkeit hatte Zeidler — von dem provisorischen palästinensischen Dokument abgesehen — damals noch nicht erworben. Seine geschiedene Gattin reichte hierauf beim Leiter des Einwanderungsamtes der Palästina-Regierung ein Gesuch um die Ausstellung eines palästinensischen Büiigerscbaftsausweises ein. Nach einem längeren Verfahren, in dem die Staatebürgerßchaftsbestimmungen des russischen Gesetzes genau geprüft werden, hat der Oberste Gerichtshof die Rechtsgültigkeit der Scheidung anerkannt. In der Begründung wird ausgeführt, daß Zeidler als illegaler Auswanderer aus Rußland seine Staatsangehörigkeit verloren hatte und somit nicht Ausländer war. Demgemäß war das Rabbinische Gericht zur Vornähme der Scheidung befugt. Der über Wiens Grenzen hinaus bekannte jüdische Gelehrte und langjährige Direktor der Gemeindebibliothek der Wiener Kultusgemeinde, Regierungsrat Dr. Bernhard W a c h s t e i n, ist Dienstag, den 15. d. M., 67 Jahre alt, gestorben. * Mit Regierungsrat Dr. Wachstein, der im Jahre 1868 in T1 u s t e in Südostgalizien geboren, und seit 32 Jahren im Dienste der Gemeindebibliohhek stand, ist ein bedeutender Wissenschaftler und Gelehrter von Weltruf dahingegangen. Regierungsrat Wachstein war ein Universalgelehrter. Ungewöhnlich groß war sein Wissen auf allgemeinem, wie auf jüdischem Gebiete, das ihn schon in jungen Jahren zu einer in der ganzen wissenschaftlichen Welt bekannten Persönlichkeit machte. An der Spitze der jüdischen Wiener Gemeindebibliothek, an die Regierungsrat Wachstem nach dem Tode seines Vorgängers Doktor Münz im Jahre 1919 getreten war, stand in Wachstein ein Historiker und Forscher, ein Philosoph und Denker, ein Genealoge und Biograph, ein Bibliograph, Paleograph und Folklorist. Bernhard Wachstein zählte zu den bedeutendsten jüdischen Archäologen unserer Zeit überhaupt. Darüber hinaus war er als Wissenschaftler immer bestrebt, für die Ehre und das Recht des jüdischen Volkes durch wissenschaftliche Abwehr der sogenannten wissenschaftlichen Gegner des Judentums einzutreten. In dieser Beziehung hat sich Wachstein ganz besondere Verdienste geholt. Weit entfernt von einer Apologetik, hat er stets in sachlicher und gleichzeitig überzeugender und unbestreitbarer Weise Fälschungen und bewußte Verleumdungen in die Schranken gewiesen. Das wissenschaftliche Werk Wachsteins umfaßt eine außerordentlich große Zahl von Schöpfungen. Anläßlich des dreißigjährigen Dienstjubiläums, welches Regierungsrat Wachstein am 1. Juli 1933 als Direktor der Kultusgemeindebibliothek, geehrt und gefeiert von allen maßgebenden Stellen, beging, hat der Vorstand der Kultusgemeinde Wien als besondere Ehrung für den berühmten Leiter der Gemeindebibliothek den Archivar der Kultusgemeinde, Saul Chajes, beauftragt, eine Bibliographie der Schriften des Gelehrten zusammenzustellen, die ein wirklich getreues Bild der vielseitigen und wissenschaftlichen Tätigkeit Dr. Waehsteins bietet. Es sei hier nur auf die bedeutendsten seiner Werke hingewiesen, die den Weltruf Wachsteins begründeten: Zu diesen gehören vor allem die im Jahre 1907 erschienenen „Wiener hebräischen Epitaphien“, ein bedeutsames historisches Werk, das Wachstem im Aufträge der Historischen Kommission der Israelitischen Riiltusgemeimde, gemeinsam mit Dr. Alfred Landau im Jahre 1911 herausgab, waren „Die jüdischen Privatbriefe aus dem Jahre 1619“. Im Jahre 1911 trat Wachstem auch mit seinem ersten bibliographischen Werk in die Öffentlichkeit. Es war der Katalog der Salo Kohnschen Schenkungen. Schon ein Jahr später (1912) brachte die bedeutsame Arbeit über die „Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien“, welches Wachstein ebenfalls im Aufträge der historischen Kommission herausgab. Der zweite Teil dieser Inschriften erschien im Jahre 1917. Im Jahre 1922 trat Wachstein mit einem neuen Werk, welches die „Grabinschriften des alten Judenfriedhofes in Eisenstadt“ (1679 bis 1874) hebräisch und deutsch), zum Gegenstände hatte, hervor. Diesem Werk war eine Studie über die Entwicklung des jüdischen Grabsteines und die Denkmäler des Eisenstädter Friedhofes, von Sandor Wolf herausgegeben, angeschlossen. Recht bemerkenswert sind seine „Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Eisenstadt und den Siebengemelnden“, (ebenfalls in den von Sandor Wolf herausgegebenen Eisenstädter Forschungen). Ein Standardwerk bildet das im Jahre 1930 veröffentlichte Werk über hebräische Publizistik in Wien, welches in drei Teilen einen wesentlichen Bestandteil der Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutschösterreich bildet. Ein aufgefundener hebräischer Index zum Grundbuch der Judenstadt in Wien im 17. Jahrhundert und schließlich ein Werk über die Juden in Mähren, „Hebräische Grabsteine aus dem 13. bis 15. Jahrhundert in Wien und Umgebung“ (1916) sowie zahlreiche andere verdanken Wachstein ihre Entstehung. Das umfassende jüdische Wissen Wachsteins hat ihn nicht allein zum hervorragenden Forscher und Gelehrten prädestiniert, sondern ihn veranlaßt, vom ersten Tage an, seit er vor zweiunddreißig Jahren in die Dienste der jüdischen Gemeindebibliothek trat, seine Fähigkeiten auch in den Dienst der Verbreitung jüdischen Wissens zu stellen. Bernhard Wachstein hat das unbestreitbare Verdienst, die Wiener jüdische Gememdebibliothek zu einem Institut von Weltruf umgestaltet zu haben. Dabei kam ihm nicht nur sein großes Wissen zu Hilfe. Wachstein zeichnete sich auch durch eine unermüdliche, nie erlahmende Arbeitskraft aus. Wenn heute die Räume der im judenreichen 2. Bezirk untergebrachten Gemeindebibliothek all die wißbegierigen Menschen nicht mehr zu fassen vermögen und man häufig das Schauspiel erlebt, au den Pforten des Bibliothekshauses Menschenschlangen zu sehen, die darauf warten, Platz in der Bibliotheksstube zu finden, so ist dies nicht zuletzt das Verdienst Wachsteins, der in den Jahren, insbesondere seitdem er im Jahre 1919 die Leitung der Bibliothek übernommen hatte, das ganze Bibliothekswesen in einer für den Bibliotheksbesucher außerordentlich entsprechenden Weise reformiert hat. Die Bestände der Bibliothek wurden neu bearbeitet und nach allen Richtungen hin ergänzt. Insbesondere wurde das Katalogwesen in ausgezeichneter Weise ausgebaut: neue Spezialkataloge entstanden, ein Sohlagwort- und Druckortkatalog, alles Hilfsmittel, die für den Sucher nach einem bestimmten Werk von unschätzbarem Werte wurden. In mühsamer Arbeit wurden biographische und historisch-geographische Kataloge hergestellt, die als einzigartige Katalogschöpfung, eine nach Orten alphabetisch geordnete, die gesamte, in der Bibliothek vorhandene Literatur zur jüdischen Geschichte umfassen soll, wohl zu den unentbehrlichsten Nachschlagswerken gezählt werden kann. Für jeden, der sich dem Studium der jüdischen Geschichte widmen will, sind die Zuwachsverzeichnisse, die Wachstein herausgab, und in denen der Gelehrte über die im Laufe der Zeit durchgeführten Neuerwerbungen der Gemeindebibliothek informierte, von besonderem Werte. Der Tod Waehsteins hat nicht nur in die jüdische wissenschaftliche Welt, sondern in einem ganz besonderem Maße in die Führung der Gemeindebibliothek eine klaffende Lücke geschlagen. Der Verlust wird um so schmerzlicher empfunden, als leider eine gleichbedeutende Persönlichkeit für die Führung dieser Institution nicht zur Stelle ist. So hat nicht nur die wissenschaftliche Welt, nicht nur über die Gemeindebibliothek hinaus die jüdische Gemeinschaft einen großen Sohn verloren, schmerzlich werden den Verlust ihres allzeit stets hjlfs-j bereiten Beraters die zahlreichen jüdischen Studenten empfinden, die seine Hilfe bei Dissertationsarbeiten in so reichem Maße in Anspruch nehmen konnten, die zahL reichen Hörer der Theologischen Lehr-i anstalt, des Rabbinerseminars, des Chajesn Realgymnasiums, des Pädagogiums u. a. m« Ihnen allen ist in Bernhard Wachstein, der, ein überaus liebenswerter und gütiger Menscll war, ein treuer Freund und Förderer vurlorengegangen. Dr. Jakob Rosenthal. Zu Chamisdia-Assar B*schwat! JlMcU-UascUoHaU dec Bäume- Von den vier Neujahrsfesten, die die alta jüdische Tradition kennt, ist das Ros* Haschanah der N atu r, das vom 15. Schwatz gegenüber dem Rosch-Haschana der Men* sehen, fast ganz in Vergessenheit geraten. Sehr zu Unrecht. Denn es ist einmal eines der schönsten jüdischen Feste gewesen. Es wurde angesetzt für den Tag, an dem der Regen im alten Palästina aufhörte. Nach der Schule Schamais war das meist schon am 1., nach der Hill eis aber, die ja immer die ausschlaggebende bleibt, meist der 15. Schwat. Damals, als das jüdische Jahr noch naturnah und naturbestimmt war, gewann das Datum auch eine wesent* liehe gesetzlich-jüdische Bedeutung. Bäume, die vor dem 15. Schwat schon gepflanzt waren, galten hinsichtlich der Zehnten» Steuer und anderer Pflanzgesetze schon als einjährig, auch wenn sie noch kein volles. Jahr standen. Mit dem Beginn der Diaspora schwand natürlich diese Bedeutung des Tages. Es blieb allein — wie ja auch bei den anderen von Ernteterminen bestimmten Festen, Sehe* wuoth, Schmin-Azereth, usw. — ein Anden» ken an das Datum in der Liturgie. So gilt Chamischa-Assar B'schwat bis auf diesen Tag als Festtag, an dem kein öffentliches Fasten.angesetzt werden darf, an dem das Bittgebet „Tachahun” ausfällt usw. Wie bei allen anderen Festen so hat sich auch hier dann später das Ghettoleben aus* schmückend mit ihm befaßt und den schön nen Brauch erfunden, an diesem Tags 15 verschiedenartige Früchte — womöglich, palästinensische — zu essen. Diese Sitt4 wird seit etwa 1500 geübt und bringt wun» derschön den Charakter des „Neujahrs dert Bäume” in Erinnerung. Wie alle Feste, so hat um die mittelaltem liehe Zeit der Verinnerlichung jüdischer Ge* halte auch der 15. Schwat eine Renaissance in der Berührung mit der Kabbala erfahren* Die Mystik legte dem Neujahr der Bäume romantischen Sinn unter, feierte an ihm überschwenglich-schwärmerisch die Erneue» rung der Weltsäfte der Natur. Alle wesent* lieh von der Kabbala des 16. Jahrhunderte beeinflußten jüdischen Sekten — wie etwa die des Sabbatai-Zewi — haben den auch aus dem 15. Schwat einen wichtigen Feiertag^ ihres Kalenders gemacht. Und wie alle jüdischen Feste, die um sprünglich an den Ackerbau gebunden waren, hat auch der 15. Schwat einen alt* neuen praktischen Sinn erst wieder in un* seren Tagen durch die Berührung größerer jüdischer Massen mit dem palästinensischen Boden bekommen. Hier ist er wieder „Neu* jahr der Bäume” geworden. Denn an ihm ziehen die jüdischen Schidklassen in großen, fröhlichen Zügen hinaus vor ihre Städte und dort pflanzt jedes Schulkind — einen Bäumt Vor zwei Jahren gingen die Kinder zwar, wie immer am 15. Schwat hinaus vor die Stadt, aber — sie pflanzten nicht. Man durfte nicht. Es war „Schmittah”, Brachjahr. Aber der alte Brauch weiß auch für sol* chen Fall Rat. Er hat uns ein schönes Lied vom Neujahr der Bäume überliefert, das schildert, wie gern Israel pflanzen, neu« pflanzen möchte, aber nicht kann Dieses Lied sangen die Kinder und schrit* ten dazu im Reigen übers unbepflanzte judäische Feld... “—- -—31 ' RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Operer) II., Taborstraße 12 Telephon R 46-5-57 Ausgiebige Braten-MenUs S 1-60 tBkki«. \WmJ „ Geflügel- „ S 2.30 IU/W Vorzllglldie Zubereitung-Schwechater Biere Natui weine

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