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Die Stimme · 1935-01-08 · Heft 415 (8.1.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 415 (8.1.1935)
Date
1935-01-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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T Nr. 115 — $. Jänner 1035 DIE STIMME Seit© 3 Der zionistische Delegiertentag in der Tschechoslowakei Mährisch-Ostrau, 2. Jänner. (2. T. A.) Der a.m 30. Dezember in Mährisch-Ostrau begonnene XI. Tschechoslowakische Zionistenkongreß, an dem 96 Delegierte aus über 40 Ortsgruppen, 16 Mitglieder des Monistischen Landeskomitees und mehr als 300 Gäste teilnahmen, ist am 31. Dezember zu Ende gegangen. Von den gewählten Delegierten entfielen auf die Allgemeinen Zionisten 65 und auf die Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Zionisten 31. Die Exekutive wurde zur Erwerbung der Hule-Konzession und zum Gelingen der 500.000-Pfund-Anleihe telegraphisch beglücktwünscht und ihr der Dank ausgesprochen. Der Delegiertentag versichert die Exekutive «einer Treue und verspricht vermehrte Arbeit für die Fonde. Es wurden mehrere Resolutionen gefaßt, unter anderrn für die Schaffung billiger Wohnungen in den jüdischen Kolonien, für die Histadruth Haowdim und gegen die Schaffung anderer Gewerkschaftsorganisationen, für die Verbreitung und Vertiefung der chaluzischen Bewegung, für das hebräische Gymnasium in Mukacevo, für die Or ganiisierung der jüdischen Landwirte in der Tschechoslowakei usw. Weiters wurde die Bereitwilligkeit ausgesprochen, dem jüdischsozialistischen Verband Poale Zion und der Organisation religiöser Zionisten Misrachi die Mitarbeit im Rahmen des Territorialverbandes zu ermöglichen. Nach einstimmiger Annahme des Budgets wurde der bisherige Ausschuß mit dem Vorsitzenden des Zentralverbandes D r. Josef R u f e i s e n an der Spitze wiedergewählt. anwaltschaft des Kantons Bern gegen Professor Dr. Chaim Weizmann, Sliosb e r g, Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis, Dr. Meyer Ebner, Dr. Brodheimer. Dr. Farbstein, Miljukoff, Rabbiner Swiatnikoff und N i k o 1 a j e w s k i eingereicht worden. Die angeführten Persönlichkeiten, die bekanntlich in der (auf Ende Jänner oder Anfang Februar vertagten) Verhandlugn in Sachen der „Protokolle der Weisen von Zion“ vor dem Berner Gericht als Zeugen aufgetreten sind, sollen nach Angabe des Volksbundes falsche Aussagen gemacht haben. Der Volksbund hat auch ein Haftverfahren gegen die Genannten beantragt. (Diese Anzeige ist ebenso lächerlich als frivol und verfolgt die Taktik: „Haltet den Dieb!“ Durch solche Mätzchen soll wohl da« vernichtende Urteil gegen die Fälschung, genannt „Die Protokolle der Weisen von Zion“ verzögert werden. Die Rod.) Die Palästina Wirtschaft im Jahre 1934 Kongreß der jüdischen Partei in der Tschechoslowakei Mährisch-Ostrau, 2. Jänner. (2. T. A.) Am 31. Dezember wurde in Mährischöstrau der zweite Kongreß der Jüdischen Partei in der Tschechoslowakei eröffnet. An demselben nahmen mehr als 100 Delegierte aus 22 tschechoslowakischen Wahlkreisen teil. Er sprachen Dr. Paul März (Mährisch- Ostrau) und der Parteiobmann Dr. Emil Margulies über die Aufgaben der Jüdischen Partei in der Republik und über die Notwendigkeit weiterer organisatorischer Arbeit. Nach dem finanziellen Referat sprachen die Abgeordneten der Partei Dr. Angelo Golstein (Prag) und Dr. Julius Reisz (Britifelawa) sowie der Generalsekretär der Organisation Ing. Zucker. Der Kongreß befaßte eich auch mit den Verhältnissen in der 'Judenschaft in Karpathorußland. Der Kongreß hat. nach einer eingehenden Debatte drei Resolutionen angenommen. Die erste Resolution betrifft das Saargebiet. Die tschechoslowakischen Juden hegen Befürchtungen über das Schicksal der dortigen jüdischen Minderheit für den Fall, daß die Saar an Deutschland rückgegliedert würde. Deshalb wird der Völkerbund rat ersucht, sich dafür einzusetzen, daß, wie beim Plebiszit in Oberschlesien ifuch im Saargebiet, das Recht der Minderheiten gesichert sei. Der Außenminister der Tschechoslowakei, D r. B e n e s c h, wird, als ein (bewährter [Verteidiger der Menschenrechte, ersucht werden, sich für diese Sache einzusetzen. In der zweiten Resolution genehmigte der Kongreß die Berichte der Funktionäre, sprach der politischen Parteileitung das Vertrauen aus und empfahl, die bisherige Min- 'derheitenpolitik fortzusetzen. In der 'dritten Resolution wird gefordert, daß in .Orten, in denen die jüdische Bevölkerung zahlreich vertreten ist, jüdische B eratungsstellen für Berufswahl in der Form, wie sie sich in Mährisch-Ostrau bewährt hat, errichtet werden. Der Kongreß nahm am 1. Jänner abends mit den Wahlen seinen Abschluß. Zum Parteivorsitzenden wurde Dr. Emil Margulies aus Leitmeritz wiedergewählt. Von dem Kongreß wurden Begrüßungstelegramme an den Präsidenten Masaryk und an die Witwe nach dem ersten Abgeordneten der Tschechoslowakischen Jüdischen Partei, Frau Singer, abgeschickt. Meineidsanzeige im Prozeß gegen die „Protokolle^ Berlin, 4. Jänner. (2. T. A.) Wie die deutsche Nazi-Presse meldet, ist vom „Volksbund“, der nationalsozialistischen Bewegung der Schweiz, eine Strafanzeige .wegefc hei der Staat«-: Die im Anschluß an die politischen Ereignisse in Deutschland im Jahre 1933 einsetzende Einwan de rungs welle hat ihren Einfluß auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes erst im Jahre 1934 voll zur Auswirkung kommen lassen. Die Eingliederung der Massen der Neueinwanderer in das wirtschaftliche Leben des Landes und die damit im Zusammenhang stehenden umfangreichen Investitionen in Industrie und Landwirtschaft fällt aber im wesentlichen in das nunmehr zu Ende gegangene Jahr 1934. Die Jahre 1933 und 1934 haben einen Einwanderungsstrom von je ungefähr 40.000 Menschen ins Land gebracht. Der jüdische Bevölkerungssektor und überhaupt der im europäischen Sinne konsumierende Teil der Bevölkerung haben sich in diesen beiden Jahren um etwa 100.000 Menschen vermehrt. Die jüdische Bevölkerung dürfte von ungefähr 200.000 auf 300.000, die konsumierende Gesamtbevölkerung von 300.000 auf 400.000 Menschen angewachsen sein. Im Jahre 1934 sind schätzungsweise etwa 10 Millionen Pfund Sterling im Lande investiert worden, nachdem das Jahr 1933 bereits eine Kapitalinvestition von ungefähr 6 Millionen Pfund Sterling mit sich gebracht hatte. Der Kapitalzustrom muß in beiden Jahren aber ein weit höherer gewesen sein, da eich in den palästinensischen Banken bis Ende 1934 eine Kapitalsubstanz von ungefähr 15 Millionen Pfund Sterling angesammelt bat. Die investierten Kapitalien sind zum großen oder größten Teil in die Bauwirtschaft gewandert, da es sich zunächst einmal naturgemäß darum handelte, Wohnraum für die Neueinwanderer zu schaffen Weiterhin ist der Citrus-Anbau sehr stark entwickelt worden, man schätzt die I nvestit,ion in neuen Pflanz u n gen auf 3 bis 4 Millionen Pfund Sterling. Auch die übrigen Zweige der Landwirtschaft, vor allem die intensive Ge mischt-Kultur, sind durch Kapitalinvestitionen zur Fortentwicklung gebracht wor den. Die Investitionen im Handel- und Verkehrswesen haben mit der Entwicklung vollauf — und darüber hinausgehend — Schritt gehalten. Der industrielle Produktionswert dürfte sich in den beiden letzten Jahren um annähernd 2 Millionen Pfund Sterling gesteigert haben, die Industrie hat einen sehr großen Teil der neu hinzugiekommenen Arbeitskräfte absorbiert. Industrie und Bauwirtschaft zusammen haben den Einwandererstrom saldomäßig nahezu völlig aufgesogen und in die städtisch-industrielle Erwerbsrichtung gelenkt. Trotz des großen Entwicklungsfortschrittes, den das Jahr 1934 in Verbindung mit dem vorhergehenden für die Wirtschaft des Landes mit sich gebracht hat, ist dieser Fortschritt dennoch nur als ein Anfang anzusehen. Symptomatisch dafür ist die Entwicklung, die der palästinensische Außenhandel in den beiden letzten Jahren genommen hat. Der Import wird sich von rund 8 Millionen Pfund Sterling im Jahre 1932, über 11 Millionen Pfund Sterling im Jahre 1933 auf schätzungsweise 15 Millionen Pfund Sterling im Jahre 1934 steigern. Der Warenexport ist in den drei Jahren auf einem Niveau von ungefähr 2H bis 3 Millionen Pfund Sterling stabil geblieben. Der Import und noch stärker der Überschuß des Importes über den Export hat sich also in einem Maße erhöht, das im Augenblick bis zu einem gewissen Grade natürlich, auf die Dauer aber untragbar ist. Palästina muß im Laufe dieser Enbwickiungsjahre im Zeichen jdesi Menschen- und Kapitalzustromes dahinkominen, seine Wirtschaftsbilanz aufizugleichen. Niemand weiß in Anbetracht der unsicheren Weltverhältnisse, wieviele derartige Jahre dem Lande noch vergönnt sein werden. Sowohl auf agrarischem wie industriellem Gebiet muß das Land — selbstverständlich im Rahmen des rationell Möglichen — in ganz anderer Weise als das bisher der Fall ist, in den Stand gesetzt werden, seinen Bedarf zu produzieren. Auf der anderen Seite muß der Export so entwickelt werden, daß er den verbleibenden Importbedarf deckt, insoweit die Zahlungsbilanz nicht durch den Fremdenverkehr und einige andere Positionen mitausgeglichen wird. Bis zu diesem Ziele, das — wenn nicht heute und morgen — so doch einmal erreicht werden muß, ist es noch ein weiter Weg, der Landwirtschaft und Industrie vor große und schwierige Aufgaben stellt. Diese Aufgaben seien in positiver und negativer Beziehung kurz skizziert: Auf agrarischem Gebiet liegt vor allem ein gewaltiges und wachsendes Getreideversorgungsdefizit vor, dessen Ausfüllung im wesentlichen Aufgabe der extensiven arabischen Landwirtschaft sein wird. Anderseits fällt die Deckung der großen Defizite auf dem Gebiete der Milchprodukten- und Eiererzeugung insbesondere dem jüdischen Siediungswesen zu, wobei es auch sehr darauf ankommt, die Produktionskosten auf einem Niveau zu halten, das den Einkomriiens- und. Kaufkräftverhältnissen des Landes entspricht. Sehr "ernste Aufmerksamkeit ist der Gefahr zuzuwenden, daß die agrarische Produktion sich zu einseitig auf gewisse Produkte konzentriert, was zu ernsten Fehlschlägen führen kann und muß. Die Produktionserweiterung muß in erster Linie im Einklang mit dem Bedarf des Landes bleiben, damit Enttäuschungen erspart bleiben, von denen die Landwirtschaft anderer Länder aus den Erfahrungen der letzten Jahre ein Lied singen kann. Auf industriellem Gebiete stehen dem Kapital große Investitionsaufgaben und -probleme bevor. Sie bestehen vor allem darin, in rationeller Weise für einen beschränkten kleinen Markt zu produzieren. Auf der einen Seite ist jede Überdimensionierung zu vermeiden, auf der anderen in engem Rahmen auf rationelle Produktion und niedrige Produktionskosten hinzmvirken. Als eine sehr bedenkliche Seite der wirtschaftlichen Entwicklung dieses Jahres erscheint uns die Überfüllung des Groß- und vor allem auch Detailhandels. Schon jetzt sind beide so übersetzt, daß es — mitten in der Hochkonjunktur — kaum noch möglich ist, einen ausreichenden Gewinn zu erzielen. Es besteht nicht nur die Gefahr der Fehlinvestierung beträchtlicher Kapitalien, sondern es stehem auch Hunderte und Tausende von Existenzen auf dem Spiel. Es handelt sich hier um Nachwirkungen der Berufsschichtung des Diaspora-Judentums, die in der ersten Generation schwer zu ändern sind und über die man nicht einfach aburteilend hinweggehen kann. Gerade diesen kleinkapitalistisch-mittelständischen Existenzen gegenüber haben die zentralen jüdischen Instanzen die besondere Aufgabe, ihnen zu billigen Klein- und Vorstadtsiedlungsexistenzen zu verhelfen. Man soll sich nicht darüber hinwegtäuschen, daß die gebotenen landwirtschaftlichen Siedlungsmöglichkeiten im allgemeinen sowohl die Kapitalwie familiäre Arbeitskapazität der hier in Frage stehenden Einwandererkategorie in den meisten Fällen übersteigen. Die großen Aufgaben, vor die die Industrie und Landwirtschaft in den nächsten Jahren gestellt sind, stellen zugleich die Entwicklungsmöglichkeiten dar, die die Wirtschaft Palästinas noch in reichem Maße vor sich hat. (Palnews.) Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency In der Zeit vom 31. Dezember bis 5. Jänner tagte in New York das A dj ministrativc Committee der J wish Agency in Anwesenheit von 18 zio-i nistischen und 14 nicht,zionistischen Mit-1 gliedern unter dem Vorsitz von Neville Laski. Ferner nahmen an der Sitzung die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency, Dr. Maurice Hexter, Louis Lipsky und Berl Locker, sowie Leo Hermann, als Vertreter des Keren Hajessod, und die Herren Dr. Martin Rosenblüth und Doktor Georg Landauer als Vertreter des Zentralbüros für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina teil. Der frühere Vorsitzende des Administrative Comittee, Felix Warb u r g, nahm an der Sitzung teil und trat in das Administrative Comittee wieder ein. Die Tagung ging mit einer Ansprache des Vorsitzenden Neville Laski, in der er den Zusammenschluß der nichtzionistischen Mitglieder der* Jewish Agency in Amerika zu einer einheitlichen Körperschaft zwecks stärkerer Einflußnahme und Arbeitsmöglichkeit innerhalb der Agency ankündigte, zu Ende. Die Tagung faßte eine Resolution, in der die jüdische Öffentlichkeit aller Länder zu stärkerer Förderung des Palästina-Werkes aufgerufen und die Politik der Exekutive in bezug auf Legislative Council und Einwanderungsfrage gutgeheißen wird. (Diese von der JTA mitgeteilten Ergebnisse sind mehr als mager. Die Redaktion.) Pension Eckstein ring in König* Albert-W ald Palästina Brüssel, 4. Jänner. (2. T. A.) Die Aktion zur Pflanzung eines Waldes In Palästina auf den Namen des im vorigen Jahre tödlich verunglückten Königs Albert von Belgien wurde in Brüssel unter Leitung von Baron Empain mit großem Erfolg eröffnet. König Leopold von Belgien hat sich für die Förderung dieser Aktion ausgesprochen und seiner Freude über die damit seitens der Juden für den früheren König ffbekundete Pietät Ausdruck gegeben. Der verstorbene König Albert von Belgien hatte für das jüdische Palästinawerk und alle Bestrebungen der jüdischen Renaissance stets besonderes Verständnis an den Tag gelegt. Nach seinem Tode wurde von mehreren Zeitungen darauf hingewiesen, daß ihm während des Weltkrieges die Krone eines in Palästina zu errichtenden Königreichs durch Frankreich, Italien und den Vatikan angeboten worden sei. In einem Aufsatz in der Antwerpener Volkszeitung behauptet Camille Huysmans, der mit dem König eng befreundet war, dieser habe die Krone Palästinas aus Sympathie für den Zionismus ausgeschlagen. „Dieses Land“, habe der König erklärt, „muß dem jüdischen Volk gegeben werden, das endlich' auch sein eigenes Land haben soll.“ Dawid Tendier (Bariton) singt am 10. Jänner 1934, */*8 Uhr abends, im Kleinen Musikvereinssaal Lieder und Arien. Am Klavier: Prof. Otto Schulhof. Antisemitische Ausschrei' tungen in Polen Warschau, 6. Jänner. (2. T. Ä.) In die „ch as sidi sohe Klaus“ des Städtchens Sabinjeziory bei O t w o c k sind während der Nacht Huligans eingebrochen und haben die Thora- Rollen geschändet. Das Rabbinat hat einen Fasttag angeordnet. In den letzten Tagen haben Mitglieder der illegalen antisemitischen nationalraddkalen Partei wieder eine lebhafte Tätigkeit entfaltet. Am Silvesterabend drangen Nationalradikale in das jüdische Nalewki-Viertel Warschaus ein und mißhandelten jüdische Passanten, Drei Juden wurden verletzt. Fünf „Nara- Leute“ wurden verhaftet.

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