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Die Stimme · 1935-01-15 · Heft 417 (15.1.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 417 (15.1.1935)
Date
1935-01-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 417 - 15. Jänner 1 m DIE STIMME Seite 3 Pie große Rede Jabotinskys In der Eröffnungssitzung der VI. Revisionistenkonferenz in Krakau hielt. J a b o- Üinsky eine großangelegte Rede, in der er u. a. folgendes ausführte: Ein Sturm geht durch die Länder, der das jüdische Leben in der Diaspora an den .Wurzeln faßt. Er sucht auch Länder heim, die schon lange oder gar nie einen Judenhaß gekannt haben. Den ärgsten Stoß in diesem Weltsturm hat uns gerade der Völkerbund versetzt: eein Beschluß betreffend das Saargebiet bedeutet eine Sanktion des Regimes von Rassenhaß. Im Namen aller Juden, die die treuesten Anhänger des Völkerbundes sind, erhebe ich von dieser Tribüne erbitterten Protest dagegen. Wohl wissen wir, daß in der Politik nicht jedes „Nein“ das letzte „Nein“ ist und daß sich noch vieles ändern kann in der Beziehung des Völkerbundes zum Schicksal des Saargebietes. Aber unsere Warnung bleibt. Der Völkerbund hat seine Lehre, er möge daran denken, was bezüglich der jüdischen Lehre gesagt ist: „Verläßt du sie auf einen Tag, verläßt sie dich auf Tage.“ Das jüdische Volk muß sich heute, tiefer als in früheren Tagen, mit den Problemen seines Lebens in der Diaspora beschäftigen. Unmöglich werden wir aus der Galuth eine Heimat machen können, aber es gilt das Wort, das Ber Borochow geprägt hat: „Normalisierung derGaluth“; dafür müssen wir unter allen Umständen kämpfen. Es ist wirklich schon die Zeit gekommen für den Jüdischen Weltkongreß, der ein System der Weltabwehr gegen das „Gift der Galuth“ schaffen soll. Geschichtlich betrachtet ist dieser Sturm -ein guter Sturm. Leider versteht das Volk nicht, ihn auszunützen. Der Sturm hat allen Völkern die Augen über die wahre Rolle Erez Israels geöffnet: es soll nicht nur ein „geistiges“ Zentrum, nicht nur eine „nationale Heimstätte“ sein, sondern just der Ort, wo das gesamte Judenproblem gelöst wer; den soll. Der Zionismus hat diese gewaltige Gelegenheit ungenützt gelassen. Noch schlimmer: auch jene großen jüdischen Kräfte, die menschlichen und finan- ' ziellen, die der Sturm in den letzten zwei 'Jahren nach Palästina geweht hat, hat der Zionismus nicht auszunützen verstanden. Ungeachtet der Prosperity wächst im palästinensischen Jischuw und überall in der Welt die schreckliche Sorge: vielleicht ist dieser ganze Wirbel von Geld, Häusern und Menschen nichts als eine Tirage ohne wirkliche wirtschaftliche Verwurzelung, vielleicht nichts anderes als eine Art „Inflation“. Hunderttausend neue Einwanderer müssen aus der Wirtschaft mindestens 10 Millionen Pfund jährlich zu ihrem Unterhalt herausziehen. Wo sind die Merkmale eines solchen Wachsens der Wirtschaft, ohne die viele Einwanderer — wer weiß wie viele *— nur „Touristen“ bleiben. Mit einer „Inflation“ von Menschen und Pfunden Sterling ist nichts getan. Hier wird auch eine neue Anleihe *—• wiederum Pfunde Sterling nicht viel helfen. Was wir brauchen, sind: Bodenreform, Steuerreform, Zollreform — ein Kolonisafeionsregime. Das einzige, das nicht ganz „Inflation“ ist, ist die Hule-Konzession. Aber die Umstände, unter denen man sie uns übertragen bat, sind ein kapitales Beispiel zynischer Exploitierung jüdischer Not und jüdischen Idealismus. (? Die Red.) Nun haben wir in Hule ein Stückchen Boden, nicht Tirage. Dies zeigt, wie leichtsinnig es sowohl seitens der englischen Experten als auch seitens der zionistischen Führer war, jahrelang in die Welt zu rufen, daß in Palästina kein kulturfähiger Boden mehr da ist. (Von zionistischer Seite ist dies nie gesagt worden. Die Zionistische Exekutive hat im Gegenteil stets gegen diese 'Auffassung der englischen Experten schärf stens Stellung genommen. Die Red.) Wahrscheinlich ist ein Drittel des heutigen Palästina Hule gleich. Das größte Stück Hule aber heißt Transjordanien. Es ist heute schon klar: nicht die Araber, sondern die politische Macht versperrt uns den Weg nach Transjordanien. Dann sprach JabotinBky über die revisionistischen Postulate und fuhr fort: Jetzt die Londoner Abkommen: Eines von ihnen ist das Abkommen wegen eiües zeitweiligen raodus vivendi zwischen den beiden £Li&tadrubb2 das bis zur. Einführung eines Regimes von Schiedsgerichten gilt. Ich habe gelesen, daß die andere Partei sich nicht entschließen kann, dieses Abkommen zu sanktionieren, weil in demselben das Prinzip des „Streikrechtes“ durchbrochen ist. Ja, das Übereinkommen stellt fest, daß dort, wo auch nur eine kleine Minderheit nationaler Arbeiter gegen Streik ist, ein Streik nicht proklamiert werden darf, bevor die Sache nicht dem Schiedsgericht vorgelegt ist. Mit diesem Prinzip steht und fällt das ganze Übereinkommen. Ein anderes Übereinkommen bezieht sich auf die Frage des Monopols der Jewish Agency auf die Zertifikate-Vertei- 1 n g. Wir erkennen dieses Monopol nicht an. Die erste Entscheidung bei der Auswahl jüdischer Arbeiter soll den Vertretern von Industrie und Landwirtschaft Vorbehalten bleiben. Unsere Vorstellungen bei der Regierung in London und bei den interessierten jüdischen Kreisen in Palästina waren nicht umsonst: die Jewish Agency mußte einen Teil der letzten Schedule an diese Kreise abtreten. Der Schilton Betar möge sich weiterer Schritte enthalten, damit eine bessere Atmosphäre für weitere Verhandlungen über inneren Frieden im Zionismus geschaffen ist. Dr. Schwarzbart begrüßte die revisionistische Weltkonferenz im Namen des Weltverbandes der Allgemeinen.Zionisten und führte u. a. aus: Vor einigen Monaten tagte in Krakau die Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten. Auf der Tagesordnung ihrer Beratungen standen dieselben Sorgen, mit denen Sie sich befassen. Auf verschiedenen Gedankenwegen dienen wir ja einem großen, dem gesamten Zionismus gemeinsamen Ziele, dem Wiederaufbau eines starken, unabhängigen jüdischen Palästinas auf dem Boden des historischen Erez Israel. Da wir alle zur großen zionistischen Familie gehören, möge mir als Repräsentanten des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten gestattet sein, offenherzig nur einen Wunsch zu äußern: In der Eröffnungssitzung der Betar-Konferenz unterstrich Jabotinski die nationale Dienstpflicht der Jugend. Derselbe Gedanke des nationalen Dienstes nur in einem weit größerem Bereiche, ist unsere Hauptaufgabe. Der allgemeine Zionismus fordert alle Richtungen in der zionistischen Bewegung zum freiwilligen Opfer für die Vereinigung und innere Disziplin der ganzen Nation auf, obgleich die Tendenzen innerhalb des Zionismus nicht selten die Hegemonie der Partei über den Zionismus anstreben. Eine Analyse der tausendjährigen jüdischen Geschichte und der gegenwärtigen Lage des jüdischen Volkes lehrt uns, daß in der Zersplitterung, in der Hegemonie der Parteien über das ganze, eine der Urquellen unserer nationalen Tragödie liegt. Verzeihen Sie mir, wenn ich kurz über jenes Orchester, von welchem Jabotirtski sprach, eine Bemerkung mache. Er sprach von dem harmonischen und eintönigen Orchester seiner Partei, da dieses Orchester dieselben Instrumente spielt. Die zionistische Bewegung ist ein Orchester, das aus verschiedenartigen Instrumenten besteht. Die große nationale Aufgabe der zionistischen Organisation liegt darin, den Klang der verschiedenartigen Instrumente in eine Symphonie der lebendigen jüdischen Nation zu verwandeln. Ein solches Orchester muß von einem Dirigenten geleitet werden. Deshalb lautet unser Wunsch: Schaffen Sie kein abgesondertes Orchester. Wir wünschen, daß alle Kräfte in der herrlichen zionistischen Bewegung sich zur schöpferischen Kraft gestalten und deshalb fordern wir, daß im gegenwärtigen Zeitpunkte, in welchem sich das Schicksal der jüdischen Nation entscheidet, sämtliche Parteien innerhalb der .zionistischen Bewegung das Trennende Was werden die weiteren Verhandlungen erbringen? Eines ist klar: wir müssen zu einer Round Table-Konferenz aller Parteien kommen. Das Resultat? Vielleicht nicht sehr groß, aber doch ein Abkommen über einen ständigen Kontakt, vielleicht ein Übereinkommen nur, daß einer den anderen nicht stört. Würden wir aber feststellen, daß auf der anderen Seite eine gewisse Identität zwischen unseren Auffassungen betreffend das Endziel des Zionismus und betreffend die Methoden der Aktion vorhanden ist, dann wird vielleicht eine Koalition innerhalb der Zionistischen Exekutive, die auf Gleichgewicht basiert, möglich sein. Unter allen Umständen aber wird sich der Zionismus Revisionismus das Recht selbständiger Tätigkeit in jenen Gebieten, in denen eine allgemeine Übereinstimmung nicht besteht, Vorbehalten müssen. Unter keinen Umständen werden wir die Prager Auffassung von Disziplin, die durch Majorisierung entstanden ist, akzeptieren. Wir gehören nicht zu jenen Masochisten, die sich jeder zufälligen Mehrheit, auch wenn sie eine ihnen feindliche ist, unterwerfen. Für uns hat ein 18. Zionistenkongreß überhaupt nicht existiert. Was in Prag vorkam, war kein Kongreß. (Diese Ausführungen Jabotinskys stellen der Befriedung der Zionistischen Weltorganisation ein schlechtes Prognostikon. Wir verweisen auf unseren Leitartikel „Jabotinsky am Scheideweg“, in Nr. 415 der „Stimme“ vom 8. Jänner. Die Red.) zurückstellen und das Einigende im Dienste des unsterblichen Werkes befestigen. Das ist Seele und Rückgrat des allgemeinen Zionismus, das ist sein — ani maamin. Wir wünschen, daß in diesem Konzert der Kräfte auch Ihre Kraft ein Bestandteil unserer nationalen Tat wird. Betreten Sie diesen Weg — das ist unser Wunsch, der aus einer gemeinsam, historischen, zionistischen Sorge entspringt. Indem ich Sie begrüße, rufe ich: Es lebe das erlöste jüdische Volk, das erlöste Erez Izrael! Pension Eckstein - Semmering Die Beratungen der revisionistischen Weltkonferenz Krakau, 13. Jänner. (Z. T. A.) Über die Eröffnungssitzung der VI. Weltkonferenz der Union der Zdonästen-Revisionisten ist noch nachzutragen: Bei der Erörterung über Zusammensetzung des Permanenzausschuisees reichten die Maxhnalisten eine Ergänzungsliste ein, woraufhin mit 39 gegen 32 Stimmen beschlossen wurde, die Wahl des Permanenzausschus6es zu vertagen. Auf Antrag von Jachimson (Rumänien) wurde an Achi-Meir eine Begrüßungsdepesohe gesandt. Hierauf referierte Dr. J. Hofiman über die Tätigkeit des Exekutivkomitees der Union. Er gab einen kurzen Überblick über die Periode seit der V. Revisionistischen Weltkonferenz in Kattowitz und erklärte, die Revisionisten haben den Kampf gegen die nichtexißtierende Macht der Jewish Agency aufgegeben und sieh auf den Bau einer eigenen nationalen Körperschaft mit eigenem Programm und eigenen politischen Methoden konzentriert. Diese Konferenz erst wird ein System revisionistischer Politik schaffen. Der Hauptgedanke ist, die Millionen jüdischer Massen zum Kampf um ihre politischen Rechte zu mobilisieren, sie in die Versammlungen zu bringen und auf die Straße zu führen, sie zu Kämpfern um die jüdisch-nationale Existenz zu machen. Seit der letzten Weltkonferenz wurden 40 Landesorganisaitionen mit mindestens 151.000 Mitgliedern neu geschaffen und ein Zen tnalap parat mit verteilten Aufgaben aufgobaut, die Zahl der Wahlberechtigten hat sich verachtfacht. Aufgabe dieser Konferenz sei die Fixierung und Systematisierung des neuen Weges der Leitung der Bewegung. In der dritten Sitzung der Konferenz referierte Dr. J. Schechtman über die Petitionsbewegung. Die jetzige Konferenz ist der Beginn der zweiten Etappe der Petitionsbewegung. Ihre Aufgabe wird es sein, die Petition vor das Forum der öffentlichen Meinung Englands und der Welt zu bringen. Es werden außerdem Kreiso jüdischer und nichtjüdischer Freunde der jüdischen Volkspetition in England selbst geschaffen werden, die dem englischen Parlament und den maßgebenden Instanzen Großbritanniens die Petition präsentieren werden, ln dem Brief Wedgwoods an Jabotinsky kommen die Gefühle und Meinungen der besten Engländer, von Arthur Balfour bis Lloyd George, zum Ausdruck. ‘?K“iw px msin Palästina - Orangen Grape Fruit sowie sämtliche Früchte für das Hamischa-Assar-Fest liefert sehr billig: S. Holpern, Wien, II., Förstergasse 6. Tel. A 46-4-12 Weisls Forderungen In der Sitzung vom 13. d. berichtete Beb C h o r i n (Tel-Aviv) über die Lage in Palästina. Er kritisierte scharf die gegenwärtige Wirtschaftspolitik, durch die mit einer stark passiven Handelsbilanz für eine lange Dauer gerechnet werden muß. Im Gegensatz zu der Praxis aller anderen Länder Ist der Import und Export Palästinas keinerlei Reglementierung unterworfen. Es fehlt die autoritative jüdische Repräsentanz, die die jüdischen Wirtsch affesinter essen schützt. Die englische Administration läßt das jüdische Interesse überhaupt aus dem Auge. So wird zum Beispiel die Eisenbahn Haifa—Bagdad ans rein! strategischem Interesse gebaut, sie bat keinerlei wirts chaftliche Bedeutung für Palästina, dennoch steuert die1 Palästinadlegierung aus ihrem Budget 8 Millionen. Pfund zum Bau bei, während Transjordanien und der Irak hierin vollkommen entlastet sind. Die strategische Bahn wird mit dem Gelde der palästinensischen Juden gebaut. Dr. Wolfgang von W eis I referierte über die Wirtschafts- und Fiuanzproibleine des Palästina-Aufbaues. Er erklärte, die Revisionisten seien schon jetzt berechtigt, im Namen des jüdischen Volkes zu reden. Die jetzige Weltkonferenz der Union' müsse die letzte sein, die kommende revisionistische Weltberatung solle .ein Zionisten* kongreß sein. Die Revisionisten sollten sichalsdie Zionistische Organisation erklären. Weislführte weiter ame, im Verlauf der nächsten drei Jahre werden aus Polen und Rumänien eine halbe Million Juden auswandern müssen; daraus ergebe sich die Notwendigkeit, in Verhandlungen mit den Regierungen dieser beiden Länder zu treten, um mit deren diplomatischer Hilfe eine jüdische Massenauswanderung nach Palästina zu ermöglichen. Die Erfolge der Petitionsbewegung haben eine Grundlage für eine große diplomatische Aktion der Revisionisten geschaffen. Unser Interesse konzentriert sich nicht a.uf die Rüssel Street (Sitz der zionistischen Exekutive in London), sondern auf die Downing Street (Sitz der britischen Foreign Office), Weisl schlug die Schaffung dreier neuer revisionistischer Wirtschafts-Institutionen vor* Jüdische Arbeiterbank, Krankenkasse, Landwirtschaftaimstitut. Er erörterte verschiedene Maßnahmen zur Bekämpfung der Bodenspekulation. Schließlich beantragte er die Wahl des Präsidenten der revisionistischen Union für eine vierjährige und die der Mitglieder der Exekutive für eine einjährige Dauer. JabotinsUy gegen Weisl Während der Rede Dr. v. Weisls herrschte im Saal eine gespannte und unruhige Stimmung. Jabotiusky machte einige Zwischenrufe, die sich gegen Weisls allzu maximales tischen Forderungen richteten. Es kam zu einem Zwiegespräch zwischen Weisl und Jabotinsky. J a b o t i nsky verließ, während Weisl noch sprach, den Saal, was von den Delegierten in dem Sinne gedeutet wurde, daß sich der Präsident der Union mit gewissen Anschauungen Weisls nicht identifizieren wolle. Das Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees Adv. M. Movshovioh referierte über Ali ja, die seiner Ansicht nach mehr ein politisches als ein wirtschaftliches Problem ist, Die Mandatarmacht erfülle hierin In Begrüßung durch den Weltverband der Allgemeinen Zionisten

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