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Die Stimme · 1935-01-18 · Heft 418 (18.1.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 418 (18.1.1935)
Date
1935-01-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite Z DIE STIMME Nr. 418 — 18. Jänner. 1935 aus der Saar zu vermeiden weiß. Fraukreic.h seinerseits kann seine Grenzen Flüchtlingen nicht verschließen, die sich be droht glauben. Aber es wünscht sehr, daß solche Umstände nicht ein treten. Rabbiner Dr.Ruelf nimmt Abschied von seiner Gemeinde Die Jüdi-sche Gemeinde Saarbrücken, die zionistische Ortsgruppe, die Organisation der jüdischen Jugend, die Ghewra Kadiseha. die Saar-Loge und die andern jüdischen Or ganisat,tonen nahmen in ehrenden Kund gehn ugen für ihren Seelsorger, Abschied vom Rabbiner Dr. R u e 1 f, der fünfeinhalb Jahre lang das Rabbincyamt des Kreises »Saarbrücken bekleidete und sich nmn zu dauerndem Aufenthalt nach Palästina begibt. Im Rahmen des Abschiedsgottes dienstes hielt Rabbiner Dr. Ruelf eine An spräche, in der er, anknüpfend an den Psal menvers „Aus der Enge habe ich Gott ge rufen...“, u, a. ausfllhrte: Es ist wohl keiner in diesem Gotteshaus der in den letzten schweren Monaten, die hinter uns liegen, nicht empfunden hätte daß Gott uns näher gerückt ist, und daß alle unsere Zuversicht, die wir trotz Terrors und Drohung empfinden, von Ihm kommt. Auch ln der Schicksalsstunde, die nun herannaht, wird Er bei uns sein, wenn wir dieser Stunde stark und tapfer und mit dem Be wußtsein der erfüllten Pflicht entgegenblicken können. Wenn die Entscheidungsstunde vorüber ist, wird meine Aufgabe in dieser Gemeinde beendet sein. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Dr. Leo Weiler, sprach dem scheidenden Rabbiner die hohe Anerkennung der Gemeinde für sein aufbauendes Wirken aus und sagte, Dr. Ruelf werde der Gemeinde ein Vorbild bleiben. Sei entnahmst# bei mrnf,I(innr Knneiift tätmungsorgune 'JiuUllluil mit ^6« bertnenbe V GattecDttmil 9RtI$ Julius Streicher auf Tschechisch. Prag, 15. Jänner. (2. T. A.) „Sozialdemokrat“ schreibt n. a,: „Herr Streicher, Führer der fränkischen Nationalsozialisten, Herausgeber de« „Stürmer“ und seinerzeit Führer des Juden boykotts, hat eine unerwartete Konkurrenz bekommen. Die ,Obec faäistickä4 gibt seit neuestem eine ,Arische Korrespondenz1 (»Arijskä Korrespon.dence:) heraus, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, die Maßlosigkeit der antisemitischen Polemik Streichers in tschechischer Sprache zu verbreiten. Von gewissen Rücksichten a/uf die Zensur abgesehen, ist dieses neue Unternehmen inhaltlich vom Nürnberger .Stürmer1 kaum zu unterscheiden.“ OK GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN l.. Kärlnersfrabe Nr 61 Besitzer Ollo Kaserer WIENER RAFHAÜSKELLER volkstümliche Preise In allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer Delegiertenversammlung des Zionistischen Landesveibandes Deutsche Juden in Handwerkerschulen in Polen. Berlin, 15. Jänner. (2. T. A.) Die der JCA abgeschlossenen ausgezeichnet ansgestatteten jüdischen Handworkereohulen in Polen haben sich bereit erklärt, vorläufig 50 jüdische Schüler aus Deutschland zur Ausbildung aufzunehmen. Es handelt sich um Ausbildung in Maschinenschlosaerei, Tischlerei, Weberei, Malerei, Dekoration usw. Gesucht bilanzfälvger Buchhalter, in allen Büroarbeiten veisiert, der auch organisatorisch und propagandistisch tätig sein muß. Anträge mit Nachweis der bisherigen Tätigkeit ur ter „B lanxfähig" an die Administration Oes Blattes II Am 15. Jänner fand in Anwesenheit von 56 Delegierten, der Mitglieder des Zionistischen Landeskomitees und der allgemeinzionistischen Kultusvorstelier mit Staa.terat, Dr. Friedraann und Vizepräsident Dr. Löwenherz an der Spitze die Dele gierten Versammlung des Zionistischen Lan desverbandes für Österreich statt. Aus der Provinz hatten folgende Ortsgruppen Delogierte entsendet: Baden, Innsbruck, Klagen furt, Krems, Linz, Mödling und St. Pölten Nach der Begrüßung der Delegiertenver .Sammlung durch den Präsidenten des Lan deskomitees wurde Herr Prof. Moses Rath einstimmig zum Vorsitzenden der Delegiertenversammlung gewählt. Der Vor sitzende hielt zunächst den seit der letzten Tagung des Zionistischen Landesverbandes verstorbenen zionistischem Persönlichkeiten und zwar: Bia 1 ik, Dr. Viktor Jacob son Baron Edmond de Rothschild Johann Kremenezky und dom verstor benen Leiter des Wiener Palästinaamtes Dr. Simon Horowitz, warm empfundene Nachrufe. Hierauf ergriff der Präsident des Laixlesverbamdes, Dr. ö r ü n b a u ra, das Wort und beantragte die Annahme folgender Resolu tionen, die von der DelegiertenVersammlung einstimmig angenommen wurden: Die Delegiertenversammlung beglückwünscht die Exekutive anläßlich der Erwerbung der Hule-See-Konzession. * Die Delegierten Versammlung spricht dem Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Staatsrat Dr. Desider Friedmann, dem Vizepräsidenten Dr. Josef Löwenberz und dem Rate der Stadt Wien, Dr. Jakob Ehrlich, für ihre unermüdliche und selbstlose Arbeit im Dienste der österreichischen Juden Anerkennung, Dank und Vertrauen aus. * Die Delegiertenversammlung protestiert mit aller Entschiedenheit gegen den von der kleinen Gruppe der Adass Jisroel- Schiffschul unternommenen Versuch, d 1 e Einheitder jiddischen Gemeinde zu sprengen, und ist mit der ganzen Judenschaft Wiens überzeugt, daß diesen nicht genug zu verurteilenden Bestrebungen kein Erfolg beschieden sein wird. '* Die Delegiertenversammlung unterstützt den Protest des Landeskomitees gegen die zu geringe Zuteilung von Zertifikaten an Österreich seitens der Exekutive und erwartet, daß die Exekutive im Rahmen der ihr gegebenen Möglichkeiten künftighin Österreich eine wesentlich größere Anzahl von Zertifikaten zuteilen wird. Die Delegiertenversammlung erwartet weiter, daß die Exekutive den österreichischen Zionisten eine entsprechend große Zahl neuer Zertifikate noch für die laufende Alijah zuweisen wird. ★ Der Präsident des Landesverbandes berichtet sodann über die Verhältnisse im Wiener Palästinaamt und über die Benachteiligung des Hechaluz Haklal Zioni bei der letzten durch die Einwanderungsabteilung der Jewish Agency vorgenornmene Verteilung von Zertifikaten. Er gab bekannt, daß die Allgemeinen Zionisten Schritte einleiten werden, um die Festsetzung solcher Normen durchzusetzen, die eine gerechte Verteilung der Zertifikate gewährleisten solle. Es gehe nicht an, daß Bestimmungen verewigt worden, die offenkundig darauf, abzielen, die Herrschaft einer Partei in Palästina zu verankern, wobei diese Bestimmungen außerdem für die österreichischen Verhältmiß&e nicht passen. Nach einer Wechselnde, an der sich Dr. Rothenberg und von den Radikalen Zionisten Dr. Waldmann beteiligte, wurde folgende Resolution als Dringlichkeitsaiitrag behandelt und mit erdrückender Mehrheit angenommen: Die Delegiertenversammlung stellt fest, daß durch die von der Einwanderungsabteilung der Exekutive vorgenommene Verteilung von 70 ehaluzlschen Zertifikaten der Hechaluz Haklal Zioni benachteiligt wurde und erwartet die Gutmachung dieses Unrechtes, In diesem Zusammenhänge sei erwähnt, daß der Delegierte der Ortegruppe Klagenfurt, Ing. Schiller, darüber Klage führte, daß seine Ortsgruppe trotz vielfacher Bemühungen seit seolits Jahren nicht in der Lage gewesen sei, vom Wiener Palästinaamt auch nur ein einziges Zertifikat zu erhalten, obwohl gut qualifizierte Bewerber vorhanden sind. Ähnliche Beschwerden liegen dem Landeskomitee auch von den anderen Ortsgruppen vor und der Präsident des Landesverbandes bereitet, wie wir hören, einen gemeinsamen Proteetschritt aller Ortsgruppen der Provinz beim Wiener Paktstinaamt vor. Eine analoge Aktion werden' die Allgemeinen Zionisten auch für Wien ein leiten, da es nicht angeht, daß durch verschiedene, sorgfältig zugunsten der Machtstellung der Arbeiterpartei in Palästina ausgeklügelte, kniffliche Bestimmungen fachlich und g e s i n n u n g s g e m ä ß verläßliche Gesinnungsgenossen um die Möglichkeit gebracht werden, ein Zertifikat zu erlangen. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung'— Kfar Kremenezky — erstattete Herr Dr. Tartakower das Referat. Er verwies auf die ungeheure Bedeutung der Fonds angesichts der Landflucht in Palästina und aiuf die Pflicht der österreichischen Zionisten, den großen Zionteten und Freund Theodor Herzls, Ing. Johann Kremenezky durch eine Siedlung österreichischer Juden in Palästina, die den Namen Kremenezky« tragen soll, zu ehren. Der Referent gab bekannt, daß bereits sämtliche Mitglieder des Landeskomitees und zwei Drittel der Mitglieder der Delegiertenversanunlung Selbstkonfeingente für die Kremenezky-Aktion übernommen hätten, und beantragt, die Delegiertenvermlung möge es als Pflicht aller ihrer Mitglieder erklären, Selbstkontingente zh übernehmen und alle Teilorganisationen mögen verpflichtet sein, die Kremenezky- Aktion tatkräftigst zu fördern. Dr. Grünbaum und Dr. Plaschkes befürworteten die Anträge des Referenten, der auch für eine entsprechende Werbearbeit in der Presse eintrat. Der Präsident der Keren Hajessod-Kommission, Hofrat Dr. Werner, unterstützte ebenfalls die Anträge des Referenten, indem er gleichzeitig an die Verpflichtung aller Mandatare erinnerte, die Keren Hajessod-Beiträge zu leisten, worauf die Anträge Dr. Tartak owers e i n s t i mm i g zur Annahme gelangten. Als nächster Punkt der Tagesordnung gelangte der Antrag des Landeskomitees aiuf Herabsetzung des Organieaionsbeitrages zur Verhandlung. Dr. Grünbaum verwies darauf, daß mit Rücksicht anf die zunehmende Verarmung der Mitglieder eine Herabsetzung doä Organisationsbeitrages notwendig sei, und hob hervor, daß die Allgemeinen Zionisten, abgesehen von Organ isationsbeitrag und Schekel in ihren Bezirkssektionen noch 12 Schilling Mitgliedsbeitrag jährlich bezahlen müssen, und daß die W i z o, deren Mitglieder außerdem noch ihre Beiträge für den „ALLRADIO“ Ing. Nisslm Anavi Dav/id Lehrer Wien, li.« Karmeliterplatx 1 (Ecko Taborstraße) — Tel. A 44-207 Radio, Giammophon, Elcktromaterlab »ANAV.«Dauetb andöfen Taaacö Kleine Tcilxa Ölungen Keren Hana.sch.ira leisten, ihren Otgauisationsbeitrag immer pünktlich dem Landeskoraitee abliefern. Nach einer Wechselrede, an der sich von den Radikalen Doktor Plaschkee beteiligte, wurde folgender Beschluß gefaßt: Der ordentliche Organisationsbeitrag beträgt für die Allgemeinen Zionisten i n W i c n S 2.40 pro Jahr und für die Mitglieder der Sonder Vereinigungen (Wizo und Radikale Zionisten), sowie für die Mitglieder der Ortsgruppen in der Provinz S 2.— pro Jahr, schließlich für die Mitglieder der Jugendverbände 50 Groschen pro Jahr. Es ist zu hoffen, daß diese Herabsetzung dos Organicsationsbeitrages sich günstig auswirken wird Der Präsident des Landesverbandes wies darauf hin, daß die Eingänge an ordentlichen O rgan i s a ti o ns bei t rügen, insbesondere mit Rücksicht auf rlie hohen Adaptierungskosten der neuen Büros des Landesverbandes und der Fon.ds, sowie des Palästinaamtes durchaus unzulänglich sind und die Entfaltung einer größeren Propagandatätigkeit, die schließlich ohne Geld nicht möglich sei, hemmein. Er verwies weiter darauf, daß die Allgemeinen Zionisten, insbesondere dank der Tätigkeit des derzeitigen Finanzreferenten Dir. Ap ter, dis Entschuldung des Landesverbandes, durch» geführt haben und daß ee ausschließlich Allgemeine Zionisten sind, die, abgesehen von ihren ordentlichen Beiträgen, .noch außerordentliche Beiträge ständig leisten. Als nächster Punkt der. Tagesordnung stand die Frage der Erteilung einer Ermächtigung an das Laadeskomitee zur Diskussion, weitere zionistische Gruppen als Sondervereinigungen aufzu-, nehmen. Nach einer längeren Debatte, die sich an das Referat Dr. Grünbaiums schloß und an der sich Dr. Pläschkj&s, Dr. Waldmann, Dr. A. Groß, Dr. Birnstein, Fritz Müller und Dr. Osterer beteiligten, wurde der Beschluß gefaßt, die Behandlung dieser Frage zu vertagen und auf die Tagesordnung der nächsten Delegiertenvensammlung zu stellen. , , Wegen . der vorgerückten Nachtstunde wurde der Antrag der Radikalen Zionisten betreffend Landespolitik auf die nächste Delegiertenversammlung vertagt,, die anfangs März stattfinden wird. TM RESTAURATION Arnold Neumann Ungarische Küche WIEN, I., VORLAUFSTRASSE 2 Telephon U 81-2-82 Volkstümliche Preise, beete Bedienung Vorteilhnl’to ArninHoment» Ihr Hochzeiten u. Dlnors Die Boykotthetze in Oesterreich „Die Stimme“ hatte wiederholt Gelegenheit darauf hinzu weisen, daß wich in Wien eine systematische antijüdisch-o Boykotthetze vollzieht, lu mehreren von uns uachgewieeenen Fällen sind die Behörden einge.schritten und haben verschiedene antisemitische Preseoprodukte beschlagnahmt. Nun geht uns aus unserem Leserkreis die Zeitschrift ,,D e r Konditor“ zu, deren Eigentümer, Herausgeber und Verleger ein Herr Anton Raschele, IH., Rabengasso 13, ist und die in der Buchdruckorei Ferdinand Berger in Horn gedruckt wird. „Der Konditor“ erscheint dreimat monatlich und ist das Zcmtralorgan Österreich« für die Konditorei, Lebzelterei usw. und offizielles Organ des Roichsverbande« der Zuckerbäcker- und Lobzeltcrgonossensohaft Österreichs. In Nr. 3G dieser Zeitschrift vom 20. Dezember 1934 finden wir nun einen mit „Hack“ gezeichneten Artikel: „Weihnachtsvorbereitungen, wie «io nicht erwünscht ein d“. In diesem Artikel heißt es unter anderem: „Weihnachten sind die höchsten Feiertage von 90% dor österreichischen Bevölkerung. Diese 90% dor Bevölkerung sind katholisch. Und wer erzeugt heute einen Großteil jenor Waren, die zum Schmuck der Christbäumo bostimmt sind? Einen Großteil jener Waren, welche gerade während der Feiertage ihro „Saison“ haben? Worte Kollegen, haben wir den Mut zur FJhrlichkeit: Viole für das höchste Fest der katholischen Bevölkerung' bestimmte Waren werden nicht vielleicht von erboingeeessenen Gewerbetreibenden orzeugt, sondern von ,»Fabrikanten“ (V), welcbo noch nicht die Sprache unseres Landes beherrschen, gesehwe’go denn die Schreibweise dieser Sprache. Es ist nichts so absurd und paradox zugleich, als der Umstand, daß der Bedarf für das höchste Fest der Christen von Andersgläubigen erzeugt wird, und zwar orzougt zu dem Zweck, um Geld zu vordienon. Angeregt zu diesen Zeilen wurde der »Schroihor durch den Umstand, daß er gelegentlich in einer derartigen „Fabrik“ unge»

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