Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 418 (18.1.1935)
- Date
- 1935-01-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. Freitag-Nummer JÜDISCHE ZEITUNG HOCHZEITS . HACHE DES GRANDIOSE MIIUONENFILM DER FOX *EGlfc-.tWK0/ARElV EUTE-OPERN - LUSTSPIElr IO StHOTTENRING-FlOTTENKINO J'AtN*EA Nr. 418 I Wien, 18. Jänner 1935 I Redaktion und Administration: Wien, I., Mere-Aurel-StrsBe 6. Tel.: U 22-3-91. .ledaktlonsschtuB Montag und Mittwoeh vorm. l(I^chewath^^ Die Tragödie der Saar-Juden Friedensabkommen von Revisionistenkongreß ratifiziert Krakau, 16. Jänner. (2. T. A.) Die Revisionißtenkonferenz, die vorgestern beendigt wurde, hat alle drei zwischen Jabotinsiky und Ben Gurion getroffenen Abkommen ratifiziert. Der Beschluß lautet: 1. Die Konferenz approbiert das Übereinkommen „A“ (Verwerfung jedes Terrors) und das diesbezügliche Zirkulär des Exekutivkomitees. 2. Im Hinblick darauf, daß die Bemühungen im Zusammenhang mit dem „Zirkular Nr. 60“ positive Resultate noch vor der Unterfertigung des Übereinkommens „C“ erbracht haben; indem die Zustimmung des Betar festgestellt wird, 'daß alle Verhandlungen mit Nichtzionisten betreffend die legalen Grundlagen der AlLja ausschließlich der Kompetenz der Organe der Union der Zionisten-Revisdonisten unterworfen sind, approbiert die Konferenz das Übereinkom-. men „C“. 3. Indem die Konferenz feststellt, daß 'das Übereinkommen „B“ es beiden Parteien erleichtert, die Grundlagen eines Regimes obligatorischer Schiedsgerichtsbarkeit festzulegen; daß das Übereinkommen nur bis zur Ausarbeitung dieser Grundlagen Gültigkeit hat; daß in der Übergangszeit auch dort, wo die nationalen Arbeiter nur in der Minderheit sind, der Grundsatz des unbegrenzten Streikrechtes abgeschafft wird, erklärt die Konferenz, daß die loyale Durchführung eben dieser zwei Punkte die „conditio sine qua non“ für den Bestand des Abkommens „B“, und daß die zweite „conditio sine qua non“ die Gleichberechtigung des Betar hinsichtlich Hachscharah und Alija ist. Eine Resolution bevollmächtigt das Exekutivkomitee über Teilnahme am Zionistenschekel und am Zionistenkongreß souverän zu beschließen. Die Konferenz wählte durch Akklamation Wladimar Jabotin sky zum Präsidenten der Union der Zionisten- Revisioniston wieder. Die Konferenz bereitete JabotLnsky eine stürmische Ovation. Jabotinsky nahm vor Antritt seiner Amerikareise in einer kurzen Ansprache Abschied von der Konferenz. (Weitere Berichte über die Konferenz im Innern des Blattes.) Waad Leumi und jüdischer Weltkongreß Jerusalem, 15. Jänner. (2. T. A.) Nach Anhörung eines Berichtes von Dr. Nahum Goldmann über die Vorbereitungen zum Jüdischen Weltkongreß beschloß der Waad Leumi, sich aktiv am Weltkongreß zu beteiligen und delegierte seinen Präsidenten J. Ben Z w i in das Exekutivkomitee. Nun ist das Problem der 6000 Saar-Juden in der quälendsten Form aktuell geworden. Die Rückgliederung des Gebietes an das Hitlersche Deutschland kann nach dem Ergebnis der Abstimmung als eine fertige Tatsache angesehen werden, zumal die riesige Mehrheit von über 90% jede andere Behandlung der Angelegenheit ausschließt. Die jüdischen Stimmen sind für dieses Resultat nicht in Frage gekommen, aber die Existenz der Juden bildete in der Agitation der deutschen Front einen »ehr gewichtigen Punkt. Alle Beschuldigungen und Beschimpfungen wurden aus Deutschland übernommen, monatelang klebten die antijüdisohen Plakate an den Anschlagtafeln, sangen Kinder die bekannten Judenblut-Strophen. Der Völkerbund, den die Regierungskommission auf diese Zustände aufmerksam machte, hat die 6000 Juden als lästiges Anhängsel behandelt und ihnen schließlich einen Schutz von sehr problematischem Wert versprochen. Und auch diese magere Fürsorge ist nur durch die Anstrengungen des Komitees der jüdischen Delegationen erreicht worden, das allein den Saar-Juden die Treue bewiesen hat. Wäre hinter diesem Komitee eine tatkräftige jüdische Front gestanden, so brauchte man wohl heute nicht mit solchem Bangen an die nächste Zukunft der jüdischen Familien im Saarland zu denken. Weshalb ist das Komitee der Delegationen allein gestanden? Man hat gesehen, wie das ganze deutsche Volk den Saar - Deutschen zur Seite getreten ist; gewiß hatte die deutsche Regierung ein sehr starkes Interesse daran, eine möglichst hohe Abstimmungsziffer zu erringen; aber daneben bestand doch in der gesamten deutschen Öffentlichkeit ein heißes Gefühl der nationalen Solidarität. Es ist an der Saar nicht eine Abstimmung für Hitler, sondern für das deutsche Volk gewesen und sie ist durch lange Zeit vorbereitet worden. Die jüdische Öffentlichkeit ist sich keine Minute lang im Zweifel darüber gewesen, welches Schicksal den jüdischen Brüdern droht und trotzdem ist nichts geschehen, um die Arbeit des tapferen Dr. Goldmann zu unterstützen. In keinem Land haben sich jüdische Ausschüsse gebildet, die ihre Regierung mit der Frage befaßten. Und das traurigste ist, daß nirgends für den nun eingetretenen Fall vorgesorgt worden ist. Die französische Regierung hat gewisse Beschlüsse im Interesse der zu erwartenden Auswanderung gefaßt — die jüdische Welt ist untätig geblieben, gleichsam um zu beweisen, daß die jüdische Solidarität nur in der antisemitischen Phantasie besteht. Und nun sind 6000 Juden dem Wohlwollen und dem menschlichen Gefühl der nichtjüdischen französischen Regierung anheimgegeben, einem Wohlwollen, das durch politische und soziale Rücksichten eingeengt wird und jederzeit Umschlägen kann, wenn eine andere Regierung kommt. Schon jetzt wird aus Paris versichert, daß Frankreich bei einer überstarken Auswanderung die Verantwortung auf den Völkerbund legen will. Vielleicht wird dann irgend etwas für die Auswanderer geschehen; wer wird sich aber der Juden annehmen, die im Land verbleiben und allen Quälereien der neuen Herren ausgeliefert sind? Und was wird geschehen, wenn das vom Völkerbund beschlossene Sohutzjahr vorbei sein wird? Diese Fragen zusammen sind eine schwere Anklage gegen die jüdischen Parteien aller Richtungen und ihre Führer. Man weiß doch schon seit dem Jänner 1933, was der deutsche Nationalsozialismus unter Behandlung der Judenfrage' versteht, und es konnte nicht zweifelhaft sein, daß dieses Vorgehen für alle Länder, in denen Juden leben, in einem gewissen Sinn als Präjudiz gilt. Tatsächlich hat eich an der Hand dieses Voraktes die Lage der Juden in der ganzen Welt verschlimmert und überall zeigte sich das Bestreben, dem deutschen Muster nachzuleben. Auf jüdischer Seite hätte man die Notwendigkeit' erkennen müssen, .‘eine einheitliche Front zu schaffen und der Feindschaft, deren einheitliche Leitung von Berlin aus heute offen geschieht, die gesammelte Kraft entgegenzusetzen. Aber die Bemühungen, einen jüdischen Weltkongreß zustandezubrAngen, dessen Exekutive dann als Vertretung der jüdischen Gesamtheit mit aller wünschbaren Autorität hätte auftreten können, werden aus dem Innern des Judentums heraus sabotiert. Der Zionismus, dem die Führung von selbst zufallen müßte, ist gespalten und zehrt seine Kraft in Streitereien auf, die von einem höheren Gesichtspunkt aus als sinnlos und leer erscheinen müssen; das nichtzionistische Judentum lebt geistig noch in der Notabolnzeit und will, um seine Ohnmacht nicht zu dokumentieren, von Wahlen nichts wissen. .So ist kostbare Zeit vergangen, der Kampf gegen das jüdische Leben trägt heute bereits ein internationales Gepräge. Was in Polen, in den Randstaaten geschieht, was in Österreich überall schamlos gefordert wird, zeigt deutlich die Einwirkung der deutschen Methode. Statt die Gegenwehr zu organisieren — und ein Volk von 17 Millionen ist nicht so schwach — kommt man höchstens zu akademischen Resolutionen. Wenn man bedenkt, was eine entschlossene, in allen politischen und wirtschaftlichen Zentren systematisch durchgeführte Aktion für die Saar-Juden hätte erzielen können, dann ist man fast geneigt, von einem Hochverrat zu sprechen, wenn man nicht wüßte, wie tief die politische und nationale Dekadenz der Juden geworden ist. Es ist noch ein volles Jahr Frist, ehe das Unglück der Saar-Juden sich voll auswirken wird. Wenigstens jetzt sollte alles geschehen, eine aktive Haltung der jüdischen Gesamtheit herbedzufiihren. In allen Ländern gibt es in der oder jener Form jüdische politische Körperschaften, die unter nationaler Führung zur Tätigkeit aufgerufen werden können. Überall ist der Weg zu den Regierungen frei und man müßte sich nur dazu entschließen, im Namen des jüdischen INSTALLATIONEN ELEKTRISCHE KRAFT-, MODERNE BELEUCHTUNGS- UND RADIO¬ ANLAGEN/ELEKTR. HAUSHAL¬ TUNGSGERÄTE / LUSTER /RADIO Fachmännische Beratung kostenlos Paul Heller, I., Lichtensteg 1 Tal. U 21-9-12 Volkes an die Außenminister heranzutreten. Man müßte zum Völkerbund gehen und parallel durch eine Aktion. des palästinensischen Jisohuw die auswärtigen Vertreter in Palästina, die doch jüdische Kraft und Würde vor sich sehen, in Bewegung setzen. Wenn alle Welt in der Angst vor Deutschland die Saar-Juden im Stiche läßt — das jüdische Volk darf dies nicht tun. Es ist ein Jahr vor uns, das nicht ungenützt Vorbeigehen darf. * Nach der Saar-Abstimmung London, 16. Jänner. (2. T. A.) „Daily Mail“ veröffentlicht ein Interview seines Mitarbeiters Ward P r i c e mit dem von Hitler zum Gauleiter der Saar ernannten Herrn Joseph Buerckel. „Die Juden werden in der Saar genau so' wie in Deutschland behandelt werden. Patriotisch gesinnte Juden, zum Beispiel ehemalige Frontkämpfer, werden keinerlei’Belästigung ausgesetzt sein. Diejenigen aber, die gegen Deutschland gearbeitet haben, haben Grund, sich unbehaglich zu fühlen. Für mich ist die jüdische Frage eine wirtschaftliche, keine politische.“ Das Berliner Hauptorgan der NSDAP., „Völkischer Beobachter“, befaßt sich mit Gerüchten, wonach mit der Rückkehr des Saarlandes an Deutschland ein neues Kapi-' tel der deutschen Innenpolitik beginnen werde. Das Nazi-Hauptorgan erklärt, hier seien „jüdische Wünsche“ die Väter des Gedankens. Die Status quo-Zedtiuigen melden, daß am Tage des Plebiszits in einzelnen Orten Mannschaften des braunen Ordnungsdienstes mit dem Liede durch die Straßen zogen: „Wenn’s Judenblut vom Messer spritzt, dann geht’s noch mal so gut.“ Der Londoner ,,Daily Herald“ meldet, daß nach Versiegelung der Wahlurnen etwa 40.000 Nazis sich vor dem Rathaus in Saarbrücken versammelten, und daß viele von ihnen „nieder mit den Juden!“ riefen und Miene machten, ein großes Cafö in der inneren Stadt, dessen Inhaber und regelmäßige Besucher Juden sind, zu zerstören. Der französische Ministerpräsident Flau* din' erklärte Pressevertretern u. a.: Das heikelste Problem, (bis einer Emigration aus dem Saargebiet, ist von einem Ausschuß des Kabinetts unter dem Vorsitz Herriots genau studiert und vorbereitet worden. Aber es geht vor allem den Völkerbund an. Dieser bat die Pflicht, diejenigen, die nicht für Deutschland gestimmt haben, vor allen etwaigen Repressalien zu schützen. Ich bin übrigens überzeugt, daß die deutsche Regierung von selbst alle Maßnahmen ergreifen wird, um vor der Welt zu zeigen, daß sie die Minderheitenrechte zu achten und dadurch eine Abwanderung BESTE QUALITÄTEN ANTHRAZIT KOHLE KOKS BASCH IV., ARGENTINIERSTRASSE 22 TEL SERIE U M-5-40 ACHTUNG HAUSBESITZER) Eure Häuserverwaltungen, Geldbeschaffungen mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm un<> Reparaturkredite kulantest nur durch das behördlich konzessionierte Realitäten-, Hypotheken- und Verwaltungsbüro Tel. A 48-9-82 R. TAUBMANN Wien, II., Nordpolstraße 2 3