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Die Stimme · 1935-01-15 · Heft 417 (15.1.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 417 (15.1.1935)
Date
1935-01-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. Dienstag-Nummer JÜDISCHE ZEITUNG ZkwIsterkongieB - Somwef 1935 London, JO. Jänner. Gegenüber irreführenden Gerüchten stellt das Oroaniisationß-Departoment. der Zionistischen Exekutive fest, daß bisher ein Beschluß über den Ort und das Datum des 19. Zionisten-Kongresses nicht vorl i egt. Die Exekutive hat die Absicht, dem Aktionskomitee die Einberufung des Kongresses während des Sommers 1935 veranschlagen. Sowohl das Datum des Kongresses wie der Ort, bezüglich dessen in einigen Ländern Erhebungen an gestellt wurden, werden vom Aktionskomitee festgesetzt werden. Nr. 4X7 | Wien, 15. Jänner 1935 I Redaktion und Administration: Wion, I,, Marc-Aurol-StraBo 6. Tel.: U 22-3-91. .ledaktionaschluB Montag und Mittwoch vorm. l(II^Schewatl^695^^8^ahrgang Um den inneren zionistischen Frieden 3800 Juden im Dezember legal eingewandert Jerusalem (Palcor). Nach den soeben zusammengestellten provisorischen Ziffern sind im Monat Dezember 1934 — 3800 Juden legal nach Palästina eingewandert. * Insgesamt sind im soeben zu Ende gegangenen Jahre 1934 mehr als 42.000 jüdische Einwanderer legal nach Palästina gekommen. Im Vorjahre 1933 betrug die Gesamtzahl der legalen jüdischen Einwanderer 30.327 Personen. Das Jahr 1934 weist also eine Steigerung der jüdischen Einwanderer um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahre auf. Das StaatsbQrgerrecht der deutschen Juden Zu der von Minister Dr. F r i c k gegenüber einem Mitarbeiter der „Hearst Press“ getanen Äußerung über Reiohsbiirgerrecht und aktives Wahlrecht der Nichtarier in der neuen Verfassung des Dritten Reiches (Frick verwies auf die Parteigrundsätze der NSDAP, wonach Reichsbiirger nur sein kann, wer deutschen Blutes ist) sagt die „Jüdische Rundschau“: Die Ariergesetzgebung hat auf bestimmten Gebieten unsere Rechte und unsere Betätigung im deutschen Leben eingeschränkt. Grundsätzlich aber ißt unsere Position zwar durch die herrschende Weltanschauung, die das Rassenprinzip bejaht, nicht aber durch zusammenfassende Rechtssätze geregelt. Wie die „Jüdische Rundschau“ meint, scheine aus seinen Darlegungen hervorzugehen, daß in der Frage des Staatsbürgerrechtes noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden ißt. In diesem Zusammenhang wird an die Anschauung erinnert, die der als Verfassungsreferent berufene Regierungspräsident Dr. Nicolai in seinen Publikationen vertreten hat, nämlich, daß in der zukünftigen Verfassung ein Unterschied zwischen „reichsangehörigen Volksgenossen“ und „volksfremden Reichsangehörigen“ gemacht, würde. Die letzteren würden zwar Staatsangehörige bleiben, aber dae Staatßbiirgerrecht könne ihnen nicht verliehen werden. Die „Jüdische Rundschau“ gibt der Vermutung Ausdruck, daß die bisher noch nicht geklärte Frage nach dem Inhalt des Staatsbürgerrechtes darauf hinauslaufen werde, daß gerade d a s Walilroe h t, ein Reservat der Staatsbürger sein wird. Gewiß ist, es, wie jeder leicht verstehen kann, fährt die „Jüdische Rundschau“ fort, für die deutschen Juden von größter grundsätzlicher Wichtigkeit, daß sie d a s S t a a t s b ü r g e r r e c h t, das sie im Verlaufe der Emanzipation errungen haben, behalten. Und zwar nicht nur aus praktischen Erwägungen oder wegen irgend welcher damit, verbundenen Vorteile, sondern weil sie sich auch als vollo Staatsbürger dieses Reiches fühlen und das Odium eines formell geminderten Status nicht trag e n wolle n. Wir sind uns aber klar darüber, daß die Entscheidung hierüber nicht von uns abhängig ist. Es ist daher übereilt, wenn immer wieder da und dort Vermutungen im jüdischen Lager auf tauchen, die das oder jenes über die künftigo Gestaltung dor jüdischen Position erfahren haben wollen, Die 500.000 Pfund-Anleihe und die Erwerbung der Hule-See-Konzession hat die zukunftsfrohe Stimmung, die in den zionistischen Reihen seit dem Friedenspakt zwischen Jabotinski und Ben Graion herrschte, erheblich verstärkt. Das ist gut so, wenn auch sicherlich das goldene Zeitalter für die zionistische Bewegung noch lange nicht angebrochen ist. Der natürliche Lauf der Dinge bringt es mit sich, daß neue Aufgaben neue Schwierigkeiten mit sich bringen müssen. Heute wollen wir von den inneren Schwierigkeiten sprechen, von denen man leider sagen muß, daß sie unvermindert weiter bestehen. Man liest und hört glücklicherweise nichts mehr von eingeschlagenen Köpfen und eingeschlagenen Fensterscheiben und wir wollen hoffen, daß diese häßlichen und unjüdischen Methoden nicht wiederkehren. Das Verschwinden von politischen Raufereien darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die inneren Probleme nach wie vor ihrer Lösung harren. Die revisionistische Weltkonferenz ist noch nicht beendigt und ihr Resultat ist zweifelhaft. Wird sie uns dem Frieden näherbringen? Der linke Flügel hat ebenfalls bisher Ben Graions Pakt mit Jabotinski nicht zugestimmt und man weiß, daß Ben Graion im eigenen Lager wegen seines Paktes Angriffen ausgesetzt, ist. In der Zwischenzeit ist die innere Unruhe aber noch durch Vorgänge Jm allgemeinzionistischen Lager gesteigert worden. Bei der Sitzung des Landesverbandes der'Allgemeinen Zionisten Palästinas hat eine Gruppe die Sitzung verlassen, weil sie mit der Gründung einer allgemein-zionistischen Gewerkschaft in Palästina nicht einverstanden war und hat an die Leitung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten deswegen eine Beschwerde gerichtet. Derzeit sind Bestrebungen im Zuge, um diesen Zwischenfall zu applanieren. ln der Galuth täuscht man sich oft über die Verhältnisse in Palästina. Mau vergißt zu oft, daß in Palästina, abgesehen von verschiedenen B e r u f s z i o n i s t e n und Berufspolitikern, Menschen sitzen, die Paris, 13. Jänner. (2. T. A.) Die ökonomische Zentralkommission des Komitees der Jüdischen Delegationen und des Exekutivkomitees für den Jüdischen Weltkongreß trat am 5. d. zu ihrer ersten Sitzung unter dem Vorsitz von I. Jefroykin zusammen. Sie besteht einstweilen — eine Ergäuzuug ist vorgesehen — aus den Herren: Prof. Georg Bernhard, Robert Bollack, Dr. Brutzkus, I. Jefroykiu, Prof. B. E1 i a c h e f f, Dr. G o 1 d b e r g (Sekretär), A. K a h a n, Dr. Leite s, J. K or a 1 n i k, Prof. Alexander Michelson, A. M e n o s, J. N a i d i t s c h. A. R o s i n (Ben-Adir), E. Tchorikover u. a. m. Das Komiteo der Jüdischen Delegationen und das Exekutivkomitee des Jüdischen Weltkongresses betonen mit allem Nacharbeiten. Und es sind arbeitende Menschen, die den von der Histadruth Haowdim ausgeübten politischen und wirtschaftlichen Druck als unerträglich finden und die Hoffnung aufgegeben haben, daß die Histadruth jemals das werden könnte, was sie sein sollte und fälschlich zu sein behauptet: Eine unpolitische Gewerkschaft, welche die ökonomischen Interessen aller ihrer Mitglieder in gleicher Weise schützt. Davon ist die Histadruth meilenweit . entfernt und die Grenzen zwischen ihr, der politischen Partei, der Mapei und der Exekutive sind oft kaum erkennbar. Trotz allem aber muß festgestellt werden, daß die Gründung der allgemein-zionistischen Gewerkschaft mit einem Beschlüsse der Krakauer Weltkonferenz. der Allgemeinen Zionisten iift Widerspruch steht und daher besser unterblieben wäre. Die wenigen Monate, die uns noch vom Kongreß trennen,. hätte man warten sollen. . Wer aber glaubt, daß die Gründung der allgemein-zionistischen Histadruth nicht tiefe Ursachen hat, der irrt. Nicht nur die oben aufgezeigten parteipolitischen Differenzen, sondern weltanschauliche Differenzen kommen in Betracht. Der allgemeine Zionismus ist nicht der Vertreter einer Klasse, wie die Vereinigte Arbeiterpartei, deren verlängerter Arm und wichtigstes Machtinstrument die Histadruth Haowdim ist. Der allgemeine Zionismus will dem ganzen Volke dienen. Er steht auf dem Standpunkt, daß Palästina nicht nach der Schablone irgend eines Galuthlandes aufgebaut werden kann und darf. Der allgemeine Zionismus lehnt jeden Klassenkampf ab, möge er uns von links oder von rechts kommen und erstrebt einen, neuen Typus sozialer Gerechtigkeit, der Arbeitnehmer und Arbeitgeber dem Primat des nationalen Interesses unterstellt. Das hohe’s.oziale Ethos unserer Propheten soll in einem neuen, zeitgemäßen Gewände entstehen. Erez Israel, nach. diesen Prinzipien aufgebaut, soll beispielgebend für die Welt sein und soziale Sicherheit verbürgen. Man muß sich klar druck, daß die Aufgabe der ökonomischen Zentralkommiesion darin besteht, die zur Wahrung der jüdischen Wirtschaftspositionen unumgängliche fachmännische Erforschung und Dokumentierung der ökonomischen Lage der Juden in den verschiedenen Ländern in Zusammenhang mit der Gesamtentwicklung dieser Länder zu fördern und Vorschläge für den einzuberufendeu Jüdischen Weltkongreß auszuarbeiten, nicht aber selbst materielle Hilfsmaßnahmen durehzufiihren. Das Komitee und die Zentralkomraiseion beabsichtigen nicht, die Tätigkeit der verschiedenen Landesorganisationen zu beeinträchtigen, werden vielmehr dort, wo diese Möglichkeit besteht, eine Koordination anstreben. darüber sein, daß in Palästina weder, ein sozialistischer Zukunftsstaat nach der marxistischen Ideologie, noch ein, die Arbei-, terschaft ausbeutender kapitalistischer Staat aufgebaut werden kann. Nun wird man vielleicht sagen, daß derartige Gefahren in Palästina nicht bestehen.- Leider bestehen sie auf der Arbeitgeberseite, die oft kein nationales, zionistisches Ziel, vor Augen hat, sondern nur die schrankenlose Durchsetzung der eigenen privatwirtschaftlichen Interessen. Sie bestehen aber auch auf der Arbeitnehmerseite. Hier wird immer der Einwand gemacht, daß die Arbeiterschaft ungeheure Verdienste um den Aufbau hat. Das ist richtig und wird restlos anerkannt. Mit eiserner Beharrlichkeit aber wird eine soziale Ordnung -bis in den kleinsten Kibbuz infiltriert,, der eines, Tages zu einer Gefahr für die bürgerlichen Kreise und damit für Palästina werden kann. Dieser Zustand ist leider durch die bürgerlichen Zionisten der verschiedenen Parteien ermöglicht worden, die nicht rechtzeitig für die Aufrichtung sozialer Positionen für ihre eigene, nach Palästina gehende Jugend sorgten, sondern nur Geldsammelmaschi ne n waren. Wir wissen, daß die Arbeiterpartei die von uns geschilderte Gefahr in Abrede stellt. Soll man ihr aber glauben, dann muß sie die Hand dazu bieten, daß die Histadruth Haowdim entpolitisiert wird. Tut sie es nicht, dann ist sie es, die ungezählte tausende Zionisten, die nichts wollen als ein erneutes Judentum, und ein glückliches Palästina in eine Kampfstellung zwingt, wie es im Falle jener allgemeinzionistischen Arbeiterjugend geschehen ist, die sich in Palästina eine eigene Gewerkschaft gegründet hat. Wir brauchen Ruhe, um den Aufbau zu forcieren. Die Histadruth Haowdim ist aber, ungeachtet ihrer Verdienste, ein Unruheherd, der so rasch als möglich befriedet werden muß. Darüber hinaus gibt es Unruheherde' ini zionistischen Zentrum selbst. Da ist zunächst einmal Herr Kurt Blumenfeld. Er hat sich dem Weltverband der Allgemeinen Zionisten nicht angeschlossen und eine eigene Partei, „K i d m a h“, gegründet. Alle Bestrebungen des Vorsitzenden des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, Herrn Blumenfeld zur Einigung auf Basis der Beschlüsse der Krakauer Konferenz zu bewegen, blieben ergebnislos und Herr Blumenfeld zieht es vor, die allgemeinzionistische Front zu zerbröckeln. Wie sehr diese Neugründung des Herrn Blumenfeld als schädlich betrachtet wird, davon zeugt am besten ein Artikel des Führers der progressiven allgemeinen Zionisten in Palästina, Chefredakteurs des „Haarez“, D r. M. G1 i c k s o n, im „Haarez“, vom 28. Dezember 1934. Herr Glickson war noch im April 1934 ein Bundesgenosse des Herrn Blumenfeld und stand der Kidmah sehr nahe. Nach der Krakauer Konferenz stellte sich Herr Glickson mit seiner Gruppe und mit der Gruppe L a n d s b e r g der deutschen Zionisten auf den Standpunkt der Die liidische Weltwirtschaftskommission ■NB

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