Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 417 (15.1.1935)
- Date
- 1935-01-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit® 2 Oll &TIMMB Nr. 417 — 15. Jänner 1035 Artikel nur so von Friedenssehnsucht trie-j Kampf, der uns ä u f g e z w u n ge n fen, die in Wirklichkeit aber einen iinsehöj w i r d. unseren Mann stellen, um zu einem ncn Kampf um politische Macht-ehrlichen Frieden zu gelangen, den Positionen führen. Der Weltverband die zionistische Organisation dringend der Allgemeinen Zionisten sieht dieser Sibraucht. Wir kämpfen nicht um M a n d a t e tuation klar ins Auge und wird verstehen, und Machtpositionen, sondern für sich entsprechend zur Wehr zu setzen, inj den reinen, integralen a 11 g e m e idem er seine Organisation stärkt und seine ncn Z i o n i s m u s. Dieser Kampf ist je- Jugend fördert; und wir werden im1 des Einsatzes wert. Gesdiäftsasitisemif Ismus Der „Verband deutsch-arischer Rechtsanwälte4* und die Wirtschaft Krakauer Beschlüsse und nun grenzt sich Herr Dr. Glickson in diesem Artikel scharf von der Kidmah und der Aktion Blumenfeld ab. Er wirft ihr bedingungsloses Nach laufen und Lizitieren der Linken, Mangel an irgend welchem eigenen P r o g r a m m und schließlich eine destruktive Bedeutung für den allgemeinen Zionismus vor. So weit ist es gekommen, daß eine Gruppe, die den Weltverband zu bekämpfen berechtigt zu sein glaubte, weil dieser Weltverband angeblich eine Partei werden sollte, se l b s t eine Partei mit engen Zielen gegen den Weltverband gründet, während der Weltverband um den universalen und einigenden Charakter des allgemeinen Zionismus und dessen Unabhängigkeit von Links und Rechts kämpft. Bedauerlicherweise hat auch die Zionistische Exekutive durch ihr Organisationedepartement, dem Herr Locker vorsteht, einen Schritt unternommen, der als ein unfreundlicher Akt gegen den Weltverband der Allgemeinen -Zionisten bezeichnet werden muß. Die Gruppe Eth Liwnoth in Kongreßpolen, die unter der Leitung von Dr. L e w i t e steht, hat sich dem Weltverband der Allgemeinen Zionisten angeschlossen und ist aus dem Warschauer Zentralkomitee ausgetreten. Daraufhin erhielt die Gruppe Eth Liwnoth von der Exekutive die Aufforderung im Warschauer Zentralkomitee zu verbleiben, weil ihr Austritt gegen das Statut der Weltorganisation verstoße. Dieser Ansicht hat der Vorsitzende des Weltverbandes Dr. Schwarzbart öffentlich widersprochen und darauf hingewiesen, daß auch die Revisionisten und «.die Judenstaatspartei in Polen nicht dem Zentralkomitee angehören und unangefochten bleiben. Dasselbe gilt von den Allgemeinen Zionisten in Altrumänien. Der Schritt der Exekutive gibt statutarische Bedenken vor, wird aber in den weitesten Kreisen als ein von den Radikalen in Polen inspirierter Versuch bezeichnet, die Arbeit des W e 11 v e r b a n d e s der Allgemeinen Zionisten in Polen zu erschweren. Es ist bekannt, daß der Versuch des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten in das Zentralkomitee in Kongreßpolen, dessen Führer das Mitglied der Exekutive Jizehak Grünbaum ist, zum Eintritt in den Weltverband zu bewegen, ist in einer gemeinsamen Konferenz in Krakau daran gescheitert, daß die Vertreter des Zentralkomitees die Disziplinverpflichtung in der Angelegenheit der Wahl der Zionistischen Exekutive nicht annehmen wollten. Weitere Unterhandlungsversuche von seiten der Leitung des Weltverbandes wurden nicht beantwortet. Es hat hernach das Zentralkomitee in Kongreßpolen sich mit einem Rundschreiben an eine Reihe von allgemein-zionistischen Landesverbänden, beziehungsweise Landesgruppen, und zwar sowohl solcher, die zu unserem Verbände gehören, als auch solcher, die zu unserem Verbände nicht gehören und an eine Reihe Von allgemein-zionistischen Persönlichkeiten gewendet. Der Zweck dieses Rundschreibens ist den Weltverband der Allgemeinen Zionisten zu zerschlagen und eine einheitliche Front gegen ihn zu gründen, und zwar auf dem Wege des Austrittes mancher Landesgruppen, insbesondere der gewesenen Gruppe A. aus dem Verbände. Gegen diese Wühlarbeit müssen wir uns wehren. Das Zentralkomitee in Warschau ist von der Gruppe der Radikalen Zionisten beherrscht, deren Führer mit besonderer Heftigkeit die Einigungstendenz des allgemeinen Zionismus bekämpft In einer Zelt, in der sich die Flügel der Bewegung verständigen, ißt diese destruktive Arbeit von manchen Teilen des Zentrums gegen die Einigkeit dieses Zentrums besonders verwerflich und für die Bewegung schädlich. Es ist gut, daß die Allgemeinen Zionisten wissen, woran sie sind. Man arbeitet gegen uns aus dem Hinterhalt. Das machen dieselben Faktoren, deren Reden und Arierparagraph, „Kaaift nur bei bodenständigen Geschäftsleuten“, Verband deutsch-arischer Ärzte, Verband deutscharischer Rechtsanwälte, da« «irid so die Formen des Judenboykotts, in welchen sich ein heimtückisch-schleichender Geschäftsantisemitismus manifestiert, die einzige Form der Betätigung, welche sich „Betont Nationale“ Nationalsozialisten hierzulande noch ^hintenherum“ und ungestraft gestatten dürfen. Wir wollen uns diesmal ein wenig mit dem „Verband deutscharischer Rechtsanwälte“ befassen. Dieser Verband, der seinen Sitz in Wien, I., Kärntnerstraße 43, hat — in der Kanzlei des Rechtsanwaltes Dr. Viktor Tschadesch —, wurde von dem genannten Herrn, beziehungsweise auf dessen Vorschlag auf Grundlage eines von ihm entworfenen Statuts 1933 gegründet. Er umfaßt heute nach den Angaben seines Vorsitzenden, eben des genannten Herrn Dr. Tschadeseh, gegen 900 Mitglieder und hat am 18. November 1934 eine Eingabe an da« Bundesministerium für Justiz gerichtet, in welcher er die Zweiteilung der Wiener Rechtsanwaltskammer (offenbar nach dem Muster de« Zentralfriedhofes in konfessionelle, beziehungsweise rassenmäßige Abteilungen) verlangt. Das Vergnügen, derartige Eingaben zu verfassen, sei den Herren, die eich ja schließlich gewohnheits- und gewerbsmäßig mit dem Verkehr mit den Behörden zu befassen haben, gerne gegönnt, wenn auch die am und für sich gesetzlich zulässige Gründung solcher Vereine in Wirklichkeit nur den Zweck verfolgt, die VerfasÄungsbesti/mmungen zu umgehen,1 welche die Gleichheit und Gleichberechtigung aller (also auch jüdischer) Staatsbürger vorsehen und deren Geltung wiederholt und erst in jüngster Zeit vom Bundeskanzler und vom Außenminister öffentlich betont und unterstrichen wurde. Aber solche Eingaben kosten schließlich Stempelgebühren, ohne letzten Ende« dem „höheren Zweck“ derartiger deutscharischer Neugründungen, nämlich dem Geschäfte zu dienen. Wie sollen also diese höheren Ziele de« Verbände« deutscharischer Rechtsanwälte erreicht werden? Der gesohäftsführende Vorsitzende dieses Verbandes, der oben genannte Herr Doktor Tschadeseh, gibt darüber im Rahmen eines in weitesten Kreisen unbekannten Wochenblättchens (1. Jahrgang, 17. Folge), das anscheinend gute persönliche und Inseratenbeziebungen zu Beamtenkreditgenossenschaften und ähnlichen, dem öffentlichen Wohle dienenden Institutionen unterhält, mit anerkennenswerter Offenheit Aufschluß: „Ich habe bereit« im Frühjahr 1934 in einem an die arische Kollegenschaft gerichteten Rundschreiben auf die Notwendigkeit der Anbahnung einer engeren Verbindung mit den Kreisen der österreichischen Wirtschaft hingewiesen. Denn die Rechtsanwaltschaft besteht nicht für »ich allein, sondern nur mit der Wirtschaft und durch die Wirtschaft. Die verschiedenen Erwerbsstände sind aufeinander angewiesen und darum ist es auch notwendig, eine Einrichtung zu schaffen, welche geeignet ist, die Verbindung zwecken denselben herzustollen und zu pflegen. Diesem Zweck soll ein Wir fcschaftsverband der arisohen Erwerbsstände Österreichs dienen. Es soll vor allem eine nach Berufszweigen geordnete Kartei angelegt werden, welche es ermöglicht, auf jede Anfrage sofort die den verschiedenen Erworbsetän* den angehörendeoa Einzelpersonen und Firmen bek-anntzugoben. Der Kleingewerbetreibende soll auf dem kürzesten Wege mit dem Großerzeuger und Großkaufmann in Verbindung gebracht werden und umgekehrt. Dies wird eine außeror de ntliche Belebung der Tätigkeit in den Betrieben der arischon Unternehmer, der bodenständigen Gewerbetreibenden, Kaufleute und Industriellen herbeiführen, an der auch die arischen Rechtsanwälte interessiert sind. Es eoll auch jeder Geschäftsmann unmitteib a.r i n der Lage sein, sich eines arischen Rechtsanwaltes zu bedienen. Diesem Zwecke dienen die vom Verbände deutsch-arischer Rechtsanwälte Österreichs aufgelegten M i t g 1 i e d e r Verzeichnisse, die sich auf das gesamte Bundesgebiet erstrecken, so daß die Möglichkeit besteht, an Hand dieser Verzeichnisse für einen beliebigen Gorichtsort einen arischen Rechtsanwalt zum Vertreter zu bestellen. In diesem Zusammenhang sei auch auf den soeben erschienenen Vormerk-Zeitweieer (auf deutsch gewöhnlich Kalender genannt, Anra. d. Red.) für das Jahr 1935 hingewiesen, der außer den für die täglichen Vormerkungen bestimmten Wochen vormerk blättern auch eine vollständige Texta.usgabe der Rechtsanwalts-, Gerichtsgebühren, Ausfertigungsgebühren, Notariats- und Gerichtskommissionstarife, neue Tarifhabellen, allgemeine Gebührenvorschriften, ferner ein Ortsverzeichnis mit einem Hinweis auf die Gerichtszuständigkeiten und die zugehörigen Verwaltungsbezirke, schließlich ein Verzeichnis der Verbandsmitglieder enthält und trotz seines reichen Inhaltes bei einem Umfange von ungefähr 250 Seiten im Normformat zum Selbstkostenpreise von nur S 6.— abgegeben wird.“ Abgesehen von dieser Anpreisung eines Kalenders enthalten diese Ausführungen, wie man sieht, ein aiuoh sonst geschäftlich ungemein reichhaltiges Programm! E s sollen hier offenbar nicht nur deutsch-arische Rechtsanwälte, sondern mittel« einer „Kartei“ auch Geschäfte vermittelt werden. Geschieht -das umsonst? Oder gegen ein Entgelt, welches im österreichischen Wirtschafts- und Rechtsleben (zum Beispiel im A g o n t enge s o t z) „Provision“ genannt wird? Sollte letzteres der Fall sein, dann hat Herr Dr. Tschadeseh ganz recht, wenn er eine Zweiteilung der Rechtsanwaltskammer verlangt. Denn nach den bisher bei der Rechtsanwaltskammer üblichen Begriffen von Standesehre Ist eine Vermittlung von Geschäften gegen Provision unzulässig und standeswidrig. Es wird daher notwendig sein, daQ der Verband deutscharischer Rechtsanwälte zu seiner Kartei, seinem Vormerk-Zeltweiser und seinen sonstigen Handelsartikeln sich auch eine neue Standesehre zulegt Und zwar auch dann, wenn er dergleichen Geschäfte etwa auf dem Umweg über eine Zweck- und Deckorganisation, den Wirtschaftsverband der arischen Erwerbsstände Österreichs, zu machen beabsichtigen sollte. .Die' öaterrbiohischon Behörden haben sich kürzlich veranlaßt gesehen, zwei „arische“ Geschäftsweiser zu konfiszieren. Es ist sicher angebracht, wenn sich die Regierung auch mit dem „V o rmer k-Z e i t w e i s e r“ des Verbandes der arischen Rechtsanwälte befaßt und ihn samt der „Kartei“ und dem Verband selbst ihr Augenmerk zuwendet. Die gesetzlichen Voraussetzungen hiefür sind gegeben. Der österreichische Außenminister hat kürzlich davon gesprochen, daß Österreich als kleiner Staat nur durch die Macht seiner Ideen wirken kann und er hat sich über „G reue 1n a c h r i c h t e n“, die über Österreich im Ausland verbreitet werden, beschwert. Die feststehende Tatsache, daß der Verband deutsch-arischer Rechtsanwälte Judenboykott betreibt, ist so eine „Greuelnaohricht“, aber dazu angetan, Österreichs Ansehen in der Welt herabzusetzen. Die Entscheidung der österreichischen Regierung kann daher nur im Sinne eines energischen Einschreiten« gegen den Verband deutscharischer Rechtsanwälte liegen. WIR BERATEN SIE >N ALLEN BAU- und GRUNDSTÜCK- ANGELEGENHEITEN FOR PALÄSTINA DURCH UNSER BORO IN WIEN UND HAiFA AUSKUNFT UNTER „A R C H I T E K T U R-B 0 R O" AN DIE REDAKTION DER „STIMME* „Arischer Geschäffsweisei “ Zu der in Nr. 410 der „Stimme“ nach dem „Arischen G e s c h ä f t s w e i s e r“ veröffentlichten Liste erhalten wir die folgenden Zuschriften: „Öffentlicher Notar Dr. Vinzenz Reichert, 1., Salztorgasse 7. Wien, 12. Jänner 1935. „Unter Bezugnahme auf Ihre Veröffentlichung betreffend den Arischen Geschäftsweiser erlaube ich mir ihnen mitzuteilen, daß ich alien Bestrebungen, die gegen das Judentum gerichtet eind, vollständig ferne stehe, was dem Großteil meiner Klienten, die mich seit vielen Jahren kenen, beka,nut ist. Die Tendenz de« vorgenannten Geschäftsweisere war mir gänzlich unbekannt. Ich ersuche Sie, diese Erklärung zur Kenntnis zu nehmen und bitte Sie. eine entsprechende Aufklärung in der nächsten Nummer Ihres Blattes veröffentlichen zu wollen. Ich zeichne mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Dr. Vinzenz Reichert, öffentl. Notar.“ „Sanit. beh. Zahnatelier Paul Loser, Wien« 11., Sohüttaufitraße 1/39. Wien, 10. Jänner 1935. Habe von einem mcinor Patienten ein» Stimme' vom 28. Dezember 1934 in die Hände bekomen und möchte Sie höflichst ersuchen, in Ihrem Blatte bekanntzugeben, daß ich mit jedweder Politik, ganz egal welcher Richtung, noch nie etwas zu tun hatte, und ich hoffe, daß die Angelegnhoit auf einem Irrtum zavüokzuführen ißt. Bitte vou meinen Zeilen, wie oben erwähnt, Gebrauch zu machen und zeichne mit bestem Dank Zahnatelier Paul Loser.“ Gesucht bilanzfäh'ger Buchhalter, ln allen Büroarbeiten vexiert, der auch organisatorisch und propagandistisch tätig sein muß. Anträge mit Nachweis der bisherigen Tätigkeit unter „B.lanzfähig'1 an die Administiation ces Blattes Wiens orthodoxe Judenschaft für die Einheitsgemeinde Zu dem unter diesem Titel in unsorer letzten Nummer erschien men Artikel erfahren wir, daß der dort erwähnte Großrabblner von Saidugora n i c h t der Vizepräsident der „Kenessia Godaulo“, sondern Vizepräsident des Zentralrates der Agudah ist. Ferner hat außer den angeführten Großrabbinorn auch der Großrabhiner von Czortkow sich gegen die Trennungstendenzen der „Adass Jisroel“ ausgesprochen. Rettet die Saarluden! Am 17. Jänner, um K-9 Uhr abends, findet im Festsaal des Hotels Continental eine Kundgebung der österreichischen Judenschaft unter der Devise „Rettet die S a a r j u d e n!“ statt. Redner der jüdischen und zionistischen Organisationen werden sprechen. Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt und Klub Erez Israel, I!., Praterstraße 13. Donnerstag, den 17. Jfinner 1$35, Uhr abend Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der Israelitischen tfultussemeinde „Die Lase der Juden Oesterreichs und die jüdische Gemeinde"