Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 415 (8.1.1935)
- Date
- 1935-01-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Salta Z DIB STIMM! Nr. 415 — 8. Jänner 1085 Gegenstilze und es muß geradezu als W u n d e r bezeichnet werden, daß Jabotinsky mit Ben Gurion zu einem Friedens- ]>akt gelangen konnte. Dieee Tatsache spricht dafür, daß Jabotim-ky sieh eines besseren besonnen hat und das soll ihm hoch angerechnet werden. In- 7.\visehen aber vernimmt man neue Töne, die gewisse Befürchtungen für den Friedenssehluß erwecken müssen. Jabotinsky hat sich in der letzten Zeit zwei bemerkenswerte polit'sehe Erklärungen abgegeben. Zunächst sprach er kürzlich in einer Versammlung in London über Ziele und Aufgaben des Revisionismus, in der er seine bekannten Thesen wiederholte. Er sagte hiebei im wesentlichen folgendes: „Unsere Methoden sind diejenigen, die Herzl verkündet hat: 1. Politischer Charakter des Zionismus: Kolon’sation großen Maß.stabes ist unmöglich ohne volle aktive Mitwirkung seitens des Staates; daher muß im Vordergrund der Arbeit dauernder politischer Druck auf die Mandatamacht unter energischer Forderung nach Reformen der Gesetzgebung und Verwaltung «t-ehen. 2. Was das Aufbauwerk der Zionistischen Organisation betrifft, so hat sie „Bedingungen. nicht Dinge“ zu schaffen, Bedingungen für die Förderung der Privatinitiative der einzelnen Siedler.“ Hiezu kann kurz gesagt werden, daß nicht „die Beding unge n“, sondern „d i e Ding e“, die in Palästina geschaffen wurden, uns die Möglichkeit gaben, die Balfour-Deklaration zu erringen und jenen Jischuw zu schaffen, der heute in der Lage ist, 50.000 Menschen jährlich aufzunehmen, weit mehr, als Jabotinsky jemalseich träum in ließ. Es ist eben ein verhängnisvoller Irrtum der theoretisierenden revisionistischen Politik, daß sie glaubt, auf die Erfüllung von Bedingungen warten zu können. Wir können Bedingungen an die Mächte nur insoweit stellen, als wir — bei selbstverständlicher Betonung unseres historischen Rechtes — in Palästina Dinge schaffen, die die Welt erkennen lassen, was wir geleistet haben und wenn wir täglich beweisen, daß wir ein staatsbildender Faktor sind. Man muß eben Dinge schaffen und gleichzeitig günstige Bedingungen erkämpfen. Das Rezept Jabotinskys kann zu nichts führen. - Wichtiger sind unter Berücksichtigung des beabsichtigten Friedensschlusses die Erklärungen, die Jabotinsky in seiner russmeh geschriebenen Zeitung „Rass wie t“ (Paris) am 14. Dezember angegeben hat. Als höchstes Ziel schwebt Jabotinsky eine Panzionistische Organisation (P. Z. O.) vor, worunter er sich eine föderative Vereinigung der verschiedenen zionistischen Gruppen mit einem gemeinsamen Programm sowohl hinsichtlich des Zieles als auch den Methoden vorstellt. Als geringere Ziele erscheinen ihm eine Vereinbarung über ein friedliches Nebeneinanderarbeiten der revisionistischen Union einerseits und der Zionistischen Organisation anderseits oder zumindest ein Übereinkommen über die Unterlassung gegenseitiger Störungen oder wenigstens ein Übereinkommen über gemeinsame Beratung über zionistische Fragen. Das sagt derselbe Jabotinsky, der in einer deutschen Sonderausgabe seiner Zeitung „Rasswiet“ im Jahre 1931 den Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Weltorganisation und die Bildung einer eigenen „U nabhängigen zion i «tischen Organ i e a t i o n“ (U. Z. 0.) gepredigt hatte. Diesen Plan hat Jabotinsky fallen lassen, nicht zuletzt wegen des Widerstandes in seinen eigenen Reihen. Es muß nicht lange erklärt werden, daß dieses Spiel (U. Z. O. oder P. Z. 0.) müßig ist und daß fliese Kombinationen für die zionistische Weltorganisation außerhalb des Bereiches der Diskussionen stehen müssen. Jabotinsky hält seine Konferenz in Polen ab und er wird wissen, daß Polen seinerzeit durch die Eigenbröteleien seiner Führer zugrunde gegangen ist. Jedes Mitglied des polnischen Reichstages hatte bekanntlich das sogenannte liberum veto, das heißt, jedes einzelne Mitglied konnte durch seine Kontrastimrae einen Beschluß unmöglich machen. Man muß wohl annehmen, daß Jabotinsky die „Panzioniötische Organisation“ sich so vorstellt, daß nebeneinander verschiedene von einander unabhängige Organisationen bestehen, die nur zu gemeinsamen Beratungen und Beschlußfassungen zh.ö-tpm •Koni'-ien, sonst aber ihre eigenen Wege gehen. Es macht dabei keinen Unterschied, ob Jabotinsky für seine Organisation das liberum veto verlangen wird oder nicht. Es ist klar, daß die Zionistische Organisation nur dann lehensfähig ist. wenn sie ein geschlossenes G a. n z e s darstellt, wenn es nur eine Organisation und eine Leitung gibt. Innerhalb dieser Organisation, die eine demokratische Organisation ist, hat jede Gruppe die Möglichkeit, für ihre Ansichten zu kämpfen. Es wird also viel von den Krakauer Beschlüssen abhängen. Man kann nicht auf der ('inen Seite für den Frieden eintreten und auf der anderen Seite — die Zionistische Weltorganisation — das-Instrument, das eine friedliche Arbeit ermöglichen soll, zerschlagen. Außerdem ist nun einmal die Jcwißh Agency d i e vom Völkerbund anerkannte Vertretung des jüdischen Vclkes. Auch in den Reihen der Zionißten- Revisionisten scheint man des müßigen Parteistreites miide geworden. Viele Revisionisten sehen ein, daß eß keinen Sinn hat, immer zu predigen und zu demonstrieren, denn inzwischen geht der Palästinaaufbau weiter und es werden mir diejenigen Richtungen in der Zukunft mitzureden haben, die praktischen Pa’äs t i n a a u f b a u 1 e i s t c n. Neben der Union der Zionißten-Revis io nisten existiert als selbständige Organisation die Jugendorganisation B r i t h Trumpeldor. Vor einigen Tagen ging uns eine Zuschrift eines Betarführers zu, in welcher es unter anderem heißt: ,,So kommt es, daß heute in der ganzen Bewegung ein Schrei nach Verinnerlichung und Erziehung geht, daß der Betar dessen Aufschwung, Wirken und revolutionierende Kraft im jüdischen Galutlel^n wohl e:nzig dasteht, d’eser gesunde Rieeenkftrper heute der Forderung insbesondere seiner maßgebenden Führer in allen Ländern nach Vergeistigung und seelischer Neuorientierung folgen muß und wird.“ Wenn man von den Übertreibungen in dieser Äußerung absieht, muß man es trotzdem als höchst bedeutsam hinnehmen, daß das Bestreben nach Erziehung und V 3 rinnerlichung aueh in den Kreißen des Brith Trumpeldor zum Durchbruch kommt, weil man offenbar auch in diesen Kremen in der einseitigen militärischen Erziehung nicht mehr das Heil sieht. Es sei dem aber wie immer. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, beginnt sich eine bedeutsame Änderung der revisionistischen Mentalität vorzubereiten. Dies hat der Friedenspakt Jabotinskys mit Ben Gurion bewiesen. Wir wiederholen aber: Es ist müßig, zu prophezeien. Wir wollen aber hinzufügen, daß alle Zionisten denen ee nicht um kleinlichen Parteißtreit, und 11m eine Politik der Gehässigkeit und des Hasses zu tun ist, hoffen, daß die Krakauer Konferenz der Revisionisten eine grundlegende Änderung der revisionistischen Taktik und des Verhältnisses der Revisionisten zur Zionistischen Weltorganisation in einem guten Sinn mit eich bringen wird. Zlonistenkonsreß im Sommer 1935 Ben Gurion über die Befriedungsak$ion Jerusalem, G. Jänner. (2. T. A.) Der Leiter des politischen Departements der Exekutive der Jewtsh Agency David Ben Gurion erklärte Pressevertretern gegenüber, das Friedeneabkommen mit den Rovißionißten löee noch nicht alle Probleme, die den inneren Frieden der Bewegung stören; die entscheidende Frage bilde die endgültige Beziehung der Revisionisten zur Zionistischen Organisation. Die Einheit der Organsation sei eino Lebensnotwendigkeit, der beding u ngelo ft e Anschluß der Revisionisten» n die Z. 0. ßeidie einzige Grundlage, auf der die Gleichheit der Rechte und Pflichten aller zionistischen Gruppierungen horgestellt werden könne. Die Priorität der Disziplin gegenüber den Kongreßbcöohlüesen sei unerläßliche Bedingung für die Existenz der Z.-O. Ferner müssen die Revisionisten s epa raten politischen Aktionen o n t s a g e n, sie müssen wählen, ob sie einen integralen Bestandteil bilden oder außerhalb der Organisation bleiben sollen. Die Zweideutigkeit der bisherigen Stellung sei nicht zulässig. Die Exekutive werde Versuche, das Hauptiiißtrument unseres staatlichen Aufbaus, die Z. 0., das größte Erbe Herzls, zu vernichten, nicht dulden. Ben Gurion kündigte den baldigen Beginn von Verhandlungen zwischen der Zionistischen Exekutive und der Weltleitung des Mißracln in Jerusalem an. Waf> ißt mit den Verhandlungen mit dem Weltverband der Allgemeinen Zionisten? Die Red.) Nach Beendigung der zwischonparteiliohen Verhandlungen werde wahrßoheinlioh eine Session des Aktionskomitees einberufen werden, in der die Exekutive einen maximalen Zusammenschluß der konstruktiven Kräfte im Zionismus auf der Plattform einer gern o i n e a m e n Aktion zu erreichen hofft. Diese Aktion soll folgende Gebiete umfassen: 1. Erneute Bemühungen für Erhöhung der Einwanderung und Inaugurienmg einer die jüdische Kolonisation begünstigenden Gesetzgebung. 2, Eine besondere Aktion für den Gedanken der jüdischen Arbeit. 3. Größere Botlenkilufe mit Hilfe des nationalen Kapitals, dabei Kampf gegen die Bodenspekulation. 4. Stärkung der nationalen Fonds zweckß Wiederbeginns einer großzügigen kolonisatorischen Tätigkeit. 5. Der Einwanderungsstrom «oll hauptsächlich auf das Land geleitet worden. 6. Private Initiative, die dem Gedanken der jüdischen Arbeit nützt, wird gefördert. 7. Die Arbeitsverhäitnißse werden auf Grund kollektiver Abkommen geregelt. 8. Die Einheit der. Organisation der palästinensischen Judenheit „Kneßseth Israel“ und die nationale Dißzipiin des Jischuw werden gekräftigt. 9. Einheit und Ganzheit der Histadruth Haowdim werden anerkannt. 10. Die Gleichheit der Rechte und Pflichten aller Mitglieder der Z.-O. wird festgesetzt. 11. Es gilt die absolute Souveränität de« Zionißtenkongresses. 12. Massenorganisierung des Judentums im Rahmen der Z.-O. 13. Enge Zusammenarbeit mit der englischen Mandatarmacht zwecks permanenter Verteidigung der jüdischen Rechte. 14. Bemühungen für Verständigung und weitestmögliche Kooperation mit den Arabern. Zum Schluß erklärte Ben Gurion, daß der 19. Zionistenkongreß im Sommer 1935 einberufen werden wird. Die Exekutive hofft, daß dieser Kongreß den einheitlichen Wunsch nach Erhöhung der Kraft der Bewegung nach voller Verwirklichung des Zionismus noch in unseren Tagen erfüllen wird. WIR BERATEN SIE IN ALIEN BAUun» GRUNDSTUCK- ANGELEGENHEITEN FOR PALÄSTINA DURCH UNSER BORO IN WIEN UND HÄiFA AUSKUNFT UNTER „ARCHITEKTU R-B 0 R O" AN DIE REDAKTION DER ..STIMME' Auftakt zur Wettkonferenz der Zionisten-Revisionisten Prag, 6. Jänner. (2. T. A.) Unter der Überschrift „Vor Krakau“ bespricht der Führer der Zionisten-Revißionisten in der Tschechoslowakei, Dr. Oskar Rabinowicz, die Probleme, die die VI. Revisionistische Wdt.konferenz, die vom b. L; 15. Jäuii r in Krakau abgehalten wird, i-c.-chäftigeu weruci. Er führt unter anderem aus: Letztens hat sich, dank den „Friedens- Verhandlungen und -Abkommen“, eine gewisse Entspannung eingestellt, doch kann von einer Klärung noch nicht gesprochen werden. Für uns ißt eines feststehend: Wir sind und bleiben eine selbständige Organisation. So etwas wie eine Unterwerfung wird der Revisionismus niemals tun oder sanktionieren. Deshalb kann die Frage der Disziplin, wie sie der Prager Zionisten« kongreß beschloß, nicht einmal Dtekussionsthema für uns seda, Ein Protest der Jewtsh Agency Jerusalem, 3. Jänner. (2. A. T.) Eine Delegation der Jewish Agency hat bei der Paläsfcinaregierung Einspruch gegen die geplante Reform der Besteuerung von Grund und Boden er- Nach dem auch von der „Stimme“ veröffentlichten neuen Grundsteuerfür landwirtschaftliche Terrains eoll eine progressive Besteuerung nach Bodenklassen erfolgen, bei der hochentwickelte Böden unverhältnismäßig stärker besteuert werden alß minderentwickelte und fast die gesamte Grundsteuerlast auf die Orangenplantagen gewälzt wird. Die Exekutive hat eine besondere Juristenkommission mit dem Studium dieser Steuerreformpläne unter steuerrechtlichen Gesichtspunkten beauftragt. hoben bereits gesetz Die Anleihe für TeVAviv Tel-Avlv, 8. Jänner. (2. T. A.) Der Tel-Avivor Stadtrat hat e i n s t i mm i g gegen den Vorschlag der Regierung, den Verwendungsplan der von der Prudeneial Assurance aufzunehmenden 850.000- Pfund-Anleihe abzuändern, Stellung genom men. Der Dißtriktskomraissar hatte die Bewilligung zur Verwendung von 40.000 Pfund für die Errichtung eines neuen Krankenhauses und 30.000 Pfund für städtische Wohnbauten abgelehnt, dagegen die Erhöhung der für Kanalisation vorgesehenen Summe von 190.000 Pfund um 50.000 Pfund vorgeschlagen. Der Stadtrat beschloß, die Anleihe nur unter der Bedingung aufzunehmen, daß die Posten für Wohnbauten und für die Errichtung de« Krankenhauses in den Verwendungsplan aufgenommon werden oder daß die Regierung das für den Bau des Krankenhauses notwendige Geld zur Verfügung stellt. Mit Erbitterung wurde von Vertretern aller Parteien festgestellt, daß die Regierung ihre Finanzwirtschaft offenbar nach dem Grundsatz „Einnahmen von den Juden und Auegaben zugunsten der Araber“ eingerichtet habe. Demnach wüTden aus Regierungwmittoln arabische Schulen sogar in der jüdischon Stadt, T i b o r i a s gebaut, ährond Tel-Aviv drin-1 Berücksichtigung der Bewohner des Hinterlandes einer Bevölkerung von 180.000 Menschen zu dienen hätte. Waad Leumi übernimmt Für* sorge für Neueinwanderer Tel-Aviv, 3. Jänner. (2. T. A.) In einer Sitzung des Waad Leumi wurde einstimmig beschlossen, daß die Einwanderungskommisßion dieser Körperschaft die Fürsorge für neue Einwanderer unmittelbar nach ihrem Eintreffen übernehmen soll. Dr. Grünbaura erstattete einen Bericht über die Arbeit der Kommission. Auf die Notwendigkeit, den Neueinwanderern die entsprechende Fürsorge zuzuwenden und ihnen bei der Niederlassung behilflich zu sein, war besonders von Miß Szold hingewiesen worden. Die Eröffnung des hebrü• Ischen Telegrammverkehrs Jerusalem, 4. Jänner (2. T. A.) Ara 1. Jänner wurde der zunächst für e;ne beschränkte Zahl von Postämtern zugelassene Telegramm verkehr in hcb r ä i e c h o n Schriftzeichen in Palästina eröffnet. Das erste Telegramm in hebräischer Schrift wurde von Israel A m ikam abgesandt, der bekantlich einen jalnelangen Kampf um die Zulassung der hebräischen Schrift im palästinensischen Telegrammverkehr geführt hat. Sämtliche hebräischen Tageszeitungen begrüßen die Einführung des Telegrammverkehrs in hebrilischen Schriftzeichen als eine wichtige Etappo in der offiziellen Durchsetzung des Hebräischon mit dom „Schehechejonu“. Verbilligung des Kredits in Palästina Jerusalem, 6. Jänner (2. T. A.) Der jüdiecb-palästinensisoho Wirtschaftßführor S. Hoofien erklärte auf einer von der Palestino General Morfcgago Bank (Hypothekenbank) abgehaltenen Pressekonferenz, die Bank werde demnächst neue 5%‘ige Obligationen in dor Geßamthöhe von 350.000 Pfund horausgoben, wodurch dio planmilßigo Aktiou der Bank zur V e r b i 11 i g u n g des Kredits und Herabsetzung de« jetzt relativ hohen Zinßfußes einon etarken Antrieb gend das Krankenhaus benötige, das unter » finden wird.