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Die Stimme · 1935-01-11 · Heft 416 (11.1.1935) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 416 (11.1.1935)
Date
1935-01-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 DIB 8TIMMI Nr. 416 — 11. Jänner 1955 m BLICK IN DIE WELT En dev Höhtensiadi von CI Gavian Am Rande der Wüste, tief drinnen in Tripolis, viele hundert Kilometer von der Küste entfernt, nachdem man bereits seit Tagen keine andere Menschenseele als auf Kamelen dahintrabende Araber gesehen hat, taucht plötzlich wie eine Fata Morgana ein Stück waschechtes Europa auf. Eine fabelhafte Autostraße, eine moderne Eisenbahn Station, europäische Gebäude aus Stein: die italienische Garnison El Garian, der letzte vorgeschobene Posten Europas am Wüsten rund Innerafrikas. Nicht dieses scheinbar verlorene Stück Zivilisation wollten wir besuchen, berichtet Ladislaus Adam in einer Reiseschilderung, sondern die 5000 Jahre alte Judenstadt von El Garian. Etwa zwei Kilometer von dem Militärlager entfernt ist Leben unter der Erde. Schluchtartig tiefe Gräben wurden hier noch in Urzeiten in den Ton gegraben, sie werden in der Tiefe weiter, bilden Höfe und den Eingang in Höhlen, wie Grabgewölbe so finster, ln dieser Höhlenstadt wohnen seit Jahrtausenden Juden, einige hundert Familien, in drangvoller Enge nebeneinander. Sie scheinen hier zufrieden, suchen nicht, oben im Araberviertel zu wohnen, trotzdem sie nach ihrem Äußern sich in nichts von den Beduinen unterscheiden. Die Höhlenstadt biet-et einen besseren Schutz vor arabischen Räubern als das benachbarte Militär, und auch der stets feuchte Ton hält die unerträgliche Hitze der Wüste fern. Nicht an Gesicht, Kleidung und Sprache, an etwas anderem erkennt der Reisende, daß hier unten keine Araber wohnen. Man wird hier nicht angebettelt} es laufen dem Fremden keine Kinder nach, den Münzensegen heischend. ln den Gruben wohnt die Familie zusammen mit der einzigen Ziege, und die Ziege > hat den luftigeren Schlafplatz in der Nähe der Öffnung der Höhle; außer einigen ganz 'primitiven Tongefäßen und Schlafmatten gibt es nichts, gar nichts, was diese Menschen ihr eigen nennen würden, genau so wie oben bei den Beduinen, ln einer Wandnische aber sieht man in jeder dieser Höhlen die hebräische B i b e l, sie hat den Ehrenplatz in der „Wohnung“ und all diese kleinen, blassen Kinder ringsum hocken über dicke Folianten und buchstabieren mit demselben wundersamen Singsang wie irgendwo in Lemberg oder Whitechapel uralte hebräische Texte. Das sind hier keine Araber. Die Mädchen und Frauen tragen keine Schleier, sie sind von bestrickender Schönheit. Sie verstecken sich furchtsam vor den Fremden und nur die großen} schwarzen Augen glänzen aus der Finsternis. Eine Dame der Reisegesellschaft zeigt ihr goldenes Armband und es gelingt wirklich, damit ein junges Mädchen von wunderbar ebenmäßigem Wuchs hervorzulocken. Sie streichelt staunend die Kostbarkeit, läuft zurück in ihre Ecke und holt alsbald ein in viele Fetzen eingewickeltes Etwas: den wertvollsten Schatz der Familie — ein frisch gelegtes Ei. Das Tauschgeschäft ist freilich nicht zustandegekommen. Die Bewohner dieser Höhlenstadt sind furchtbar arm, sie leben streng abgeschieden sowohl von den Arabern als auch von der nahen europäischen Garnison durch Generationen und seit Jahrtausenden in dieser Kohlenstädt. Den Reisenden, der, hieher verschlagen, am Rande der Wüste eine europäische Kaserne mit europäischen Maschinengewehren, strategische Eisenbahn und Autostraße trifft, überrascht nicht so sehr all diese irunderbare Technik und äußere Zivilisation als jenes Wahrzeichen höchster Kultur — die Bibel in den unterirdischen Höhlen von El Garian. Dr. Ho. Die katastrophale Lage des polnischen Judentums Aus der jüdischen Presse Beh. konz. Realbüro Ing.M.Mühlbauer Kauf und Verkau| von Realitäten, Hypotheken I. II und III Sätze, Bau- und Zwisdienkredite, Gebäudeverwaltung Büro; hranz Jose}s-Kal 11 lei. R-25-0-44 Wohnung II., Vorgartenstr. 150, lei. R-41-8-88 New York, 8. Jänner. Die Föderation polnischer Juden in den Vereinigten Stauten hielt in New York ihre Jahres-konferenz ab, an der über 400 Delegierte als Vertreter der polnisch - jüdischen Vereine in allen Teilen der USA teilnahm en. Die Tagung richtete einen Appell an die polnische Regierung, Maßnahmen zur Er leichterung der wirtschaftlich unerträglich gewordenen Lage der Juden in Polen zu ergreifen, also die wirkliche Gleichstellung der Juden mit allen Bürgern des Staates in der Weise herbeizuführen, daß auch Juden beim Staate angestellt und zu öffentlichen Arbeiten herangezogen werden. Die Konferenz beschloß ferner, daß bei allen Landsmannschaften und Gruppen polnischer Juden Amerikas spezielle Hilfskommissionen eingesetzt werden, um Geldmittel für die hungernden polnischen Juden aufzubringen. * Warschau, 8. Jänner. Im Hause der Loge Bne Briss in Warschau fand eine Beratung der Führer der polnischjüdischen Hilfsinstitutionen statt, die von Rabbiner Prof. M. S c h o r r, vom Präsidenten des jüdischen Sejmklubs Dr. Osias Thon, von den Senatoren Rafael S z ereszewßki und Rabbiner Rubinstein und von Dr. Gerechon Lew in einberufen worden war. Der Vorsitzende Prof. M. Sohorr erklärte, die jüdische Bevölkerung Polens befindet sich am Rande der Katastrophe. Das polnißche Judentum ist schon zu sehr geschwächt, um aus eigener Anstrengung eine Besserung herbeiführen zu können. Wir appellieren an das Weltjudentum, uns zu Hilfe zu kommen. Die Leiter des American Joint Distribution Committee und des englischen Judentums, die jetzt gemeinsam in Amerika eine Beratung abhalten, müssen sich zu einer großen Hilfsaktion aufraffen. Rabbiner Ruibinstein wies in seiner Ansprache darauf hin, daß man im vergangenen Jahre Amerika eineinhalb Millionen Dollar für Hilfe an die Juden in Europa gesammelt hat, davon haben die zentralen jüdischen Institutionen in Polen nur 78.000 Dollar, das heißt 5%, bekommen, der Rest wurde fast zur Gänze zugunsten der deutschen Juden verwendet. Es sei furchtbar 1 und tragisch, über solche Dinge zu reden und bezüglich der Verteilung von Hilfsgeldern eine Konkurrenz zu statuieren. Aber wir haben die tragische Pflicht, unsere Not in die Welt hinauszuschreien, da unser wirtschaftlicher Ruin und die damit verbundene physische Degeneration die größte jüdische Gemeinschaft der Welt mit SA Millionen Seelen betrifft. Sena tor Rabbiner Rubinstein gab einen überblick über die Lage der einzelnen Klassen der polnischen Judenheit, über die Arbeit der Institutionen für Kleinkredit, Kmderversorgung, Gesundheitswesen usw. uni kam zu dem Schluß, daß der ökonomische Untergang auch den geistigen Untergang mit sich bringt. Das Weltjudentum muß in seinem eigenen Interesse die SA Millionen polnischer Juden retten, in denen noch der jüdische Geist in höchster Vitalität strahlt. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, in der cs unter anderem heißt: Das polnische Judentum befindet sich in einer furchtbaren ökonomischen Lage und ist vom physischen Untergang bedroht; es macht eine der schwersten Epochen seiner ganzen Geschichte durch. Das polnische Judentum sieht sich, in höherem Maße als in den vergangenen Jahren, gezwungen, an das ausländische Judentum um brüderliche Hilfe zu appellieren. Die in den letzten Jahren von ausländischen jüdischen Institutionen dem polnischen Judentum zur Verfügung gestellten Summen stehen in gar keinem Verhältnis zur wirklichen Notlage. Die seinerzeit vom Joint geschaffenen verschiedenen sozialen Hilfsinstitutionen befinden sich am Rande des Unterganges. Waiseokiuderversorgung, Fachschulen, Erziehungsanstalten, Gesundheitsschutz usw. können angesichts der ungeheuren Verarmung der jüdischen Bevölkerung Polens ohne auswärtige Hilfe gar nicht bestehen. Die Hilfe Amerikas für die europäischen Juden New York, 6. Jänner. (2. T. A.) Auf der amerikanisch-jüdischen Wohlfahrts-Konvention appellierte Neville Laski an das Joint Distribution Committee, den polnischen Juden zu helfen. Felix M. War bürg teilte mit, daß die amerikanisch-jüdischen Wohlfahrtsorganisationen in den letzten zwei Jahren 25 Millionen Dollars verausgabt haben. Dr. Bernhard Kahn teilte mit, daß in Frankreich noch 12.000 jüdische Flüchtlinge leben. Sorglosigkeit. In der „C h w i l a“ schreibt Dr. Schwarzbart: „Bei den letzten Kongreßwahlen sind auf Allgemeine Zionisten in Palästina 6A% der abgegebenen Stimmen gefallen. Wie kommt das? Was geschieht mit den Allgemeinen Zionisten, die mit der Alijah nach Palästina kommen? Wie erklärt sich dieser Zustand? Durch 25 Jahre beschränkte sich der Allgemeine Zionismus darauf, die Bewegung zu finanzieren und kümmerte sich nicht darum, laut welchen Richtlinien die zionistischen Gelder verausgabt vnirden oder von welchem Geiste die Arbeiter in Palästina beseelt sind. Er machte sich keine Sorgen darüber, welche soziale Ordnung im künftigen Palästina herrschen wird. Im Gegenteil, er wollte nur bauen und alles übrige der Zukunft überlassen. Diese Ohnmacht des Allgemeinen Zionismus nützt die Linke mit kaltem Zielbewußtsein aus. Sie redet uns ein, daß die künftige soziale Ordnung nicht aktuell ist, aber alles, was, sie mit unserer Hilfe und mit eigener Geschicklichkeit baut, ist eine Vorbereitung des Zustandes, den sie herbeiwünscht. Der Allgemeine Zionismus in Palästina ist ohnmächtig, weil er sich seiner Mission nicht bewußt ist. Deshalb baut er in Palästina keine sozialen Institutionen und wird nicht zu der Macht, welche die allgemein-zionistische Jugend um sich vereinigen würde.“ schreibt Dr. O. Thon: Verhüten wir Unrecht. Im „Nowy Dziennik“ Lady Emma Louise Rothschitd gestorben London, 9. Jänner. (2. T. A.) In London starb, 90 Jahre alt, Lady Emma Louise Rothschild, Tochter des Frankfurter Barons Karl Rothschild, Witwe nach Nathaniel Mayer de Rothschild, dem ersten Lord Rothschild und dem ersten Juden, dem die englische Peers-Würde verliehen wurde. Ihr Sohn ist L i o n e 1 Walt e r, der zweite Lord Rothschild, der hervorragenden Anteil am öffentlichen jüdischen Loben in England nimmt und der Empfänger der Bai f o u r-D ek l.aration vom 2. November 1917 zugunsten der Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina ist. Ihr Schwiegervater war Lionel Nathan Baron de Rothschild, erstes jüdisches Mitglied des englischen Unterhauses. Direkte Schiffsverbindung Norwegen—Palästina Kopenhagen, 6. Jänner. (Z. T. A.) Die norwegische Mittelmeer-Sohiffahrtsl'inie hat Ende Dezember mit dom Motor schiff „Banaderos“ eine direkte Route Norwegen-Palästina eröffnet. Bisher haben die Schiffe der Gesellschaft nur den westlichen Teil des Mittelmeeres bereist. Nunmehr werden sie über Griechenland und Türkei nach Palästina fahren und dort Orangen und sonstige Palästina-Erzeugnisse verladen. Restaurant Rillet Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs AS 1*90 u. 2*60 Schwechater Bräu 11., Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke Telephon A 41-0-25 „Der Name von Achimeir ist in der Judenheit gut bekannt. Neben seinen negativen Eigenschaften: seinem unbezähmbaren Charakter und dem explosiven Fanatismus fällt auf der. ungewöhnlich erhabene Wert dieser undurchschnittlichen Persönlichkeit... Manchmal begeht er eine Handlung, die mit dem Buchstaben des Gesetzes im Widerspruch steht, aber er ist sicherlich unfähig, etwas zu tun, das mit einem Unrecht für irgend ein Lebewesen verbunden wäre. Mit einem Worte: er ist ein phanatischer Nationalist, aber eine durchaus ehrliche und brave Seele. Ich habe nie für seine Tätigkeit Sympathie gehabt, aber ich habe immer die volle Reinheit und Rechtschaffenheit seines Charakters anerkannt. Jetzt droht ihm die Ausweisung aus Palästina und dieses unerhörte Unrecht darf nicht zugelassen werden.. > Der Gedanke der Ausweisung eines Juden aus Palästina ist empörend. Das Schicksal Achimeirs nimmt nationalen Charakter an. Das ganze Volk muß sich hinter Achimeir stellen und unsere Rechte verteidigen.“ Uber dasselbe Thema schreibt ,,Dawar“: „Es geht nicht an, daß Achimeir für ein Vergehen zweimal bestraft wird, einmal vom Gericht und dann noch von der Administrative. Das Problem sei, ob die Regierung das Recht habe, einen palästinensischen Bürger auszuweisen. Die Ausweisung widerspreche dem Geiste des Gesetzes und der Gerechtigkeit.“ Voranzeige Die am 6. März von Triest mit deirti Dampfer „Gerusalemme“ abgehende „P ur i m r e i s e“ des Reisebureau City (Palestino & Orient Lloyd), Wien, I., Kohlmarkt 8, deren Führung der bekannte Palästina-Kenner Dr. Alfred Löwy so liebenswürdig war, zu übernehmen, erfreut sich einer sehr starken Nachfrage. Die Fahrtspesen Wien—Triest—Haifa—Triest—Wien betragen 590 Schilling. Das Landarrangement wird wunschgemäß ausgearbeitet. Anfragen beim Reisebureau City, Telephon U 26-4-29, oder bei Herrn Dr. Alfred Löwy, Telephon A 27-3-61. Die Siedlung österr. Juden KFÄR KREMENEZKY •wird nur möglich durch 1.200 Selbslkonllngenller, die mindestens Je S 100.— lUr die Siedlung aulbringen i ml

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