Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 416 (11.1.1935)
- Date
- 1935-01-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 416 — 11. Jänner 1935 OIE STIMME Seite 7 Kunsi * TQeaier * Musik Architekt Hugo George gestorben Am 23. Dezember 1934 verschied Architekt Hugo Gorge nach jahrelangem qualvollem Leiden, da« er mit der heiteren Ruhe des Weisen ertragen hat. Seinem Wunsche gemäß fand die Bcordigung in aller Stille statt. Hugo Gorge war seit seiner Studentenzeit Zionist. Seinem Wesen entsprach es nicht, in die Öffentlichkeit zu treten, aber er war ein begeisterter Anhänger und Förderer der zionistischen Idee. Seine besonderen Eigenschaften als Mensch und Künstler würdigen die nachstehenden Gedenkworte von Arichtikten Dr. Wlach. ¥ £üe cn* den. Von Aroh. Dr. Oskar Wlach, Wien. Vor ungefähr 25 Jahren trat Hugo Gorge zum erstenmal vor die Öffentlichkeit gelegentlich einer Ausstellung im Österreichischen Museum, als er seine Arbeiten gemeinsam mit Josef Frank, Viktor L u r j e und Oskar Strnad zeigte, in einer Gemeinsamkeit der künstlerischen Gesinnung, die er bis an sein frühes Ende erhalten hat. Seit damals galt er als eine der interessantestem und reizvollsten Persönlichkeiten im Kunstloben unserer Stadt. Gorges W'eTke sind die durchsichtige, kristallklare Wiedergabe seiner menschlichen Persönlichkeit. Er betrachtete jedes lebende Weisem, jedes unbewegliche Ding als beseeltes Geschöpf, dem die Natur bei seiner Erschaffung eine Pflicht mitgegeben hatte, sich einzuordnen in eine Entwicklung mit dem Ziel der höchstem Vollkommenheit, einer Pflicht, der sich zu entziehen sündhaft war. ifo gestaltete er sein Leben, so entstand sein'Werk. Mit einem-demütigen Empfinden vor der Natur, unbegrenzt in seiner keuschen Zartheit und seiner männlichen Kraft, erfaßte Gorge das Wesen jedes Materials — Stein, Beton, Holz, Gewebe, Metall, Pflanze usw. — versenkte er sich in das Wesentliche jedes Werkzeugs, jeder Maschine, jedes Handgriffs und jedes technischen Verfahrens, er wußte deren Seele in jedem Prahler und Betbruder erliegen, er-1 Kollegcnscbaft und den innerten sich niemals der reinen jüdischen I Ehrenpreis, die böchsto Kraft, die in Gorge verkörpert unter ihnen lebte. Anstatt dessen hat ihn die Gemeinde Wien gewürdigt und hat sich seiner Kunst bei der Errichtung zweier ihrer größten Wohnhausanlagen bedient, die zu den vollendetsten Schöpfungen auf diesem Gebiete zählen. Ebenso wie sein W o h Tili a u s im 6. Bezirk und sein Lan dh a u s in der Nähe Wiens, in das er vor dem tückischen Leiden, da® ihn verfolgte, geflüchtet war, und dessen er sich nur wenige Wochen erfrouen sollte. Zahllos ist die Menge seiner künstlerischen Entwürfe für Wohn räume, Einrichtungsgegenstände, Möbel uew. aus jedem nur erdenklichem Material. Mit unfehlbarer Sicherheit fand er stets die absolute Form ebenso für da® einfachste Gerät des ärnmsten Siedlers, wie für das gesteigerte Pathos und die feierliche Pracht repräsentativer Räume. Seine Arbeiten für die I n t e r n a t i o n a l.e Kunstgewerbe- und B a u a u s ® t e 1lung in Paris 1925 waren eine Ruhmesleistung österreichischer Kunst, sie. gewannen die Bewunderung einer internationalen Großen, goldenen Auszeiclinung, die zu verleihen war. Die allgegenwärtige Sicherheit und Klarheit, mit der er alle Probleme seiner Kunst durchdachte, die Einfachheit unddie allgemeine Verständlichkeit, mit der er «seine Gedanken mitzuteilen wußte, die unerschütterliche Ehrlichkeit und Festigkeit seiner Überzeugung machten Gorge, vereint mit seiner Zuneigung zu allem Jungen, in Entwicklung Begriffenen, zum Lehrer par excellence. Er verstand es, Begeisterung für das Richtige zu erwecken und Leidenschaft, ihm zu folgen. So wirkte er lange an der Seite seines besten Freundes Strnad an der Kunstgewerbeschule in Wien, später lange Zeit an der Seite des ausgezeichneten Bildhauers Robert Obsieger an der keramischen Fachschule am W i e n e r b e r g, die beste ihrer Art, dereti Schüler selbst wieder als Lehrer in der ganzen.Welt begehrt waren. So hat er den Wirkungskreis, der diesem wertvollen, vornehmen, jüdischen Geist innerhalb seines Volke® versagt war, außerhalb desselben reichlich gefunden. der Ideenwelt der — Bach, Beethoven Jüliusz Wolfsohn: \)&a< Stetotfi&toyü (ti$ Jß-ütUw* Jüdische Geiger Die in der letzten Zeit stattgefundenen Konzerte Hubermans, Milsteins und Erica Morini gaben Anlaß zu den folgenden Betrachtungen. Die reproduzierende Kunst ist die Mittlerin zwischen der Ideenwelt des schaffenden Genius und dem Zuhörer, sie ist die Wiedererweckerin der an sich toten Notenzeichen, die Überbringerin jener unsterblichen Werke, die von den Tondichtern der Menschheit geschenkt wurden. Sowohl in der Malerei als auch in der Skulptur sind die schaffenden Künstler gleichzeitig ihre Mittler. In der Literatur (abgesehen von. der Bühnenliteratur) ist das lesende Publikum, imstande, das Werk unmittelbar zu genießen. Anders in der Musik. Nur wenige aus der Masse sind der Musiksprache kundig. Wenn auch kleinere Musikstücke von Dilettanten schlecht und recht von Noten abgelesen „ , werden können, wenn auch manchmal einige ihren regten Bedmgangen e.nzufangen und hingeblmg3voll)J musikalischo Amateure sie in seinen Schöpfungen künstlerisch ge- - - - wandelt wieder zu geben. So baute der Ar chitekt Gorge seine Werke aus dein Rhythmus und der Harmonie v Raum und M a t e r i a 1. Diese® Stroben, seinen Aufgaben bis an die äußersten Grenzen seelischer Vollendung gerecht zu werden, gibt Gorges Arbeiten oinen außerordentlichen, manchmal sehr ernsten Charakter, sie erscheinen uns wie umgeben von einer Atmosphäre religiöser Inbrunst und Hingabe. Am Beginn von Gorge® künstlerischer Arbeit, um zirka 1910, steht schon eiin E n tw u r f für einen Syiugogenbau, für welchen er mit dem ersten Staatspreis ausgezeichnet wurde. Er war sicherlich einer der berufensten Baukünstler der Synagoge, — es ist eine für die jüdische Gemeinschaft grausame Tragik, daß sie niemals den Weg zu ihren Baukünstlern zu finden weiß. Es gelang Gorge, allerdings nach heftigen Kämpfen, in denen er von ßcinen Kollegen hilfreich unterstützt wurde, den Auftrag für die Ausführung eines T e m p e 1 b a u e s im 13. Bezirk zu erhalten, dor ihm später leider wieder verendetsto Ausdruck jüdischer Kultur, jüdischen Gefühles. Unaussprechlich der Verlust, daß diese® Werk voreitelt wurde, dessen Kraft den Synagogenbau einer ganzen Welt künstlerisch au® dem Sumpfe des seelenlosem Eklektizismus.in die reinste Höhe gebracht hätte. Jüdische Gemeinschaften, jüdische Organisationen und Körperschaften, die viele Klaviergrößen ■<— Rosenthal, Godow&ki, Schnabel, Hörowitz, Friedmann u. a. — Juden waren, respektive sind, hat doch der Jude eine ausgesprochene Vorliebe für sein „Fidöle“. Dem fast mysteriösen „Stempenyu“, jenem phantastischen Geiger, setzte kein Geringerer als Scholem Aleichem in einem seiner Werke ein Denkmal. Dieses Werk wurde seinerzeit für die Bühne bearbeitet und Josef Aebron, der selbst einmal ein viel bewunderter Geiger war, schrieb die •Musik.' dazu.' Der Name „Stempenyu“ mag .sich in dem gleichnamigen Werk Scholem Aleichems vielleicht nicht auf eine bestimmte Person beziehen, es dürfte vielmehr eine dichterische Schilderung und Verherrlichung eines typischen jüdischen Geiger® sein, eines jener umschwärmten, bejubelten „Klesmer mit dem Fidele“, der bei verschiedenen festlichen Angelegenheiten — vornehmlich bei Hochzeiten — die Zuhörer in Taumel versetzte. Das gutvolle Pathos, ekstatische Besessenheit, überströmendes Gefühl, ein förmzum berufensten Mittler drei berühmtesten „B“ und Brahms. Seit Joachims Kunst und seine Richtung über die des Paganini siegte, bewegt sich die reproduzierende Geigenkunst in den Bahnen der Empfindung, des Stilgefühl®, des Seelenleben®, de® pathetisch-emotionellen Ausdrucks. (Fortsetzung folgt.) Gastspiel Sevilla Pastor-Erna Siegler. Freitag, 11. d. M., Sensationspremiere „Bar- Mi z w a t h“, Lustspiel fn drei Akten und gProlo . von Boris Tomaschewsky, mit Frau Sevilla Pastor in der Rolle des Bar-Mizwah- Bucherl. Samstag, Sonntag, auch nachmittag® bei ermäßigten Preisen, „Bar-Mizwah“, Montag „Negerin“, Dienstag „Hulie Kabtzen“, Mittwoch „Bar-Mizwah“, Donnerstag „Bajazzenliebc“. Sondervorstellung in den Jüdischen Künstlerspielen. In der Sondervorstellung, die Mittwoch, den 16. d. M., in den „Jüdischen Künstlerspielen“ (Reklame) stattfindet, gelangt der Schlager; „Bar-Mizwah“ mit Sevilla Pastor als, „Jiddele“ zur Aufführung. Ferner wirken an diesem Abend noch die Primadonna Erna Siegler sowie das gesamte Ensemble der Siegler-Truppe mit. Karten im Vorverkauf sind zu haben bei Grünberg, Cafö National, II., Taborstraße 18; Vegetarische Küche Zuckermann, II., Rotensterngasse 10. Jüdische Bühne, ü., Praterstraße 60, Telephon R 43-4-59. Freitag, %9 Uhr abends: „Wus Mädlech darfen wissen.“ Eine Komödie mit Gesang in vier Akten von Gebel. Musik von Oischanetzki. Spielleitung: Der bekannte Schauspieler und Sänger Leopold Jungwirth. Sonntag, %4 Uhr nachmittags: „Parnose“. Lebensbild mit Gesang in drei Akten von Gottesfeld. Musik von Naumov. Sonntag, %9 Uhr abends: „Wus Mädlech darfen wissen.“ IQDI8CHER SPORT sich zu einer Kammermusik zusammenfinden, um das eine oder andere Werk zu spielen, o„ so sind das be.?rUßeuswerto. Ausnahmen; die j liches''improviiieren ohne Vorbilder, ohne jrroSo Masse aber also die ganze Mensch- . g|.;[ rjder Form, vielmehr eine unmittelbare Übertragung seiner Erlebnisse auf die Geige heit — kennt die erhabenen und unvergeß liehen Meisterwerke der großen Tondichter nur aus der Wiedergabe der reproduzierenden Künstler. Die nachschaffende Tonkunst ist somit ein ungeheuerer Faktor in der Musik. Die Fälligkeit, sich in der erhabenen Ideenwelt großer Männer der Kulturgeschichte einzuleben, war immer den Juden eigen. Der gewaltige Anteil an der Entwicklung der Kultur im allgemeinen und der Musik im besonderen sind beredte Beweise dafür. Die große Armee schaffender jüdischer Tondichter (Mahler, Meyerbeer, Mendelssohn, Offenbach, Halevy, Goldmark, Schönbeng u. v. a.), als auch reproduzierende Künstler, Pädagogen, Musikscbriftsteller usw. stellen dieso Behauptung außer Frage. In der ausübenden Kunst kann man bei geuauer Beobachtung eine besonders ausgeprägte Neigung und Pvädistinierung eines Volkes zu einem bestimmten Instrument bemerken; dor deutsche Dirigent Hans Richter, Hans v. Bülow, Furtwängler, Weingartner, Mottl, Schuch u. a.; der russische und polnische Pianist Padorewski, Racbraaninoff, Hofmann usw.; der italienische Sänger Tamagno, Caruso, Battistini, Gigli u. a. haben die ganze Welt orobert. Wenn auch der Klavierkönig Anton Rubinstein und — das war die Eigenart eines jüdischen Geigers, der sich von einem „Stempenyu“ als Begriff über einige Generationen zum Gipfel der reproduzierenden Geigenkunst emporgeschwungen hat. Nach dem Eintreten der Juden in die Musikwelt ist allmählich aus dem „Jidele .mit dem Fidele“ der große Geiger geworden. Eminente Künstler wie: Henri W i e n ia w s k' i, Heinrich Ernst, Tivadar N ac h 6 z u. v. a. machten den Anfang; es ging immer vorwärts, immer höher, bis die Juden das „blaue Band“ der reproduzierenden Geigenkunst ihr eigen nennen konnten: der wahre Geigenkönig Josef Joachim bewirkte es. Als Gegensatz zu Paganini, dem großen Hexonmeister, der auf dem Gebiete der Technik unerreicht blieb, war Joachim ein grundtiefer Poet, monumentaler Gestalter, phantasievoller Barde, Verkünder einer idealen, sublimierten Welt; er schöpfte und schuf aus denn Leben selbst und wurde Die zweite Makkabiah. * Tel-Aviv, 6. Jänner. Der Bürgermeister von Tel-Aviv Mayer Dizengoff leitete am 2. Jänner in Tel-Aviv! eine Pressekonferenz, die der Vorbereitung der im April 1935 in Tel-Aviv abzuhaltenden Zwei-' ten Makkabiah galt. Dizengoff gab bekannt, daß tausend aktive Sportler aus allen Ländern der Welt in 18 verschiedenen .Spi.e.1-. typen sich produzieren werden. Im Rahmen der Makkabiah wird ein S o h ac h - Welttu r n i e r, das erste in Palästina, stattfinden, für welches fast 20 Länder bereits ihre Teilw T. O. W)**n. I. S«hi>< «h rl«n ‘45 Telftohon A 11-6-Zfi Im Rahmen der Veranstaltung der W. |. Z. O. liest am Samstag, den 19. Jännar, 8 Uhr abends, RICHARD BEER-HOFM/1JS IS aus eigenen gedruckten und ungedruckten Werken im Festsaale des Industriehauses. I., Schwarzenbeigilatz 4. Karten von S 2*50 bis S 7*« erhältlich im Sekretariat der W. I. Z. O. I., t chottenring 25, I. Stock Der Fußballklub „Hakoah“ veranstaltet am Montag, den 14. Jänner 1935, um Uhr abends, in den „Jüdischen Künstlerspielen“, II., Praterstraße 34, eine Sondervorstellung der Operette „Die Negerin“, mit Sevilla Pastor in der Hauptrolle. Karten zum Preise von S 1.20 bis S 8.— sind im Sekretariat des Fußballklubs ..Hakoab“, I., Franz-Josefs-Kai 7—9 (Tel. R-25-4-97), erhältlich. Das 7ion. Landeskomitee für Österreich, Keren Kajemetli, Keren Hajessod. das Palästina-Amt und „Die Stimme“ (Redaktion und Administration!, sowie die Beamtenschaft der Zion. Büros, übermitteln auf diesem Wege den Geschwistern Hudes anläßlich des Ablebens ihrer Mutter, Frau Mirjam Rebekka Hudes den Ausdruck ihres innigst en Mitgefühls der Frau Uramgebougl peben wir Nachricht vom Ableben unserer teuren Gattin, Multer und Großmutter, MlftJAM HUDES gei». MÜNZ we’che nach kurzem, schwerem Leiden, Mittwoch, den 0. Jinuar 1035, sanft verschieden ist Wir haben unsere teure Tote Donnetsag, den 10. Januar 1935, zu Grabe getragen, ln tiefster Trauer: Brachjo Hudes, als Gatte Chalm Aron (New York), larael, Leiser Sahra Laub, Rosa Gal’zor (New York; als Söhne Fnoda, G.so, Anny als Töohter Chalm Lfiib, Slenmund Gallier Lila Huitos als So wiegrrsöhne als Schwiegertochter Floionc, Sehoschnnah, Gitta. Ita, Llano, Enkelkinder Es w:rd höflfohst gebeten, von Kondolenzbesuchen ubzu«chen.